Ein paar Fragen zum Verhältnis von Frau und Mann, die Eltern sind.
Neulich habe ich an einem „Webinar“ zum Thema „Erfüllte Familie“* teilgenommen. Mich hat dabei besonders beeindruckt hat, wie sehr es Eltern unglücklich machen kann, wenn sie sich mit dem Wert ...
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Montag, 14. März 2016
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Freitag, 9. Mai 2014
Glückliche Familie Nr. 218: Verachtung im Blick
Heute ist bei mir der Tag des Mannes, des großen und des kleinen Mannes.
Ich fange mal mit dem großen Mann an.
Im Urlaub wagte er es, in den Supermarkt zu gehen, ohne die Korbtasche mitzunehmen, die ich für diesen Zweck eingepackt hatte. Er hatte die Kinder dabei und kehrte mit vollen Plastiktüten wieder, in denen sich neben Riesenflaschen mit Softdrinks ("böse,böse") Weingummi-Beutel ("Zucker pur") und eingeschweißte Fleischstücke ("bestimmt aus der Massentierhaltung") befanden.
Ihn traf natürlich "der Blick". Dieser Blick ist wie ein Giftpfeil und meine beiden Männer hassen ihn. Ich könnte besser rumbrüllen oder sie in die Korbtasche schubsen, aber "der Blick" ist tödlich. Er ist voller weiblicher Verachtung und in meinen klaren Momenten verstehe ich, dass sie sich damit elend fühlen.
Weil ich mich von klein auf hauptsächlich um die Kinder gekümmert habe, gibt es eine Ecke tief in mir drin, die sich für den sozialeren Menschen hält, wie wir Frauen doch überhaupt, oder? ... (Dass der Soßenkönig derjenige ist, der hauptsächlich das Geld erarbeitet, damit ich die stylische Korbtasche mit dem Peace-Zeichen, das Fleisch vom Bio-Schlachter und den fair gehandelten Kaffee kaufen kann, ist ein sehr lästiges Detail. Und er will einfach nicht einsehen, dass ich mich beruflich auch nicht so durchgesetzt habe, weil ich Macht und Geld irgendwie ablehne, denn ich bin ja so sozial, siehe oben).
Als wir aus dem Urlaub heimkehrten, hat der Kronprinz (16) die Polster von seinem Schreibtisch-Stuhl absaugen müssen, weil die Katzen in den Ferien wohl die ganze Zeit vor dem Computer gesessen haben. Die Spezialbürste wollte danach nicht mehr in das Fach im Staubsauger passen und der Kronprinz schlug ärgerlich den Deckel zu. "Doch nicht mit Gewalt," schrie ich entsetzt und dachte in der gleichen Hundertstel-Sekunde: "Na, ich weiß ja, von wem er das Aufbrausende geerbt hat." Vor längerer Zeit hat der Soßenkönig ein Fach im Gefrierschrank geschrottet, weil die Schublade es wagte, sich ihm zu widersetzen. Damals war es - glaube ich - Lichtgeschwindigkeit, in der ich dachte: "Mein Vater hätte so etwas nie getan."
Mein Vater. Mein Vater ist so etwas wie der Gandhi des Haushalts. Zum Beispiel kann niemand so liebevoll einen Kofferraum packen wie er. Da wird der Regenmantel auf links gewendet, zusammen gelegt und als Puffer zwischen Reservereifen und Koffer geschoben. Der Hohlraum neben der Reisetasche ist dem Knirps vorbehalten, der sich quetschfrei einfügt. Wenn meine Mutter in letzter Sekunde kommt und will in dieses perfekte 3-d-Puzzle, das den Kofferrauminhalt darstellt, die Kastenform mit dem Rührkuchen unterbringen, atmet mein Vater tief durch, sehr tief. Er tritt nicht gegen die Stoßstange (undenkbar), er brüllt meine Mutter nicht an (noch undenkbarer), er hebt einmal resignierend die Hände, wickelt die Alufolie noch perfekter um den Kuchen und schiebt die Form sachte neben den Beutel mit den Hausschuhen unter den Vordersitz. Passt.
Mein Vater zeigt auch für Haushaltsgeräte und besonders für Werkzeug immer eine besondere Achtsamkeit. Schon immer. Wenn ein Ding das Funktionieren verweigerte, hörten wir Schwestern sofort den Satz: "Nicht mit Gewalt!" Vielleicht haben mich deshalb die ganz raren Momente beeindruckt, in denen dieser Mann mal die Beherrschung verlor. So wie bei irgendeinem Fußball-Finale, als die deutschen Mannschaft das entscheidende Tor schoss, mein Vater hochsprang und mit hochgerissenen Armen die Deckenlampe zerschlug. Oder wie bei dem Handballspiel, bei dem mein Vater (mein Vater!) wegen Foulspiel des Platzes verwiesen wurde. Den Bericht darüber in der Lokalzeitung habe ich als Kind immer und immer wieder lesen müssen.
Mein Vater ist wunderbar. Mein Mann ist wunderbar. Mein Mann ist anders als mein Vater. Vielleicht hat er mich auch deshalb so angezogen damals.
Auf jeden Fall tue ich gut daran, das wahr zu nehmen und die beiden nicht zu vergleichen.
Ron Smothermon schreibt:
"Nun, ganz gleich, wie befriedigend Ihre Beziehung zu Ihren Eltern war oder ist: Wenn Sie sich nicht bewusst werden, mit wem Sie jetzt zusammen sind, sind Sie in ganz schönen Schwierigkeiten. Ich garantiere Ihnen, dass die Person, mit der Sie derzeit zusammen sind, anders ist und möchte, dass Sie das merken. Wenn Sie sich ihm oder ihr gegenüber quasi automatisch verhalten, laufen Sie Gefahr, die besondere Qualität der Beziehung einzubüßen, wenn nicht sogar die Beziehung überhaupt." (Ron Smothermon: Drehbuch für Meisterschaft im Leben. Bielefeld 2007, 20. Auflage, S. 18)
Und jetzt noch schnell zu den kleinen Männern. Meine Freundin hat mir einen Link zu einem wunderbaren Artikel von Wolfgang Bergmann über Jungs im Kindergarten geschickt. Er macht auf einzigartige Weise deutlich, warum Jungen heute immer verhaltensauffälliger werden und angeblich immer häufiger eine Therapie brauchen. Ich möchte euch ganz dringend ans Herz legen, den Artikel zu lesen. Einmal bitte hier entlang.
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| Darf Männlichkeit noch sein? - Kronprinz (7) mit Kaugummi-Zigarette |
Immer fröhlich sehen, wer der Partner wirklich ist, und ein neues Verständnis entwickeln für die kleinen Männer.
Eure Uta
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Freitag, 7. März 2014
Glückliche Familie Nr. 204: Keine kleinen Gandhis
Ich hatte ein paar Anfragen, von denen ich gerne die eine oder andere aufgreife. Zum Beispiel die von Anne.
Das Thema Streiten interessiert mich auch. Wir stoßen da grad an unsere Grenzen. Ich habe meinen Jungs jahrelang mühsam beigebracht, dass wir uns mit Worten wehren und uns nicht weh tun. Und jetzt ist der Große in der 1. Klasse und ich stelle fest, dass er damit nicht weiter kommt. Plötzlich brauchen wir neue Regeln und Methoden, um zu streiten, sich zu wehren, sich durchzusetzen, ernst genommen zu werden. Zurückhauen gehört definitiv dazu und zur Lehrerin/Erzieherin gehen definitiv nicht mehr. Eine richtige Idee habe ich da grad nicht. Du ja vielleicht?
LG
Anne
"... dass wir uns mit Worten wehren"?
Liebe Anne, ich glaube sofort, dass es mühsam war, deinen Jungs beizubringen, sich mit Worten zu wehren. Denn das ist ganz gegen ihre Natur. Von klein auf sortieren sich Jungs in Rangordnungen. Jedes Spiel - egal ob Brettspiel oder Dosenkicken - hat für sie nur den Zweck, ihren Platz in der Hierarchie der Jungen zu finden. Und wenn diese kleinen Männer in eine neue soziale Gruppe kommen, was ja der Fall ist, wenn sie eingeschult werden, hat das Kämpfen und Konkurrieren Hochkonjunktur.
Ich schreibe das nicht, weil ich alten Rollenklischees verhaftet bin, sondern stütze mich auf Studien aus dem Buch der Neurobiologin Louann Brizendine. Hier heißt es:
"Jungen raufen und verprügeln sich mit dem größten Vergnügen; sie streiten sich um Spielzeug und versuchen, sich gegenseitig unterzukriegen. Solche Spiele treiben sie sechsmal häufiger als Mädchen." (Louann Brizendine: Das männliche Gehirn. Hamburg 2010, S. 40)
"Bei Jungen in der ersten Schulklasse reagiert das Gehirn entzückt, wenn sie Stärke und Aggressionen zeigen können. Noch besser ist, wenn körperliche Kraft mit Beleidigungen einhergeht. ... Solche Spiele verschaffen ihrem Gehirn eine starke Wohlfühlbelohnung in Form eines Dopaminschubs." (ebd., S. 41)
Wir Frauen machen gerne verächtliche Bemerkungen über die kleinen wilden Jungs anderer Eltern: "Der gibt hier wohl das Alpha-Männchen." Dabei wird meist verkannt, dass dieses Verhalten tatsächlich in ihrem Gehirn angelegt ist.
- Jungen schadet es, wenn man ihnen das Kämpfen verbietet
- sie brauchen dafür klare Regeln (z.B. Boxen und Rangeln ist erlaubt, aber kein Treten; keine Schläge unter die Gürtellinie; der Kampf hört auf, wenn der Gegner am Boden liegt ...)
- ideal ist es, wenn ältere Jungs oder erwachsene Männer ihnen diese Regeln beibringen
Liebe Anne, du könntest mit deinen Jungs darüber sprechen, welche Form des Sich-Wehrens okay ist, und mal nachfragen, ob die Lehrerin Regeln dafür aufgestellt hat. Gut ist auch, wenn die Jungen einen Kampfsport lernen, denn da werden ihnen gesunde Grenzen für den Körpereinsatz vermittelt.
Immer fröhlich akzeptieren, dass man auf Schulhöfen keine kleinen Gandhis trifft
Eure Uta
Eure Uta
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Dienstag, 8. Oktober 2013
Glückliche Familie Nr. 173: Machos im weiblichen Biotop Schule
Wir sind wieder zu Hause, aber ich konnte nicht bloggen, weil unsere Fritzbox kollabiert ist. Kaum habe ich die Kiste gelobt, bricht sie zusammen. War vielleicht doch zuviel mit dem ganzen Jugendschutz.
Ich habe dafür Verständnis. Die meiste Zeit fühle ich mich auch überfordert vom Jugendschutz.
Dass ich nicht ins Internet konnte, war trotzdem blöd, weil ich euch dringend von einem Text schreiben wollte, den meine süddeutsche Schwägerin für mich kopiert hatte.
Wenn mich ein Artikel oder ein Buch begeistert, dann möchte ich am liebsten mit tausend Exemplaren über das Land fliegen und Kopien aus dem Hubschrauber abwerfen.
Dieser Text ist so einer.
Er stammt von dem Schweizer Allan Guggenbühl und heißt: "Die Schule - ein weibliches Biotop? Psychologische Hintergründe der Schulprobleme von Jungen". (erschienen in: Handbuch Jungen-Pädagogik von Michael Metzner und Wolfang Tischner, 2008, S. 150 - 167)
Guggenbühl schreibt, dass die Schulen es gut gemeint hätten, als sie in den 80er und 90er Jahren die Geschlechterrollen abschaffen wollten. Ein Mädchen sollte nicht darauf festgelegt werden, ein Mädchen zu sein, ein Junge nicht darauf, ein Junge zu sein. Mädchen sollten für Naturwissenschaften begeistert werden, Jungen für Handarbeiten und den Frieden.
Was gut gemeint war, so Guggenbühl, war letztlich eine Ideologisierung und ginge an der Realität von Kindern vorbei. Zwischen den Geschlechtern gebe es Unterschiede, die wir nicht leugnen könnten. Und wenn wir sie leugneten, würden wir den Schülern nicht gerecht. Vor allen den Jungen nicht, die inzwischen viel häufiger die Schule abbrechen oder zur Therapie geschickten werden als die Mädchen.
"Die überwiegende Mehrzahl der Kinder will sich als Junge oder Mädchen ins Leben einbringen, will die geschlechtliche Identität ausbauen und entwickeln. ... Auch wenn die Erwachsenen sich strikt geschlechtsneutral verhalten, entwickeln sich die Geschlechtsunterschiede. ... Wenn die Schule Geschlechtsunterschiede negiert, dann werden aus den Schülerinnen Tussis und aus den Schülern Machos!" (S. 153)
In dem Artikel wird mit Methoden aufgeräumt, die ich bis letzte Woche für toll hielt.
Individualisierter Unterricht zum Beispiel.
Guggenbühl macht klar, dass es für einen Jungen Stress bedeutet, wenn sich eine wohlmeinende Lehrerin an seinen Tisch setzt, ihm tief in die Augen blickt und nach seinen Interessen fragt.
"Wieso setzt sie sich wieder an meinen Tisch, spricht mit leiser Stimme und betroffenem Gesicht?"Über Worte Nähe zu erzeugen, ist ein sehr weibliches Verhalten. Jungen irritiert das eher. Sie stellen Nähe mehr über Taten her. Wenn sie jemanden zeigen wollten, dass sie sie mögen, würden Jungen ihr neustes Handy vorführen, eine Schachtel voller Würmer zeigen oder erklären, wie man den Stuhl verstellt, so Guggenbühl.
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| Das Tun ist für Jungen noch wichtiger als für Mädchen - Kronprinz vor Jahren an der Nordsee |
Auch bei uns an der Schule gibt es seit einiger Zeit sogenannte "Lernzielgespräche".
Meistens sieht das so aus: Lehrerin, Uta und Sohn sitzen zu einem vereinbarten Termin im leeren Klassenzimmer. Lehrerin und Uta sind begeistert über so viel Gelegenheit zum Quatschen, Sohn sitzt muffig daneben.
Danach auf dem Weg zum Auto.
Uta: "War doch toll, wie Frau Wagner auf uns eingegangen ist und wie differenziert sie dich sieht, oder?"
Kronprinz (15): "Mmmmpf".
Uta: "Eigentlich ist sie ja doch ganz nett, die Frau Wagner."
Kronprinz: "Mmmmpf".
Uta: "Du musst dich einfach nur ein bisschen häufiger melden und dich mehr bei der Gruppenarbeit einbringen."
Kronprinz: "Mmmmpf".
Uta: "Ja, fandest du das Gespräch denn nicht gut?"
Kronprinz: "Kriegen wir jetzt eigentlich einen Internetverstärker?"
Ende des Gesprächs.
Auch Prinzessin ist keine Freundin von Lernzielgesprächen. Aber sie reagiert - typisch Frau - ganz anders darauf. Sie sucht Augenkontakt zur Lehrperson, trägt eifrig neue Lernziele ein und sitzt mit einem charmantem Dauerlächeln auf ihrem Stuhl.
Als wir nach dem jüngsten Lernzielgespräch die Treppe zum Parkplatz hinaufgingen, knetete sie ihre Wangen.
"Was machst du da?" - "Ich massiere mein Gesicht. Dieses Dauergrinsen ist so mega-anstrengend."
Ich bin vom Thema abgekommen.
Es ging darum, dass Allan Guggenbühl eine zu starke Individualisierung des Unterrichts für Jungen nicht gutheißt. Phasen des Frontalunterrichts seien wichtig für Jungen.
Ich zitiere: "Wenn die Lehrperson vor einer Schülerschar steht, auf sie einspricht und etwas verlangt, dann präsentiert sie sich als Oberbandenführer". Das bräuchten Jungs von Zeit zu Zeit. Überhaupt bräuchten sie die Gruppe oder Klasse, weil sie sich viel mehr in Hierarchien einsortierten als Mädchen. Die Klasse und ihre Struktur sei für sie eine wichtige Motivation (Besser in Mathe sein als Tim und fast so gut wie Leon). Bei zuviel Individualisierung und ständigem Werkstattunterricht, wo jeder an seinen Themen vor sich hinarbeitet, verlören Jungen ihren inneren Halt.
Ein typisches Gewächs des "weiblichen Biotops Schule" ist die Note für soziales Verhalten, die es inzwischen in vielen Bundesländern gibt. Dem Artikel zufolge sind zumindest die Kriterien, nach denen sie vergeben werden, zutiefst weiblich.
"...das Sozialverhalten ist inzwischen zur schulischen Schlüsselkompetenz aufgestiegen. Schüler und Schülerinnen sollen lernen, eigene Gefühle in Worte zu kleiden, Konflikte verbal zu meistern, zu kooperieren und sich in eine Gruppe einzufügen. ... Die Standards, durch die soziale Kompetenzen genauer festgelegt werden, entsprechen dem Sozialverhalten der Mädchen und nicht jenem der Jungen." (S. 165)Jungen reagieren körperlicher, sie provozieren gerne, machen Witze und prahlen gerne, um Kontakt zur Gruppe aufzunehmen. Sie brauchen als Lehrer oder Lehrerin einen "Oberbandenführer", der das durchschaut, mal darüber lachen, es aber auch eindämmen kann, statt den Jungen gedanklich und im Zeugnis abzuwerten.
Ach, ich könnte noch so vieles aufgreifen aus dem Text. Aber das führt zu weit.
Für Zuhause noch den Tipp:
Wenn ihr mit eurem Sohn ein wichtiges Gespräch führen wollt, macht nicht die "Schau-mir-in-die-Augen-Kleiner-Nummer". Ihr kommt ihm viel näher, wenn ihr zusammen wandert, joggt oder etwas werkelt.
Immer fröhlich einen Jungen einen Jungen sein lassen
eure Uta
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Mittwoch, 19. Juni 2013
Glückliche Familie Nr. 151: Wo der Hammer hängt
Als ich am Wochenende ohne Kinder mit Soßenkönig auf der Autobahn unterwegs war (super Gelegenheit, mal in Ruhe zu reden), meinte er, ich müsste in meinem Blog darüber schreiben, was wir Frauen von den Männern in der Kindererziehung wollten.
Sollen sie den Windeleimer raustragen und sonst die Klappe halten?
Sollen sie auf den Tisch hauen, wenn Mama mal wieder zu weich ist?
Sollen sie Jesper Juul in etwas jünger und knackiger sein und tiefenentspannt zwischen den Bauklötzen sitzen?
"Was wollt ihr Frauen von uns als Vater?", fragte er und stand auf dem Gaspedal, als könnte er seiner Frage damit noch mehr Nachdruck verleihen.
Das hat mich erinnert an eine Szene aus dem Film "P.S. Ich liebe dich".
Daniel, der Holly seit einigen Monaten anschmachtet, sitzt mit ihr in einer Kneipe und sagt: "Kannst du mir verraten, was ihr Frauen eigentlich wollt?"
Sie beugt sich zu ihm vor und flüstert: "Ich verrate dir ein Geheimnis." Sie rücken noch näher zusammen. "Wir wissen es selber nicht."
Die Landschaft flog an mir vorbei und ich dachte, dass ich im Umgang mit den Kindern Unterstützung möchte, aber am liebsten alles selber bestimme (Hallo, ich bin Eltern-Coach, wer soll es besser wissen als ich? :-).
Der Soßenkönig soll tun, was ich möchte, und was ich möchte, soll er erkennen, bevor ich was sage, mich als beleidigte Leberwurst im Schlafzimmer verziehe oder effektvoll in Tränen ausbreche. Er soll irgendwie weich sein und irgendwie stark. Aber nicht zu stark, dann finde ich ihn dominant. Aber auch nicht zu weich, dann wäre er ja wie eine Frau und dann bräuchte ich keinen oder einen anderen Mann.
Ich habe das mal so ins Unreine gedacht und nicht ausgesprochen. Das war auch besser so, sonst wären wir noch aus der Kurve geflogen.
Bei unserer Wochenende-Reise hatte ich schließlich doch eine Erkenntnis, die den Soßenkönig weiterbringen kann.
Meine Schwester kümmerte sich zu Hause um Prinzessin (12) und Kronprinz (15). Allerdings nur von Freitagnachmittag bis Samstagabend. Den ganzen Sonntag und die Nacht davor wollten die beiden ganz alleine sein.
Kaum waren Soßenkönig und ich im Hotel angekommen, rief Prinzessin auf dem Handy an. Sie würde gerne von Samstag auf Sonntag bei ihrer Freundin Pia übernachten. Deren Eltern seien zwar nicht da, aber der Opa würde auf sie aufpassen.
Soßenkönig und ich sprachen darüber und waren uns einig: Opa unbekannt, Situation nicht einzuschätzen, Prinzessinnen-Schutzprogramm muss aktiviert werden.
Und dann merkte ich, was ich vom Soßenkönig möchte.
- Ich möchte mich mit ihm über grundlegende Fragen in der Erziehung auf gleicher Ebene austauschen können (weg mit der Besserwisserei als Elterntrainerin).
- Ich will, dass er mir hilft, unsere gemeinsamen Entscheidungen mit "Potenzkommunikation"* durchzusetzen.
Wir Frauen können zwar auch Potenzkommunikation*, fühlen uns aber unwohl damit. Sie kostet uns viel Energie. Während Männer gerne sagen, wo der Hammer hängt.
Also bat ich den Soßenkönig, Prinzessin zurück zu rufen.
"Prinzessin? Hallo? Hier ist Papa. Du kannst an einem anderen Wochenende bei Pia übernachten, wenn ihre Eltern wieder da sind. Mama und ich wollen nicht, dass ein Opa auf dich aufpasst, den wir nicht kennen. Du bleibst heute zu Hause. Ende-Gelände."
Dann wollte sie mich noch sprechen und mit Tränen weichspülen. Aber Uta blieb hart und sagte feierlich. "Du hast gehört, was dein Vater gesagt hat."
Früher war es üblich, dass Mütter sagten: "Warte, bis abends der Papa kommt." Das ist natürlich furchtbar, weil Mutter dann dastand, als hätte sie keine eigene Meinung zu dem Konfliktthema, und weil Vater als Drohmittel eingesetzt wurde.
Nicht machen!
Aber gemeinsam mit dem Vater unserer Kinder eine Linie bei grundlegenden Themen (nicht, ob es das Eis jetzt gibt oder nicht) finden und ihn dazu ermuntern, mit seiner Potenz uns den Rücken zu stärken, funktioniert richtig gut.
Immer fröhlich die "Potenzkommunikation" der Männer für uns alle einsetzen
Uta
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Sonntag, 19. Mai 2013
Glückliche Familie Nr. 145: Heilsame Bockigkeit
In seinem Buch "Dein kompetentes Kind" schreibt Jesper Juul, dass jeder Mensch um eine Balance zwischen Kooperation und Integrität ringe.
Wann passe ich mich anderen Menschen an, wann muss ich Partei ergreifen für mich selbst, für den Menschen, der einmalig in mir angelegt ist?
Die Kooperations-Fotos vom Bügeln, Mit-Fußball-Gucken, Aufräumen der Kinderzimmer und Addieren von Steuererklärungs-Belegen erspare ich euch. Aber was für meine Integrität wichtig ist, zeigen folgende Fotos.
In diesen Situationen erblüht mein Selbst.
| Es zu Hause schön machen. |
| Mit Tieren leben. |
| Im Garten arbeiten. |
| Zum Stepptanzen gehen. |
Sehr viel stärker als Menschen in der Lebensmitte (so wie ich) ringen Kinder um die Balance von Kooperation und Integration.
Das Kleinkind, das die Lippen zusammenpresst, weil es nicht mehr essen mag, der Junge, der im Torwart-Dress in den Kindergarten möchte, das Mädchen, das Lina nicht zu ihrem Kindergeburtstag einladen möchte, nur weil es die Tochter von Mutters Freundin ist, der Teenager, der nicht konfirmiert werden möchte ...
"Inzwischen wissen wir, dass Kinder im Konflikt zwischen Integrität und Kooperation - in den sie, wie die Erwachsenen, jeden Tag Dutzende von Malen geraten - sich in neun von zehn Fällen für die Kooperation entscheiden. Kinder brauchen keine Erwachsenen, die ihnen beibringen, wie man sich anpasst oder kooperiert. Sie haben hingegen einen dringenden Bedarf an Erwachsenen, die ihnen zeigen, wie man im Zusammenspiel mit anderen seine Integrität wahrt." (Jesper Juul: Dein kompetentes Kind, Hamburg 2003, S. 48)
Sehr erhellend finde ich, wie Juul darlegt, dass Kinder, die wir als bockig und höchst unkooperativ empfinden, im Grunde einer Familie einen großen Dienst erweisen können, wenn die Erwachsenen endlich genauer hinschauen würden.
Ich habe das mit Kronprinz (heute 15) erlebt in der Zeit, als er zwischen 6 und 9 Jahre alt war. Einmal rannte er im Streit aus dem Haus, geradewegs in Richtung der vierspurigen Hauptstraße. "Du kannst mich mal!"
Ein anderes Mal sprang er fast aus dem fahrenden Auto, warf draußen die Mülltonnen um oder trat nach mir.
Häufig war ich ratlos und verzweifelt.
Schließlich meldete ich mich in einem Seminar zur Persönlichkeitsbildung an und stellte fest, dass ich ein Männer-Bild mit mir herumtrug, mit dem mein Mann sich irgendwie arrangiert hatte, gegen das unser Sohn aber offensichtlich rebellierte. Meine Ablehnung von Gewalt, mein überhöhter Harmonie-Anspruch, mein Nett-Sein-Syndrom, meine tief sitzende Einstellung, dass wir Frauen mit unseren sozialen Werten und unserem Desinteresse für schnelle Autos, Geld und Macht irgendwie die besseren Menschen seien ...
Als ich zurückkehrte, hatte ich mich wohl so sehr verändert, dass die Konflikte mit Kronprinz wie weggeblasen waren. Ein Quantensprung in unserer Beziehung.
Ich bin heilfroh, dass ich irgendwann damit aufgehört habe, dem Jungen das Gefühl zu geben, wir Erwachsenen seien perfekt, nur mit ihm sei etwas nicht in Ordnung.
Ich bin heilfroh, dass ich ihn nicht zu einem Kinderpsychologen gezerrt oder sonst einer Therapie ausgesetzt habe.
Im Grunde hat er mit seiner Bockigkeit mir und der ganzen Familie einen großen Dienst erwiesen.
Juul würde sagen: Er war in höchstem Maße kooperativ.
Danke Kronprinz, danke Jesper Juul.
Immer fröhlich hingucken: Kämpft da mein Kind vielleicht um unser aller Integrität?
Uta
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Freitag, 15. Februar 2013
Glückliche Familie Nr. 122: Konferieren to go
Schwester Nr. 3 meinte, das mit dem Konferieren im letzten Post sei nicht hilfreich für sie. Sie befände sich mit ihrem Sohn sowieso in einem Zustand des Dauerkonferierens.
Meine Schwester ist allein erziehende Mutter eines 13jährigen Sohnes.
Das mit dem Allein-Erziehen ist wirklich eine Crux. In meinen Unterlagen vom "Lions-Quest"Seminar fand ich eine gute Stelle dazu.
"Mädchen und Jungen erleben Familie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Für beide Geschlechter ist meistens die Mutter erste und häufigste Ansprechpartnerin für ihre Sorgen und Nöte. Väter sind häufiger abwesend, haben meist einen geringeren Anteil an der Erziehungsarbeit und sind für ihre Söhne als Beispiel für die Entwicklung einer männlichen Identität nur begrenzt präsent. Deswegen bleibt Jungen auf der Suche nach ihrer Männlichkeit manchmal nur die Abgrenzung vom Weiblichen." ("Lions-Quest - Erwachsen werden", Kapitel 5, Seite 3)
Ich beziehe dieses Zitat hier mal auf die Situation von allein erziehenden Müttern mit Söhnen.
Ansonsten finde ich, dass heutige Väter (von Ausnahmen abgesehen) deutlich präsenter in den Familien sind als in den Generationen davor.
(Kleine Valentins-Gedenk-Minute für den Soßenkönig.)
Jetzt dürft ihr wieder sprechen oder mit den Tasten klappern, Minute ist vorbei.
Mir kommt es auf den Satz an:
"Deswegen bleibt Jungen auf der Suche nach ihrer Männlichkeit manchmal nur die Abgrenzung vom Weiblichen."Das macht mich sprachlos.
Dann ist Mama nur eine Negativfolie für die eigene Identität. Weil die heranwachsenden Männer kein positives Rollenvorbild haben, muss Mama herhalten als der Mensch, der man auf keinen Fall werden will. Und das nur, weil sie zum anderen Geschlecht gehört.
Das ist bitter.
Schwesterherz hat aber einen guten Tipp, um die Situation zu mildern:
Sie und ihr Sohn sitzen sich nicht am Tisch gegenüber wie der kleine Lord und sein Großvater. Sie haben nebenbei gesagt auch kein Personal, das die Karten mit den Lösungsvorschlägen von einem Tischende zum anderen tragen könnte. Nein, meine Schwester geht mit ihrem Kronprinz zum Problemlösen nach draußen. Sie reden im Gehen. Besonders schön im Dunkeln mit Taschenlampe.
Das ist neu: "Konferieren to go".
Meine Schwester sagt, dass sie dann beide nicht so ausrasten, weil sie sich in einem öffentlichen Raum bewegen würden. Zudem sei es entspannter, nebeneinander her zu gehen als sich eins zu eins gegenüber zu sitzen.
Wir wissen ja:
Männliche Körper können nicht still sitzen.
Männliche Hirne wollen nicht von vorne zugetextet werden.
Darüber schrieb ich hier.
Deshalb empfiehlt auch Frank Beuster, der Autor der "Jungenkatastrophe", mit heranwachsenden Jungen joggen zu gehen, wenn es etwas zu besprechen gibt. So kann man Probleme beiläufig lösen.
Meine Schwester löst nicht nur laufend Probleme, sie hat auch Ausschau gehalten nach männlichen Vorbildern für meinen Neffen.
Als sie ihn vor Jahren beim Fußball anmeldete, habe ich mich sehr gefreut. Ich sah gedanklich einen Mann im Trainingsanzug vor mir, die Haare schütter von den vielen Kopfbällen, Waden wie Gert Müller und ein Herz groß wie ein Torwarthandschuh. Einer, der die Jungs zum Sieg brüllt und ihnen nach der Niederlage väterlich die Haare rauft.
Ich brannte darauf zu erfahren, wie es war beim ersten Training. "Ganz okay", sagte meine Schwester. "Und der Trainer?" - "Der Trainer ist eine Frau."
Habt ihr "Karate-Kid" gesehen, den mit Jackie Chan und Jaden Smith in den Hauptrollen?
Da geht es auch um eine allein erziehende Mutter und ihren Sohn. Permanenter Kleinkrieg zermürbt ihren Alltag. Mutter muss beruflich in einem neuen Land Fuß fassen, der Sohn sich behaupten als Neuling in der Schule. Dem Jungen ist nicht mal beizubringen, dass er nach der Schule seine Jacke aufhängt, bis der Hausmeister Mister Han in sein Leben tritt. Er macht den Jungen zu seinem Karate-Schüler. Und nicht nur das. Er lehrt ihn, seine Mutter zu respektieren und sich im Leben aus eigener Kraft zu behaupten.
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| "Häng die Jacke auf!" Szene aus dem Film "Karate Kid" aus dem Jahr 2010 mit Jackie Chan und Jaden Smith. |
Ich gehe dann mal für meinen Neffen einen Schwarz-Gurt-Hausmeister suchen.
Immer schön beiläufig Probleme lösen, männliche Vorbilder aufspüren und fröhlich bleiben
Uta
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Pubertät
Mittwoch, 12. Dezember 2012
Glückliche Familie Nr. 107: Strahlende Männeraugen
Neulich hatte ich wieder Cafeteria-Dienst in unserer Schule. Beim Aufräumen sagte eine der anderen Mütter: "Mein Mann und ich schenken uns schon lange nichts mehr zu Weihnachten." Die anderen nickten. "Es reicht schon der ganze Stress mit den Geschenken für die Kinder."
Ich schaute in den riesigen Topf, den ich gerade abtrocknete. "Nichts mehr zu Weihnachten... nichts mehr ..." Mir war, als hörte ich ein trauriges Echo vom Grund des Topfes. "Nichts mehr ..."
Wer seit November eine durch 24 teilbare Zahl von Päckchen für Söhne und Töchter geschnürt hat, wer für den Weihnachtsmarkt in der Schule gebacken und gebastelt hat, wer zum Nikolaus die Stiefel gefüllt hat und gleich wieder los muss für die persönlichen "Kleinigkeiten" für die Patentante, den Briefträger, den Zeitungsboten, den Saxophonlehrer, die Hip-Hop-Trainerin ...
.... ist irgendwann durch mit Weihnachten und mit der Liebe.
Dann hat es sich ausgeliebt, dann ist es ein Geschenk, wenn man mit dem Menschen, den man vor den Kindern und dem Labrador kannte, auf dem Sofa dösen darf.
Dann können wir so weiter machen, bis auf uns die Beschreibung passt, die Marie-Luise Scherer auf ihre Tanten gemünzt hat:
"Soweit ich meine Tanten überblicke, war jede eine Herrscherin, die ihren Mann mehr ertrug, als dass sie ihn liebte. Und wenn im Alter diese Männer nicht mehr aus der Küche wichen, nur noch im Wege saßen und ein Faktor der Unordnung waren, machten sie sich bald ans Sterben." (Die Journalistin Marie-Luise Scherer in einer Rede zit. in Hamburger Abendblatt vom 2.3.2012)Können wir nicht bei den Kindern ein Geschenk streichen, dem Saxophon-Lehrer einmal warm die Hand drücken, die Kekse kaufen und der Liebe unseres Lebens zu Weihnachten eine echte Freude machen?
Neulich habe ich mich mit meiner Freundin Marie auf einen Kaffee getroffen. Mal wieder Herzausschütten in dem tobenden Trennungskampf mit ihrem Mann.
Rosenkrieg seit Monaten. Und vier Kinder kauern in den Schützengräben.
Ich hatte gerade Zucker auf den Cappuccino-Schaum rieseln lassen, als sie meinte: "Ich habe ja schon vor Wochen was Schönes für Hannes zu Weihnachten bestellt." -
"Gibt es einen neuen Hannes?" -
"Nein, für den alten Hannes."
"Wir kennen uns so lange", meinte sie und schüttelte ihr Zuckerpäckchen. "Ich weiß doch, worüber er sich freut."
Hattet ihr schon mal Milchschaum in der Luftröhre? Der Horror.
| Das Geschenkband gibt es im "Depot". |
Weihnachten ist verrückt, oder?
Immer schön fröhlich den Liebsten beschenken
Eure Uta
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Werte
Montag, 20. August 2012
Glückliche Familie Nr. 72: Beruf oder Berufung?
Neulich bei der Augenärztin machte ich an einem Gerät einen Sehtest. Mein Kinn lag auf einer Halterung, und während ich in den Kasten guckte, nahm die Sprechstundenhilfe Messungen vor und beschoss mich mit Fragen. "Schon einmal eine Brille getragen?" - "Kontaktlinsen?" - "Grüner Star in der Familie?" - "Chronische Krankheiten?"- "Beruf?"
Beruf?
So eine große Frage. Die kann man doch nicht einfach gegen ein Sehstärkenmessgerät werfen.
"Journalistin und Mutter"? Oder lieber "Mutter und Journalistin"? Klingt "Publizistin" besser? Vielleicht "Familienmanagement und Publizistik"? Das hört sich nach einem Unternehmen an mit geprägtem Schild im Aufzug und tiefen Sesseln am Empfang.
Ich kann doch nicht sagen, dass ich eine Journalistin bin, die sich hauptsächlich ihrer Familie verschrieben hat oder noch schlimmer "eine schreibende Hausfrau".
Wie wäre es mit Private Relations and Public Affairs, Uta A.,Vice-President?
Beruf?
Da muss ich mein Kinn von der Halterung nehmen, dem Mädchen am Tresen tief in die Augen blicken und zurückfragen dürfen: "Meinen Sie Beruf oder Berufung? Wollen Sie meinen Kopf gleich in das nächste Gerät stecken oder haben Sie eine halbe Stunde? Wollen Sie die Kategorie für die Krankenkasse oder wollen Sie wissen, was meinem Leben Inhalt und Ziel gibt?"
Da muss ich mein Kinn von der Halterung nehmen, dem Mädchen am Tresen tief in die Augen blicken und zurückfragen dürfen: "Meinen Sie Beruf oder Berufung? Wollen Sie meinen Kopf gleich in das nächste Gerät stecken oder haben Sie eine halbe Stunde? Wollen Sie die Kategorie für die Krankenkasse oder wollen Sie wissen, was meinem Leben Inhalt und Ziel gibt?"
Beruf?
Da ist jemand gerade 20, hat seine erste Stelle angetreten, hat abends ein Date mit jemanden, der noch nicht einmal weiß, ob er je Kinder möchte, und meint, einer Veteranin, gestählt im jahrzehntelangen Ringen um die Vereinbarkeitslösung, eine solche Frage entgegenschleudern zu dürfen.
Ich glaube, die meisten Frauen zwischen 28 und Ende 40, die mehr als die Hälfte ihrer Zeit in die Familie investieren, eiern herum bei der Frage: "Und was machst du so beruflich?"
Bei einer Party trafen mein Mann und ich einen Geschäftspartner meines Mannes und seine Frau. Die Männer vertieften sich in ein Job-Thema. Wir Frauen lächelten uns an. Wetterlage? Büfett-Qualität? Herkunft des Kleides? Der kleine Talk ist nicht meine Stärke. Also fragte ich, was sie so macht in ihrem Leben.
Aua.
Wie ein Kind, das ein Gedicht aufsagen muss, stellte sie sich gerade, schob die Brust raus und sagte: "Ich manage unser familiäres Kleinunternehmen", wirbelte auf ihrem Absatz herum und verließ den Raum.
Äh, ich mein doch bloß ... Ich bin doch auch ... Hallo? Sehe ich aus wie die Schwester von Ursula von der Leyen?
Das Leben von Müttern ist einfach bunt. Das lässt sich nicht reduzieren auf eine Rubrik in den Stellenanzeigen, egal, ob sie irgendwo angestellt sind oder freiberuflich arbeiten, egal, wie viel ihrer Zeit sie in die Familie investieren. Bei den wenigsten, die ich kenne, passt das, was sie tun, auf ein kleines Pappkärtchen.
Wozu der Frust, dass man uns nicht so leicht eine Stellenbeschreibung ans Revers hängen kann?
Mein Lieblingsautor zum Thema Zeitmanagement, Stephen R. Covey, sagt, man müsse den Anfang vom Ende her denken. Was sollen die Leute auf meiner Beerdigung über mich sagen? Wer soll alles dort sein? Was soll als der Inhalt meines Lebens beschrieben werden?
Wenn ich darüber nachdenke, dann komme ich auf keine Stellenbeschreibung, mit der ich auf Partys glänzen könnte. Am Ende sollte über mich gesagt werden, dass ich mein Bestes getan habe, um meinen Mann und meine Kinder zu unterstützen (es ist ein Fehler, schon morgens Wimperntusche zu tragen, schnief) und es sollte erwähnenswert sein, dass ich über die Familie hinaus, andere Menschen durch Schreiben und Coaching ermutigen konnte, ihr ganz eigenes Ding zu tun, und dass ich mein Leben in vollen Zügen genossen habe.
Das war jetzt rasant, oder? Vom Augenarzt über das Party-Gespräch bis ans Grab. Aber manchmal braucht es Umwege, um auf den Punkt zu kommen.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
| Welche Sehstärke? Welches Auge? Welcher Beruf? |
Ich glaube, die meisten Frauen zwischen 28 und Ende 40, die mehr als die Hälfte ihrer Zeit in die Familie investieren, eiern herum bei der Frage: "Und was machst du so beruflich?"
Bei einer Party trafen mein Mann und ich einen Geschäftspartner meines Mannes und seine Frau. Die Männer vertieften sich in ein Job-Thema. Wir Frauen lächelten uns an. Wetterlage? Büfett-Qualität? Herkunft des Kleides? Der kleine Talk ist nicht meine Stärke. Also fragte ich, was sie so macht in ihrem Leben.
Aua.
Wie ein Kind, das ein Gedicht aufsagen muss, stellte sie sich gerade, schob die Brust raus und sagte: "Ich manage unser familiäres Kleinunternehmen", wirbelte auf ihrem Absatz herum und verließ den Raum.
Äh, ich mein doch bloß ... Ich bin doch auch ... Hallo? Sehe ich aus wie die Schwester von Ursula von der Leyen?
Das Leben von Müttern ist einfach bunt. Das lässt sich nicht reduzieren auf eine Rubrik in den Stellenanzeigen, egal, ob sie irgendwo angestellt sind oder freiberuflich arbeiten, egal, wie viel ihrer Zeit sie in die Familie investieren. Bei den wenigsten, die ich kenne, passt das, was sie tun, auf ein kleines Pappkärtchen.
Wozu der Frust, dass man uns nicht so leicht eine Stellenbeschreibung ans Revers hängen kann?
Mein Lieblingsautor zum Thema Zeitmanagement, Stephen R. Covey, sagt, man müsse den Anfang vom Ende her denken. Was sollen die Leute auf meiner Beerdigung über mich sagen? Wer soll alles dort sein? Was soll als der Inhalt meines Lebens beschrieben werden?
Wenn ich darüber nachdenke, dann komme ich auf keine Stellenbeschreibung, mit der ich auf Partys glänzen könnte. Am Ende sollte über mich gesagt werden, dass ich mein Bestes getan habe, um meinen Mann und meine Kinder zu unterstützen (es ist ein Fehler, schon morgens Wimperntusche zu tragen, schnief) und es sollte erwähnenswert sein, dass ich über die Familie hinaus, andere Menschen durch Schreiben und Coaching ermutigen konnte, ihr ganz eigenes Ding zu tun, und dass ich mein Leben in vollen Zügen genossen habe.
Das war jetzt rasant, oder? Vom Augenarzt über das Party-Gespräch bis ans Grab. Aber manchmal braucht es Umwege, um auf den Punkt zu kommen.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
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Mittwoch, 8. August 2012
Glückliche Familie Nr. 69: Die Vereinbarkeits-Lüge
Gestern las ich in der Zeitung einen Artikel über eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann eine Immobilienfirma besitzt. Beide sind voll berufstätig. Er kümmert sich um "Strategie und Marketing", sie um das "operative Geschäft". Das Paar lebt mit seinen drei Söhnen vor den Toren Hamburgs. Die beiden Jüngsten, Zwillinge, reiten gerne und tun dies auf dem hauseigenen Parcours. Als die Kinder ganz klein waren, beschäftigte die Familie ein Au-Pair-Mädchen aus Guatemala. "Drei Kinder kommen innerhalb von zwei Jahren auf die Welt", heißt es in dem Artikel. "Eine Pause vom Beruf hat Kirsten D. nie eingelegt. Sie schafft seit Jahren den Spagat zwischen Karriere und Familie."
Ich finde es total wichtig, dass wir Frauen uns nicht gegenseitig niedermachen. Karrierefrau gegen Hausmütterchen - pah, völlig überholt dieser Konflikt. Stutenbissigkeit war nie mein Ding. (Bleck die Zähne!)
Wir sollten zulassen, dass jede von uns anders tickt. Dafür haben wir schließlich die Postmoderne.
Und Neid? Neidisch auf eine Frau, die sich mit ihrem Jil-Sander-Blazer abends erschöpft, aber glücklich an das Pony-Gatter lehnt und ihren Immenhof-Buben zuwinkt?
Ich doch nicht.
Das Blut der Himbeere spritzt an den Rand der Müsli-Schale. So heftig habe ich meinen Löffel in die Schüssel gestoßen.
Jetzt mal ehrlich, bin ich wirklich neidisch?
Ein bisschen. Schließlich sieht die Karriere-Kirsten auf dem Foto gut aus, nett, sogar warmherzig, könnte eine Freundin sein. Sie lehnt sich in ihrem schicken Büro in einen sandfarbenen Designsessel. Und sie hat bei all dem auch noch ein Kind mehr als ich. Grrrrrrrrrrrrrrrrr.
Übrigens musste ich vor fünf Zeilen das Schreiben unterbrechen, weil unser Kater sein Frühstück in den Flur erbrochen hatte.
Jetzt müsst ihr noch einmal warten, weil ich Wäsche aufhängen muss. Die wird nämlich- wie ich neulich las - zum Bakterien-Treffpunkt, wenn ich sie noch länger nass in der Waschmaschine liegen lasse.
Hat Kirsten D. in ihrem sandfarbenen Sessel auch solche Unterbrechungen?
Nein, hat sie nicht, weil sie den Haushalt und die Kinderbetreuung, weil sie das Kümmern und Sorgen, das Präsentsein und Einspringen deligiert hat an andere Menschen.
Eine Familie mit zwei voll berufstätigen Eltern, drei Kindern, eigenem Haus und Ponys braucht
- einen gut funktionieren Hort oder eine Ganztagsschule mit warmem Mittagstisch
- eine Haushälterin oder mindestens eine Putzhilfe, die mehrmals pro Woche kommt
- am besten noch ein oder zwei Omas oder eine wohlmeinende Nachbarin
- auf jeden Fall jemanden, der die Kinder zum Fußball-Training oder zum Kieferorthopäden fahren kann, wenn es aus Kübeln gießt
- jemanden, der von jetzt auf gleich bei einem Kind bleiben kann, wenn es krank ist
- jemanden, der wartet, bis der Tierarzt kommt, weil eines der Ponys eine Kolik hat
- jemanden, der wartet, bis der Handwerker vorfährt, weil die Heizung nicht anspringt, ein Abfluss verstopft ist, das Dachfenster nicht schließt
- jemanden, der bei den Hausaufgaben helfen kann
- einen Nachhilfelehrer
- jemanden, der ein Fahrrad reparieren oder es zur Reparatur bringen kann
- einen Gärtner für das Gröbste
- andere Mütter und Väter, die ehrenamtlich in Schulkantinen, Sportvereinen, als Schülerlotsen oder Chauffeur eines Kindertaxis arbeiten
Von all dem in dem Artikel kein Wort.
Erwähnt wurde nur
- das guatemaltekische Aupair-Mädchen (so jemand bleibt nur ein Jahr und hat den halben Tag Sprachunterricht)
Es ist diese Verschleierung von Arbeit, die mich auf die Himbeere einstechen ließ.
Es ist die Vereinbarkeits-Lüge, die mich auf die Palme bringt.
Lasst uns doch ehrlich sagen, wie viel Arbeit es macht, wenn Kinder gut betreut werden sollen und was es kostet, wenn man es deligiert.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
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Dienstag, 29. Mai 2012
Glückliche Familie Nr. 48: Tütü und Treckingsandale
In meinem Blog nenne ich unsere Tochter "Prinzessin". Das hatte sich analog zum "Kronprinzen" ergeben.
Während "Kronprinz" eine gute Wahl ist, ist "Prinzessin" nicht so der Treffer. Schon seit langem bin ich nicht zufrieden mit diesem klebrig-süßen Pseudonym.
Prinzessin ist einfach nicht der Lillyfee-Typ.
Mit Lillyfee war sie schon durch, da war sie kaum im Kindergarten.
Heute liebt sie Krimis mit viel Action, Karate-Kid-Filme, Achterbahn-Loopings, Lederjacken und Fußball. "Ich mag es gerne rockig", sagt sie.
Sprachlich ist sie auch nicht zimperlich. Als wir neulich am Tisch einen gepflegten Diskurs über Geschlechterverteilung im Wandel der Zeit führten, meinte sie: "Es sind ja doch die Väter, die den Schotter rauszocken."
Ich hüstelte in die rosa Stoffserviette, rückte die Messerbänkchen gerade und schwieg distinguiert. (He, das war ein Witz, wir haben gar keine Messerbänkchen.)
Es gibt da ein merkwürdiges Überkreuz-Phänomen.
Ich, mit meiner Schwäche für Blumenröcke, Jane Austen, weiße Geranien in Jugendstilwintergärten, Empirekleider, rosa Pfingstrosen, geblümten Kulturtaschen, Paisley-Briefpapier ... habe eine rockige Tochter.
Und unser Briefträger mit seiner Schwäche für Funktionskleidung, mit einer Familie, die den ganzen Sommer in Zelten und Treckingsandalen lebt, hat eine Lillyfee-Tochter.
Sie heißt Emma und ist sieben Jahre alt.
Ich gab dem Briefträger neulich eine Tüte mit Kleidern, die Prinzessin nicht mehr passen oder die sie noch nie mochte. Darin ein Tüllrock, rosa Ballettschläppchen, Lillyfee-Briefpapier .... Herr Ö. nahm die Tüte mit spitzen Fingern und stopfte sie in die Lenkerbox hinter die Einschreiben.
"Vergangene Woche gab's Theater, da wollte sie im Tütü in die Schule."
Ich seufzte, stellte mir Klein-Emma vor, eine schmale Gestalt mit einer duftigen Rosette um ihre Taille. Emma mit Tütü und Treckingsandale, Emma in Jack-Wolfskin-Jacke und Ballettschläppchen.
Herr Ö. wuchtete das Postfahrrad von seinem Ständer.
"Das ist sicher nur eine Phase", sagte ich.
Herr Ö. schüttelte sich. "Das ganze rosa Zeugs", sagte er, "meine Frau mag das auch nicht. Und mit diesem Lillyfee-Kommerz ziehen sie uns Eltern nur das Geld aus der Tasche."
Er boxte in den Tüll, der zwischen den Einschreiben aus der Tüte gefedert war.
"Bitte lassen Sie sie", flehte ich, "alles, was Sie bekämpfen, machen Sie nur stärker."
Wenn Herr Ö. wüsste, dass es nur dem sozialen Druck meiner Familie zu verdanken ist, dass ich nicht selber in Tüll und Spitze in der Tür stand.
Aber zurück zu Prinzessin. Wollen wir sie lieber P. nennen? Oder vielleicht P-Punkt (11)? (Bitte abstimmen oder per Einschreiben Vorschläge senden.)
Wenn ich mit P-Punkt shoppen gehe, ist meine einzige Funktion, der Kleiderständer für ihre Lederjacke (Synthetik übrigens) zu sein und zu zahlen. P-Punkt hat in Sekundenschnelle das Sortiment gescannt und weiß, ob etwas für sie dabei ist oder nicht.
Wenn ich meinen Kopf in die Umkleide schiebe, um mütterliche Beratung anzubieten, ist sie längst im Aufbruch. "Wir nehmen das und das. Das hier ist mir zu tussihaft."
Auf dem Weg zum Parkautomaten wagte ich es kürzlich, eine persönliche Frage zu stellen.
"Bei deinem Kleidungsstil gibt es da jemanden in deiner Klasse oder in Funk und Fernsehen, an dem du dich orientierst?"
"Ja, da gibt es jemanden", sagte sie.
Mit rutschte die Parkkarte aus der Hand.
"Und?"
"Ich selbst."
Immer schön fröhlich bleiben
die stolze Mama von P-Punkt
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Montag, 21. Mai 2012
Glückliche Familie Nr. 46: Brief an meinen Mann
Mein lieber Mann,
neulich abends schautest du in dein Bordeaux-Glas und sagtest: "Schreibe doch mal darüber, was man gegen die Wehmut tun kann, die einen anfällt, wenn die Kinder flügge werden."
Du hattest Bobby angeboten, ihn im Auto zum Übernachtungsbesuch bei einem Freund zu bringen.
Bobby hatte abgelehnt.
("Bobby" war mal unser Arbeitstitel für den ganz kleinen Kronprinzen.)
Er wollte allein mit dem Fahrrad fahren. Und es war nicht mehr Bobby, der aufs Rad stieg, sondern ein Vierzehnjähriger, der - seinen Seesack männlich geschultert - so schnell um die Ecke verschwunden war, dass dein Winken im Ansatz erschlaffte.
Manchmal gehst du dann in den Keller, wo die Kästen mit den Fotos stehen: Bobby auf dem ersten Fahrrad, Bobby mit Prinzessin auf dem Schoß, Bobby mit einem Steinbruch von Milchzähnen im Mund, Bobby am Strand, in der Wanne, auf dem Trampolin ...
Im Keller zwischen den Kästen hat die Wehmut leichtes Spiel.
Da findet man solche Fotos von euch beiden.
Aber was kann man tun gegen den Eltern-Blues, der einsetzen kann, wenn das Erstgeborene in die Pubertät kommt?
- Sich klar machen, dass das ein klassischer Mangel-Context ist.
- Sich klar machen, dass man dann die "Früher-war-alles-besser"-Brille auf der Nase hat.
- Sich klar machen, dass das Jetzt einen schweren Stand hat gegen die ach so schöne Erinnerung.
- Sich klar machen, dass man die Gegenwart beschädigt, wenn man die Vergangenheit überhöht.
Du siehst den großen Kerl und statt dich an seinen breiten Schultern zu freuen, läufst du Gefahr zu denken: "Och, ich kann ihn jetzt nicht mehr auf den Schoß nehmen."
Er ist abends unterwegs. Und statt dir zu sagen: "Hey, alles richtig gemacht: er hat jede Menge Freunde und zieht mit ihnen um die Häuser" guckst du durch die Wehmut-Brille und denkst: "Ich kann ihm gar nicht mehr vorlesen."
Statt dich zu freuen, dass du ihm das Rasieren und Krawattebinden beibringen kannst, bist du traurig, dass er die blaue Latzhose mit dem kleinen Teddybären in der Brusttasche nicht mehr trägt.
Die Phase, in der er jetzt steckt, ist Mannwerdung.
Wie spannend! Wie entscheidend!
Und wen braucht er dafür mehr als jeden anderen? Seinen Vater.
Klar, Freunde auch. Mit denen verbringt er jetzt die meiste Zeit.
Aber seinen Vater braucht er als Rückhalt, als großen Mann, als Hort der Erfahrung.
Mehr im Hintergrund, ohne Anbiederung, aber verlässlich und stark, ein Leitbild, ein Fixstern hoch über der Achterbahn der Gefühle, auf die ihn die Pubertät geschickt hat.
Und da du es bist, der sich immer ein Blog mit ganz viel Nutzwert wünscht, voila:
- Halte ihm keine Vorträge über den Fettgehalt von Kartoffel-Chips, sondern macht selber welche.
- Geht mal wieder Kartfahren. Vielleicht zusammen mit seinen Freunden und deren Vätern.
- Zeig ihm, wie man ein gutes Steak brät, oder baue mit ihm den höchsten und leckersten Burger, den er je gesehen hat.
- Lass uns die alten Fotos aus dem Keller holen und mit einem Beamer an die Wand werfen. Vielleicht kramen unsere Freunde auch ihre Fotoschätze aus dem Archiv und wir haben zusammen viel Spaß ( ätsch, Wehmut, jetzt haben wir es dir aber gegeben)
- Macht doch einmal im Monat einen Pokerabend. Das hatte euch doch neulich bei den Freunden so viel Spaß gemacht.
Wenn wir beide zuviel im Keller sitzen und alte Fotos angucken, kriegen wir nicht mit, wenn er hungrig oben durch die Küche tigert und verpassen den seltenen mitteilsamen Moment eines männlichen Teenagers beim Mitternachtsmüsli.
Du bist ein wunderbarer Vater. Und du hast schon so viele tolle Sachen mit deinen Kindern unternommen.
Lass dich nicht von der Wehmut in den Keller drücken.
Das Schöne ist jetzt.
Immer schön fröhlich bleiben
deine Uta
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Freitag, 20. April 2012
Glückliche Familie Nr. 37: Mütterlichkeit leben
Heute muss ich politisch werden. Das Thema "Frauenquote" springt mir aus allen Medien entgegen. Ich zappe durch die Talkshows, überfliege die Artikel und denke:
"Mädels, ist das wirklich unser Thema?"
Ich sehe bei Spiegel-Online all die Überschriften ("Frauen in Vorständen", "Frauen im Management", "Frauendiskussion in der Union") und möchte dick drunter schreiben: "Thema verfehlt."
Brauchen wir Frauen diesen Dirigismus? Sind wir nicht mächtig genug, die Dinge zu erreichen, die wir mit ganzem Herzen wollen?
Ich zum Beispiel schreibe gerne (ach) und habe früher als Zeitschriftenredakteurin gearbeitet. Wenn mich heute eine Frauenquote in die Chefredaktion einer Zeitschrift katapultieren würde und ich meine Kinder nur in einem "Zeitfenster" am Abend erleben dürfte, wäre ich das heulende Elend.
Ich würde die Pumps in die Ecke feuern, den riesigen Schreibtisch umwerfen und mit Heinz Rudolf Kunze schmettern:
"Ich bin weit gekommen, doch was will ich hier!?"
Frauen dürfen für mich alles werden: Bankvorstand, Hausfrau, Bundeskanzlerin, Galeristin, Unipräsidentin, Kindergärtnerin, Managerin, Altenpflegerin, General, Fingernageldesignerin, Chefärztin ...Aber müssen wir sie dahin drängen?
Die Diskussion über die Frauenquote erinnert mich an einen Bekannten, der körperbehindert ist. Immer wieder muss er sich dagegen wehren, dass ihn gut meinende Menschen über Straßen schieben, die er gar nicht überqueren will.
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| Frau geht ihren Weg |
Was ist, wenn ich meine Mütterlichkeit leben will?
Was ist, wenn ich glücklich bin fünf Ebenen unter dem Vorstand, weil mir das Zeit lässt, mit meinem Sohn am Teich neben der Kita Steine über das Wasser springen zu lassen?
Was ist mit Menschen, die den inneren Auftrag haben, andere zu hegen und pflegen ... nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern auch andere Kinder oder kranke oder alte Menschen?
Muss ich erst Nadelstreifen und Pokerface tragen, um als moderne Frau zu gelten?
Es fehlt doch nicht an Chefs mit Busen und Gebärmutter, sondern an gelebter Mütterlichkeit (gerne auch von Männern).
Meine Forderungen:
- bessere Ausbildung und Bezahlung für Erzieherinnen
- saftige Provisionen für jede Nachtschicht, die eine Krankenschwester auf der Intensivstation arbeitet
- Lustreisen für Altpflegerinnen und -pfleger, die mit Hingabe ihre Arbeit tun
- Managergehälter für Hebammen
Und nicht, dass Frau Dr. Dr. Sowieso nicht den Vorsitz des Vorstandes übernimmt.
Egal ob Frauen oder Männer - Menschen, die sich an entscheidender Stelle für eine Aufwertung der "helfenden" Berufe einsetzen, würde ich mit jeder Quote unterstützen.
Damit erreichen wir viel mehr Frauen und ihre Familien als mit einer starren Frauenquote.
Her mit den Plakaten! Dafür gehen wir auf die Straße.
Kinder haben oder Mutter sein, ist ein riesiger Unterschied*.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
* Diese Unterscheidung verdanke ich Maria B. Craemer von der CoachingAcademie in Bielefeld.
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