Montag, 16. April 2012

Glückliche Familie Nr. 35: Kind stärken


In einem Buch des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul gibt es ein Kapitel über das Loben, das essentielle Dinge darüber sagt, wie Kinder stark werden.

Die anderthalbjährige Katharina - so Juuls Beispiel - spielt in Begleitung ihrer Mutter auf einem Spielplatz. Einmal steht sie oben auf der Rutsche und ruft: "Mama, guck mal."

Es gibt mehrere Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

A  "Toll machst du das, Katharina!"

B   Hingucken, winken. "Hallo, Katharina, ich sehe dich."

C   "Ja, schön, aber halte dich gut fest, dass du nicht herunter fällst!"

D   Sich weiter unterhalten mit der anderen Mutter.


Wie würdest du reagieren?


Ich bin die A-Typ-Mama, begeistert über jedes Produkt ihrer Kinder, jedes Krikelkrakel ein Gemälde, jede Lebensäußerung zum Niederknien ...

bis ich Juul las.

Er sagt, dass in der Situation mit Klein-Katharina auf der Rutsche ein fundamentales Missverständnis liege. Kinder in dem Alter wollen nicht bewertet werden. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass das Heraufklettern auf die Rutsche eine Leistung sei. Wenn sie rufen "Guck mal!" wollen sie nur in ihrer Existenz bestätigt werden. Mit unserer Bewertung bringen wir Katharina erst auf die Idee, sie könnte beim Bezwingen der Rutsche etwas falsch oder schlecht machen.





Immer dieser Daumen!

Loben ist eine wichtige Form der Anerkennung, aber es ist immer eine Bewertung. Auch unsere großen Kinder wollen nicht ständig bewertet werden, sie wollen keinen Dauer-Kommentar zu ihrem Tun, sondern als eigene Person gesehen werden.

Ich stand noch frisch unter dem Eindruck des Juul-Kapitels, als Kronprinz (14) kam und mir davon erzählte, wie er die Bewerbung für sein Sozialpraktikum verfasst hat. Sonst hätte ich ihn viel schneller unterbrochen, hätte seine Ideen sofort kommentiert, in Lichtgeschwindigkeit eine fertige Meinung dazu gehabt, eigene Ideen eingeworfen. Diesmal war ich einfach präsent und siehe da: alles, was ich vorgeschlagen hätte, kam von ihm selber und besser. Ein schöner Moment für uns beide.

Ich folgere für mich daraus
  • darauf achten, nicht in dieses pädagogische Loben zu verfallen, das man gerne anwendet um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen (=Manipulation)
  • meine Kinder schon loben, aber spontan, mit echter Begeisterung, weil es ohne Absicht aus mir heraus strömt
  • das Kind sehen (= zuhören, erzählen lassen, Werke zeigen lassen)
  • das Sein der Kinder genießen
  • vor allem will ich vorleben, dass auch ich nichts über mich beweisen muss

Das Kapitel, auf das ich mich hier beziehe, ist aus dem Buch Jesper Juul: Dein kompetentes Kind. Hamburg 2009, Seite 97 - 137. Darin geht es auch um den Unterschied zwischen Selbstgefühl und Selbstwertgefühl, eine Erkenntnis, die mich sehr tief innen glücklich macht. Davon bald mehr.

Immer schön fröhlich bleiben

Uta


PS: Zur Auflösung meines kleinen Erziehungs-Quiz von oben:

Antwort A ("toll!") So reagieren die meisten Eltern, überhaupt nicht schlimm, aber Juul empfiehlt

Antwort B ("Ja, ich sehe dich!")

Antwort C ("...aber halt dich gut fest ...") macht Kinder eher ängstlich und ungeschickt.

Antwort D (sich mit anderer Mutter unterhalten) ist auch mal völlig okay. Der Anspruch der Dauerpräsenz führt garantiert zum Eltern-Burn-Out. 

Freitag, 13. April 2012

Glückliche Familie Nr. 34: Leben nicht vergessen



 "Zuerst sehnte ich mich danach,

das Abitur zu machen und zu studieren.

Dann sehnte ich mich danach,

mein Studium zu beenden und eine Stelle zu finden.

Dann sehnte ich mich danach,

zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Dann sehnte ich mich danach,

dass meine Kinder groß genug sind, 

in die Schule zu gehen,

so dass ich wieder arbeiten konnte.

Dann sehnte ich mich danach,

mich zur Ruhe zu setzen.

Und jetzt sterbe ich ... 

und plötzlich muss ich erkennen,

dass ich zu leben vergessen habe."

(aus: Wayne W. Dyer: Glück der positiven Erziehung. München 1989, S. 205)









"Leben" ist für mich:
  • Jeden Tag mindestens ein Freude.
  • Nicht immer auf die Zukunft schielen ... auch nicht auf die der Kinder. ("Wann schreibst Du noch mal die nächste Mathe-Arbeit?")
  • Morgens eine Erledigungsliste schreiben und mittags kühn mindestens einen Punkt wieder streichen (Es ist frappierend, wie wenige Dinge sich als wirklich wichtig erweisen.)
  • Alleinzeit mit meinem Mann.
  • Innehalten und die Kinder einfach nur beobachten.
  • Wenn die Sonne scheint, einen Moment auf der Bank vor dem Haus sitzen und die Wärme auf der Haut spüren.
  • Eine Arbeit tun, bei der ich die Zeit vergesse.
  • Ein erfüllendes Gespräch führen mit meinen Eltern, meinen Schwestern, einer Freundin. 
  • Lachen, Tanzen, ein Essen oder die Natur genießen. 

Immer schön fröhlich bleiben

Uta


PS 1: Der Schriftzug "leben" ist aus Holz und hier zu bestellen. Es gibt auch die Glückswörter "lächeln" oder "träumen" auch in Gold. So schön!

PS 2: Beim Noch-einmal-Lesen ist mir aufgefallen, dass dieser Post klingt, als läge ich auf dem Sterbebett. Nein, ich bin kerngesund!
Es ist aber nachgewiesen, dass Menschen, die sich mitten im Leben ihrer Endlichkeit bewusst sind, deutlich glücklicher leben als die, die das Thema "Tod" meiden.

Mittwoch, 11. April 2012

Tipp für Zwischendurch: Hausaufgaben


"Wer ist verpflichtet, Almosen zu geben?" - "Die Islamisten." - "Nein, Schatz, die spenden nichts, die legen Bomben. Es sind die Moslems." - "Und wie hieß noch mal der, der Jesus umgebracht hat?" - "Pontius Pilatus, er hat Jesus aber nicht umgebracht, er hat ihn zum Tode verurteilt." - "Und der war Jude und deshalb werden die Juden immer gejagt, oder?" - "Nicht ganz, Schatz, der war Römer und die Römer glaubten damals an viele Götter, Gott des Weins, Göttin des Krieges und so weiter ..."

Prinzessin (11) übt für den Test über Weltreligionen und ist schließlich eine intime Kennerin der Unterschiede zwischen Juden, Moslems, Buddhisten und Terroristen.

Aber nach knapp einer Stunde des Fragens nach Atheismus und Hinduismus sehnt sich die ganze Familie nach dem Nirvana des Feierabends.

Sollen wir unseren Kindern bei den Hausaufgaben helfen? 


Auch das ist eine echte Glaubensfrage.

Als Elterntrainerin habe ich immer erzählt, die Eltern sollten möglichst nicht helfen, damit die Kinder lernen, selbständig zu lernen.
Auch die Lehrer sagen, man solle nicht helfen, sonst würden sie nicht merken, wo bei dem einzelnen Schüler die Schwächen liegen.

Soweit die Theorie.

Aber mal ehrlich. Wenn das eigene Kind verzweifelt ist, weil es etwas nicht verstanden hat, dann lässt man es nicht ins Messer laufen, oder?

Wenn im Körper der Frust tobt, weil es in einem Fach stark abgesunken ist, dann braucht es Hilfe, oder?

1. Regel
In unserer Familie gilt die Maxime: Wir unterstützen uns gegenseitig und das gilt auch für den Lebensbereich, der im Leben unserer Kinder viel Platz einnimmt: die Schule. 
Als ich Kind war, hatte eine meiner älteren Schwestern in Kunst eine Schwachsinns-Hausaufgabe auf. Sie sollte aus Krepppapier Hunderte bunter Knubbel formen und auf ein großes Blatt Papier kleben. Stunden hätte das für meine Schwester gedauert. Schließlich hat sich die ganze Familie am Abend hingesetzt und Knubbel geknetet. Das war richtig nett.

2. Regel
Wir interessieren uns als Eltern für Schule und wir helfen punktuell, aber wir werden nicht zu "helicopter-parents". Das sind Eltern, die nur noch über ihren Kindern kreisen. 
"Gab es in Englisch einen neuen Zettel?" - "Nein, Mama."
"Hast du Nora nach den Kopien der Übungsarbeit gefragt?" - "Ja, Mama."
"Hast du in Deutsch wirklich keine Hausaufgaben auf?" - "Neiiiiiiiiiiiiiin, Mammmaaaa!" 
Wenn wir so über unseren Kindern kreisen, sind wir voller Angst, sie könnten Niederlagen erleben. Auch ich bin immer wieder gefährdet, in den Sinkflug zu gehen und mit lärmenden Rotorblättern meinen Kindern viel zu Nahe zu kommen. Auch ich habe die obigen Fragen schon gestellt. 
Aber ich merke, dass es keinem von uns gut tut. Ein furchtbarer Argwohn schleicht sich ein, eine Atmosphäre des Misstrauens, der Enge, der Angst. 
Beim Elterntraining erzählte eine Mutter, dass sie regelmäßig im Ranzen nachschauen würde, ob da nicht doch noch wichtige Zettel lägen, und ob das nicht okay sei. 
Nein, ist es nicht. 
Wenn ich zwischen dem Wert "Gute Schulnoten" und "Vertrauen zwischen Kind und Eltern" abwägen  soll, muss ich nicht lange nachdenken.

3. Regel
Wir sind als Eltern nicht der verlängerte Arm der Schule, wir sind nicht der fünfte oder sechste Lehrer unseres Kindes.
Wir sind Mutter oder Vater.





Kümmere ich mich deshalb gar nicht mehr um die Schulaufgaben meiner Kinder?

Doch.
  • Ich mache mit Prinzessin (11) direkt nach dem Mittagessen "Lagebesprechung". Welche Hausaufgaben liegen an? Was ist das Wichtigste? Was ist direkt für morgen? Ich finde, dass Kinder im ersten Jahr auf der weiterführenden Schule etwas Hilfe brauchen, um sich zu organisieren mit den vielen neuen Fächern und Lehrern.
  • Bei Kronprinz (14) gibt es nur noch "Lagebesprechung", wenn er darum fragt.
  • Wenn die Kinder in der Schule ihren Job nicht machen, trete ich bei den "Junk"-Medien (Playstation, Computerspiele) auf die Bremse.
  • Wir machen uns immer wieder klar, dass Schule nicht alles ist im Leben. Wirklich nicht.

Immer schön fröhlich bleiben

Uta


Montag, 9. April 2012

Glückliche Familie Nr. 33: Ungerechte Eltern


Vorgestern Nacht habe ich Dragee-Eier in kleine Tüten gefüllt, um sie am Ostermorgen im Garten zu verstecken. Um gerecht zu sein, fing ich an, die kleinen Eier abzuzählen. Dann hielt ich inne: "Spinnst Du?", sagte ich zu mir selber. "Möchtest du Kinder haben, die nicht damit zurecht kommen, dass der Bruder oder die Schwester ein Dragee-Ei mehr im Beutel hat als sie selber?"
Nein.
Natürlich liegen zu Weihnachten ungefähr gleich viele Geschenke für beide Kinder unterm Weihnachtsbaum und in der Eisdiele dürfen beide zwei Kugeln mit Streuseln. Natürlich verwöhnen wir nicht das eine Kind und halten das andere knapp.

Aber wir nehmen das Thema "Gerechtigkeit" nicht zu wichtig.

Was ist denn gerecht?
Wenn alle immer das Gleiche bekommen?

Aber die Kinder sind doch auch unterschiedlich.

Meine Freundin hat drei Kinder. Wenn eins davon anfängt zu maulen "Das ist aber ungerecht", sagt sie ihnen: "Gerechtigkeit ist sowieso nur ein moralisches Konstrukt."
Ich weiß nicht, ob auch der Jüngste das versteht, aber zumindest wissen die Drei, dass sie diesen Knopf bei Mama nicht zu drücken brauchen.

Wenn Eltern überängstlich darauf bedacht sind, gerecht zu sein, setzen sie die Kinder auf die gleiche Spur. Dann infizieren sie die Kinder mit dem Gefühl, man könnte zu kurz kommen.

Solche Eltern geben sich unglaublich viel Mühe und erreichen genau das Gegenteil von dem, wofür sie sich so angestrengt haben.

Aus dem gut gemeinten Wunsch, niemanden zu benachteiligen, verbreitet sich so ein Gefühl permanenten Mangels. Die Kinder bekommen den Eindruck, dass alles knapp ist, wenn mit so viel Anstrengung um gleiche Verteilung gerungen wird.

Kennt ihr das von Kindergeburtstagen? Es sind immer kleine Gäste dabei, die Angst haben, sie kämen zu kurz: beim Aufschneiden des Kuchens, bei der Vergabe der Rollen im Spiel, der Verteilung der Preise ...

Wenn wir Kinder mit dem Gerechtigkeitsvirus infizieren, entwickeln sie die Einstellung, andere seien ihnen etwas schuldig: die Eltern, die Lehrer, der Staat, das Leben.

Als Kronprinz in der dritten Klasse war, ging mein Mann zum Elternabend. Die erste mehrtägige  Klassenreise stand bevor. Die Lehrerin wollte die Regel vereinbaren, dass niemand seinem Kind eine Karte oder einen Brief in das Landschulheim schreiben dürfe. Denn wenn 15 Kinder Post bekämen und 10 bekämen keine Post, dann sei das ungerecht. Die meisten Eltern nickten.
Mein Mann meldete sich zu Wort und sagte, dem könne er nicht zustimmen. Diese Regel sei grenzsozialistisch. Und auch die Diktatur der überbesorgten Mütter werde ihn nicht davon abhalten, seinem Sohn einen Brief zu schreiben, wenn ihm danach sei.


(danach war Stille: Schockstarre der Gerechtigkeitsfanatiker)


Bitte versteht mich nicht falsch: Wenn wir eine Gruppe von Kindern beschenken wollen, darf natürlich kein Kind leer ausgehen.

Aber verbeißt euch nicht bei jeder Gelegenheit in das Thema "Gerechtigkeit".

Mein kleiner Leitfaden:
  • Schenkt aus vollem Herzen, schenkt spontan. Gerade kleine Kinder freuen sich über Kleinigkeiten: eine Muschel, ein Stein, eine schöne Feder ...
  • Geschenke müssen nicht teuer sein, aber schenkt häufig und persönlich. Leben ist Fülle, kein Aufrechnen, Abmessen, Wiegen. Je früher Kinder diese Fülle erleben, umso besser.
  • Wenn ich selber mal leer ausgehe oder enttäuscht bin über ein Geschenk, meckere ich nicht rum. Ein anderes Mal werde ich dann umso reicher beschenkt werden.
  • Wenn ein Kind Geburtstag hat, kauft den anderen keine "Trostgeschenke". Was ist das denn für eine Idee? Damit vermittele ich ja dem Geschwisterkind, dass es sonst Mangel leidet, dass es sich nur freuen kann, wenn es auch beschenkt wird. Damit vereitele ich die Freude des puren Mitfreuens. Kinder schenken selber so gern. Lasst sie die Freude auf der Geberseite erleben statt alles mit Trostgeschenken zu ersticken. 
  • Stellt die Freude in den Vordergrund, nicht das "moralische Konstrukt" Gerechtigkeit. Wenn ihr merkt, ihr verstrickt euch in rechthaberische Diskussionen über Gerechtigkeit, haltet inne und wickelt das nächste kleine Geschenk ein.

Wie steht ihr zum Thema "Trostgeschenke"? Habe ich da eine zu strenge Haltung?
Ich freue mich, wenn ihr mir eure Meinung schreibt.

Immer fröhlich sich verschenken

Uta

Freitag, 6. April 2012

Glückliche Familie Nr. 32: Die Alphabetisierung von Eiern



Rituale sind ja wichtig für Kinder. Aber Eierfärben zu Ostern fand ich immer lästig. Die meisten Eier platzen im Topf und kommen mit weißen Eiweißbeulen raus. Die Unversehrten müssen in Gläsern mit Naturfarben liegen und sind auch nach den Spätnachrichten noch fahl. Welche Farben ich bisher auch ausprobiert hatte, nie sahen meine Eier so aus wie die auf der Packung. Aber heute morgen ...

haben die Kinder mit ihren Freunden Eier gefärbt.






Wir haben Kaltfarben verwendet und goldene Klebebuchstaben. Wenn man das Ei nach fünf Minuten aus dem Wasserbad gefischt hat, kann man die Buchstaben abziehen oder drauf kleben lassen.






Eier statt Tischkarten.





Immer schön fröhlich Eier färben


Uta 




Mittwoch, 4. April 2012

Glückliche Familie Nr. 31: Herr Kanamoris Schule des Lebens


Ich habe gestern einen kleinen Dokumentarfilm über den japanischen Lehrer Toshiro Kanamori gesehen. Kanamori unterrichtet in einer Grundschule in Kanazawa, nordwestlich von Tokio. Tief bewegt saß ich vor dem Laptop und dachte: "Unglaublich, so kann Schule sein?!"

Kanamori lässt die Kinder sogenannte Notebook-Letter schreiben. Darin sollen sie jeden Tag ihre Gedanken in Worte fassen. Wer will, darf seinen Mitschülern vorlesen, was ihn beschäftigt. Auf diese Weise wächst das Verständnis der Schüler füreinander und der Zusammenhalt in der Klasse wird größer. Themen, die die Kinder sehr berühren wie Glück, Verlust, Freundschaft, Tod, Einsamkeit, Liebe kommen zur Sprache.

Was ich nicht in Worte fassen kann, ist die Atmosphäre einer tiefen Verbundenheit in dieser Klasse durch alle Höhen und Tiefen hindurch. Seht einfach selbst!

>> Children full of life/ Playlist (1-5) <<


Ich danke Mathias Voelchert von familylab für den Hinweis auf diesen Film.

Immer schön fröhlich Schule verändern

Uta

Montag, 2. April 2012

Glückliche Familie Nr. 30: Jungs verstehen,Teil 2



Ich setze das Thema "Jungs verstehen" fort, weil ich im vergangenen Sommerurlaub zwei Bücher über Jungen gelesen habe, von denen ich bis heute profitiere. Im letzten Post waren es einige Erkenntnisse von Vera Birkenbihl. Diesmal kommt Frank Beuster zu Wort. Frank Beuster: Die Jungenkatastrophe. Das überforderte Geschlecht. Reinbeck bei Hamburg 2007.

Die Sonne brannte mir aufs Hirn, ich hatte Sand im Kugelschreiber, aber eine Stelle musste ich mir komplett rausschreiben. Hier das Originalzitat:
Jungen haben in den Augen von Frauen oftmals viele Schwächen. Sie sind ... so vergesslich, besonders bei den Dingen, die andere von ihnen wollen. Ihre eigenen Interessen haben sie dagegen immer im Kopf. Mein Sohn Fabian baut die aufwändigsten Holz- und Metallkonstruktionen, dabei denkt er an alle Details. ... Doch wenn seine Mutter ihn auffordert, auf dem Weg in sein Zimmer noch eben der Katze Futter zu geben, die Schultasche im Flug wegzustellen und oben im Bad das Fenster zuzumachen, ist er damit überfordert. Sie, als Frau, kann nicht begreifen, dass er das nicht hinbekommt. Sie macht den ganzen Tag mehrere Dinge gleichzeitig ... Warum tut er das nicht? 
Sie hat das Gefühl, "er will mich ärgern, er nimmt mich nicht ernst, er will, dass ich alles mache, er belastet mich". Er hört den Klang der Stimme seiner Mutter wohl, doch die Worte erreichen ihn nicht. Nicht aus Bösartigkeit! 
Mütter, die ihrem Sohn das Gefühl geben, er sei vergesslich, zu faul oder ignorant, sollten bedenken, dass ein Junge sich viel mit anderen vergleicht, sich oft in Konkurrenz zu anderen befindet (bei Jungs gibt es eine viele härtere Rangordnung als bei Mädchen, Anmerkung der Bloggerin). Doch gegen eine berufstätige Mutter, die nebenbei einen komplexen Haushalt führt und das Leben einer Kleinfamilie managt, fühlt sich der Junge nicht konkurrenzfähig." (Die Jungenkatastrophe, S. 29/30)



Bei so vielen Details können die häuslichen Pflichten schon mal auf der Strecke bleiben. "Querschnitt eines Mehrfamilienhauses in der Großstadt", Kronprinz 2009


Was hilft, damit Mutter und Sohn glücklich zusammen leben können:
  • es nicht zu genau nehmen mit der Ordnung
  • für viel Kontakt mit männlichen Vorbildern sorgen: Vater, Onkel, Opa, Trainer, Nachbar ...
  • Kuscheln (vor allem Mamas Rolle)
  • Rangeln, Kämpfen und sagen, wo der Hammer hängt (Papas Rolle)
  • sich auch mal interessieren für das neue Computerspiel und sich Erfolge darin zeigen lassen 
  • Anerkennung (Prof. Peter Struck, Erziehungswissenschaftler: "Jungen brauchen fünfmal mehr Lob als Mädchen.")
  • Jobzettel hier oder Türklinkenschilder hier

Immer schön fröhlich bleiben

Uta