Manchmal bekomme ich Rückmeldungen von Leserinnen und Mamas, die ich gecoacht habe, die mich selbst wieder wachrütteln und auf meinen Weg zurückführen. So ging es mir mit dieser Mail aus Bayern. Hier ein Ausschnitt:
„Ich habe nun den ganzen Dezember über sehr, sehr wenig gearbeitet, habe mi...
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Montag, 9. Januar 2017
"Kleine ICH-Zeiten zelebrieren"
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Dienstag, 17. Mai 2016
Luther und ich
Von Botschaften an Zimmertüren und warum Teenager auch Bereiche brauchen, in denen sie nicht die Bedingungen der Erwachsenen erfüllen.
Wie ihr wisst, arbeite ich gerne mit Schildern, damit ich im Familienleben nicht so viel herummeckern muss. Außerdem macht es mir Freude, Schriften und kleine Ra...
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Samstag, 27. Juni 2015
Die süße Zeit der Pflichtfreiheit
Wie man es langfristig schafft, dass Kinder gerne helfen.
Für meine Kurz-Rezensionen auf meiner Bücherliste habe ich nach längerer Zeit wieder Jesper Juuls „Die kompetente Familie“ gelesen. Und mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich eine Sache damals überlesen haben musst...
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Samstag, 7. Februar 2015
Glückliche Familie Nr. 267: Die Kakao-mit-Sahne-Strategie
Ich bin jemand, der gerne betüdelt, halte seit Jahren mühsam mein Helfersyndrom unter Kontrolle und stehe ständig in der Gefahr, meine Mitmenschen einem Zwangs-Beglückungs-Programm zu unterziehen.
Bei der Kälte vielleicht eine Wärmflasche?
So ein langer Schultag! Wer will alles einen heißen Kakao mit Schlagsahne und Schoko-Streuseln?
Eine Dose Studentenfutter für die Klassenarbeit?
Ein Apfel, blank poliert, für den schwer arbeitenden Soßenkönig?
Zink-Tabletten für das Immun-System der Nachbarin?
Marmeladen-Brote für den Elektriker?
Neulich beim Einkauf betrat eine alte Dame die Holzterrasse eines Restaurants, rutschte aus und landete direkt in meinen Armen. Wir hielten uns noch einen Moment an den Unterarmen umfasst und strahlten uns an. So ein glücklicher Moment. Aber dann sah ich im Augenwinkel, wie mein Mann und die Prinzessin die Augen verdrehten und Angst hatten, ich wollte unserer neuen Oma die Einkäufe bis Poppenbüttel tragen.
Bei den Müttern in meinem Umfeld ist Doro für mich das größte Muttertier. Man kann aus anderer Quelle wissen, dass einer von ihren zwei Jungs wieder was angestellt hat, trotzdem spricht sie mit einer Zärtlichkeit von ihnen, dass man sofort auf ihren Schoß möchte. Außerdem rettet sie kleine Katzen und füttert mit Pinzette und Pipette alles, was aus dem Nest gefallen ist.
Wenn man so gerne bemuttert, besteht die Gefahr, dass die Kinder dem Leben später nicht gewachsen sind, weil man ihnen immer alles abgenommen hat. Habe ich nicht neulich selbst geschrieben: Helfen kann hilfsbedürftig machen?
Diese Zweifel nährte ein Kapitel, das ich in dem Buch "4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen" von Jesper Juul las. Eine Mutter schildert darin, wie ihr erwachsener Sohn noch zu Hause wohnt, eine Ausbildung nach der anderen abbricht und computerspielsüchtig wurde. Dabei hätten sie und ihr Mann ihm so viel geholfen, ihm einen Platz auf der Unteroffiziersschule besorgt, für ihn Arzttermine vereinbart ...
"Einfach und brutal ausgedrückt", so Juul, "wurde er von der ewigen Liebe, Fürsorge, Unterstützung und Hilfsbereitschaft seiner Eltern erstickt."
Für uns Eltern ist das doch wirklich die Pest. Kümmert man sich zu wenig, ist es schlecht, kümmert man sich zu viel, ist es auch verkehrt. Da ist es am besten, man wendet sich der Fauna zu. Kleine Katzen werden nicht computersüchtig.
Das Kapitel aus dem Werte-Buch löste bei mir eine härtere Gangart aus. Nach dem Essen am Sonntagabend sagte ich den Kindern, dass sie jetzt den Abwasch machen müssten.
Sonst sind gelegentliches Ausräumen der Spülmaschine, Socken-Sortieren, Zimmer-Aufräumen, Katzenklo-Reinigen und Dusche-Putzen die einzigen Hilfen, die wir im Haushalt einfordern. Abwaschen gehört also nicht dazu. Wegen der härteren Gangart aber hielt ich das für angebracht. Kronprinz (17) und Prinzessin (14) meckerten und fingen an aufzuzählen, was sie alles arbeiten würden in ihrem Leben.
"Ihr wollt nicht, dass Papa und ich mal aufzählen, was wir alles machen." Ich schnaubte über die abgegessenen Teller. "Nein, das wollt ihr nicht."
Missmutig machten sie sich ans Werk. An dem Abend spielten wir noch Doppelkopf, aber die gegenseitigen Vorwürfe hatten die Stimmung getrübt.
Welche Schlüsse ziehe ich daraus?
- So ein Strohfeuer "härtere Gangart" ist nicht das Wahre. Wenn ich eine Kursänderung möchte, müssen wir uns richtig zusammen setzen und das aushandeln. In etwa so: "Mir wird das gerade zuviel mit dem ganzen Haushalt. Wer kann welche Aufgabe noch übernehmen?"
- Wenn ich meine Mütterlichkeit ausleben möchte, kann ich etwas machen, was ich die "Kakao-mit-Sahne"-Strategie nennen möchte. Man setzt punktuelle Highlihts und genießt sie zusammen.
- Ich merke, dass es ein riesiger Unterschied ist, ob ich eine Arbeit übernehme, weil ich dem anderen nicht zutraue, dass er sie schafft (ganz schlecht), oder weil ich gerade so schön in Schwung bin und jemanden verwöhnen möchte ("Kakao-mit-Sahne"-Strategie). Manchmal muss man doch irgendwo hin mit seiner Lebensfreude und der Kinder-Verliebtheit.
| Am liebsten serviere ich Kakao auf dem oberen weißen Tablett, wenn es nicht gerade belegt ist :-) |
- Als Eltern sollte man sich bremsen bei den ureigenen Belangen der Kinder. Dazu zähle ich bei Jugendlichen die Hausaufgaben, Bewerbung um Praktikums- oder Studienplätze oder das Konfliktelösen im Freundeskreis. Bei diesen ureigenen Belangen kann ich beratend zur Seite stehen, wenn das gefragt ist, aber ich darf nicht das Ruder übernehmen. So nach dem Motto: "Sonst wird das sowieso nichts."
- Dieses Vertrauen lerne ich gerade beim Autofahren. Der Kronprinz hat seit 10 Tagen den Führerschein (!!!) und der Soßenkönig oder ich müssen im Auto sein (Kofferraum reicht auch), bis er im Herbst 18 wird. Wenn ich daneben sitze und die Fingernägel ins Polster grabe, denke ich immer an eine Szene aus dem "Pferdeflüsterer": Robert Redford alias Tom Booker lässt die halbwüchsige Grace an das Steuer seines Pick-ups. Und als das Auto kaum rollt, lehnt er sich in die Sitzecke und zieht sich den Cowboy-Hut für ein ungestörtes Nickerchen ins Gesicht. Das ist die Art Vertrauen, die Jugendliche brauchen. Nun haben wir hier nicht die Weiten Montanas, aber die Vorstellung von dem Vertrauens-Nickerchen hilft mir sehr.*
- Mütterlichkeit hat ja nicht so den Coolness-Faktor. In der Ausprägung "Überbesorgtheit" kann es schnell spießig werden, aber die Kakao-mit-Sahne-und-bunten-Streuseln-Variante werde ich mir vom Zeitgeist nicht austreiben lassen.
- Ich darf als Mutter oder Vater der Mensch sein, der ich bin. Wenn ich sehr mütterlich bin, wunderbar, wenn meine Leidenschaften woanders liegen und ich viel an die Kinder deligiere, auch prima.
Eure Uta
* Abgesehen davon, kann man sich mit dem Kronprinzen am Steuer wirklich sicher fühlen.
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Dienstag, 26. August 2014
Glückliche Familie Nr. 238: Unechte Fragen
Am Sonntag nach dem Essen fragte ich den Kronprinzen (16), ob er mir beim Abwasch helfen würde.
Er sagte: "Nein."
Ich sagte: "Okay."
Während ich die Arbeit allein machte, war ich ganz im Reinen mit uns beiden. Denn mir fiel ein, dass ich Kronprinz am Vortag gefragt hatte, ob er die Spülmaschine ausräumen könnte. Und er hat es gemacht.
"Wer eine Frage stellt, muss auch mit einem 'nein' leben können."
Maria&Stephan Craemer, CoachingAcademie
Häufig stellen wir Fragen und es sind gar keine. Es sind keine, wenn der andere nicht wirklich die Wahl hat, was er darauf antwortet. Denn wenn die Antworten "keine Lust", "keine Zeit" oder "warum ich schon wieder?" lauten, werden wir motzig. Dabei wollten wir doch wissen, wie die Befragten zu unserem Anliegen stehen. Und wenn sie ehrlich antworten, sind wir auch nicht zufrieden.
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| Spülen oder spielen? |
Wenn ich den ganzen Tag frage: Räumst du den Tisch ab? Machst du endlich das Katzenklo sauber? Stellst du dein Fahrrad in den Schuppen? ... , sind es versteckte Befehle. Die funktionieren schlecht.
Wenn ich will, dass meine Kinder den Müll herausbringen, dann muss ich es anordnen.
"Prinzessin, du bringst jetzt den Müll heraus. Danke."
Ich merke, dass es besser läuft, wenn ich diese Klarheit habe: echte Frage oder klarer Befehl. Dann wissen sie, woran sie sind.
Inzwischen habe ich ein deutliches Gefühl, wann ich etwas anordnen möchte, weil es höchste Zeit ist, dass die beiden etwas im Haushalt tun, und wann ich einfach nett frage möchte, ob mir jemand bei einer Arbeit helfen könnte, und es auch okay ist, wenn ich ein 'nein' zu hören bekomme. Umso mehr freue ich mich, wenn sie mir in einer Situation zur Seite springen, in der ich gar nicht damit gerechnet habe.
Inzwischen habe ich ein deutliches Gefühl, wann ich etwas anordnen möchte, weil es höchste Zeit ist, dass die beiden etwas im Haushalt tun, und wann ich einfach nett frage möchte, ob mir jemand bei einer Arbeit helfen könnte, und es auch okay ist, wenn ich ein 'nein' zu hören bekomme. Umso mehr freue ich mich, wenn sie mir in einer Situation zur Seite springen, in der ich gar nicht damit gerechnet habe.
Das Entscheidende ist aber, dass wir alle kooperativer werden, wenn wir erleben, dass unser 'nein' respektiert wird. Wahrscheinlich sind das die Hauptgründe, warum es dann besser läuft: mehr Klarheit und mehr Respekt.
Und hier noch ein Satz aus dem Coaching-Seminar:
Wenn Eltern von ihrem Kind erwarten, dass es zum Ballett (Tennis, Karate, Geigenunterricht, Treffen mit Tante Klara) geht und das Kind nicht 'nein' sagen kann, weil die Erwartung wie eine Wolke im Raum hängt, wird das 'nein' sich einen anderen Weg bahnen: das Kind wird bockig bei der Wahl der Socken, rastet bei irgend einer Kleinigkeit aus, bekommt Bauchschmerzen, Ohrenweh, mysteriösen Hautausschlag.
Deshalb ist es gut, sich bei wichtigen Angelegenheiten zu fragen, ob das Kind wirklich 'nein' sagen darf. Darf es das nicht, sollte man lieber anordnen:
"Heute fahren wir zu Tante Klara. Ich weiß, dass du dich dort immer langweilst, aber du musst trotzdem mitfahren. Ich könnte dir allerdings anbieten, dass deine Freundin Anna mitkommen darf/ wir im Auto das neue Hörbuch hören ....."
Warum sollen wir Wahlmöglichkeiten suggerieren, wenn es keine gibt?
Alle Eltern lieben ihre Kinder. Alle Kinder lieben ihre Eltern. Nur häufig schaffen es die Parteien nicht, diese Liebe zu kommunizieren. Da wird nicht zugehört, da werden Vorwürfe gemacht, da wird jemand öffentlich lächerlich gemacht, da gibt es zu wenig Anerkennung, da wird viel zu viel geschimpft.
Das Schöne ist, dass ich es auch umgekehrt anwenden kann. Wenn Kronprinz mich fragt: "Kann ich heute dein Fahrrad nehmen?" und ich sage "nein" und dann der Welpenblick kommt, sage ich: "Du hast mich gefragt und heute lautet die Antwort 'nein'." Das Ganze dauert keine zwei Minuten.
"Wer nicht 'nein' sagen darf, der handelt 'nein'."
Wenn Eltern von ihrem Kind erwarten, dass es zum Ballett (Tennis, Karate, Geigenunterricht, Treffen mit Tante Klara) geht und das Kind nicht 'nein' sagen kann, weil die Erwartung wie eine Wolke im Raum hängt, wird das 'nein' sich einen anderen Weg bahnen: das Kind wird bockig bei der Wahl der Socken, rastet bei irgend einer Kleinigkeit aus, bekommt Bauchschmerzen, Ohrenweh, mysteriösen Hautausschlag.
Deshalb ist es gut, sich bei wichtigen Angelegenheiten zu fragen, ob das Kind wirklich 'nein' sagen darf. Darf es das nicht, sollte man lieber anordnen:
"Heute fahren wir zu Tante Klara. Ich weiß, dass du dich dort immer langweilst, aber du musst trotzdem mitfahren. Ich könnte dir allerdings anbieten, dass deine Freundin Anna mitkommen darf/ wir im Auto das neue Hörbuch hören ....."
Warum sollen wir Wahlmöglichkeiten suggerieren, wenn es keine gibt?
Alle Eltern lieben ihre Kinder. Alle Kinder lieben ihre Eltern. Nur häufig schaffen es die Parteien nicht, diese Liebe zu kommunizieren. Da wird nicht zugehört, da werden Vorwürfe gemacht, da wird jemand öffentlich lächerlich gemacht, da gibt es zu wenig Anerkennung, da wird viel zu viel geschimpft.
Jesper Juul schreibt:
Also immer fröhlich unterscheiden zwischen echten Fragen und klaren Anordnungen und nicht so viel schimpfen.
Eure Uta
"Einer unserer dänischen Kinderspezialisten hat mal ein Projekt mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren durchgeführt. Sie haben dabei erfahren, dass 90 Prozent der befragten Kinder es so empfinden, dass Eltern 80 Prozent der Zeit, die sie mit ihnen verbringen, schimpfen. Die befragten Erwachsenen hingegen meinten, sie würden nur 10 Prozent der Zeit schimpfen." (Jesper Juul: Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern, Freiburg im Breisgau 2014, Seite 102)
Also immer fröhlich unterscheiden zwischen echten Fragen und klaren Anordnungen und nicht so viel schimpfen.
Eure Uta
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Dienstag, 18. März 2014
Glückliche Familie Nr. 206: Wäsche-Biathlon und Verlosung
Gestern Abend haben wir Socken-Memory gespielt. Für mich das Spiel des Jahres 2014.
Gleich nach dem Abendessen, bevor wieder alle in ihre Zimmer fliehen konnten und für Mutter schwer greifbar sind, habe ich die ganze Wanne mit gewaschenen Socken auf den großen Esszimmer-Tisch gekippt. "Auf die Plätze fertig los." Jeder musste aus dem großen blau-grau-schwarzen Berg seine Strümpfe finden, zusammenrollen und in den Korb mit Fertig-Wäsche pfeffern. Keine zehn Minuten haben wir gebraucht und alle Strümpfe waren sortiert.
Das nächste Mal werde ich die Körbe mit der Fertig-Wäsche in drei Meter Entfernung an die Wand stellen. Dann muss jeder von seinem Platz am Tisch mit den Socken-Knollen in die Körbe zielen. Für jede Knolle, die daneben landet, muss - als Strafrunde - ein Teller in die Spülmaschine geräumt werden.
Ich sehe schon, mit unserem Wäsche-Biathlon werden wir dem echten Biathlon den Rang ablaufen. Der Soßenkönig ist unschlagbar in Socken-Schießen, stehend. Und Prinzessin (13) holt jeden Rückstand in den Strafrunden an der Spülmaschine wieder rein. In ein paar Jahren sind wir olympisch.
Auf Socken-Memory und Wäsche-Biathlon bin ich gekommen, nachdem ich in "Leitfaden für faule Eltern" bei Tom Hodgkinson gelesen habe. Hodgkinson hat vor allem ein Ziel: er will das Leben genießen, das Leben überhaupt und vor allem das Leben mit seinen drei Kindern.
Um das erreichen - so Hodgkinson - müsse man die Kinderarbeit wieder einführen. Nicht die schlimme Ausbeutung in der Fabrik, sondern das gemeinsame Arbeiten zu Hause. Abwaschen und zusammen singen, schon die Kleinsten die Banane zum Schneiden geben und sie vieles einfach alleine machen lassen. So bleiben Hodgkinson und seine Frau zum Beispiel am Wochenende gerne bis mittags im Bett liegen. Das tut ihnen gut und der Nachwuchs erhält die Chance, selber Frühstück zu machen oder den Eltern einen furchtbaren Tee ans Bett zu bringen.
Kleine Kinder lieben Arbeit. Nichts tun sie lieber als Geschirr einzuschäumen, in Beeten zu wühlen oder mit dem schwarzen Kamin-Handfeger das weiße Sofa abzustauben. Aber wenn sie jung sind, ersticken wir diese Arbeitsfreude im Keim, sagen, dass sie noch zu klein sind und das alles noch nicht können. Wir nehmen ihnen den Hammer aus der Hand, scheuchen sie weg von der neuen Design-Saftpresse und schimpfen, wenn sie die Fenster mit dem Gartenschlauch abspritzen.
In unserem perfektionistischen Kitchen-Aid-Haushalt haben kleine Arbeits-Pioniere es schwer.
Aber wenn sie sich damit abgefunden haben, dass sie von all diesen Erwachsenen-Dingen lieber die Finger lassen, ändert sich plötzlich alles. Auf einmal meinen die Eltern, es sei höchste Zeit, dass sie ihren Hintern hochkriegen und im Haushalt mithelfen. "Ist ja schließlich kein Drei-Sterne-Hotel hier!" Und schon gibt es Gemecker und schlechte Stimmung bei jedem Tischabräumen, Streit um jeden Müllbeutel, der in die Tonne getragen werden soll.
Tom Hodgkinson und ich, wir finden das ganz furchtbar. So bringen wir unseren Kindern bei, dass Arbeit etwas Schreckliches ist.
Hodgkinson schreibt:
Ich habe schon vor längerer Zeit über meinen Arbeits-Ethos nachgedacht und beschlossen, mehr Freude in alltägliche Verrichtungen zu bringen. Und vor allem diese Freude auch auf meine Kinder überspringen zu lassen."... es liegt in Ihrer Verantwortung, auch selbst Spaß an Ihrer Arbeit zu haben, weil Ihre Kinder ansonsten mit der Vorstellung aufwachsen, dass Arbeit nichts anderes sei als eine notwendige Bürde. Die kleinen Ohren hören jeden winzigen Seufzer, der Ihnen entfleucht. 'Daddy hat eine Arbeit, die er hasst, damit er dir nutzloses Zeug kaufen kann, mit dem du deine Zeit vergeudest, bis der Tag kommt, an dem du selbst einer Arbeit nachgehen wirst, die du hasst, damit du die Rechnungen begleichen und die Hypothek abzahlen kannst.'"
Uta zu Kronprinz (16):
"Guck mal: so schlimm sieht diese Küche jetzt aus. Ich schaue es mir an, mache innerlich ein Foto und begebe mich voller Elan ans Werk. Nach 20 Minuten fröhlichen Arbeitens bin ich fertig, mache wieder innerlich ein Foto und freue mich über den Vorher-Nacher-Effekt. Und das alles war eigentlich ein richtiges Vergnügen. So musst du das auch mit deinem Zimmer machen."
Kronprinz zu Uta: "Ja, das mag sein. Aber wenn dir das Aufräumen eine solche Freude bereitet, dann möchte ich dir diese Freude nicht nehmen."
(Und jetzt bräuchten wir ein Vorher-Nachher-Foto von Utas Gesicht.)
Ja, es läuft nicht immer alles rund mit meinen Methoden und denen vom faulen Tom. Aber wir haben vergnügliche Diskussionen mit unserer Brut, werfen uns mit Socken ab, mal platzt uns auch der Kragen und wir möchten alles hinschmeißen, aber wir haben im Großen und Ganzen eine richtig gute Zeit mit unseren Kindern.
Dazu braucht man:
- die Gelassenheit, auch schon die Kleinsten vieles selber machen zu lassen
- die Zuversicht, dass schon alles gut gehen wird (unsere Kinder haben zeitig mit Messern und Scheren gearbeitet, wir waren deshalb nur einmal in der Klinik und konnten den Finger retten)
- selber das Ziel, etwas mit Freude zu tun und aufzuhören, wenn die Freude aufhört (ich bügle nie sklavisch den ganzen Korb leer)
- den Vorsatz, auch mal eine faule Mutter/ein fauler Vater zu sein und Dinge einfach unerledigt zu lassen, so dass die Brut gezwungen ist, es selber zu tun ("Könnt ihr bitte die Küche machen/ die Wäsche aufhängen, ich komme sonst zu spät zum Tanzen" und dann einfach verschwinden.)
- die Großzügigkeit, einen großen Teil der Arbeit zu machen und nicht zu zetern über jeden Teller, der irgendwo stehen geblieben ist
- die Einsicht, dass gerade bei Mithilfe im Haushalt eine Durchsetzungsquote von - sagen wir - 80 Prozent schon viel ist
- den Langmut, darauf zu warten, dass Eigeninitiative entsteht (geht nur, wenn man auch mal was liegen lässt)
- den Blick für diese Eigeninitiative und die Anerkennung dafür
- Spielideen rund um Arbeit (Socken-Memory, Wäsche-Biathlon, Wettrennen "Wer hat zuerst alle Legos in die Kiste geräumt?", "Wer schafft es, in 10 Minuten im Bett zu sein?" ...)
- Humor
Einsende-Schluss ist am kommenden Samstag, 22. März, um 24 Uhr.
Immer fröhlich das Leben und die Arbeit mit den Kindern genießen
Eure Uta
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Sonntag, 5. Januar 2014
Glückliche Familie Nr. 191: Vom Chillen ausruhen
Wenn Teenager freie Tage haben, dann chillen sie. Oder sie müssen sich ausruhen vom Chillen. Oder sie müssen sich ausruhen vom Ausruhen. Ferien sind auf jeden Fall eine anstrengende Angelegenheit.
Wenn ich sie frage, ob sie mal den Müll rausbringen könnten, sagen sie gerne: "Später, jetzt muss ich mich erst ausruhen?"
Ausruhen, wovon noch mal?
Gab es heimlich im Zimmer eine Schwerstarbeit?
Wenn das länger geht, kann die Stimmung richtig schlecht werden.
Der Soßenkönig hatte ein paar Tage frei und hat das jetzt mal intensiv miterlebt. Er fing an, ein paar pädagogische Projekte anzuschieben, erwähnte, man könnte schon mal anfangen, für die bevorstehende Mathe-Arbeit zu lernen, schlug Prinzessin (12) vor, mit ihr jeden Tag fünf neue Englisch-Vokabeln zu lernen, setzte eine Belohnung aus für Auto-Aussaugen, fragte Kronprinz (16) dreimal, ob er nicht endlich die Zeitungen austragen wolle, es würde schon bald dunkel.
Ich sah, dass die Soßenkönig-Laune immer schlechter wurde von der ganzen Chillerei um ihn herum. Schließlich muss er hart arbeiten für sein Geld und es fällt ja nicht alles vom Himmel.
Bei Kaffee und Rest-Keksen sagte ich ihm, dass ich das schon lange nicht mehr mache diese Antreiberei, das Peitscheschwingen, die Schallplatte mit dem Sprung, das Augenrollen und den Dauer-Mecker-Modus.
Es funktioniert nicht. Und ich bin mir zu schade dafür, mich mit so viel negativer Energie aufzuladen und die Motz-Kuh zu geben.
| Die Klemmen hat mir mein Vater mal auf ein schönes Brett geschraubt. |
Ich schreibe jedem Kind drei Aufträge auf eine Karte, male Kästen dahinter zum Abhaken (das lieben sie) und setze eine Frist.
Ich reiche die Karten ins Zimmer und muss nicht einmal ein Wort sagen. Wahrscheinlich montiere ich die Klemmbretter demnächst an die Zimmertüren, mal Soßenkönig fragen.
Vorteile:
- die Kinder können nicht sagen, sie hätten den Auftrag nicht gehört, sie haben es ja schriftlich
- ich muss ihnen nicht ständig im Nacken sitzen und fühle mich freier für eigene Projekte und gute Zeit mit ihnen
- sie können selber entscheiden, wann sie die Jobs erledigen
Ehrlich gesagt, mögen wir Erwachsenen es auch nicht, wenn uns jemand vorschreibt, wann wir etwas tun müssen. "Ich zähle bis drei, dann ist der Auftrag erledigt."
Wenn ein Chef uns so behandeln würde, fänden wir das unwürdig, oder?
Immer fröhlich Aufträge schreiben und sich selber einen schönen Tag machen
Eure Uta
* Ich schreibe natürlich nicht ständig Karten. Das würde sich abnutzen. Aber wenn die beiden sich zu sehr verhalten, als würden sie in einem Fünf-Sterne-Hotel leben, dann hole ich mal wieder meine Karten hervor. Vor allem in den Ferien oder an langen Wochenenden.
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Sonntag, 30. Juni 2013
Glückliche Familie Nr. 153: Der weise Buchsbaum
Meine Schwester Nummer Zwei hat jetzt ihre Kinder groß. Das Jüngste von Dreien hat gerade Abitur gemacht. Herzlichen Glückwunsch Max!
Meine Schwester meinte so im Rückblick, dass man Kinder nicht zu sehr umsorgen dürfe. Egal, wie viel Schulaufgaben sie hätten, sie müssten lernen, ihren Beitrag im Haushalt zu leisten, müssten wissen, wie man aufräumt, die Waschmaschine bedient ... Und sie erzählte von einem Mädchen, das mit Bravour die Schule gemeistert hätte, aber im Studium wegen Lebensuntüchtigkeit zusammengebrochen sei und nun bei "Mäcces" (McDonald) an der Kasse arbeiten würde.
Kaum hatte ich das Telefon aufgelegt, stand ich auch schon neben dem Bett von Prinzessin (12). Dort liegt sie seit Tagen (wir haben Ferien) und liest einen "Top-Secret"-Band nach dem anderen.
"In einer halben Stunde hast du dein Zimmer aufgeräumt!"
Ich gab den Feldwebel, zack-zack.
Sie gab die Top-Agentin, feuerte tödliche Blicke ab, zack-zack.
Ich schleppte mich in den Garten.
Wenn ich zu mir finden muss, schneide ich gerne die Buchskugel auf unserer Terrasse. Der Buchs steht stoisch im Nieselregen. Ich lege ihm einen Frisierumhang um den Topf und wir sprechen über die Kinder und das Leben.
"Ich kenne Familien, die sich darüber zerfleischen, wer den Müll rausbringt oder die Spülmaschine ausräumt."
Der Buchs schien leicht den Kopf zu schütteln.
"Ich kenne Familien, wo die Kinder nichts und Mutter alles macht. (Typ 'Märtyrer-Mama')."
Unverständnis bei Herrn Buchs.
"Ich kenne Familien, die Preislisten in die Küche hängen: 'Rasenmähen mit Kantenschneiden: 5 Euro, Rasenmähen ohne Kantenschneiden mit Kabelaufrollen: 3 Euro, Autoaussaugen: 3 Euro, Armaturen-Brett feucht abledern: 1 Euro ...'
Diesmal schien Buchs die blättrige Stirn zu runzeln.
"Und bei uns hat das alles auch schon stattgefunden: Streit, Märtyrertum, Belohnungslisten."
"Wissen Sie, alle suchen nach dem richtigen Weg in der Erziehung, alle suchen nach der Methode, die zum Erfolg führt, dabei geht es weniger darum, was wir machen, sondern wie wir es machen."
"Den Pony wie immer?" Ich schnitt und schnitt, kam so tief, dass die kleinen Äste zu dick für die Schere wurden.
"Wissen Sie, neulich hat mir eine andere Bloggerin* in einem Kommentar geschrieben 'Wenn die ganze Atmosphäre daheim entspannt und geladen mit Liebe ist, kann man alles sagen oder gar nichts. Kommt gar nicht so sehr darauf an. It's all about energy.'"
Ich fegte Buchs den Nacken aus. "All about energy", summte ich und schnitt noch ein paar vorwitzige Blättchen weg.
Buchs war wie immer meiner Meinung und ich hüpfte mit "new energy" die Treppe zu Prinzessins Zimmer hoch.
"Pass auf, neue Ansage!" rief ich. "Du brauchst heute nichts zu machen. Aber bis nächste Woche, wenn wir in Urlaub fahren, habt ihr beide, du und dein Bruder eure Zimmer tip top aufgeräumt." Prinzessin war einverstanden. "Und jetzt sage ich es noch dem Kronprinzen."
Später haben wir im Wohnzimmer getanzt, zusammen Erdbeeren geputzt und Hähnchenbruststreifen gebraten.
Immer fröhlich auf die richtige "energy" achten
Uta
* Joanna von Liebesbotschaft. Danke!
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Samstag, 23. März 2013
Glückliche Familie Nr. 132: Das Kind anerkennen, Folge 3
Heute geht es darum anzuerkennen, wenn Kinder im Haushalt mit anpacken.
Hier das Beispiel:
Die neunjährige Bea hilft, den Großeinkauf aus dem Auto ins Haus zu tragen. Mutter reagiert so:
a) Ich sage gar nichts. Das ist doch selbstverständlich. Ich musste früher zu Hause ganz anders mit zulangen.
b) "Danke, ich bin froh, dass du mir hilfst. Nach der Grippe bin ich noch ganz wackelig auf den Beinen. Ich hätte es heute kaum allein geschafft."
c) "Schön, dass du dich auch mal regst. Es geschehen in diesem Haushalt noch Zeichen und Wunder."
| Kronprinz (15) beim Staubwischen, gestelltes Bild |
zu a) Als wir dieses Thema mit Müttern und Vätern im Elterntraining besprachen, wurden einige ganz schnippisch. "Pah, ich soll auch noch 'danke' sagen, wenn Sohnemann sich herablässt, endlich mal seinen Teller abzuräumen?"
Natürlich macht man nicht bei jeder kleinen Hilfe den Kniefall. Das wäre inflationär, unehrlich und würde in seiner Wirkung verpuffen. Aber bei den Kindern von klein auf dafür zu sorgen, dass man einander unterstützt und das auch gegenseitig anerkennt, macht vieles leichter. Das ist wie eine familiäre Klima-Erwärmung (nur ohne Ausrotten von Eisbären).
zu b) Ihr ahnt es, hier ist wieder Frau Mustermann am Werk. Kein pauschales Lob aus der Gießkanne, sondern ein persönliches Dankeschön aus der Situation heraus. Mutter macht deutlich, dass Bea in dieser Situation (Mutter noch geschwächt von der Grippe) einen wichtigen Beitrag für sie geleistet hat. Bea merkt: Es hat einen Unterschied gemacht, ob sie da war oder nicht. Ein Grundbedürfnis für jeden Menschen auf dieser Welt.
Mir gefällt das Danken viel besser als das Loben.
Loben geschieht eher aus einer überlegenen Position heraus. Der Schulmeister lobt den Schüler, der erfahrene Erwachsene das tölpelhafte Kind. Daumen rauf, Daumen runter.
Danken ist gleichwürdiger und macht den Beitrag klar, den der andere für mich geleistet hat. Und wenn ich darin Vorbild bin, wird das wirksamer sein, als wenn ich den Kindern meinen Finger in den Rücken bohre und ihnen zuraune: "Sag' Tante Hildegard 'danke' für die Schokolade."
zu c) Nicht schlimm, wenn einem mal ein solcher Satz entfährt. Hat das aber Methode, müssen sich Eltern nicht wundern, wenn ihnen in der Pubertät noch deutlich schärfere Sätze um die Ohren fliegen.
Ironie ist eine spitze Waffe. Anerkennung und Wertschätzung lassen sich damit schwer vermitteln.
Und Achtung! Kinder verstehen Ironie erst ab acht oder neun Jahren.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreiben könntet, in welcher Situation ihr euch ausdrücklich bei einem Kind bedankt habt.
Immer fröhlich dankbar sein
Uta
Dienstag, 6. November 2012
Glückliche Familie Nr. 97: Altruismus in Netzstrumpfhosen
Die Grünen in Hamburg fordern, den künftigen Rechtsanspruch für Einjährige auf einen Kita-Platz (gilt von August 2013 an) von fünf auf acht Stunden auszuweiten. (Hamburger Abendblatt vom 5.11.2012)
*
Beim Spazierengehen am Wochenende trafen mein Mann und ich Freunde mit ihrer eineinhalbjährigen Tochter. "Ich bin ja weiterhin zu Hause", raunte Carolin mir zu, "aber damit bin ich in meinen Mütterkreisen so ziemlich die einzige." - "Wenn es schön ist für euch", raunte ich zurück, "genieße es doch." Wir beide guckten über die Schulter, ob irgend jemand unser konspiratives Gespräch gehört hatte.
*
Bindungsforscher Karl Heinz Brisch schreibt, dass für die Betreuung von Säuglingen in einer Krippe ein Verhältnis von 1:2 zu empfehlen ist. "Das heißt eine Erzieherin betreut maximal zwei Säuglinge. Besteht die Gruppe sowohl aus Säuglingen als auch aus größeren Kindern, kann das Betreuungsverhältnis 1 : 3 sein. ... Die heutigen Betreuungsverhältnisse von 1 : 6 oder gar 1 : 8 und mehr sind nicht akzeptabel." (Karl Heinz Brisch: SAFE. Sichere Ausbildung für Eltern, Stuttgart 2010, S. 137)
*
Am vergangenen Freitag war ich zu Hause und machte im Wechsel Hausarbeit und schrieb, als eine Freundin klingelte, um für die gemeinsame Übernachtung unserer Töchter die Schlafsachen zu bringen. "Trägst du daheim immer solche Schuhe?", fragte sie. Ich stöckelte in Pumps und engem Rock durch meinen Haushalt. "Nicht immer", erwiderte ich, "aber warum sollte ich wie ein verhuschtes Mütterchen aussehen, nur weil ich zu Hause arbeite?"
Vor zwölf Jahren lernte ich eine Mutter von drei kleinen Töchtern kennen. Sie fiel mir auf, weil sie von Zeit zu Zeit in Kleid und hohen Schuhen mit ihren Kindern auf den Spielplatz kam, sich auf die Bank setzte, in vollendeter Eleganz ein Feinstrumpfbein über das andere schlug und die Keks-Box aufklappte, als sei es eine Puderdose. Unpraktisch? Egal. Wahrscheinlich lag der Haushalt brach, aber sie wahrte ihre Würde als Frau. Ihre Töchter dürften fast erwachsen sein, aber den Auftritt ihrer Mutter auf dem Spielplatz habe ich nie vergessen. (Die Töchter sicher auch nicht.)
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Montag, 24. September 2012
Glückliche Familie Nr. 83: Viehtrieb und Familienessen
Wenn ihr die Nase davon voll habt, jeden Tag neues Essen heran zu schleppen, solltet ihr euch diesen Satz an den Kühlschrank hängen:
Kinder und Jugendliche, die mindestens 7x in der Woche mit der Familie zusammen essen, haben auffallend bessere Schulnoten als die, die das nur 2x oder seltener tun. Außerdem weisen sie ein niedrigeres Drogenrisiko auf, leiden weniger an Essstörungen und besitzen eine deutlich bessere Allgemeinverfassung.
(Untersuchung der Kinderärztin Maria Eisenberg zitiert in: Joachim Bauer, Lob der Schule. Hamburg 2007, S. 99f.)
Es würde mich nicht wundern, wenn die Familienesser später auch noch glücklichere Ehen führen, ihr Risiko für Darmkrebs niedriger ist und sie durchschnittlich häufiger zur Kommunalwahl gehen als die, die eine Allein-Esser-Kindheit hatten.
Ich bin ja nicht so wissenschaftsgläubig. Aber wenn mir ein Ergebnis ins Weltbild passt, muss ich das sofort bloggen.
Und wenn ich mal keine Lust habe, wieder für ein Essen zu sorgen, denke ich an das Zitat der Kinderärztin.
... oder ich denke an eine Szene aus dem Film "Der Pferdeflüsterer". Dort sitzt die ganze Verwandtschaft von Tom Booker, dem Pferdeflüsterer (gespielt von Robert Redford, schmacht) an einer langen Tafel draußen auf der Farm und feiert das Ende des Viehtriebs. Alle sind glücklich erschöpft von der Arbeit und genießen ein herrliches Barbecue unter einem alten Baum.
Leckeres Essen, Familie, Freunde, Lachen, Grillenzirpen, ... Braucht es mehr zum Glück?
So etwa:
| Tafel in unserem Garten, das Vieh grast auf der Weide dahinter :-) |
Nun reichen unsere zwei Katzen nicht für einen Viehtrieb. Und wenn ich den Kater einfangen und ihm das Brandzeichen unserer kleinen Doppelhaus-Gemarkung zischend auf den Hintern drücken würde, würde Prinzessin (11) nicht nur das anschließende Barbecue, sondern die Familienessen des nächsten Jahrzehnts boykottieren.
Auch ohne Viehtrieb habe ich mir Farm-Feeling ins Haus geholt: eine große Glocke aus Gusseisen. Ich habe sie unten an die Wand zum Treppenaufgang geschraubt und jedes Mal, wenn das Essen fertig war, kräftig geläutet. Ich habe kurz die Augen geschlossen und sah im Geiste alle aus den Stallungen und den Feldern herbei rennen. Und als meine Lieben vor der dampfenden Suppe saßen, habe ich den Brotlaib an den Busen gepresst und für jeden eine dicke Schnitte abgeschnitten.
Aber das Feeling ...
Eines Mittags habe ich so heftig geläutet, dass die Verankerung aus der Wand gerissen ist und die Glocke eine tiefe Kerbe in eine Holzstufe geschlagen hat. Seither bimmele ich mit einem kleinen Glöckchen.
Also, was wollte ich sagen ... ach so:
Wegen der Schulnoten, der Drogen und der Allgemeinverfassung immer schön fröhlich Essen kochen und gemeinsam genießen
Uta
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Dienstag, 4. September 2012
Glückliche Familie Nr. 76: Put-ZEN
Die Waschmaschine erbricht immer neue Wäsche*.
In der Kiste mit den Sachen, die zu flicken sind, hat eine Hose Junge geworfen.
Die Pfandgläser im Haushaltsschrank wollen die höchste Pfandgläserpyramide der Welt werden.
Unsere Schuhe sind alle bei Facebook. Dort laden sie andere Schuhe ein zur Steh-Party in unserem Flur.
Die wilden Brombeertriebe in unserer Einfahrt spielen mit mir "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?". Ich schaue sie an und sie sind starr. Aber kaum drehe ich ihnen den Rücken zu, wachsen sie fünf Zentimeter in der Minute.
Ist die Haus- und Gartenarbeit nur eine Abfolge täglich quälender Arbeiten, die nie ein Ende finden?
Nein.
Wie immer entscheidet sich im Kopf, wie wir das erleben.
Am vergangenen Samstag kehrte ich innerlich ganz aufgewühlt vom Einkaufen zurück. Mein Mann und ich hatten andere Eltern aus der Klasse von Prinzessin (11) getroffen. In unserem Gespräch am Rande des Wochenmarkts ging es hoch her, weil gerade ein paar Jungs den Klassenfrieden stören.
Mich machen solche Gespräche ganz kribbelig, weil ich tausend Ideen im Kopf habe, wie man die Situation lösen könnte, aber dann komme ich nicht zu Wort oder niemand hört richtig zu. Und dann möchte ich am liebsten um mich werfen mit den fetten Fleischtomaten aus unserem Einkaufskorb.
Als wir endlich wieder zu Hause waren, habe ich die alten Blätter im Rhododendron-Beet zusammen gekehrt. Den Rechen vor und wieder zurück, vor und wieder zurück. Die Metallfinger ziehen feine Streifen in den Sand. Rechen vor und wieder zurück. Ich höre nur das Rascheln der trockenen Blätterröllchen. Rechen vor und wieder zurück. Meine Gedanken ordnen sich wie die Blätter im Beet. Argumente bilden kleine Haufen, Aggressionen wandern in die grüne Tonne.
Das ist der Beweis dafür, dass sich in unserem Kopf entscheidet, wie wir erleben, was wir tun.
Hatte ich mich zwei Tage vorher noch geärgert, dass schon wieder so viele Blätter im Beet liegen, freute ich mich jetzt an jedem Unrat, den ich irgendwo aufsammeln und in die Tonne tun konnte.
Da fiel mir ein, dass ich in der CoachingAcademie eine neue Schreibweise des Wortes Putzen gelernt hatte:
Ich finde Hausarbeit sogar wohltuend, wenn ich für Abwechselung sorge, für Wechsel zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, für Wechsel zwischen Arbeit im Haus und draußen. Und wenn ich merke, dass ich einen großen inneren Widerstand gegen eine Arbeit habe, höre ich auf und tue etwas anderes.
Vielleicht ist dann diese Arbeit genau die Richtige, wenn ich das nächste Mal von einem Elterntreffen komme.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
* Zitat meiner Schwester Nr. 2
Mittwoch, 8. August 2012
Glückliche Familie Nr. 69: Die Vereinbarkeits-Lüge
Gestern las ich in der Zeitung einen Artikel über eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann eine Immobilienfirma besitzt. Beide sind voll berufstätig. Er kümmert sich um "Strategie und Marketing", sie um das "operative Geschäft". Das Paar lebt mit seinen drei Söhnen vor den Toren Hamburgs. Die beiden Jüngsten, Zwillinge, reiten gerne und tun dies auf dem hauseigenen Parcours. Als die Kinder ganz klein waren, beschäftigte die Familie ein Au-Pair-Mädchen aus Guatemala. "Drei Kinder kommen innerhalb von zwei Jahren auf die Welt", heißt es in dem Artikel. "Eine Pause vom Beruf hat Kirsten D. nie eingelegt. Sie schafft seit Jahren den Spagat zwischen Karriere und Familie."
Ich finde es total wichtig, dass wir Frauen uns nicht gegenseitig niedermachen. Karrierefrau gegen Hausmütterchen - pah, völlig überholt dieser Konflikt. Stutenbissigkeit war nie mein Ding. (Bleck die Zähne!)
Wir sollten zulassen, dass jede von uns anders tickt. Dafür haben wir schließlich die Postmoderne.
Und Neid? Neidisch auf eine Frau, die sich mit ihrem Jil-Sander-Blazer abends erschöpft, aber glücklich an das Pony-Gatter lehnt und ihren Immenhof-Buben zuwinkt?
Ich doch nicht.
Das Blut der Himbeere spritzt an den Rand der Müsli-Schale. So heftig habe ich meinen Löffel in die Schüssel gestoßen.
Jetzt mal ehrlich, bin ich wirklich neidisch?
Ein bisschen. Schließlich sieht die Karriere-Kirsten auf dem Foto gut aus, nett, sogar warmherzig, könnte eine Freundin sein. Sie lehnt sich in ihrem schicken Büro in einen sandfarbenen Designsessel. Und sie hat bei all dem auch noch ein Kind mehr als ich. Grrrrrrrrrrrrrrrrr.
Übrigens musste ich vor fünf Zeilen das Schreiben unterbrechen, weil unser Kater sein Frühstück in den Flur erbrochen hatte.
Jetzt müsst ihr noch einmal warten, weil ich Wäsche aufhängen muss. Die wird nämlich- wie ich neulich las - zum Bakterien-Treffpunkt, wenn ich sie noch länger nass in der Waschmaschine liegen lasse.
Hat Kirsten D. in ihrem sandfarbenen Sessel auch solche Unterbrechungen?
Nein, hat sie nicht, weil sie den Haushalt und die Kinderbetreuung, weil sie das Kümmern und Sorgen, das Präsentsein und Einspringen deligiert hat an andere Menschen.
Eine Familie mit zwei voll berufstätigen Eltern, drei Kindern, eigenem Haus und Ponys braucht
- einen gut funktionieren Hort oder eine Ganztagsschule mit warmem Mittagstisch
- eine Haushälterin oder mindestens eine Putzhilfe, die mehrmals pro Woche kommt
- am besten noch ein oder zwei Omas oder eine wohlmeinende Nachbarin
- auf jeden Fall jemanden, der die Kinder zum Fußball-Training oder zum Kieferorthopäden fahren kann, wenn es aus Kübeln gießt
- jemanden, der von jetzt auf gleich bei einem Kind bleiben kann, wenn es krank ist
- jemanden, der wartet, bis der Tierarzt kommt, weil eines der Ponys eine Kolik hat
- jemanden, der wartet, bis der Handwerker vorfährt, weil die Heizung nicht anspringt, ein Abfluss verstopft ist, das Dachfenster nicht schließt
- jemanden, der bei den Hausaufgaben helfen kann
- einen Nachhilfelehrer
- jemanden, der ein Fahrrad reparieren oder es zur Reparatur bringen kann
- einen Gärtner für das Gröbste
- andere Mütter und Väter, die ehrenamtlich in Schulkantinen, Sportvereinen, als Schülerlotsen oder Chauffeur eines Kindertaxis arbeiten
Von all dem in dem Artikel kein Wort.
Erwähnt wurde nur
- das guatemaltekische Aupair-Mädchen (so jemand bleibt nur ein Jahr und hat den halben Tag Sprachunterricht)
Es ist diese Verschleierung von Arbeit, die mich auf die Himbeere einstechen ließ.
Es ist die Vereinbarkeits-Lüge, die mich auf die Palme bringt.
Lasst uns doch ehrlich sagen, wie viel Arbeit es macht, wenn Kinder gut betreut werden sollen und was es kostet, wenn man es deligiert.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
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Dienstag, 8. Mai 2012
Glückliche Familie Nr. 42: Erzwungene Hilfsbereitschaft
Bei den Vorbereitungen zur Konfirmation sollte der Konfirmand die Stehtische aus dem Auto holen und ins Wohnzimmer tragen. Ist ja schließlich sein Fest.
"Holst du bitte die Stehtische!", brüllte ich die Treppe hoch.
"Ja, gleich."
Stille. Beginnende Verspannung in den Schultern der Erziehungsberechtigten.
Schwiegervater stand längst in der Startlöchern, um die Stehtische aufzubauen. Oma hielt die Haustür auf.
Es war, als hätte jemand beim Stopptanz die Musik angehalten.
Dabei könnte Opa in der "Ja-gleich-Zeitspanne" das Oktoberfest im Alleingang bestuhlen.
Ich blieb eisern. Es ging schließlich nicht um das Ergebnis "Stehtische im Wohnzimmer". Mich trieb eine pädagogische Mission. Kronprinz soll jemand sein, der hilfsbereit ist, der Verantwortung übernimmt, Gemeinsinn zeigt, Tatkraft ...
Schließlich stand die Heckklappe des Autos so lange offen, dass sich im Kofferraum die ersten Moose bildeten.
Beim nächsten Brüllen benutzte ich den vollständigen Taufnamen des Konfirmanden.
Es half.
Der Konfirmand trug einen - noch mal in Worten "einen" - überzähligen Stehtisch in den Keller.
(Schwiegervater war aus der mütterlichen Mission ausgeschert und hatte die anderen längst im Wohnzimmer platziert.)
Ich sage euch: Das mit dem pädagogischen Sendungsbewusstsein ist des Teufels.
Immer wenn ich im Auftrag seiner Majestät der Wertevermittlung unterwegs bin, wird es ungut.
Immer wenn ich mit doppeltem Boden kommuniziere, wenn ich sage: "Hol die Mülltonne hoch" und eigentlich meine: "Du bist zu faul, du tust zu wenig für das familiäre Gemeinwohl. Und jetzt wird ein Exempel statuiert" ist schlechte Stimmung und unterm Strich nichts gewonnen.
Immer wenn ich eine Arbeit, die ich locker im Vorbeigehen hätte tun können, künstlich übrig lasse, weil es ein Lehrstück werden soll, sollte man mich zu den Stehtischen in den Kofferraum stopfen.
Es geht gar nicht um die Mülltonne, die Tische, die Socken-Knubbel. Es geht um die Botschaft, die in Leuchtschrift auf meinem Kopf umläuft: "Sieh es ein - ich weiß es besser - du bist nicht gut genug - sieh es ein - ich weiß es besser - du bist nicht gut genug - sieh es ein ..."
Niemand mag auf diese Weise belehrt werden. Und für einen Jugendlichen im Zenit der Pubertät ist das wie Pest und Zimmeraufräumen zusammen.
Es geht nicht darum, dass dem Prinzen eine Zacke aus der Krone fallen könnte, wenn er mal mit anpackt, sondern um das verkrampft Künstliche einer solchen Aktion.
Wisst ihr, was ich meine?
Ich bin unbedingt dafür, dass Jugendliche mit dem Fahrrad die Alpen bezwingen, selber ihr Zimmer streichen oder in Rumänien Kindergärten renovieren.
Aber dieses nickelige Erteilen von kleinen Alltagslektionen ist für beide Seiten unwürdig.
Zu den schönsten Kindheitserinnerungen meines Mannes gehört, dass er zusammen mit Mutter, Oma und Großtanten am Küchentisch saß und die Bohnen sortierte, die sie im Garten geerntet hatten.
Ist das nicht verrückt, dass mein gestandener Mann dieses Erlebnis noch mehr als 30 Jahre später als so beglückend erinnert?!
Aber wehe, Mutter oder eine der Tanten hätte das eingefädelt, um dem Buben Gemeinsinn einzutrichtern. Es wäre nicht zustande gekommen oder überhaupt nicht schön gewesen.
In seinem wunderbaren Buch "Kinder der Morgenröte. Unterstützen statt erziehen" beschreibt Hubertus von Schoenebeck, wie entspannend es ist, wenn Erwachsene und Kinder ihre Konflikte erziehungsfrei austragen.
Bei erziehungsfreien Konflikten geht es nicht "um Trotz, den es zu brechen gilt, nicht um das Teufelchen, das man zum Besten des Kindes austreiben muss, nicht um das Abendland, das in der Seele des Kindes gerettet sein will. In den erziehungsfreien Konflikten gibt es keinen Angriff auf die Seele des Kindes und deswegen auch nicht eine entsprechend vehemente Verteidigung dagegen. Diese Konflikte verlaufen in anderen Bahnen, jenseits von missionarischem Eifer und innerer Not des Erwachsenen und jenseits von Wut, Hass und Verzweiflung des Kindes."
Meine neue Vorsätze:
- Ich gestehe eigene Erschöpfung, Überforderung oder Müdigkeit ehrlich ein. Wenn mir dann jemand aus eigenem Antrieb hilft, ist das schön, aber ich halte keine moraltriefenden Vorträge. Ich kann ja die Arbeit einfach ruhen lassen und mich aufs Sofa legen.
- Ich lasse die Kinder öfter mal allein. Arbeit fällt dann von selber an. Wenn sie Hunger haben, werden sie sich selber Brote schmieren ... und sei es mit Nutella.
- Wenn ihre eigenen Zimmer nicht aufgeräumt werden, lasse ich sie unaufgeräumt und schließe die Türen (das hatten wir schon hier).
Als ich mich nach der Stehtisch-Geschichte auf diese andere Haltung besonnen hatte, zerrte ich mit neuem Schwung eine Gästematratze in den Keller. "Soll ich dir helfen, Mama", rief Prinzessin (11) und packte spontan mit an.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
PS: Vielen Dank für die lieben Wünsche zur Konfirmation!
Montag, 12. März 2012
Tipp für Zwischendurch: Job-Zettel
Manche Erkenntnisse kommen aus den Niederungen des Alltags. Denen möchte ich keinen "Glücklichmacher"-Status geben. Deshalb gibt es von Zeit zu Zeit einen "Tipp für Zwischendurch".
Am Abend vor unserer Abreise habe ich auf kleine Kärtchen Jobs für die Kinder geschrieben. Zum Beispiel "Mülltonnen von der Straße holen", "Spülmaschine ausräumen", "Süßigkeitendosen für die Reise füllen" und natürlich "das Katzenklo sauber machen".
Ich habe die Kärtchen auf dem Tisch ausgebreitet und jeder konnte sich seine Jobs aussuchen. Es wurde kurz verhandelt und getauscht und die ersten Sachen gleich erledigt. Da war ich wirklich baff.
Sonst bin ich immer ein wenig gereizt, wenn ich Koffer packe. Die Brut lümmelt bis eine Sekunde vor Abreise in ihren Zimmern herum, während die Eltern treppauf und treppab rennen, Pflaster zuschneiden, alle Fenster schließen und die Ersatzsocken für Prinzessin in den Koffer quetschen. Wenn die Kinder dann nicht "zeitnah" einen Koffer ins Auto tragen können, ist meine Urlaubsstimmung auf dem Nullpunkt.
Diesmal war es viel entspannter. Und das haben wir den Kärtchen zu verdanken. Jeder wusste, was er oder sie zu tun hatte. Ich musste nicht ermahnen oder rummeckern. Es schien den Kindern sogar Spaß zu machen, die Kärtchen abzuarbeiten.
Ja, ich habe eine Schwäche für solche Ideen, für Türklinkenschilder, Herzpunktelisten und fröhliche kleine Jobzettel. Kronprinz muss immer grinsen, wenn ich mit dem pädagogischen Basteln beginne.
Aber ich schreibe lieber fröhlich ein paar Zettel oder laminiere ein Motivationsschild als dass ich die genervte Mecker-Mutti gebe.
Immer fröhlich bleiben
Uta
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Mittwoch, 7. März 2012
Glückliche Familie Nr. 21: Sockenklarheit
Glück ist auch in der Sockenkiste zu finden.
Ich habe drei Sockenkisten in meinem Schrank: eine für die Schwarzen, eine für die Blauen und eine für Lauf- und Wollsocken. Die Trennung von Schwarz und Blau habe ich vorgenommen, damit ich nicht in aller Frühe auf die Fensterbank klettern muss, um Sockenknubbel ins erste Morgenlicht zu recken. Ist es nun Nachtblau oder Schwarz, Marine oder ein bläuliches Tiefdunkelgrau?
Die Sockenfarben in einer günstigeren Tageszeit zu ordnen und in Kisten vorsortiert in den Schrank zu legen, ist sinnvoll, kann ich empfehlen. Aber nach vierzig bis fünfzig Sortierdurchgängen, schleichen sich Fehler ein. Inzwischen herrscht ein farblicher Schlendrian in den Sockenabteilungen, der dem Morgen eine unverdiente Trostlosigkeit gibt.
Einige Paare haben sich in der Waschmaschine auseinander gelebt. Andere sind zwar zusammen geblieben, haben sich aber synchron abgenutzt. Kleine Gummifädchen haben sich aus dem Strickbund gelöst und fletschen ans Bein. Die eingestrickte Schuhgröße "38 - 42" besteht nur noch aus verfilzten Knübbelchen. Wenn ich - wie es früher Mutter und Großtante getan haben - mit der Hand in den Strumpf fahre, leuchtet mein Handrücken schweinchenfarben durch die Ferse.
Ein Loch, das wäre ein Statement, aber diese dünnen Stellen, deprimierend.
Heute morgen habe ich beschlossen:
- Ich kippe die ganze Blau-Schwarz-Abteilung in den Altkleidersack.
- Ich kaufe mir 20 Paare neue Strümpfe.
- Ich kaufe keine einzelnen zwischendurch nach, damit alle gleich schön sind und sich nicht einzelne Neue mit der Trostlosigkeit der Alten anstecken.
- Ich kaufe Strümpfe wie diese:
![]() |
| Socken-Mondrian |
| Socken-Farbenkreis |
Sie gehören Kronprinz und sind von H&M. Ich lobe mir eine solche Sockenidee. Während andere Hersteller davon ausgehen, jeder habe ein Oberlichtatelier zum Sockensortieren zu Hause, haben die Schweden an Menschen in dunklen Reihenhäusern gedacht. Sie wussten, dass in jeder Familie die Phase kommt, in der alle 38 - 42 tragen und Leute wahnsinnig werden beim Sortieren. Diese bunten Kanten, die auf links schön breit sind und auf rechts dezent schmal, machen mich glücklich.
Konnte man nicht eher darauf kommen, das ist doch keine Raketenwissenschaft.
Vielleicht mag mancher denken, dass sei ein banales Thema. Aber: Äußere Sockenklarheit bringt innere Klarheit.
Immer schön fröhlich sortieren.
Uta
Uta
Montag, 13. Februar 2012
Glückliche Familie Nr. 7: Das Ende des Abverlangens
Am vergangenen Wochenende haben wir uns zuviel abverlangt.
Ich habe unserem Sohn abverlangt, mit zu der Tanzaufführung seiner Schwester zu kommen. Mein Mann hat sich abverlangt, mit den Kindern zum Alstereisvergnügen zu fahren, obwohl er in letzter Zeit so viel gearbeitet hat. Er war so erschöpft, dass die Kinder ihn besser in einem Schlitten mit Lammfellsack und einem "Coffee to slide" über das Eis hätten ziehen sollen. Ich hatte mir abverlangt, lange zu bloggen, weil ich zwei Tage nicht gebloggt hatte. Unsere Tochter hat dem i-pad zuviel abverlangt. Es war schließlich zu schwach anzuzeigen, dass es zu schwach ist.
Wenn man sich zuviel abverlangt, wird man böse.
Man kann nicht ertragen, dass die anderen sich nicht auch ordentlich etwas abverlangen. So nötigte ich die Katzen, die alten Lecker unter dem Türritz aufzufressen, die Prinzessin, Mathe zu üben und den Kronprinzen, nachts im eisigen Keller Katzenkot zu schürfen.
Schließlich lief jeder mit einem Mangel an Freude herum.
Wenn man zu viele Dinge aus der Kategorie "sich abverlangen" tut, läuft es wie verstopft. Das Universum oder Gott will nicht, dass wir Dinge ohne Freude tun.
Mein Mann und meine Schwester Nummer 3 hassen beide den öffentlichen Nahverkehr. Wenn sie sich abverlangen, Zug oder Bus zu fahren, gibt es eine Betriebsstörung, kaum dass sie sich Gleisen nähern.
Wenn ich den Moment ignoriere, in dem ich dringend bloggen muss, und mir stattdessen abverlange, einkaufen zu gehen, gibt es keinen Parkplatz, keinen Einkaufswagen, keine Esz-Schnitten mehr.
Dabei kann man bei allem Spaß haben, wenn man nicht zu sehr ins graue "Abverlangen" gerät. Ich bügele zum Beispiel nur, solange ich Freude daran habe. Warum sollte ich die letzten beiden Teile im Korb auch noch fertig machen, wenn es mich fertig macht. Schließlich kann ich mich darauf verlassen, dass bald neue Teile dazu kommen. Ein anderes Mal bügele ich wie im Rausch sogar die Schleifenbänder von Weihnachten, versprochen.
Kronprinz und ich hatten neulich beim Lateinabfragen Spaß. "He, es heißt "laudabimini", nicht "laudibomani"! Wie lustig sind denn diese Wörter. Wir haben uns neue Formen ausgedacht. Kann sein, dass Filius (filii, filio, filium ...) in der Arbeit etwas verwirrt war. Aber vielleicht ist die neue Lateinlehrerin aufgeschlossen für kreatives Konjugieren.
Achtung! Heute Abend läuft auf ARTE um 20:15 Uhr "Happy-Go-Lucky: Gute Laune ist ansteckend". Hier noch einmal ein Vorgeschmack.
Immer fröhlich bleiben
Uta
Immer fröhlich bleiben
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Donnerstag, 2. Februar 2012
Matratzenglück
Mein Mann sagte gestern, ich solle heute etwas schreiben, was den Leuten wirklich nützt. Also kommt jetzt etwas sehr Praktisches. Diese Liste hängt zur Zeit innen an der Zimmertür unserer Tochter.
Was machten wir in unserer Erziehung nur ohne Türen. Jetzt komme ich darauf: die Tür ist das Erziehungsmedium schlechthin: man kann sie zuknallen, sich dahinter einschließen, Klinkenschilder dranhängen wie die Aufräumschilder neulich (hier) oder solch eine Motivationsliste daran kleben. Und (hallo, mein Mann) wie man an der Fülle der Herzen sieht: es nützt! Seit zehn Tagen ist das Bett gemacht und pünktlich wie eine Eins war Prinzessin bei ihren Unterrichtsstunden.
Ich weiß, das mit den Listen ist nicht jedermanns Sache. Bis vor kurzem habe ich Elternkurse gegeben. Und eine Dame hat meinen Kurs verlassen, weil sie nicht der Listentyp war. Jetzt überlege ich, ob ich Kurse gebe: Wie verändere ich meinen Typ?
Aber zurück zur aktuellen Liste. Noch zwei Herzen, dann hat sich unsere Tochter eine neue Matratze verdient. Ihr Bett kann man noch ein Stückchen ausziehen. Und wenn wir eine neue Matratze anschaffen, sitze ich morgens nicht mehr auf einer Pobacke auf ihrer Bettkante, wenn ich ihr den Rücken kraule. Ob ich meine Kinder verwöhne? Ein paar Mal Kissenschütteln und es gibt eine neue Matratze? Und jeden Morgen Streicheln zwischen den Schulterblättern? Ja, ich bin in meiner Zuwendung überschießend.
Die Punktelisten sind in der Erziehung allerdings wie Grillanzünder für das Kaminfeuer. Man erlebt ein kurzes Auflodern großer Vorsätze und Taten und danach haben wir wieder eine schwache Glut. Die Klinkenschilder allerdings, die nützen wirklich. Heute schreiben wir den vierten Donnerstag. Und als ich heute morgen in die Zimmer meiner Kinder trat, war ich überwältigt. Es fühlte sich an, als hätte ich drei Wochen in einem Wohnmobil gelebt und ich wäre am Arm von Tine Wittler in die neu renovierten Kinderzimmer getreten.
Immer fröhlich bleiben
Uta
Mittwoch, 25. Januar 2012
Haustiere
Ich lese gerne
Erziehungsbücher. Das Erste habe ich gelesen mit meinem Sohn als
Buchständer. Ich stillte ihn und an seinem Bauch lehnte das
aufgeschlagene Buch. Heute habe ich ein ganzes Regal davon. Sie
enthalten wertvolle Tipps und solche, die einem das Familienleben
unnötig schwer machen. Die größte Mär ist zum Beispiel, dass
Kinder durch ein Haustier lernen, Verantwortung zu übernehmen. Der
einzige Mensch, der lernt, noch mehr und noch mehr Verantwortung zu
übernehmen, ist Mama. Neulich saß ich beim Tierarzt. Neben mir die
Box mit unserem Kater und seinem Zahnstein. Wenn man andere Mütter
treffen möchte, muss man zum Tierarzt gehen. Lenas Mutter wurde von
Welpe Emmi an der Leine an mir vorbei geschleift. Später kam mir
Taras Mutter mit dem halbwüchsigen Labrador ihrer Kinder entgegen. Die beiden waren
auf dem Weg zur Hundeschule. „Bin nur froh“, rief Taras Mutter
von der anderen Straßenseite, „dass es da keine Elternabende gibt.“
All diese Mütter
übernehmen Verantwortung für die Tiere ihrer Kinder. Meine Schwestern, ich habe drei, bieten die besten Beispiele dafür. Meine
Schwester Nummer 2 hat den toten Wellensittich ihres Sohnes in den
Gefrierschrank neben die Fischstäbchen gelegt, weil sie ihm
ermöglichen wollte, nach der Rückkehr von der Klassenreise an der
Beerdigung seines Vogels im Garten teilzunehmen. Und Schwester Nummer 3 hat für
ihren Sohn in der Stadtwohnung drei Wüstenrennmäuse angeschafft.
Leider verstanden sich die Mäusegeschwister nicht. Drei Käfige
türmten sich bald in Schwesters Küche. Zum Glück ist sie
Architektin. Sie schuf ein Rennmaus-Penthaus, in dem jede Maus einmal alleine wohnen durfte. Was ich aber erzählen wollte, ist, dass sie große
Anstrengungen unternahm, den Mäusen Sozialverhalten beizubringen.
Das ging so: Immer zwei Mäuse wurden in die trockene Badewanne
gelassen, um sich wieder einander anzunähern, und meine Schwester kniete mit wattierten Backofenhandschuhen vor der Wanne, um dazwischen zu gehen, sobald sie wieder
anfingen, sich zu beißen. Das war ein Tipp aus dem Internet.
Das sind alles
Beispiele für das riesige Verantwortungsbewusstsein von Müttern.
Wir wissen nämlich alle: so ein Tier ist was für die Seele, für
unsere und die unserer Kinder.
Wir haben zwei
Katzen. Die Verfasser von Erziehungsbüchern können in unseren
Keller kommen und am Füllstand unseres Katzenklos den
Verantwortungspegel unserer Kinder ablesen. Manchmal stinkt dieser
Pegel. Der meist verwendete Satz in unserer Familie lautet deshalb
„Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo“? (Na, möchte jemand bei
mir den Kurs buchen „Wie verfasse ich eine elegante Herleitung des Blog-Titels“?)
Ich habe
gestrenge Freundinnen, die würden nie selber zum Schäufelchen
greifen. Eher würden sie das volle Katzenklo oder das trübe
Aquarium neben das Kopfkissen des Kindes wuchten als dass sie den
Besitzer des Tieres aus der Verantwortung lassen. Zu dieser Strategie
gibt es einen Klassiker: „Rudolf Dreikurs/Loren Grey: Kinder lernen
aus den Folgen“. Das ist ein kluges Buch, aber manchmal kalt in
seiner emotionslosen Konsequenz.
Ich finde, wir
sollten uns die Freude an Haustieren nicht nehmen lassen, indem wir
das Thema aufladen mit der groooooßen Frage der Verantwortung. Klar,
ist das der Job der Kinder, wenn ihnen das Tier gehört. Aber mal
ehrlich: ich habe mir genauso Katzen gewünscht wie meine Kinder. Und
es ist mein Mann, der mit Leckerchen rasselnd durch die Nachbarschaft
zieht, wenn eine der beiden Süßen nicht zur verabredeten Zeit zu Hause ist. „Komm mal zu Frauchen!“, rief ich neulich
unserem Kater zu. „Das ist mein Kater“, sagte unsere Tochter
bestimmt. „Ich bin sein Frauchen und du bist … du bist sein
Omchen.“
Na, immer
fröhlich bleiben
Uta
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