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Samstag, 7. Februar 2015

Glückliche Familie Nr. 267: Die Kakao-mit-Sahne-Strategie


Ich bin jemand, der gerne betüdelt, halte seit Jahren mühsam mein Helfersyndrom unter Kontrolle und stehe ständig in der Gefahr, meine Mitmenschen einem Zwangs-Beglückungs-Programm zu unterziehen.

Bei der Kälte vielleicht eine Wärmflasche?

So ein langer Schultag! Wer will alles einen heißen Kakao mit Schlagsahne und Schoko-Streuseln?

Eine Dose Studentenfutter für die Klassenarbeit?

Ein Apfel, blank poliert, für den schwer arbeitenden Soßenkönig?

Zink-Tabletten für das Immun-System der Nachbarin?

Marmeladen-Brote für den Elektriker?

Neulich beim Einkauf betrat eine alte Dame die Holzterrasse eines Restaurants, rutschte aus und landete direkt in meinen Armen. Wir hielten uns noch einen Moment an den Unterarmen umfasst und strahlten uns an. So ein glücklicher Moment. Aber dann sah ich im Augenwinkel, wie mein Mann und die Prinzessin die Augen verdrehten und Angst hatten, ich wollte unserer neuen Oma die Einkäufe bis Poppenbüttel tragen.

Bei den Müttern in meinem Umfeld ist Doro für mich das größte Muttertier. Man kann aus anderer Quelle wissen, dass einer von ihren zwei Jungs wieder was angestellt hat, trotzdem spricht sie mit einer Zärtlichkeit von ihnen, dass man sofort auf ihren Schoß möchte. Außerdem rettet sie kleine Katzen und füttert mit Pinzette und Pipette alles, was aus dem Nest gefallen ist.

Wenn man so gerne bemuttert, besteht die Gefahr, dass die Kinder dem Leben später nicht gewachsen sind, weil man ihnen immer alles abgenommen hat. Habe ich nicht neulich selbst geschrieben: Helfen kann hilfsbedürftig machen?

Diese Zweifel nährte ein Kapitel, das ich in dem Buch "4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen" von Jesper Juul las. Eine Mutter schildert darin, wie ihr erwachsener Sohn noch zu Hause wohnt, eine Ausbildung nach der anderen abbricht und computerspielsüchtig wurde. Dabei hätten sie und ihr Mann ihm so viel geholfen, ihm einen Platz auf der Unteroffiziersschule besorgt, für ihn Arzttermine vereinbart ...
"Einfach und brutal ausgedrückt", so Juul, "wurde er von der ewigen Liebe, Fürsorge, Unterstützung und Hilfsbereitschaft seiner Eltern erstickt."

Für uns Eltern ist das doch wirklich die Pest. Kümmert man sich zu wenig, ist es schlecht, kümmert man sich zu viel, ist es auch verkehrt. Da ist es am besten, man wendet sich der Fauna zu. Kleine Katzen werden nicht computersüchtig.

Das Kapitel aus dem Werte-Buch löste bei mir eine härtere Gangart aus. Nach dem Essen am Sonntagabend sagte ich den Kindern, dass sie jetzt den Abwasch machen müssten.
Sonst sind gelegentliches Ausräumen der Spülmaschine, Socken-Sortieren, Zimmer-Aufräumen, Katzenklo-Reinigen und Dusche-Putzen die einzigen Hilfen, die wir im Haushalt einfordern. Abwaschen gehört also nicht dazu. Wegen der härteren Gangart aber hielt ich das für angebracht. Kronprinz (17) und Prinzessin (14) meckerten und fingen an aufzuzählen, was sie alles arbeiten würden in ihrem Leben.
"Ihr wollt nicht, dass Papa und ich mal aufzählen, was wir alles machen." Ich schnaubte über die abgegessenen Teller. "Nein, das wollt ihr nicht."

Missmutig machten sie sich ans Werk. An dem Abend spielten wir noch Doppelkopf, aber die gegenseitigen Vorwürfe hatten die Stimmung getrübt.

Welche Schlüsse ziehe ich daraus?

  • So ein Strohfeuer "härtere Gangart" ist nicht das Wahre. Wenn ich eine Kursänderung möchte, müssen wir uns richtig zusammen setzen und das aushandeln. In etwa so: "Mir wird das gerade zuviel mit dem ganzen Haushalt. Wer kann welche Aufgabe noch übernehmen?"
  • Wenn ich meine Mütterlichkeit ausleben möchte, kann ich etwas machen, was ich die "Kakao-mit-Sahne"-Strategie nennen möchte. Man setzt punktuelle Highlihts und genießt sie zusammen.
  • Ich merke, dass es ein riesiger Unterschied ist, ob ich eine Arbeit übernehme, weil ich dem anderen nicht zutraue, dass er sie schafft (ganz schlecht), oder weil ich gerade so schön in Schwung bin und jemanden verwöhnen möchte ("Kakao-mit-Sahne"-Strategie). Manchmal muss man doch irgendwo hin mit seiner Lebensfreude und der Kinder-Verliebtheit. 

Am liebsten serviere ich Kakao auf dem oberen weißen Tablett, wenn es nicht gerade belegt ist :-)

  • Als Eltern sollte man sich bremsen bei den ureigenen Belangen der Kinder. Dazu zähle ich bei Jugendlichen die Hausaufgaben, Bewerbung um Praktikums- oder Studienplätze oder das Konfliktelösen im Freundeskreis. Bei diesen ureigenen Belangen kann ich beratend zur Seite stehen, wenn das gefragt ist, aber ich darf nicht das Ruder übernehmen. So nach dem Motto: "Sonst wird das sowieso nichts." 
  • Dieses Vertrauen lerne ich gerade beim Autofahren. Der Kronprinz hat seit 10 Tagen den Führerschein (!!!) und der Soßenkönig oder ich müssen im Auto sein (Kofferraum reicht auch), bis er im Herbst 18 wird. Wenn ich daneben sitze und die Fingernägel ins Polster grabe, denke ich immer an eine Szene aus dem "Pferdeflüsterer": Robert Redford alias Tom Booker lässt die halbwüchsige Grace an das Steuer seines Pick-ups. Und als das Auto kaum rollt, lehnt er sich in die Sitzecke und zieht sich den Cowboy-Hut für ein ungestörtes Nickerchen ins Gesicht. Das ist die Art Vertrauen, die Jugendliche brauchen. Nun haben wir hier nicht die Weiten Montanas, aber die Vorstellung von dem Vertrauens-Nickerchen hilft mir sehr.*
  • Mütterlichkeit hat ja nicht so den Coolness-Faktor. In der Ausprägung "Überbesorgtheit" kann es schnell spießig werden, aber die Kakao-mit-Sahne-und-bunten-Streuseln-Variante werde ich mir vom Zeitgeist nicht austreiben lassen. 
  • Ich darf als Mutter oder Vater der Mensch sein, der ich bin. Wenn ich sehr mütterlich bin, wunderbar, wenn meine Leidenschaften woanders liegen und ich viel an die Kinder deligiere, auch prima.

Immer fröhlich die Mütterlichkeit genießen.

Eure Uta


* Abgesehen davon, kann man sich mit dem Kronprinzen am Steuer wirklich sicher fühlen.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Glückliche Familie Nr. 256: Und - plob - ist alles anders


Ich bin ja wieder zu spät mit allem. Wie eigentlich seit 30 Jahren.

Gut, ich hatte drei Löcher kurz vor dem Weisheitszahn und habe Stunden beim Zahnarzt zugebracht, mit dem Ergebnis, dass sich die Reihe oben rechts mit der Zunge anfühlt wie die Torbögen vom Prinzipalmarkt, nur rauer und ohne Beleuchtung.

Und unser Kater hat eine entzündete Pfote, weshalb ich sehen konnte, dass bei der Tierärztin an ihrem Privateingang auch noch ein Bund Tannengrün liegt, an das sie eines Tages Ostereier hängen kann, wenn immer diese ganzen Notfälle kommen in großen und kleinen Boxen und humpelnd an der Leine.

Aber die Tierärztin ist sowieso ein Engel, die braucht gar keine hinzustellen.

Es gibt also noch mehr Leute, die auf ihrem Weihnachtserledigungszettel im ersten Fünftel feststecken.

Dabei wollte ich doch dieses Mal so früh ...

Als Kind habe ich am Heiligen Abend Gebasteltes verschenkt, bei dem der Kleber noch nicht trocken war.

Egal, ob ich gerade in einer stressigen Phase steckte oder nicht - ich kann mich an keine wirklich entspannte Vorweihnachtszeit in meinem Leben erinnern.

Vielleicht sollte ich wie Pettersson aus dem Bilderbuch einen Baum schlagen gehen, hier in unserem Vorortwäldchen. Ich könnte im nassen Laub ausrutschen, mich im Schlittenseil verfangen (an den Schlitten denken!) und mir das Bein verstauchen. Dann lege ich mich bis Weihnachten auf die Couch und alle Nachbarn und Verwandten kommen und bringen Schnitzbrot und feine Pasteten. Und der Kater schmückt den Baum mit Korkenziehern, Löffeln, Kugelschreibern.

Aber nun ist mir der zuvorgekommen und hat eine schlimme Pfote.

Der Advent verträgt sich nicht mit meiner Lebensphilosophie. Leben im Hier und Jetzt, jeden Tag so gestalten, als wäre es der Letzte, nicht auf ferne Ziele hinleben, sondern den Augenblick genießen.

Advent ist der Gegenentwurf: Zeit der Erwartungen, hinarbeiten auf die ferne Erlösung, permanente Hektik gesteigert durch eingeschobene Besinnlichkeit.

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Bis hier hin war ich gestern gekommen und habe gemerkt, dass mein Advent so ist, weil ich ihn genau so haben will.

Ich könnte es ja ändern, mache ich aber nicht.

Das einzige, was ich ändere, ist, mich nicht mehr dafür runter zu ziehen. Und - plob - ist alles anders:

  • Ich genieße es, diesmal nur einen Teil der Deko aus dem Keller zu holen.
  • Wir freuen uns, dass der Kater wieder zaghaft die Pfote auf den Boden setzen kann und sich dankbar an uns schmiegt.
  • Ich weiß, dass - wenn ich den Fotokalender nicht mehr schaffe sollte - ich eine bessere Idee haben werde. 
  • Ich setze mich im Einkaufszentrum auf die Bank und beobachte die Leute. Ich sehe plötzlich keine grauen Gesichter mehr, sondern Menschen, die sich beeilen, weil sie anderen eine Freude machen möchten.
  • In den Supermärkten in meinem Umkreis sind die Domino-Steine ausverkauft. Ich liebe Domino-Steine, aber ich bin froh, dass ich mal einen klitzekleinen Mangel erleben kann, wo wir doch sonst immer alles im Überfluss haben.
  • Ich bin dankbar, dass das Kissen platzte, das ich Prinzessin (13) für die Schulski-Reise nähen wollte. Das Wohnzimmer sah aus, als hätte ich ein Huhn gerupft. Prinzessin kam und sagte: "Komm, wir packen uns vor den Fernseher." Später hatte ich wieder Energie, saugte alles auf und nähte das schönste Kissen, das mir je gelungen ist.
  • Ich bin dankbar, dass der Kronprinz (17) kurz Bauchschmerzen hatte. Denn deshalb konnte er nicht zum Karate, dafür aber ein wenig später mit zum Reisebus, um Prinzessin (13) zu drücken, bevor sie nach Österreich aufbrach. 
  • Ich habe ein Stück Marzipan-Stollen genossen, Krümel für Krümel. Denn er kam per Post von meinen Eltern. Sie sind beide über 80. Meine Mutter hat ihn gebacken mit Frischhefe und ohne Zitronat, mein Vater hat ihn sorgfältig in eine große Schachtel gebettet, das Paket beschriftet und zur Post gebracht. Besser kann Leben Stollen nicht schmecken. 

Wenn es "plob" macht und ich wieder das Vertrauen spüre, dass das Universum für mich ist, dann schaffe ich genau das, was zu schaffen ist. Dann genieße ich das Kerze-Gucken genauso wie die Anstrengung, die Hektik und alles, was nicht funktioniert. 

Advent ist toll. Mit all den Erwartungen, Enttäuschungen und plötzlichen Freuden ist er so eine Art verdichtetes Leben.

Immer fröhlich auf das "plob" achten.

Eure Uta 


PS: In der Bank bekam ich ein Werbegeschenk, eine kleine Schachtel mit zwei ... ja was? ... Domino-Steinen.




Montag, 10. November 2014

Glückliche Familie Nr. 251: Spielzeug nur aus Holz?


Seit längerem folge ich begeistert Caros Naturkinder-Blog. Deshalb hat es mich sehr gefreut, als ich vergangene Woche eine Mail von ihr bekam. Sie setzt sich seit einiger Zeit mit dem Thema "Plastik vermeiden" auseinander und hat gerade die Spielecke ihrer Kinder von Kunststoffen befreit. Nun fragte sie mich, ob ich aus pädagogischer Sicht etwas über Spielzeug schreiben könnte. 

Erst war bei mir Funkstille, weil ich zwar Holzspielzeug sehr schön finde, aber nicht so kategorisch wäre, alles andere zu verbannen. Ich dachte eine Weile nach und merkte, dass sich aus meiner Einstellung zu Spielzeug ein paar Grundsätze formulieren lassen. Hier sind sie:


Spielkameraden sind wichtiger als Spielzeug.

Von Astrid Lindgren gibt es eine Geschichte*, die heißt "Die Prinzessin, die nicht spielen wollte". Prinzessin Lise-Lotta hatte ein Spielzimmer, das überladen war mit den kostbarsten Sachen: Puppen, Kaufmannsladen, Stofftiere, kleine Puppenmöbel, Baukästen, Malbücher und Tuschfarben. Trotzdem wollte die Prinzessin nicht spielen und saß mit hängenden Mundwinkeln inmitten dieser Pracht. Denn im Schloss gab es keine Kinder, mit denen sie hätte spielen können. Ja, sie war so abgeschnitten von der Welt, dass sie nicht einmal wusste, dass es Menschen gab, die genauso klein waren wie sie selbst. Bis sie eines Tages an einer Gittertür im hintersten Winkel des Schlossparks ein Mädchen traf.

Maja war so arm wie die Prinzessin reich war. Aber sie hatte ein Stück Holz, dem sie eine hingebungsvolle Mutter war.

Einem Stück Holz? Ja.

"Sie hielt etwas hoch, was eher aussah wie ein Stück Holz mit einigen Flicken darum. Es war eine gedrechselte Holzpuppe. Vor langer Zeit hatte sie einmal ein Gesicht gehabt, aber jetzt war die Nase ab, und die Augen hatte Maja selbst wieder mit Buntstift angemalt. ... "Sie heißt Puttchen", erklärte Maja. "Und sie ist so lieb und artig!"

Bald waren die beiden Mädchen in das schönste Spiel vertieft. Und auch die Königin, die nach langem Suchen die Prinzessin endlich hinter den Fliederbüschen entdeckte, verstand, dass Freundschaft wichtiger ist als Spielzeug.

"Nun musst du zu Bett gehen", sagte die Prinzessin am Ende der Geschichte und beugte sich über das schmutzige Holzstück, "mein süßes, goldiges Kleines."

Kinder brauchen Spielkameraden. Das will uns die Geschichte sagen. Aber sie enthält eine weitere Botschaft, die mich zum nächsten Grundsatz führt:


Spielzeug muss Raum lassen für die eigene Phantasie

Kinder brauchen Material, das sie für ihr Spiel mit Bedeutung aufladen können, das nicht fertig und perfekt ist, sondern Raum lässt für eigene Schöpfungen. Kindern zum Beispiel von Lego ein "Arktis-Zubehör-Set" mit Eispickel, Axt, Kocher mit Pfanne und einem Eisblock aus Plastik zu schenken, wie ich es jetzt im Lego-Programm gesehen habe, beleidigt ihre Phantasie. Da haben sich Erwachsene ausgetobt, alles bis ins letzte Detail ausgestaltet und hatten ihren Spaß. Für Kinder bleibt keinerlei schöpferische Lücke. So etwas wird mit Papa nach Anleitung zusammengesteckt und verstaubt dann im Regal.

Deshalb würde ich bei Lego keine Themen-Sets wie "Müllabfuhr" oder "Peter Pans Besuch" kaufen, sondern eine große Platte und einen Kasten Grundbausteine. Dann hat das Kind alle Möglichkeiten der Welt.

Und Bausteine aus Holz natürlich. Die braucht man in allen Größen und Formen. Während Lego feinmotorisch eine neue Welt erschließt und Bauwerke ermöglicht, die mit glatten Steinen nicht halten, fordern Bauklötze das Austarieren, das Gleichgewicht-Finden von Objekten und den Spaß beim Einstürzenlassen. Mit Bauklötzen erleben Kinder die Gesetze der Statik.

Und die Höhle, die aus dem Spiel heraus aus Decken und Matratzen entsteht, macht mehr Spaß als das fertig gekaufte Indianerzelt.

Das Vergnügen entsteht aus dem, was Pädagogen "Selbstwirksamkeit" nennen. Zu erleben, dass eine Idee die andere jagt, und zu erfahren, dass ich alleine oder mit anderen etwas ganz Neues erschaffen kann, ist die größte Freude überhaupt.

Deshalb brauchen Kinder "Rohmaterial": Eine große Kiste voller Bauklötze,  Zugang zu Dingen des Haushalts (Schneebesen, Nudelholz, Löffel, Plastikbecher, Töpfe ...), Decken, Kissen, kleine Matratzen, Seile, Gummi-Twist, Kugeln, Bälle, Schienen, Fahrzeuge, etwas auf Rädern, das man durch die Gegend schieben kann (Puppenwagen, Rollbrett, Seifenkiste), weißes Papier, Farben, Stifte .... draußen: Sand, Wasser, Stöcke, Steine, Blätter ...


Jedes Kind sucht sich die Objekte, die es braucht.

Als ich Kind war, wohnte neben uns ein kinderloses Ehepaar, das mehrere Vorzüge besaß: Es war nett, hatte einen Airedale-Terrier namens Adda und schenkte uns ein kleines, weißes Porzellan-Pferd. Es hatte eine Schulterhöhe von vielleicht vier Zentimetern und streckte den Hals, als witterte es Fluchtmöglichkeiten aus dem Wohnzimmerschrank. Das kleine Pferd übte auf mich eine magische Anziehungskraft aus. Ich baute ihm eine Hochebene aus Lexikon-Bänden, errichtete Zäune und Hindernisse aus Buntstiften, ließ es über die Teppich-Pampa galoppieren und lobte es, indem ich ihm mit dem Zeigefinger den sehnigen Hals klopfte.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es Ärger gab, als das erste Bein brach. Bald hatten alle vier Beine des Pferdes feine Ringe, wo sie an den Bruchstellen mit Sekundenkleber wieder angeklebt wurden.

Das kleine Pferd stammte aus einem feinen Laden und war bestimmt nicht zum Spielen gedacht. Aber in einer Phase meiner Kindheit brauchte ich dieses Pferd und kein anderes.

In der ganz frühen Kindheit von Prinzessin (heute 13) brauchte sie das dicke Hamburger Telefonbuch. Sie war ungefähr einhalb Jahre alt, als sie eine kurze Phase durchlebte, in der sie stundenlang in den dünnen Seiten blätterte. War es das Knistern? Die Glätte des Papiers? Das Gewimmel tausender kleiner Zeichen?

Der fünfjährige Sohn einer meiner Leserinnen liebt Elektrogeräte: Alte Radios, Schallplattenspieler, Tischstaubsauger, ausrangierte Computer ... Mit Kabeln und verbogenen Antennen baut er sie zu neuen Objekten zusammen. Wenn ihm jemand ein Spielzeug-Radio aus Holz mit aufgemalten Tasten und einer Jute-Kordel als Kabel schenken würde, wäre er in seiner Ehre tief gekränkt. Wenn man diesem Kind nur Holzspielzeug geben würde, würde man ihm nicht gerecht.

Damit wären wir beim nächsten Punkt:


Nicht jedes Holzspielzeug ist wertvoll, nur weil es aus Holz ist.

Ja, auch ich liebe Holz. Es fängt schon damit an, dass ich beim Essen keine Plastik-Flaschen auf dem Tisch ertrage und auch in der Küche darauf achte, dass möglichst viel aus Holz, Porzellan, Kork oder Metall ist.

Spielen aber ist ein "Sich-zu-eigen-Machen" unserer Welt. Und aus unserer Welt sind Kunststoffe schwer wegzudenken. Die, die spielen (die Kinder) sollten (in gewissem Rahmen) selbst bestimmen dürfen, womit sie spielen. Deshalb würde ich persönlich meinen Kindern nicht Sachen wegnehmen, nur weil sie aus Plastik sind.

Warum sie der Erfahrung berauben, dass Plastik schmilzt, wenn man es bügelt (Bügelperlen), dass Dosen herrlich scheppern, wenn man sie abwirft, dass es einen berauschen kann, wenn Matchbox-Autos über das glatte Parkett schießen? (Bei Holzautos hat man doch eher das Fahrgefühl mittelalterlicher Karren.)

Klar, als Erwachsene vermitteln wir Werte. Und auch ich finde es furchtbar, wenn Wale sterben, weil sie unseren Müll schlucken.

Aber ich mag es lieber, wenn wir Kinder durch unsere Begeisterung und Leidenschaften anstecken, als sie mit Restriktionen und Belehrungen zu gängeln. Bitte keine Kindheit unter erhobenem Zeigefinger.

Ein Kind, das erlebt, wie Mama sich freut, einen Bilderrahmen abzuschleifen, oder wie Opa mit Hingabe einen Kaninchenstall baut, wird nachhaltig beeindruckt sein. Der Duft von Holz, das Kringeln der Späne, das Malen im Holzstaub. Das wird viel wirksamer sein, als wenn die Eltern mit inquisitorischem Eifer den Plastik-Kram aus dem Kinderzimmer verbannen.


Freude ist wichtiger als Prinzipien-Reiterei.

Der Sohn unserer Nachbarn bekam einst von seiner Oma ein Auto geschenkt, das sie auf einem Jahrmarkt gekauft hatte. Der Rennwagen war ferngesteuert, bezog die Kraft für seine unbändige Raserei aus einer fetten Blockbatterie und hatte ein Tuning, das die Testosterone in Wallung brachte. Das Schlimmste aber war der Lärm. Nur wenn sich das Geschoss hoffnungslos im Sofa verkeilt hatte, konnten die Erwachsenen an der Kaffee-Tafel einen Moment aufatmen und sich wieder ohne Lippenlesen verständigen.
Für den Jungen und die Oma war das ein unvergesslicher Tag, so ein Tag mit "Aber-bitte-mit-Sahne"-Freude, ausgelassen und unvernünftig.

Eine ähnliche Freude habe ich mit meiner Oma erlebt.
Ich bin nicht plastikfrei aufgewachsen, aber meine Mutter legte Wert auf sinnvolles Spielzeug: keine Barbie-Tussies, dafür Käthe-Kruse-Puppe, Holzbaukasten, Nähmaschine zu Weihnachten, Schulwebrahmen, Jugend-Literatur-Preis-Bücher ... Zudem wurde bei mir zu Hause getöpfert, gestrickt, emailliert, gelötet, bleiverglast und aus Jutegarn Wandbehänge geknüpft.

Franziska, meine Käthe-Kruse-Puppe, mit einem Plastik-Freund vom kleinen Kronprinzen. 

Eines Tages aber (war es mein Geburtstag?) stand meine Oma vor der Tür mit einem großem Paket vom Discounter, darin eine lebensgroße E-Gitarre aus Plastik.
Dass ich etwas geschenkt bekam, dass nicht durchdacht und mit allen Erziehungsberechtigten abgesprochen war, sondern schrill, scheppernd und unnötig, war ein großer Spaß für mich. Es war - ehrlich gesagt - auch das einzige Geschenk von ihr, das mir in Erinnerung blieb.

Deshalb finde ich, sollte man dringend auch mal seine Grundsätze durchbrechen ... auch die, die ich hier genannt habe.
  • Auch wenn ich die Grundbaukästen von Lego besser finde: Nicht die Patentante mit einem Fluch belegen, nur weil sie das Arktis-Zubehör-Set mit dem aufklappbaren Plastik-Eisblock geschenkt hat. 
  • Auch mal einen Herzenswunsch des Kindes erfüllen, selbst wenn das Objekt der Begierde an Scheußlichkeit nicht zu übertreffen ist. 
  • Nicht Rumzicken, wenn der Partner nach der Dienstreise den Sohn mit einem Voll-Plastik-Parkhaus überrascht. (Der Streit schadet dem Kind mehr, als dass die Schelte dem Globus nützt.)  

Immer fröhlich die Kinder spielen und die Omas schenken lassen und nicht immer alles lenken wollen.

Eure Uta


PS: Die Geschichte "Die Prinzessin, die nicht spielen wollte", ist aus dem Buch "Astrid Lindgren erzählt", Hamburg 1971, Seite 227.

Zum Thema passt auch das wunderschöne Bilderbuch "Sturm-Stina" von Lena Anderson. Stina verbringt den Sommer immer bei ihrem Opa auf einer Insel. Das Mädchen sammelt alles, was das Meer anspült: Federn, Stöcke, alte Flaschen, bestimmt auch Plastik :-), bis es eines Nachts von einem Sturm überrascht wird ...

Dienstag, 16. September 2014

Glückliche Familie Nr. 241: Nicht mehr bei der Eltern-Polizei


Vor mehr als einem Jahr habe ich darüber berichtet, dass wir Prinzessin (jetzt 13) nicht mehr kontrollieren bei den Hausaufgaben und beim Medienkonsum (hier und hier).

Die neue Freiheit ist Gewohnheit geworden, schöne Gewohnheit. Wenn Prinzessin Hilfe braucht, fragt sie uns gelegentlich. Und weil sie es dann ist, die die Initiative ergriffen hat, ist die Stimmung gleich ganz anders.

Schulisch hat sich kaum etwas verändert. Ohne unsere Kontrolle läuft es genauso wie vorher mit Kontrolle. Nur dass wir es zu Hause viel schöner haben.

Ich finde es wunderbar, nicht mehr bei der Eltern-Polizei zu sein. Ich kenne so viele Mütter und Väter, deren Verhalten gegenüber ihren Schulkindern durchtränkt ist von der Haltung: "Ohne mich läuft das nicht für Marie/Lukas/Carl/Leopold ... in der Schule." - "Wenn ich nicht den Turnbeutel packe, fehlt wieder die Hälfte." - "Wenn ich nicht ans Vokabel-Lernen erinnern würde, würde mein Kind in Englisch völlig absacken." "Wenn ich nicht ..." Um wen geht es hier eigentlich?

Auf Elternabenden selbst von Teenagern erlebt man Eltern, deren Wortbeiträge verraten, dass sie genau im Bilde sind, welches Buch in Englisch oder Geschichte gerade verwendet wird.
Je gebildeter die Eltern sind, desto schlimmer, weil sie fachlich dann erst abgehängt werden, wenn wir uns dem Abitur nähern.

Oder es endet früher, wenn man gesunde Kinder hat, die irgendwann bockig werden wegen ihrer  übergriffigen Eltern. "Da habe ich für Tim alles herausgesucht über die Pharaonen und die Grabbeilagen und was ist der Dank dafür? Pampig wurde er, weil er meine Schrift nicht lesen konnte."

Das mit dem Helfen ist ja verständlich. Laut einer Bertelsmann-Umfrage helfen 80 Prozent der Eltern in Deutschland ihren Kindern beim Lernen für die Schule. Jeder hat Angst, dass das eigene Kind abhängt würde, wenn man nicht hilft. Weil ja alle helfen ...

Gegen helfen spricht ja auch nichts. Wenn man sein Kind irgendwie unterstützen kann, ist das doch schön. Das machen wir - auf Anfrage - auch. Ich möchte aber nicht wissen, wie viel Stress und Streit es in Millionen Familien wegen der Schule gibt.

Jemand Kluges hat mal gesagt, es gibt nur zwei Gefühle: Liebe und Angst.


Pastorales Schmuckbild. 


Wenn also die Angst (vor der nächsten Prüfung, vor schlechten Noten ...) alles bestimmt, kann es gleichzeitig keine Liebe geben.

Amen.

Ehe das Pastorale mit mir durchgeht, schreibe ich mal auf, was mir geholfen hat, bei Schulsachen loszulassen:

  • Bei Kindern über 12 Jahren nur helfen, wenn sie darum bitten.
  • Fragen, welche Form von Unterstützung sie möchten.
  • Jüngeren Schulkindern helfen, den richtigen Ort, die richtige Zeit und Dauer für Hausaufgaben zu finden.
  • Wenn man hilft, dann den Humor dabei nicht verlieren. Wenn es zu verbissen wird, unbedingt Quatsch machen zwischendurch (Stift quer im Mund und singen, ablästern über die Leute auf den Schulbuchfotos, englische Texte in katastrophaler Ausprache lesen, philosophieren über den tieferen Unsinn mathematischer Textaufgaben ... )  
  • Lern-Ende und Belohnung vereinbaren (ich meine jetzt keine Rolex und keinen Zirkusbesuch, sondern einen Keks, eine Runde tanzen, eine Massage, eine halbe Stunde Chatten)
  • Wenn mehrere Klassenarbeiten bevorstehen, macht Prinzessin einen Wochenplan, in dem sie sich einträgt, an welchem Tag sie für welches Fach lernen will. Oft besteht die einzige Unterstützung, nach der sie fragt, darin: "Machst du mit mir einen Wochenplan?" Ich bin nämlich bekannt dafür, dass ich freie Zeit, Erholung und Spaß großzügig schraffiere. 
  • In der Grundschulzeit vom Kronprinzen (heute 16) habe ich mir großen Stress gemacht, weil er kaum stillsitzen konnte und sich das Rechnen von zwei Mathepäckchen über Stunden hinziehen konnte. Im Rückblick würde ich sagen, dass ich das viel zu wichtig genommen habe und der Bursche genau wusste, dass er mit diesem Thema meine Aufmerksamkeit bekommt, leider negative Aufmerksamkeit. 
  • Daraus habe ich gelernt: Wenn ein Grundschulkind seine Hausaufgaben nachmittags zu Hause macht und es läuft nicht, muss ich als Eltern eine Zeit dafür festlegen und ein klares Ende setzen. 
  • Der Lerneffekt von Hausaufgaben in der Grundschule ist höchst umstritten. Die große Studie über Unterrichtsqualität des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie hat gezeigt, dass Hausaufgaben in der Grundschule wenig bringen und erst in höheren Klassen den Lernerfolg fördern. (Martin Spiewak: "Hettie-Studie: Ich bin superwichtig!",  ZEIT-online, 14.1.2013). Also ruhig Blut in der Grundschul-Zeit. 
  • Mir hat geholfen, mit der Lehrerin von Kronprinz zu sprechen und ihr unseren Stress zu schildern. Sie war eine sehr erfahrene und mütterliche Lehrerin, die ihre letzte Klasse vor der Pensionierung hatte, und sie meinte: "Sie sorgen dafür, dass er sich eine halbe Stunde hinsetzt und seine Aufgaben macht. Und was er nicht schafft, schafft er nicht. Dann schreiben sie einfach eine Notiz ins Heft: 'heute ging einfach nicht mehr, das Wetter war zu schön, die Freunde klingelten, es hatte plötzlich geschneit, was auch immer." Das hat uns total entlastet. Danach ging es besser. 

Immer fröhlich darauf achten, dass man als Mama oder Papa kein ängstlicher Lern-Polizist wird.

Eure Uta

PS: Ich möchte euch dringend in der aktuellen ZEIT den Artikel "Wir sind keine Sorgenkinder! Schulstress, Bewegungsmangel, Computersucht - und dann noch überforderte Eltern: Ist es wirklich so furchtbar in Deutschland aufzuwachsen? Keineswegs. Den Kindern geht es so gut wie nie zuvor" von Martin Spiewak ans Herz legen. Ganz, ganz spannend, wie wir Deutschen die Kinder und die Eltern schlecht reden.

Meine Lieblingsstelle: "Die Flut der Erziehungsratgeber wird stets als Ausdruck einer Verunsicherung der Eltern interpretiert. Man kann aber auch sagen: Eltern halten Erziehung für wichtig. Sie sind lernbereit. Es gibt seit Jahren eine Flut von Kochbüchern. Niemand würde sie als Zeichen für den Verfall der Kochkünste anführen. "

Dienstag, 2. September 2014

Glückliche Familie Nr. 239: Der kleine Neophobiker


Es ist passiert. Nach Jahren. Ganz unverhofft. Prinzessin (13) hat eine Scheibe Vollkornbrot gegessen. Einfach so. Ohne Druck, ohne Vortrag über Ballaststoffe. Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Toast und knautschigem Kartoffelbrot. Wurden sonst aus Weißbrot noch die Sesamkörner heraus gepult, schluckte sie diesmal ganze Sonnenblumenkerne. Sie sagte nichts. Ich sagte nichts, konzentrierte mich nur darauf, dass mir die Augen nicht aus dem Gesicht fielen.




In solchen Momenten bin ich sehr froh. Froh, dass es geklappt hat mit dem Locker-Bleiben, froh, dass nicht Tod und Verderben eingetreten sind, weil ich die meiste Zeit keinen Druck beim Essen aufgebaut habe.

Mir sind das ja die allerliebsten Erziehungsmethoden, die sich zusammensetzen aus Gelassenheit und Respekt gepaart mit liebevoller Nähe und Interesse.

Die Sache mit dem Vollkornbrot ist deshalb so spektakulär, weil diese vor Körnern strotzende Scheibe das Ende von Prinzessins Neophobie markiert.

Neophobie ist die Angst vor etwas Neuem.

Ich gebe zu, dass wir damit spät dran sind. Mit dem Neophobie-Ende. Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster erklärt, dass bei allen Kindern rund um den Globus die Angst vor unbekannten Nahrungsmitteln  etwa mit 18 Monaten einsetzt und zwischen acht und zwölf Jahren wieder nachlässt.

Lasst euch nicht aus dem Konzept bringen von der Mutter, die beim Latte erwähnt, dass ihre Tilda-Sophie schon Oliven lutscht. Kleine Babys schlucken fast alles, was ihnen die Mutter reicht, Brust, Flaschennahrung, was auch immer. Denn sie wissen evolutionsbedingt, dass sie als Nesthocker nur überleben, wenn sie verzehren, was die Eltern bringen.

Wenn Kleinkinder allerdings laufen lernen und immer selbständiger in Wald und Flur Küche und Kita herumrennen, schützt sie die angeborene Abneigung gegen Grünes, Bitteres und Saures davor, etwas zu essen, was ihnen nicht bekommt.

"Ein vorbehaltlos von Gemüse, Früchten und Beeren begeistertes Kleinkind wäre zu 99 Prozent unserer Geschichte bald ein totes Kind gewesen!", schreibt Renz-Polster. 

Es kann sein, dass eure Kinder beim Essen überhaupt keine Probleme machen. Dann könnt ihr euch zurücklehnen und auf den nächsten Post warten. Aber die, die sich damit herumschlagen, dass ihr Kind Brokkoli, Rosenkohl und Erbsen für Teufelszeug halten, denen sei gesagt, dass ihr Kind völlig gesund und sehr evolutionsbewusst ist. Im späten Kleinkind- und Kindergartenalter erreicht die Neophobie gerne ihren Höhepunkt. Besonders bei ängstlichen und schüchternen Kindern.

Was ich damit sagen will: entspannt euch, es geht vorbei.

Trotz Neophobie gibt es Möglichkeiten, Kinder an gesundes Essen heranzuführen. Diese habe ich aus dem Buch "Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt" von Herbert Renz-Polster. Dieser ist nicht nur Kinderarzt, sondern auch Dozent am Mannheimer Institut für Public Health, wo er seit Jahren forscht, wie die Entwicklung von Kindern mit Hilfe der Evolutionstheorie besser verstanden werden kann. Ich bin erst im ersten Kapitel über Ernährung, konnte es aber nicht abwarten, gleich davon zu schreiben.

Hier also, was ich an Tipps daraus mitnehme:

  • Wichtig sind Vorbilder und Gewöhnung. "Kinder essen ... bestimmte Nahrungsmittel nicht deshalb, weil sie ihnen schmecken, sondern sie schmecken ihnen, weil sie immer wieder davon essen." (a.a.O., Seite 23)
  • Experimente zeigen, dass Kleinkinder Nahrungsmittel schließlich annehmen, wenn sie ihnen an aufeinanderfolgenden Tagen noch etwa zehn weitere Male angeboten werden. (Also, wenn euch das sehr wichtig ist mit dem Spinat ...)
  • Nicht anfangen, für Tilda-Sophie ein Extra-Essen zu kochen. Mal eine Lieblingsspeise, klar, und bei uns gab es neben Vollkornbrot meistens auch eines ohne Körner. Aber gewöhnt euch nicht an, immer zusätzlich ein Spezial-Essen für den kleinen Neophobiker zu kochen. So zieht ihr euch  - und das sage ich jetzt - keine selbstbewussten Kinder, sondern Aufmerksamkeits-Junkies heran, die glauben, das Leben hinge für sie voller Extra-Würste. 
und jetzt kommen meine Lieblingspunkte
  • Kein Zwang, kein Druck, bleibt locker und vor allem freundlich. "Studien bestätigen das: Ein- bis Vierjährige probieren ein neues Nahrungsmittel doppelt so häufig, wenn ein freundlicher Erwachsener davon zuerst nimmt!" (a.a.O., Seite 23)
  • Sorgt für Geschwister, ladet die etwas älteren Cousins oder Cousinen eurer Kinder ein, verbringt Zeit mit anderen Familien, deren Kinder gute Esser sind. Denn - so unser Evolutionsforscher: "Jeder weiß, dass kleine Kinder den etwas älteren Kindern ins Meer folgen würden - sie werden auch das essen, was diese essen." (a.a.O., Seite 28) 

Hier habe ich schon mal über meine Anstrengungen geschrieben, meinen Kindern gesundes Essen nahe zu bringen.

Immer fröhlich ein freundlicher Erwachsener sein, der vor der Nase der Kinder ein gutes Essen genießt.

Eure Uta

Freitag, 1. August 2014

Glückliche Familie. Nr. 234: Schöner frühstücken


Als ich freie Journalistin war, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich eine Festanstellung hätte.

Als ich einen festen Job hatte, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich Kinder hätte.

Als ich Kinder hatte, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich mal wieder Zeit zum Schreiben hätte.

Als die Kinder größer waren und ich wieder Zeit zum Schreiben hatte, fiel mir auf, dass die Nummer "Ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ..." nicht funktioniert. Schlimmer noch, sie richtet handfesten Schaden an.
Man bildet sich ein, man müsse mit dem Jetzt nur richtig unzufrieden sein, damit man einen Antrieb hat, um die Zukunft zu verbessern.
"Wenn Sie das Leben verändern, um es besser werden zu lassen, wäre Ihr Ausgangspunkt Unzufriedenheit. "
Und weiter:
"Eine Menge Leute gehen genau so vor. Sie sind nicht besonders zufrieden, und ihre tatsächliche Wirkung auf die Welt ist noch geringer als es scheint." (Ron Smothermon: Drehbuch für Meisterschaft im Leben,  Bielefeld. 2007,  Seite 238) 
Diese Sätze haben mich heute morgen voll erwischt. Ich hatte etwas Unzufriedenheit entwickelt, weil ich im Urlaub gerne mehr vom Land erkunden würde als der Rest der Familie und ich viel Zeit hatte, über meine berufliche Situation zu grübeln.

"Veränderungen, ja", durchfuhr es mich, "aber den Ausgangspunkt Unzufriedenheit will ich nicht. Ich kann jetzt vollständig glücklich sein und etwas verändern."

Nachdem ich die ersten Tage des Urlaubs gegen eine kleine Niedergeschlagenheit angekämpft hatte (im Urlaub, wie bescheuert ist das denn!?), war ich plötzlich voller Energie. Die anderen schliefen noch und ich brachte Ordnung in die Ferienhausküche, erstellte mit italienischem Wörterbuch eine Einkaufsliste, lief durch die Morgensonne zum Supermarkt, stellte Blumen auf den Tisch und machte Frühstück.

Stachelig - wie Uta manchmal innerlich.

Und, was soll ich sagen. Wir hatten das bisher schönste Frühstück unseres Urlaubs mit guter Stimmung und langen, wunderbaren Gesprächen.

Was das doch ausmacht, welche Energie Muttern in die Familie einbringt! (Schon aufgefallen? Die Stimmung in einer Familie steuern maßgeblich die Mütter.)

Mein Fazit: Ich kann was ändern an einer Situation oder ich kann es lassen, auf jeden Fall brauche ich dazu keine Unzufriedenheit im Jetzt.

Immer schön fröhlich bleiben,

eure Uta

Ps.: Diesen Post konnte ich auf dem iPad vom Soßenkönig schreiben. Es bleibt aber natürlich dabei, dass die Verlosung erst nach meiner Rückkehr endet.

Samstag, 19. Juli 2014

Glückliche Familie Nr. 232: Sich nichts hinzufügen müssen


Ich habe ein Interview mit der englischen Bestseller-Autorin Jojo Moyes ("Ein ganzes halbes Jahr") gelesen. Ihre Eltern hätten ihr immer das Gefühl vermittelt, sagt sie in dem Interview, sie könne alles erreichen, was sie wirklich wolle.

"Wow", dachte ich, "das will ich auch sofort meinen Kindern vermitteln."

Als 14jährige hat Jojo Moyes drei Putzstellen angenommen (das wäre bei uns verboten in dem Alter, aber egal) und hat sich von dem Geld gegen den Willen der Eltern ein eigenes Pferd gekauft.

Als Erwachsene dann hat sie getan, was sie am liebsten mag: schreiben. Sie hat geschrieben und geschrieben. Jahrelang von den Lesern und der Welt unbeachtet. Als das Geld nicht reichte, hatten sie und ihr Mann sich schon darauf eingerichtet, ein Zimmer auf ihrer Farm unterzuvermieten.
Aber dann kam der Durchbruch zur Bestseller-Autorin.

Jojo Moyes macht heute immer noch, was sie am liebsten macht: schreiben. Aber sie muss keine Zimmer mehr untervermieten und hat sich von dem Geldregen das Luxusmodell eines Massage-Sessels in die Scheune gestellt. Dort lässt sie sich jetzt jeden Abend nach der Schreibtischarbeit durchmassieren.

"Du kannst alles erreichen, was du wirklich willst."

Ja, das will ich meinen Kindern auch vermitteln. Auch wenn ich ein bisschen bange bin, die Antwort könnte lauten: "Fünf Jahre ununterbrochen mit dem iPad im Bett sitzen."

Dann stellte ich mir beim dritten Abwasch des Tages die Frage: "Uta, lebst du denn diese Haltung? Hast du erreicht, was du wirklich wolltest?" -

"Ja, ich habe Familie. Das ist das, was ich wirklich wollte. Ich hätte Chefredakteurin und Herausgeberin des tollsten Magazins der Welt werden können, hätte meine drei dutzend Bücher signierend um die Welt reisen können ... aber ohne meinen Mann, unsere Kinder, Amy, Gulliver und die ganzen Krümel um das Katzenklo hätte ich nicht sein wollen."

"Ja, Familie hast du seit Jahren", das Interview mit mir selber ging unerbittlich weiter, "du könntest noch mehr schaffen. Du hast doch seit längerer Zeit ein paar Ziele beruflicher Art, die du beharrlich nicht erreichst."

Das innere Interview wurde langsam unangenehm. Ja, Ziele können Magneten sein, sie können einen Sog entwickeln und einen auf Spur bringen, aber bei beharrlichem Nichterreichen können sie quälende Mahnmale eigener Unzulänglichkeit werden.

Ich schlug mit der Spülbürste ins Wasser. "Schaumberge, alles bloß Schaumberge."

Vielleicht sollte ich meinen Kindern solchen Schaum nicht ins Hirn setzen, vielleicht sollten sie lieber kleiner denken von sich und der Welt. Immer schön realistisch bleiben, dann wird man auch nicht enttäuscht.

Wieder schlug ich in den Schaum. "Nein, das kann es auch nicht sein."

Und ich merkte, dass das mit den Zielen keine Rolle spielt. Man kann sich große Ziele setzen und Kleine, welche, die in der Welt große Anerkennung finden, oder welche, die gar nicht beachtet werden.  Wenn das Zielesetzen funktioniert und einen voranbringt, gut. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Denn wesentlich ist etwas anderes.

Und hier kommen meine beiden Lieblingszitate ins Spiel:

"Innerhalb der wahren Ordnung der Dinge tut man nichts, um glücklich zu sein - man ist glücklich und tut deshalb etwas. Man tut nicht etwas, um mitfühlend zu sein, man ist mitfühlend und handelt deshalb auf bestimmte Weise. Bei einer in hohem Maße bewussten Person geht die Entscheidung der Seele der Handlung des Körpers voraus." (Neale Donald Walsch: Gespräche mit Gott, München 1997, S. 279)

"Zu allen Zeiten fühlen Sie sich ganz und vollkommen. Alles, was im Leben passiert, bestätigt Ihre Ganzheit und Ihre Vollkommenheit." (Ron Smothermon: Drehbuch für Meisterschaft im Leben. Bielefeld 2007, S. 253)

Meinen Kindern kann ich sagen, dass sie dem, was sie sind, nichts hinzufügen müssen.

Kein Schwimmabzeichen, kein 1,0-Abitur, keinen Fußballpokal, keinen Beruf mit Renommee, keine noch so hochfliegenden Ziele.

Wenn sie mit der Gewissheit zu leben lernen, dass sie sich selbst nichts hinzufügen müssen, können sie erreichen, wonach ihnen der Sinn steht. Dann genießen sie Erfolge, verkraften Niederlagen, können das Leben als das betrachten, was es ist: ein großes Spiel.

Amy braucht Katzenminze nicht, um glücklich zu sein. Aber in Katzenminze zu liegen, ist Ausdruck ihres Glücks. 

Auf unserem Wochenmarkt gibt es einen Blumenstand. Er gehört einem Ehepaar und seinem Schwager, alle so Ende fünfzig. Diese Drei leben ihren Blumenstand. Egal, wie lang die Schlange ist, binden sie in aller Ruhe Rosen, Schleierkraut, Margeriten, alles, was ihre Felder und Gewächshäuser in Vierlanden gerade hergeben. Die Freude dieser drei Menschen an ihrer Arbeit sendet sich. Deshalb meckert auch niemand über das lange Warten. Es wird viel gelacht, philosophiert, Lecker verfüttert an Kunden-Hunde.
Als ich neulich zu Hause meine Blumen auswickelte, stellte ich fest, dass sie mir einfach einen Bund Rosen dazugelegt hatten. Ohne ein Wort, als Geschenk. Und ich musste denken, dass diese Drei vom Markt so Menschen sind, die das Glück, das sie mit sich selbst erleben, verströmen für andere. Und dann ist es auch völlig egal, welche Ziele man hat oder was man gerade macht.

Euch immer fröhlich sagen, dass ihr dem, was ihr seid, nichts hinzufügen müsst.

Eure Uta

Donnerstag, 3. Juli 2014

Glückliche Familie Nr. 229: Das lockere Lassen


Heute morgen wachte ich auf und merkte sofort, dass das mit dem Logische-Konsequenzen-Post in die falsche Richtung läuft.

Nicht, dass ihr da sitzt und grübelt: "Was ist jetzt die logische Folge von dieser Untat?" - "Ist es Folge oder vielleicht doch Strafe?" - "Gibt es einen Zusammenhang mit der Tat?" - "Könnte ich einen konstruieren?"

Schon beim Nachdenken kriege ich davon Knoten im Kopf.

Was ich will, ist:

  • dass unseren Kindern nicht reflexartig jedes Hindernis und jede Zumutung aus dem Weg geräumt wird
  • dass unsere Kinder nicht auf Schritt und Tritt kontrolliert und angetrieben werden
  • dass wir Eltern nicht wie der Gott Zeus der Pädagogik Konsequenzen in ihre Welt schicken, damit sie endlich einsehen, was sie alles falsch gemacht haben
  • dass wir ihnen genug Raum lassen für eigene Erfahrungen 

Es ist kein aktives Einsetzen von Konsequenz 3a aus dem Programm IV des Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Müller-Leonhard, sondern eher ein vertrauensvolles Lassen mit viel Liebe für sich selbst und für das Kind. 

Es ist der Weg für Eltern, die nicht alles im Griff haben müssen und viel Verständnis haben für eigene Fehler und die ihrer Kinder.

Beispiel:

Mittwochs hänge ich ein Schild an jede Kinderzimmer-Türklinke, das meine beiden Thronfolger daran erinnert, dass sie aufräumen müssen, wenn bei ihnen geputzt werden soll. 

Gestern habe ich es vergessen. Dann habe ich es Prinzessin (13) noch zugerufen. Sie hat es aber auch wieder vergessen. Also bleibt ihre Tür heute zu und der Staub liegen. 
Ich stehe dann nicht wie der Erzengel Gabriel mit Putzwedel vor der Tür und denke: "Ha, dann sieht es mal, was es davon hat, das ungezogene Ding." Aber ich fange auch nicht an, selber bei ihr aufzuräumen, voller Groll, "dass mal wieder alles an mir hängen bleibt."  

Es kann sein, dass es ihr in den nächsten Tagen selber zu viel wird mit dem Durcheinander (Jeder muss seine eigene Chaos-Grenze finden dürfen.) Oder es kann sein, dass ich es nicht mehr aushalte und sage: "Ich will, dass du aufräumst, bevor du zum Übernachten zu Lea gehst, weil ich so nicht einmal die neue Wäsche in den Schrank legen kann."


Logische Konsequenz? Blut läuft in den Kopf.
Kronprinz und Prinzessin im Tobe-Alter  


Versteht also die logische Konsequenz nicht als flammendes Schwert des Erzengels, sondern als entspanntes "dem Kind Raum geben für eigene Erfahrungen" und "sich davon entlasten, sich selbst immer für alles zuständig zu fühlen".

Immer fröhlich Geduld haben mit Uta und ihren manchmal kryptischen Ausführungen.

Eure Uta

Ps: Die Verlosung läuft noch bis Samstag, 5.7., bis Mitternacht.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Glückliche Familie Nr. 226: Leichtigkeit und Liebe nähren


Heute morgen 7:30 Uhr in Hamburg. Ich wecke Prinzessin (13) und sehe im Augenwinkel meine geliebten Ohrstecker, die ich ihr am Wochenende geliehen hatte, zwischen Nagellackfläschchen, "Best-friend-for-ever"-Briefchen und Kopfhörerkabeln auf der Fensterbank liegen.
Ich lege die Stecker zurück in ihr Kästchen und in meinem Kopf den Ärger-Schalter um.

Ich stürme mit einem Schlachtruf zurück in ihr Zimmer. "Wer hat meine Ohrstecker vergammelt? Wer gehört mal so richtig durchgekitzelt?"
Ich reiße die Bettdecke weg, rufe, dass meine Finger die Beine sind von riesigen, haarigen Spinnen und lasse sie überall hinkrabbeln: in den Nacken, unter die Arme, in die Kniekehlen ... Prinzessin quiekt, ich quieke. Wir haben Spaß.

Leben darf leicht sein.

Leben ist keine Pisa-Studie, kein Wettkampf, kein Gipfeltreffen für Moralapostel.

Leben ist ein Spiel.

"Das Spiel kann man nicht gewinnen, nur spielen." (aus dem Film "Die Legende von Bagger Vance") 



Kronprinz und Prinzessin auf dänischer Wanderdüne.

Ben, der Sohn einer Freundin, ist einer der Besten seiner Klasse in Englisch. Seine Mutter hat mir erzählt, woran das liegt.
Bens Oma hat viel im Bett gelegen, weil sie Multiple-Sklerose hatte. Ben durfte sich dazu kuscheln, und seine Oma hat ihm Reime und Lieder vorgetragen. Alles auf Englisch, weil sie in der Nähe von London geboren und aufgewachsen war.
Die Oma ist gestorben, als Ben noch klein war, aber ihre Reime und Lieder sind wie ein belebendes Erbe für sein Sprachzentrum.

Lernen geht fast nur in guter Beziehung und mit guten Gefühlen. Dann verbinden sich Gehirnzellen in Rekordtempo, Synapsen entwickeln sich vom Trampelpfad zur Autobahn, sechsspurig.

Ist das nicht genial von der Natur? Sie ist so angelegt, dass sie uns mit Erfolg belohnt, wenn wir gute Gefühle haben und in liebevoller Gemeinschaft leben.

Vergesst den Englisch-Kurs für Klein-Kinder, pfeift auf jedes sogenannte "Bildungsprogramm" in der Vorschule. Guckt nach Menschen, die eure Kinder mögen und das Leben lieben. Was die ihnen beibringen, ist viel wirksamer als all das Zeug aus den Bildungsplänen.

Beschwert euch in der Schule nicht über den unfähigen Geo-Lehrer oder den Stundenausfall. Meldet euch im Festkomitee und hängt die Girlanden auf! So wie wir das machen bei dem Fest von Kronprinz (16) zum Abschied aus dem Klassenverband der 10. Klasse. Wir bauen am Elbstrand eine festliche lange Tafel auf für 80 Leute und werden feiern, bis uns die Kinder heimschicken.

Immer fröhlich Leichtigkeit und Liebe nähren.

Eure Uta

Dienstag, 13. Mai 2014

Glückliche Familie Nr. 219: Onkel mit Pappnase


Der Satz, über den ich mich am Muttertag am meisten gefreut habe, war: "... und wenn ich weine, kannst du mich immer zum Lachen bringen." Der Satz stammt von Prinzessin (13). Er freut mich so, weil es mir sehr wichtig ist, dass meine Kinder nach Niederlagen wieder aufstehen können, das Krönchen wieder gerade rücken und weiter marschieren. Dass sie lachen können, vor allem über sich selber und nicht in Selbstmitleid und Sorgen versinken.

Irgendwo in meinem Archiv habe ich eine Statistik über das Lachen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass Kinder viel mehr und häufiger lachen als Erwachsene.

"Werde endlich erwachsen!" ist vor diesem Hintergrund eine furchtbare Drohung.

Eines meiner Kinder (aus Gründen der Diskretion nenne ich nicht den Platz der Thronfolge) hat noch bis über die Grundschulzeit hinaus regelmäßig die Kleider wechseln müssen, weil es sich mal wieder vor Lachen in die Hose gemacht hat. Nie habe ich lieber die Waschmaschine angeworfen als in diesen Fällen.

"In jedem Alter müssen Kinder lachen, spielen, Spaß haben können und nicht unaufhörlich nach etwas streben müssen. Sie haben das Bedürfnis, sich zu entspannen, albern zu sein, zu necken, ein bisschen verrückt zu sein und ganz allgemein im Leben nicht immer ernst sein zu müssen." (Wayne W. Dyer: "Glück der positiven Erziehung. So werden Kinder frei, kreativ und selbständig", München 1989, S. 120)

Wayne Dyer meint, dass es Kinder sehr schwächt, wenn ihre Eltern der Typ "Ich-mache-mir-ständig-über-alles-Sorgen-Mensch" sind.
Haben wir wohl die richtige Schule ausgewählt? Werden wir die ideale Tagesmutter finden? Wird sich das Kind ohne Halstuch nicht erkälten? Wird die nächste Mathe-Arbeit vielleicht daneben gehen? Ist der Reisebus für die Klassenfahrt auch sicher genug? Passieren auf Ski-Reisen nicht häufig Unfälle? Bekommt mein Kind genug Vitamine, Ballaststoffe, Eisen ... ? Werde ich nach der Elternzeit wohl wieder einen Job finden?


"Großmutter, Großmutter, du solltest dir mal wieder die Oberlippe epilieren!" *


Wenn liebe Freunde von uns früher ein Fest machten, luden sie nicht nur Freunde und ihre Kinder ein, sondern auch die halbe Verwandtschaft. Meistens war auch ein unverheirateter Onkel dabei, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Kinder zu bespaßen. Einmal sah ich ihn spät abends erschöpft im Sessel sitzen, im Schoß einen Teller Nudelsalat und im Gesicht immer noch die rote Pappnase.

Ist das nicht rührend? Er hätte den Nachmittag auch damit verbringen können zu klagen, dass er keine Frau findet, sein Steuerberatungsbüro gerade nicht so läuft und das linke Knie schmerzt. Aber nein: er zeigte den Kindern Kartentricks.

Unvergessen auch das kleine Gerät, das die Oma unserer Nachbarskinder mal zu einem Besuch mitbrachte und das die Kloschüssel dazu brachte, Arien zu singen, wenn man die Spülung betätigte.

Bei uns wird garantiert gelacht,  ...

  • wenn der Soßenkönig sich selbst als Schwaben parodiert
  • wenn ich aus "Dirk und ich" von Andreas Steinhöfel vorlese, besonders das Kapitel "Es grünt so grün ...", wo die Familie umzieht und Möbelpacker Ernie mit dem Hintern im Treppengeländer stecken bleibt (das Buch ist super zum Vorlesen für Grundschulkinder)
  • wenn ich Prinzessin (13) aus "Tschick" von Wolfgang Herrndorf vorlese (ja, gelegentlich lese ich den Großen noch vor, weil es einfach sooooooo schön ist)
  • wenn wir im Auto Loriot hören (für die Dänemark-Fahrt hatte ich das Hörbuch "Gesammelte Werke" ausgeliehen)
  • wenn ich für Prinzessin spiele, als wäre ich sturzbetrunken

Wann habt ihr den größten Spaß in Familie?

Mir immer fröhlich schreiben, wie ihr die Kinder zum Lachen bringt.

Eure Uta

* Danke, lieber Gulliver, dass du bei unseren Späßen nicht böse wirst!

Mittwoch, 23. April 2014

Glückliche Familie Nr. 215: Die Zwangs-Beglückung


Am Ostermontag wollten wir den Film "Gandhi" gucken. Wir haben eine Reihe von DVD-Abenden gestartet, an denen wir den Kindern einen Film zeigen, der uns persönlich viel bedeutet. Angefangen haben wir mit "Das Leben der anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck, an Ostern war "Gandhi" von Richard Attenborough dran.

Wegen der Überlänge wollten wir zeitig anfangen, aber dann hatte der eine noch dies im Zimmer zu erledigen und die andere noch jenes am Computer zu recherchieren. Bei uns Eltern machte sich eine leichte Missstimmung breit. Und zwar die Sorte Missstimmung, die bei Eltern epidemisch ist. Es handelt sich um folgendes Gefühl:

Da-tun-wir-so-viel-für-euch-und-wer-dankt-es-uns?-Niemand!!! 

Wir haben den Film schließlich gesehen. Alles war gut. Und Kronprinz (16) und Prinzessin (13) zeigten sich so beeindruckt, dass der Eltern-Segen nicht mehr schief hing. Aber als im Vorfeld dieses Gefühl in mir aufkam, dachte ich, ich muss es schreiberisch umzingeln, weil es von allen Eltern-Gefühlen die Pest ist.

Denn eines muss man sagen: Nie haben weder Kronprinz noch Prinzessin uns mit einem Wort darum gebeten, eine "Pädagogisch-wertvoll-DVD-Reihe" zu starten. Es war unsere Idee. Eine schöne Idee, keine Frage. Aber trotzdem eine Idee der Kategorie "Zwangs-Beglückung". Und wenn wir dann eingeschnappt sind, wenn die Kinder nicht sofort "juhu" schreien, ist das unfair.




Wir wohnen in einem Umfeld mit viel Zwangs-Beglückung. Schon die Kleinsten erhalten hier schulische, motorische, sportliche, musische, berufliche und finanzielle Förderung in einem hohen Maße. Da werden zusammen Referate geschrieben, Taxi-Dienste geleistet, Geigen angeschafft, Auslandsaufenthalte ermöglicht, Praktika besorgt und Nachhilfe finanziert.

Einige Punkte davon tun auch der Soßenkönig und ich für unsere Kinder.

Seine Kinder zu unterstützen und ihnen vieles ermöglichen zu können, ist schön. Mir ist nur aufgefallen, dass wir und manche Eltern im Freundeskreis manchmal zu viel und vor allem auch ungefragt tun und wir uns damit selbst in eine große Enttäuschung, fast Verbitterung hinein manövrieren. Und natürlich geben wir dem Jugendlichen, diesem Taugenichts, die Schuld daran.

"Da habe ich ihr die Einleitung vom Referat geschrieben und sie meckert, dass da Fehler drin waren."

"Da besorgen wir ihm so ein tolles Praktikum und er kommt nicht in die Gänge, die Unterlagen dafür abzuschicken."

"Da fahre ich ihn zum Tischtennis und er meckert, dass ich zu langsam fahre."

Damit das nicht aufkommt, habe ich folgende Prinzipien für mich selber aufgestellt:
  • Ich tue für meine Kinder nur, was ich von Herzen gerne tue. Und das genießen wir dann in vollen Zügen. Da ich kein Opfer erbracht habe, erwarte ich keine Gegenleistungen.
  • Alles, was ich nicht tue, macht sie nur selbstständiger und schadet ihnen nicht (gerade die Kleinen brauchen natürlich eine Grundfürsorge, aber davon ist hier auch nicht die Rede). Also brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich mal nicht "Gewehr bei Fuß stehe". 
  • Kann sein, dass ich Kronprinz (16) bei schönstem Sonnenschein zum Saxophonunterricht chauffiere, weil ich ihn den ganzen Tag nicht gesehen habe und ein paar Minuten im Auto mit ihm genießen möchte ...
  • kann aber auch sein, dass es regnet und er radeln muss, weil ich gerade dringend etwas anderes tun möchte. Hier gibt es kein "richtig" oder "falsch".
  • Wer meckert oder alles für allzu selbstverständlich nimmt, kriegt eins auf die Mütze. 
  • Wer sich nicht bedankt, dem brülle ich hinterher: "Danke, Mama!" Und das gewünschte Echo kommt direkt. "Danke, Mama." (Ich muss aber zugeben, dass sich beide - vielleicht dank der Echo-Methode - inzwischen für Sachen bedanken, bei denen ich gar nicht damit gerechnet habe.)
  • Ich gebe mir Mühe zuzuhören, damit ich verstehe, ob die "Beglückung" überhaupt erwünscht ist.
  • Ich mache mir klar, dass meine Kinder immer passiver werden, wenn ich zu aktiv bin. 
  • Ich lerne es auszuhalten, wenn sie rumgammeln. Die Initiative, die aus ihnen selbst kommt, ist viel wertvoller als alles, was ich ihnen einpflanzen kann.

Immer fröhlich einander helfen, aber auf der Hut sein, dass es die Eigeninitiative nicht erstickt.

Eure Uta

Ps.: Mich würde ja mal interessieren, welche Filme ihr mit euren halbwüchsigen Kindern gucken würdet ... nachdem ihr sie gefragt habt, ob sie eine solche Aktion wirklich wollen. 

Donnerstag, 3. April 2014

Glückliche Familie Nr. 210: Die Über-Psychologisierung


Meine jüngste Buch-Anschaffung stammt von einer Österreicherin, die ein Lern- und Beratungsinstitut für Familien gegründet hat. In dem Buch hat sie Gespräche mit Eltern aufgezeichnet. Es sind Mütter - zum Teil auch Väter - , die erzählen, wie es ihren Kindern in der Schule ergeht und was sie unternommen haben, um sie zu unterstützen.

So weit, so gut.

Bis ich zu dem Kapitel kam, in dem eine Frau schildert, dass ihre sechsjährige Tochter Rebecca häufig nicht zur Vorschule gehen möchte.

"Ich habe zu ihr gesagt, dass es in Ordnung ist, dass sie nicht in die Schule gehen will. Ich will auch mehr darüber wissen, warum das so ist. Das heißt nicht, dass sie gleich zu Hause bleiben darf, es heißt lediglich, dass ich mich für das Nein meines Kindes interessiere."

Das klingt gut, "sich für das Nein meines Kindes interessieren". Aber je mehr ich las, desto häufiger kritzelte mein Bleistift Comik-Blasen an den Rand des Textes:

"Äh?" - "Oh, mein Gott." - "Kreisch". -  "Ich kriege die Krätze."

Von Satz zu Satz wurde deutlicher, dass diese Mutter das "System Schule" ablehnt und dass das Mädchen die Schul-Ablehnung der Mutter übernimmt.

"Jeden Tag, wenn sie in der Früh aufwacht und sagt: 'Ach, ich will nicht in diese Babyschule gehen. Die lassen mich nicht Rebecca sein. Ich will dort nicht hin....' wenn sie das sagt, dann denke ich mir: 'Bleib lieber zu Hause und schlaf noch ein bisschen.'"

Die Mutter berichtet schließlich, dass das Mädchen schon seit drei Wochen immer häufiger nicht zur Schule will.

Wundert uns das?

Und auf einen Satz wie "Die lassen mich nicht Rebecca sein" kommt keine Sechsjährige von alleine. Da findet eine Über-Psychologisierung statt, die das Kind überfordert und ihm massiv schadet.

Da platzt mir echt der Kragen.

Dieses Kind darf nicht Rebecca sein, weil es so sehr wie Mama sein muss, weil es in erster Linie mit seiner Mutter kooperiert und spürt, dass deren Weltbild schwer erschüttert würde, wenn Klein-Rebecca die Hände in die Hüfte stemmen und rufen würde: "Komm, Mama, reiß dich zusammen, ich schaffe das schon!"

Ihr wisst, wie wichtig es mir ist, dass ein Kind der Mensch werden darf, der in ihm angelegt ist.

Ihr wisst auch, dass ich nicht alles toll finde, was in unseren Schulen läuft.

Aber wenn ein Kind damit aufwächst, dass seine Eltern von Schule sprechen, als wäre das ein Einsatzort für Amnesty International, sind die Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Und wenn - laut Aufzeichnung - die Beraterin nur die Äußerungen der Mutter spiegelt und am Ende des Gesprächs lediglich sagt: "Das wünscht du dir sehr, dass Rebecca Mensch sein darf in der Schule, die sie gerade besucht, oder?" finde ich, dass manchen Leuten wirklich die Maßstäbe verloren gehen.

Als Beraterin hätte ich schwer an mich halten müssen, um bei der Frau nicht Methoden anzuwenden, die Amnesty doch noch auf den Plan gerufen hätte.

Denn was die Mutter an der Vorschule störte, waren so Dinge wie, dass die Erzieherin dem Mädchen beim Gang auf die Toilette zu viel Unterstützung aufgedrängt hätte. Und deshalb werde das Kind nicht in seiner Individualität wahr genommen. Ja, geht's noch?

Gerade die Mütter, die sich so sehr Stärke und Selbstbewusstsein für ihr Kind wünschen, schwächen es mit diesem übersteigertem Schutzbedürfnis.

Kuscheltiere gewaschen, damit ich mich nicht so aufrege. 

Ich wünsche Rebecca,
  • dass ihre Eltern sie in Ruhe lassen mit all ihren Bedenken und Sorgen
  • dass sie ihr zutrauen, auch mit Situationen oder Lehrern zurecht zu kommen, die nicht optimal sind
  • dass ihre Eltern ein Gespür dafür entwickeln, wann sie wirklich Partei für ihr Kind ergreifen müssen 
  • dass das Leben für Rebecca kinderleicht sein darf

Immer fröhlich den Kindern ein Halt sein und kein überempfindlicher Seismograph ihrer Befindlichkeiten

Eure Uta

Dienstag, 18. März 2014

Glückliche Familie Nr. 206: Wäsche-Biathlon und Verlosung


Gestern Abend haben wir Socken-Memory gespielt. Für mich das Spiel des Jahres 2014.
Gleich nach dem Abendessen, bevor wieder alle in ihre Zimmer fliehen konnten und für Mutter schwer greifbar sind, habe ich die ganze Wanne mit gewaschenen Socken auf den großen Esszimmer-Tisch gekippt. "Auf die Plätze fertig los." Jeder musste aus dem großen blau-grau-schwarzen Berg seine Strümpfe finden, zusammenrollen und in den Korb mit Fertig-Wäsche pfeffern. Keine zehn Minuten haben wir gebraucht und alle Strümpfe waren sortiert.
Das nächste Mal werde ich die Körbe mit der Fertig-Wäsche in drei Meter Entfernung an die Wand stellen. Dann muss jeder von seinem Platz am Tisch mit den Socken-Knollen in die Körbe zielen. Für jede Knolle, die daneben landet, muss - als Strafrunde - ein Teller in die Spülmaschine geräumt werden.




Ich sehe schon, mit unserem Wäsche-Biathlon werden wir dem echten Biathlon den Rang ablaufen. Der Soßenkönig ist unschlagbar in Socken-Schießen, stehend. Und Prinzessin (13) holt jeden Rückstand in den Strafrunden an der Spülmaschine wieder rein. In ein paar Jahren sind wir olympisch.

Auf Socken-Memory und Wäsche-Biathlon bin ich gekommen, nachdem ich in "Leitfaden für faule Eltern" bei Tom Hodgkinson gelesen habe. Hodgkinson hat vor allem ein Ziel: er will das Leben genießen, das Leben überhaupt und vor allem das Leben mit seinen drei Kindern.

Um das erreichen - so Hodgkinson - müsse man die Kinderarbeit wieder einführen. Nicht die schlimme Ausbeutung in der Fabrik, sondern das gemeinsame Arbeiten zu Hause. Abwaschen und zusammen singen, schon die Kleinsten die Banane zum Schneiden geben und sie vieles einfach alleine machen lassen. So bleiben Hodgkinson und seine Frau zum Beispiel am Wochenende gerne bis mittags im Bett liegen. Das tut ihnen gut und der Nachwuchs erhält die Chance, selber Frühstück zu machen oder den Eltern einen furchtbaren Tee ans Bett zu bringen.

Kleine Kinder lieben Arbeit. Nichts tun sie lieber als Geschirr einzuschäumen, in Beeten zu wühlen oder mit dem schwarzen Kamin-Handfeger das weiße Sofa abzustauben. Aber wenn sie jung sind, ersticken wir diese Arbeitsfreude im Keim, sagen, dass sie noch zu klein sind und das alles noch nicht können. Wir nehmen ihnen den Hammer aus der Hand, scheuchen sie weg von der neuen Design-Saftpresse und schimpfen, wenn sie die Fenster mit dem Gartenschlauch abspritzen.
In unserem perfektionistischen Kitchen-Aid-Haushalt haben kleine Arbeits-Pioniere es schwer.

Aber wenn sie sich damit abgefunden haben, dass sie von all diesen Erwachsenen-Dingen lieber die Finger lassen, ändert sich plötzlich alles. Auf einmal meinen die Eltern, es sei höchste Zeit, dass sie ihren Hintern hochkriegen und im Haushalt mithelfen. "Ist ja schließlich kein Drei-Sterne-Hotel hier!" Und schon gibt es Gemecker und schlechte Stimmung bei jedem Tischabräumen, Streit um jeden Müllbeutel, der in die Tonne getragen werden soll.

Tom Hodgkinson und ich, wir finden das ganz furchtbar. So bringen wir unseren Kindern bei, dass Arbeit etwas Schreckliches ist.

Hodgkinson schreibt:
"... es liegt in Ihrer Verantwortung, auch selbst Spaß an Ihrer Arbeit zu haben, weil Ihre Kinder ansonsten mit der Vorstellung aufwachsen, dass Arbeit nichts anderes sei als eine notwendige Bürde. Die kleinen Ohren hören jeden winzigen Seufzer, der Ihnen entfleucht.  'Daddy hat eine Arbeit, die er hasst, damit er dir nutzloses Zeug kaufen kann, mit dem du deine Zeit vergeudest, bis der Tag kommt, an dem du selbst einer Arbeit nachgehen wirst, die du hasst, damit du die Rechnungen begleichen und die Hypothek abzahlen kannst.'"
Ich habe schon vor längerer Zeit über meinen Arbeits-Ethos nachgedacht und beschlossen, mehr Freude in alltägliche Verrichtungen zu bringen. Und vor allem diese Freude auch auf meine Kinder überspringen zu lassen.

Uta zu Kronprinz (16):

"Guck mal: so schlimm sieht diese Küche jetzt aus. Ich schaue es mir an, mache innerlich ein Foto und begebe mich voller Elan ans Werk. Nach 20 Minuten fröhlichen Arbeitens bin ich fertig, mache wieder innerlich ein Foto und freue mich über den Vorher-Nacher-Effekt. Und das alles war eigentlich ein richtiges Vergnügen. So musst du das auch mit deinem Zimmer machen."

Kronprinz zu Uta: "Ja, das mag sein. Aber wenn dir das Aufräumen eine solche Freude bereitet, dann möchte ich dir diese Freude nicht nehmen."
(Und jetzt bräuchten wir ein Vorher-Nachher-Foto von Utas Gesicht.)

Ja, es läuft nicht immer alles rund mit meinen Methoden und denen vom faulen Tom. Aber wir haben vergnügliche Diskussionen mit unserer Brut, werfen uns mit Socken ab, mal platzt uns auch der Kragen und wir möchten alles hinschmeißen, aber wir haben im Großen und Ganzen eine richtig gute Zeit mit unseren Kindern.

Dazu braucht man:

  • die Gelassenheit, auch schon die Kleinsten vieles selber machen zu lassen
  • die Zuversicht, dass schon alles gut gehen wird (unsere Kinder haben zeitig mit Messern und Scheren gearbeitet, wir waren deshalb nur einmal in der Klinik und konnten den Finger retten)
  • selber das Ziel, etwas mit Freude zu tun und aufzuhören, wenn die Freude aufhört (ich bügle nie sklavisch den ganzen Korb leer)
  • den Vorsatz, auch mal eine faule Mutter/ein fauler Vater zu sein und Dinge einfach unerledigt zu lassen, so dass die Brut gezwungen ist, es selber zu tun ("Könnt ihr bitte die Küche machen/ die Wäsche aufhängen, ich komme sonst zu spät zum Tanzen" und dann einfach verschwinden.)  
  • die Großzügigkeit, einen großen Teil der Arbeit zu machen und nicht zu zetern über jeden Teller, der irgendwo stehen geblieben ist
  • die Einsicht, dass gerade bei Mithilfe im Haushalt eine Durchsetzungsquote von - sagen wir - 80 Prozent schon viel ist
  • den Langmut, darauf zu warten, dass Eigeninitiative entsteht (geht nur, wenn man auch mal was liegen lässt) 
  • den Blick für diese Eigeninitiative und die Anerkennung dafür  
  • Spielideen rund um Arbeit (Socken-Memory, Wäsche-Biathlon, Wettrennen "Wer hat zuerst alle Legos in die Kiste geräumt?", "Wer schafft es, in 10 Minuten im Bett zu sein?" ...)
  • Humor

Der "Leitfaden für faule Eltern" hat mir soviel Schwung gegeben, dass ich etwas davon an euch weitergeben möchte und ein Exemplar des Buches verlose. Bitte schreibt mir, welche Arbeiten eure Kinder schon übernehmen, gerne auch lustige, kleine Geschichten von misslungener Haushaltshilfe oder eine Idee, wie gemeinsame Hausarbeit Spaß machen kann. 

Einsende-Schluss ist am kommenden Samstag, 22. März, um 24 Uhr.

Immer fröhlich das Leben und die Arbeit mit den Kindern genießen

Eure Uta

Sonntag, 22. Dezember 2013

Glückliche Familie Nr. 189: Eis am Stiel und Baum-Tuning


Wir befinden uns in der letzten Phase der Weihnachtsvorbereitungen. Prinzessin (12) möchte noch ins Einkaufszentrum, um Geschenke zu besorgen, aber ich habe längst abgeschlossen mit dem Einkaufszentrum. "Du kannst ein Gedicht schreiben oder etwas basteln, aber ich setze keinen Fuß mehr ins Einkaufszentrum."

Jetzt ist die Phase der Gutscheine, der großen Versprechungen. "Frühstück ans Bett", "Einladung zum Döner-Mann", "Dreimal Rasenmähen im Sommer" ausgedruckt in Zapfino -Schrift.

Da können wir schon den Baum aufgestellt haben, die ersten Kirchenglocken läuten und es kommen noch so Fragen wie "Meinst du, Oma freut sich über eine Handcreme?"

Ich fürchte, das haben die Kinder von mir. Wenn es in letzter Minute nicht stressig wird, ist es kein Weihnachten.

Ich erinnere mich an eine Straußenvogel-Marionette, die ich als Kind meiner Schwester Nummer 3 gebastelt habe. Die Füße bestanden aus Joghurt-Bechern, Hals und Beine aus Wollkordel und der Körper aus einer Styropor-Kugel, die in einen Buttermilchbecher gedrückt und mit Federn gespickt wurde. Es war eine halbe Stunde vor der Christmette, als der Styropor-Popo aus dem Becher rutschte, davon kullerte und alle Federn verlor. Den Vogel ohne Unterleib und mir verband die Verzweiflung und sich endlos ziehende Uhu-Fäden.

Irgendwie habe ich es noch geschafft. Und wer Spaß an Klebstoff-Schnüffeln hat, wäre neben mir in der Kirche sehr glücklich geworden.

Das ist schöner Stress. Der andere aber, der kommt mir nicht ins Haus. Die Selbstvorwürfe, dass man wieder zu spät angefangen hat, dass man Weihnachten einfach nicht unter Kontrolle kriegt, zu blöd ist, sich frühzeitig um das Familienfoto für die Grußkarten, das perfekte Zimtparfait und die liebevollen Geschenkanhänger zu kümmern.

Jetzt ist die Phase, in der man Mut zur Lücke braucht.

Ich sage euch mal meine Lücken:
  • Der Saxophon-Lehrer hat diesmal keine Kekse und keine Karte bekommen.
  • Das Haus ist nicht wirklich weihnachts-fein. Seit der Flurrenovierung in der vergangenen Woche liegt fast überall noch ein feiner Staub vom Wändeabschleifen. Hier im Arbeiszimmer kann man mit dem Finger Weihnachtsmotive zeichnen auf dem Sideboard, dem Drucker-Deckel, der Fensterbank. Braucht jemand Vorlagen zum Runterladen oder ein Tütchen weißen Staub? Einfach nur einen Kommentar mit deinem Namen ...

Provisorische Flur-Garderobe, fotografiert durch den Spiegel, der noch schief hängt.

  • Wir waren gestern erst unterwegs, um einen Weihnachtsbaum zu schlagen. Der Schönste, den wir gefunden haben, braucht mehrere Ast-Transplantationen. Soßenkönig und Kronprinz (16)  haben jedes Jahr viel Spaß damit, Löcher in den Stamm zu bohren und Äste kunstvoll zu versetzen. Für das Baum-Tuning braucht man: Bohrmaschine, Sekundenkleber und eine klare Vorstellung von der Kegelform eines Weihnachtsbaumes.
  • An Heilig-Abend gibt es bei uns keine Ente, die ständig begossen, keinen Fisch, der auf den Punkt gegart werden muss. Bei uns hat das Büfett der Lieblingsspeisen Tradition. Jedes Familienmitglied darf sich zwei oder drei Speisen wünschen. Die Bedingung ist: Es muss etwas sein, das fertig gekauft oder mit wenig Aufwand vorbereitet werden kann. Meistens sind es: Kartoffel-Salat und Würstchen, Tim-Mälzer-Dessert mit Tiefkühl-Himbeeren (Soßenkönig), Eis am Stiel und Mini-Pizzen (Prinzessin), Kartoffel-Salat, Mini-Pizzen, Räucherlachs und Domino-Steine (Kronprinz) und Vitello-Tonnato, Anti-Pasti vom Griechen und Tiramisu (Uta). Nur den Kartoffelsalat machen der Soßenkönig und ich am Heilig-Abend morgens selber. Der Rest wird gekauft oder am Vortag gemacht und in der Küche auf Platten angerichtet, dazwischen Zapfen und weiße Kugeln ... (Kalorien: keine Ahnung, Nährwert: wahrscheinlich gering, stressfreie Freude: jede Menge)

Und ihr? Welche Ideen habt ihr, die alles leichter machen? Wo habt ihr Mut zur Lücke? Wo seid ihr herrlich unperfekt?

Unser Weihnachtsmotto lautet nicht nur "Let it snow", sondern  auch "Let it flow".

Immer fröhlich bleiben

Eure Uta

Sonntag, 15. Dezember 2013

Glückliche Familie Nr. 188: Vom Sein und Haben von Küchenwischlappen


Was ich gar nicht mag, ist das "für-diesen-Menschen-muss-ich-auch-noch-ein-Geschenk-haben"-Gefühl. Wenn das Herz nicht überläuft und ich nicht schenke aus einer inneren Fülle heraus, sondern weil es Erwartungen gibt.

Es ist ein schales Gefühl. Verloren streicht man durch das Einkaufszentrum und befragt die leblosen Dinge in den Regalen, ob sie eine Freude sein könnten für diese oder jene Person.

Heute morgen habe ich gemerkt, dass ich wieder so spät dran bin mit den Geschenken, dass ich der Phase mit den Verzweiflungskäufen bedrohlich nahe komme.

Ein kleines Heft mit Geschenkideen habe ich längst, aber ich werde die Listen jetzt nicht abarbeiten. So kann Weihnachten doch nicht sein, oder?

Neale Donald Walsch schreibt: "Leidenschaft ist die Liebe, das Sein in Handlung zu verwandeln." (Neale Donald Walsch: Gespräche mit Gott, Bd.1, S. 159)

So habe ich gestern nicht geguckt, was noch alles auf dem Zettel steht, sondern bin meinen Leidenschaften gefolgt. Und die führten mich in einen Laden, in dem es wunderbare Kugeln und Zapfen aus Bauernsilber gibt, wo es glänzt aus alten Weidenkörben, wo Perlmutt-Knopf-Nadeln in groben Leinenbändern schimmern und es gestrickte dänische Küchenwischlappen, ja Küchenwischlappen, in den schönsten Braun- und Grautönen gibt, so dass mir ein Seufzer nach dem anderen entfuhr.

Aus Erich Fromms "Haben oder Sein" wollte ich zitieren und mich mit euch zusammen abwenden vom vorweihnachtlichen Konsumrauschen. Und dann entdecke ich in meinem SEIN eine Freude an den Farbnuancen von gestrickten Wischlappen.

Das hat auch mit SEIN zu tun, auch wenn es an der Kasse zu einem HABEN wurde.

Das macht aber nichts.

Das zeigt nur, dass wir reich belohnt werden, wenn wir nicht auf Listen schielen und Ergebnissen nachjagen, sondern unseren Leidenschaften folgen und tun, was uns innerlich eingegeben wird.

Denn in dem Laden traf ich nicht nur meine Freundin und konnte mit ihr zusammen in Silberzapfen schwelgen, sondern fand auf einen Schlag vier Geschenke für meine Lieben aus der Liste.

Das Band und eine noch viel größere Kugel habe ich mir geschenkt. Die Wischlappen sind schon verpackt für jemand anderen. Jetzt beginnt im meinem Umfeld das große Zittern, wer zu Weihnachten wohl Wischlappen auspackt.

Immer fröhlich euer SEIN in Handlung verwandeln

Uta


PS: swwwdee4ee5555555555555555555555555555w2.  Schönen Gruß von unserer Katze Amy, zu deren SEIN es gehört, quer über die Tastatur zu laufen.

Mittwoch, 27. November 2013

Glückliche Familie Nr. 184: Party der Erleichterung


Vor zwei Wochen war ich zu einer Krebs-Vorsorge-Untersuchung. Das Ergebnis war unklar und verlangte weitere Untersuchungen. Die zweite Untersuchung konnte den Verdacht nicht klären und in mir breitete sich von Tag zu Tag etwas mehr Angst aus. Das dritte Verfahren schließlich brachte Klarheit und noch ein paar Tage später einen erlösenden Anruf. Alles gut! Danke!

Ich stieß einen Schrei aus, der - wie Prinzessin (12) berichtete - Vibrationen bis hoch in ihr Zimmer auslöste.
Ich kaufte Prosecco, Süßigkeiten, Chips, Lieblingslimonaden, das ganze Programm, drehte die Musik laut und alle tanzten, der Soßenkönig, Kronprinz, Prinzessin und am wildesten Königin Mutter. Wir lernten die Polka aus dem Tanzkurs vom Kronprinz ("Hacke-spitze, hacke-spitze - eins, zwei, drei"), wir tanzten "Memphis", schneller, immer schneller, wir lachten, prosteten uns zu, tanzten wieder und sackten erschöpft, verschwitzt und glücklich auf das Sofa.

"So einen schönen Abend hatten wir lange nicht mehr", sagte Prinzessin, als ich sie später ins Bett brachte.

Warum brauchen wir bloß immer einen Warnschuss, um unser Leben auszuschöpfen?


Strand-Tanz mit meinem Neffen und meinen Kindern vor Jahren am Hennestrand in Dänemark.
 Foto von meiner Schwester Nummer 3.

Warum tanzen wir nicht häufiger einfach mal so?

Warum bewundern wir Sonnenuntergänge nur im Urlaub?

Warum haben wir nicht immer einen Witz auf Lager?

Warum fragen wir unsere Kinder "Hast du deine Hausaufgaben fertig?" statt "Hat dich heute schon mal jemand durch gekitzelt?" oder "Habe ich erwähnt, dass ich dich liebe?"

Klar, "immer schön fröhlich sein", wie ich euch penetrant dazu auffordere, das ist nicht möglich. Das Leben braucht das Auf und Ab, um wirklich erfüllt zu sein. Trauer gehört genauso dazu wie überschäumende Freude, Angst genauso wie Leichtigkeit. So einen permanenten Ballermann-Spaß hält keiner aus. Krankheit, Verlust, Tod - das führt uns in die Tiefe, zum Wesentlichen.

Aber dieses diffuse negative Dazwischen, das könnten wir uns doch sparen, oder? Dieser Ärger über das Internet, das nicht funktioniert, über das Wetter, das uns nicht passt, über Parklücken, die sich nicht auftun, schlechte Noten in der Schule, Zahnbeläge ... Oder am schlimmsten diese schmutziggraue Suppe aus diffusen Ängsten und Sorgen über Dinge, die in 90 Prozent aller Fälle sowieso nicht eintreffen.

Apropos Zahnbeläge. Montag war ich mit Prinzessin bei der Zahnärztin. Während der Zahnreinigung saß ich im Wartezimmer, als die Prophylaxe-Helferin mich mit Leichenbitter-Miene in das Behandlungszimmer bat: "Ich möchte, dass Sie sich das mal ansehen."

Wurzelfäule, Zahn verschluckt, Parodontose im letzten Stadium?

Ich trat neben meine Tochter, die auf dem Behandlungsstuhl lag. Das schwenkbare Licht stand dicht über ihrem Gesicht und ihre Schneidezähne strahlten in einem grellen Pink. Das kam von der Farbe, die die Beläge sichtbar machen sollte. Pink, eigentlich überall.
Ich musste herzhaft lachen. So ein Textmarker-Grinsen. Ich liebte meine Tochter und sogar ihre Zahnbeläge noch mehr als sonst und strich ihr über die Stirn.

Die arme Prophylaxe-Helferin, die mich geholt hatte, damit ich meiner Tochter eine Standpauke halte! Sie sah mich an, als wäre ich nicht ganz dicht. Sie wollte ja auch bloß gründlich sein und konnte nicht ahnen, dass sich bei mir gerade eine paar Maßstäbe verschoben hatten.

Wart ihr auch mal so erleichtert? Hat euch das wachgerüttelt? Habt ihr was verändert? Wann habt ihr zuletzt eine Polka getanzt?

Immer fröhlich euer Leben ausschöpfen mit allen Höhen und Tiefen, häufiger mal die Musik aufdrehen und richtig ausgelassen sein

Eure Uta

Mittwoch, 21. August 2013

Glückliche Familie Nr. 162: Vorstadtkrokodile


Mir ging es ja richtig gut in der neuen Freiheit.

Ihr hättet hören können, wie ich "Living in an easy way" summe und mit einem Stapel frischer Wäsche die Treppe hinauf gehe.

Ihr hättet sehen können, wie ich Prinzessin (12) begegne und wieder spontan geküsst werde.

Ihr hättet hören können, wie sie die Schultasche greift und mir zuruft: "Ich mach dann mal Geo." Und ich nur singe: "Ja, wie du meinst." Und lächend meiner Wege ziehe.

Die Stimmung zwischen Prinzessin und mir war wie ausgewechselt.

Spontan-Umarmungen, längere Berichte aus der Schule, sogar Instagram-Fotos ihrer Freundinnen wurden mir gezeigt.

Ich merke: Wenn die Beziehung zum Kind gut ist, habe ich es leichter, Dinge durchzusetzen, die mir wichtig sind.

Als ich am Freitagnachmittag nach Hause kam, guckte Prinzessin fern.

"Das kann ich jetzt echt nicht haben. Mach bitte den Fernseher aus", bat ich. Ich musste zwar noch einmal bitten, aber dann tat sie es ohne Murren.

Mir gefällt gut, wie Tanja Haeusler in dem Buch "Netzgemüse" die Auseinandersetzungen mit ihren Söhnen beschreibt. Da spielt der Jüngere ein Video-Spiel und braucht noch fünf Minuten, ehe er zum Abendbrot kommen kann.
Mutter kennt das Spiel und weiß, dass er alle erarbeiteten Punkte wieder verliert, wenn sie ihm nicht noch fünf Minuten gibt, um das Level zu schaffen. Sie hat einen guten Tag und statt zu brüllen: "Du kommst sofort oder du darfst morgen gar nicht an den Rechner!", setzt sie sich dazu und feuert ihn bei der finalen Monsterjagd an.

Man kann davon ausgehen, dass Haeuslers danach ein nettes Abendbrot hatten.

Im Alltag mit mehreren Kindern ist das kaum umzusetzen.

Aber ab und an kann man ein Signal setzen und zeigen, ich verstehe deine Bedürfnisse und verteufele nicht alles, was du zum Beispiel am Bildschirm machst.

Bei vielen Eltern spüre ich ein graues Grundmisstrauen gegen alles, was ihre Kindern begeistert - wenn es nicht zufällig die Viola da Gamba ist.

Apropos Misstrauen.

Euch ist sicher nicht entgangen, dass ich am Anfang die Vergangenheitsform gewählt habe.

Was ist passiert?

Gestern beim Frühstück erwähnte Prinzessin, dass die Klasse eine Abschiedsparty geben möchte für einen Mitschüler, der mit seiner Familie für drei Jahre ins Ausland zieht. Sie dürften in dem alten Haus von Simon feiern. Das stünde jetzt leer, weil die Familie umgezogen sei.

Party in einem leerstehenden Haus?

Uta assoziiert Drogendealer, Vandalismus, betrunkene Jugendliche, die nicht eingeladen waren.

"Simons Eltern werden dabei sein", versichert Prinzessin.

"Sie hocken sich in das verlassene Haus?" - "Ja, hat Simon gesagt."

Ich runzele die Stirn, sie fährt ohne Winken zur Schule.

Prinzessin, wieder abgetaucht.

Am Nachmittag telefoniere ich mit meiner Freundin. Ja, sagt sie, eine Weile ist man gut unterwegs mit den Kindern und vertraut ihnen und dann springt einen wieder irgendein Teufelchen an und man bekommt es mit der Angst zu tun.

Ich muss an Max von der Grüns Buch "Vorstadtkrokodile" denken, wo Kinder in einer verlassenen Fabrik die tollsten Abenteuer erleben. Nach genau solchen Abenteuern sehnen wir uns für unsere Kinder, rufen aber schon auf ihrem Handy an, wenn sie mal eine halbe Stunde später aus der Schule kommen.

Am Abend erkundige ich mich bei Prinzessin vorsichtig nach der Party. Die ganze Klasse ist beteiligt, die Kinder haben Einkaufslisten geschrieben und aufgeteilt, wer welche Besorgungen macht. Es war als Überraschungsparty für Tim gedacht, der unter einem Vorwand in das Haus gelockt werden sollte. Nur leider hat sich Leon verplappert. Prinzessin ist enttäuscht.

Gut, dass ich die Kurve gekriegt, noch einmal mit ihr gesprochen und diesmal auch zugehört habe.

Zwar ist mir immer noch mulmig beim Gedanken an diese Party und ich weiß noch nicht, wie wir damit umgehen werden. Aber zumindest sind wir wieder im Gespräch. Prinzessin taucht wieder langsam auf.

In einem meiner schlauen Bücher habe ich gelesen, dass Menschen entweder gesteuert werden von Angst oder von Liebe.

Mit Liebe läuft es besser.

Immer schön die Angst-Teufelchen in die Flucht schlagen, klar denken und lieben

Uta