Von Botschaften an Zimmertüren und warum Teenager auch Bereiche brauchen, in denen sie nicht die Bedingungen der Erwachsenen erfüllen.
Wie ihr wisst, arbeite ich gerne mit Schildern, damit ich im Familienleben nicht so viel herummeckern muss. Außerdem macht es mir Freude, Schriften und kleine Ra...
weiter... Luther und ich
Posts mit dem Label Aufräumen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aufräumen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 17. Mai 2016
Luther und ich
Labels:
Aufräumen,
Hausarbeit,
Zusammenleben
Samstag, 27. Juni 2015
Die süße Zeit der Pflichtfreiheit
Wie man es langfristig schafft, dass Kinder gerne helfen.
Für meine Kurz-Rezensionen auf meiner Bücherliste habe ich nach längerer Zeit wieder Jesper Juuls „Die kompetente Familie“ gelesen. Und mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich eine Sache damals überlesen haben musst...
weiter... Die süße Zeit der Pflichtfreiheit
Labels:
Aufräumen,
Hausarbeit,
Spielen
Samstag, 7. Februar 2015
Glückliche Familie Nr. 267: Die Kakao-mit-Sahne-Strategie
Ich bin jemand, der gerne betüdelt, halte seit Jahren mühsam mein Helfersyndrom unter Kontrolle und stehe ständig in der Gefahr, meine Mitmenschen einem Zwangs-Beglückungs-Programm zu unterziehen.
Bei der Kälte vielleicht eine Wärmflasche?
So ein langer Schultag! Wer will alles einen heißen Kakao mit Schlagsahne und Schoko-Streuseln?
Eine Dose Studentenfutter für die Klassenarbeit?
Ein Apfel, blank poliert, für den schwer arbeitenden Soßenkönig?
Zink-Tabletten für das Immun-System der Nachbarin?
Marmeladen-Brote für den Elektriker?
Neulich beim Einkauf betrat eine alte Dame die Holzterrasse eines Restaurants, rutschte aus und landete direkt in meinen Armen. Wir hielten uns noch einen Moment an den Unterarmen umfasst und strahlten uns an. So ein glücklicher Moment. Aber dann sah ich im Augenwinkel, wie mein Mann und die Prinzessin die Augen verdrehten und Angst hatten, ich wollte unserer neuen Oma die Einkäufe bis Poppenbüttel tragen.
Bei den Müttern in meinem Umfeld ist Doro für mich das größte Muttertier. Man kann aus anderer Quelle wissen, dass einer von ihren zwei Jungs wieder was angestellt hat, trotzdem spricht sie mit einer Zärtlichkeit von ihnen, dass man sofort auf ihren Schoß möchte. Außerdem rettet sie kleine Katzen und füttert mit Pinzette und Pipette alles, was aus dem Nest gefallen ist.
Wenn man so gerne bemuttert, besteht die Gefahr, dass die Kinder dem Leben später nicht gewachsen sind, weil man ihnen immer alles abgenommen hat. Habe ich nicht neulich selbst geschrieben: Helfen kann hilfsbedürftig machen?
Diese Zweifel nährte ein Kapitel, das ich in dem Buch "4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen" von Jesper Juul las. Eine Mutter schildert darin, wie ihr erwachsener Sohn noch zu Hause wohnt, eine Ausbildung nach der anderen abbricht und computerspielsüchtig wurde. Dabei hätten sie und ihr Mann ihm so viel geholfen, ihm einen Platz auf der Unteroffiziersschule besorgt, für ihn Arzttermine vereinbart ...
"Einfach und brutal ausgedrückt", so Juul, "wurde er von der ewigen Liebe, Fürsorge, Unterstützung und Hilfsbereitschaft seiner Eltern erstickt."
Für uns Eltern ist das doch wirklich die Pest. Kümmert man sich zu wenig, ist es schlecht, kümmert man sich zu viel, ist es auch verkehrt. Da ist es am besten, man wendet sich der Fauna zu. Kleine Katzen werden nicht computersüchtig.
Das Kapitel aus dem Werte-Buch löste bei mir eine härtere Gangart aus. Nach dem Essen am Sonntagabend sagte ich den Kindern, dass sie jetzt den Abwasch machen müssten.
Sonst sind gelegentliches Ausräumen der Spülmaschine, Socken-Sortieren, Zimmer-Aufräumen, Katzenklo-Reinigen und Dusche-Putzen die einzigen Hilfen, die wir im Haushalt einfordern. Abwaschen gehört also nicht dazu. Wegen der härteren Gangart aber hielt ich das für angebracht. Kronprinz (17) und Prinzessin (14) meckerten und fingen an aufzuzählen, was sie alles arbeiten würden in ihrem Leben.
"Ihr wollt nicht, dass Papa und ich mal aufzählen, was wir alles machen." Ich schnaubte über die abgegessenen Teller. "Nein, das wollt ihr nicht."
Missmutig machten sie sich ans Werk. An dem Abend spielten wir noch Doppelkopf, aber die gegenseitigen Vorwürfe hatten die Stimmung getrübt.
Welche Schlüsse ziehe ich daraus?
- So ein Strohfeuer "härtere Gangart" ist nicht das Wahre. Wenn ich eine Kursänderung möchte, müssen wir uns richtig zusammen setzen und das aushandeln. In etwa so: "Mir wird das gerade zuviel mit dem ganzen Haushalt. Wer kann welche Aufgabe noch übernehmen?"
- Wenn ich meine Mütterlichkeit ausleben möchte, kann ich etwas machen, was ich die "Kakao-mit-Sahne"-Strategie nennen möchte. Man setzt punktuelle Highlihts und genießt sie zusammen.
- Ich merke, dass es ein riesiger Unterschied ist, ob ich eine Arbeit übernehme, weil ich dem anderen nicht zutraue, dass er sie schafft (ganz schlecht), oder weil ich gerade so schön in Schwung bin und jemanden verwöhnen möchte ("Kakao-mit-Sahne"-Strategie). Manchmal muss man doch irgendwo hin mit seiner Lebensfreude und der Kinder-Verliebtheit.
| Am liebsten serviere ich Kakao auf dem oberen weißen Tablett, wenn es nicht gerade belegt ist :-) |
- Als Eltern sollte man sich bremsen bei den ureigenen Belangen der Kinder. Dazu zähle ich bei Jugendlichen die Hausaufgaben, Bewerbung um Praktikums- oder Studienplätze oder das Konfliktelösen im Freundeskreis. Bei diesen ureigenen Belangen kann ich beratend zur Seite stehen, wenn das gefragt ist, aber ich darf nicht das Ruder übernehmen. So nach dem Motto: "Sonst wird das sowieso nichts."
- Dieses Vertrauen lerne ich gerade beim Autofahren. Der Kronprinz hat seit 10 Tagen den Führerschein (!!!) und der Soßenkönig oder ich müssen im Auto sein (Kofferraum reicht auch), bis er im Herbst 18 wird. Wenn ich daneben sitze und die Fingernägel ins Polster grabe, denke ich immer an eine Szene aus dem "Pferdeflüsterer": Robert Redford alias Tom Booker lässt die halbwüchsige Grace an das Steuer seines Pick-ups. Und als das Auto kaum rollt, lehnt er sich in die Sitzecke und zieht sich den Cowboy-Hut für ein ungestörtes Nickerchen ins Gesicht. Das ist die Art Vertrauen, die Jugendliche brauchen. Nun haben wir hier nicht die Weiten Montanas, aber die Vorstellung von dem Vertrauens-Nickerchen hilft mir sehr.*
- Mütterlichkeit hat ja nicht so den Coolness-Faktor. In der Ausprägung "Überbesorgtheit" kann es schnell spießig werden, aber die Kakao-mit-Sahne-und-bunten-Streuseln-Variante werde ich mir vom Zeitgeist nicht austreiben lassen.
- Ich darf als Mutter oder Vater der Mensch sein, der ich bin. Wenn ich sehr mütterlich bin, wunderbar, wenn meine Leidenschaften woanders liegen und ich viel an die Kinder deligiere, auch prima.
Eure Uta
* Abgesehen davon, kann man sich mit dem Kronprinzen am Steuer wirklich sicher fühlen.
Labels:
Aufräumen,
Hausarbeit,
Leichtigkeit,
Pubertät
Sonntag, 26. Oktober 2014
Glückliche Familie Nr. 248: Gespenster der Kommunikation
Zurück von der Reise türmt sich die Wäsche und das Laub im Garten. Überall liegt was herum. Zerknickte Reiseprospekte, Flugtickets, ungeöffnete Post und dazwischen Teenager mit einem Joystick oder Tablet, weil sie ja "seit Ewigkeiten" nicht mehr spielen oder Videos gucken konnten.
Ein Koffer (ihrer!), aus dem die Schmutzwäsche quillt, steigert das Gefühl der Entspannung. Behende steigen sie darüber (selbst im Dunkeln) und begeben sich wenige Meter entfernt davon in Chill-Pose (also horizontal mit internetfähigem Medium). Sie ziehen vorher noch was Lockeres an. Und das, was sie ausziehen, sackt zusammen und übersät wie bunte Maulwurfshügel den Teppich.
Weil sie so gut vernetzt sind, wissen die Freunde von ihrer Heimkehr, noch bevor wir die Haustür aufschließen. Sätze wie "Kann ich bei Lea übernachten, wir haben uns ja soooooo lange nicht gesehen" fallen, kaum dass die Katzen geherzt und wieder auf den Boden gestellt sind.
"Jetzt kommt doch erst mal wieder richtig an" will dagegen niemand hören. Wenn die, die noch unter 20 sind, herumliegen mit ihren Freunden digitaler oder lebendiger Art, sind sie so sehr angekommen, dass jeder Schritt (zum Beispiel Richtung Wäschekorb) als Zumutung empfunden wird.
Die Reiseheimkehr ist die klassische Situation, in der ich sauer werde. Dann kommt sofort das "Bleibt-wieder-alles-an-mir-hängen"-Gefühl auf: Uta ist die einzige auf der Welt, die etwas arbeitet, neues Toilettenpapier einspannt, schmutzige Socken entknubbelt, was zu Essen auf den Tisch bringt.
Seht her, was die Jeanne d'Arc des Haushalts für Opfer bringt, um ihrer Familie mit rissigen Händen ein wohliges Heim zu schaffen!
Aus diesem selbstmitleidigen Kontext erwachsen die Eltern-Sätze, die gar nichts bringen.
"Könnt ihr vielleicht auch mal einen Schlag tun?"
"Hätten die Herrschaften vielleicht die Güte, die Spülmaschine auszuräumen?"
"Muss der Mülleimer erst überquellen, ehe jemand die volle Tüte herausbringt?"
"Sollen die Koffer hier noch bis Weihnachten stehen?"
Das sind die Momente, in denen ich merke, dass es mir gut tut, inne zu halten und mir über den Kontext klar zu werden, in dem ich gerade zu den Kindern spreche.
Das ist so etwas wie:
"So einen tollen Urlaub haben sie geboten bekommen und jetzt hängen sie faul auf ihren Zimmern."
= Undankbarkeit
Dabei hatten wir die Idee zu diesem Urlaub und sie waren - bei genauer Betrachtung - überhaupt nicht undankbar.
"Jugendliche heute sind so passiv. Ständig hängen sie vor irgendwelchen Medien und konsumieren Inhalte, statt aktiv zu werden und sich für irgendetwas zu engagieren."
= Passivität
Dabei liest Prinzessin (13) auf ihrem Handy ein Buch nach dem anderen. So wie ich früher in Papierbücher versunken war, liest sie halt elektronisch; und der Kronprinz (17) ist am Computer engagiert und lernt gerade, wie er selber "eggs benedict" machen kann.
"Sie nehmen überhaupt nicht wahr, wie ich treppab und treppauf renne, um alles wieder schön zu machen?!"
= mangelndes soziales Verhalten
Dabei hatte Kronprinz erst zuvor am Flughafen einer alten Dame all ihre Koffer vom Gepäckband gehoben, während ich gar nichts schnallte und rief: "Das sind doch gar nicht unsere." Wie peinlich!
![]() |
| Kontexte - die Gespenster unserer Kommunikation. Diese Gespenster gruselten uns als Halloween-Dekoration vor einem Haus in New Hampshire (USA), durch das unsere Reise führte. |
Wenn ich das Chaos Chaos sein lasse, mir erst einmal eine Tasse Kaffee koche und mir darüber klar werde, was alles mitschwingt, wenn ich sage "Kannst du jetzt vielleicht auch mal ein Schlag tun,
Denn für unsere unausgesprochenen Botschaften haben Kinder ein klares Gespür. Unsere abfälligen Meinungen über sie wittern sie wie der Polizeihund die Drogen im Koffer.
Nach dem Kaffee bin ich deutlich entspannter, stelle die Tasse in die Spülmaschine, kippe die Vorurteile in den Müll und kann ganz sachlich sagen:
"Du musst den Koffer nicht sofort auspacken, aber ich möchte, dass er leer ist, bevor du zu deiner Freundin gehst."
"In einer halben Stunde fahre ich los und hole Getränke. Wer kann mir helfen, sie in den Keller zu tragen?"
"Wer am Montag in der Schule wieder eine saubere Jeans haben möchte, muss sie jetzt an die Treppe legen."
Keine Ironie, keine unausgesprochenen Vorurteile, keine negativen Schwingungen und gleich ist die Atmosphäre ganz anders.
Immer fröhlich nicht nur auf das achten, was wir sagen, sondern auch auf das, was wir senden.
Eure Uta
PS: Schön war zu sehen: Als ich selbst die Jammerhaltung verließ, habe ich es richtig genossen, zu Hause alles wieder heimelig zu machen. Ja, ja, alles eine Frage der inneren Kontexte!
Labels:
Aufräumen,
Beziehung zu Eltern,
Kommunikation,
Pubertät,
Reisen
Dienstag, 18. März 2014
Glückliche Familie Nr. 206: Wäsche-Biathlon und Verlosung
Gestern Abend haben wir Socken-Memory gespielt. Für mich das Spiel des Jahres 2014.
Gleich nach dem Abendessen, bevor wieder alle in ihre Zimmer fliehen konnten und für Mutter schwer greifbar sind, habe ich die ganze Wanne mit gewaschenen Socken auf den großen Esszimmer-Tisch gekippt. "Auf die Plätze fertig los." Jeder musste aus dem großen blau-grau-schwarzen Berg seine Strümpfe finden, zusammenrollen und in den Korb mit Fertig-Wäsche pfeffern. Keine zehn Minuten haben wir gebraucht und alle Strümpfe waren sortiert.
Das nächste Mal werde ich die Körbe mit der Fertig-Wäsche in drei Meter Entfernung an die Wand stellen. Dann muss jeder von seinem Platz am Tisch mit den Socken-Knollen in die Körbe zielen. Für jede Knolle, die daneben landet, muss - als Strafrunde - ein Teller in die Spülmaschine geräumt werden.
Ich sehe schon, mit unserem Wäsche-Biathlon werden wir dem echten Biathlon den Rang ablaufen. Der Soßenkönig ist unschlagbar in Socken-Schießen, stehend. Und Prinzessin (13) holt jeden Rückstand in den Strafrunden an der Spülmaschine wieder rein. In ein paar Jahren sind wir olympisch.
Auf Socken-Memory und Wäsche-Biathlon bin ich gekommen, nachdem ich in "Leitfaden für faule Eltern" bei Tom Hodgkinson gelesen habe. Hodgkinson hat vor allem ein Ziel: er will das Leben genießen, das Leben überhaupt und vor allem das Leben mit seinen drei Kindern.
Um das erreichen - so Hodgkinson - müsse man die Kinderarbeit wieder einführen. Nicht die schlimme Ausbeutung in der Fabrik, sondern das gemeinsame Arbeiten zu Hause. Abwaschen und zusammen singen, schon die Kleinsten die Banane zum Schneiden geben und sie vieles einfach alleine machen lassen. So bleiben Hodgkinson und seine Frau zum Beispiel am Wochenende gerne bis mittags im Bett liegen. Das tut ihnen gut und der Nachwuchs erhält die Chance, selber Frühstück zu machen oder den Eltern einen furchtbaren Tee ans Bett zu bringen.
Kleine Kinder lieben Arbeit. Nichts tun sie lieber als Geschirr einzuschäumen, in Beeten zu wühlen oder mit dem schwarzen Kamin-Handfeger das weiße Sofa abzustauben. Aber wenn sie jung sind, ersticken wir diese Arbeitsfreude im Keim, sagen, dass sie noch zu klein sind und das alles noch nicht können. Wir nehmen ihnen den Hammer aus der Hand, scheuchen sie weg von der neuen Design-Saftpresse und schimpfen, wenn sie die Fenster mit dem Gartenschlauch abspritzen.
In unserem perfektionistischen Kitchen-Aid-Haushalt haben kleine Arbeits-Pioniere es schwer.
Aber wenn sie sich damit abgefunden haben, dass sie von all diesen Erwachsenen-Dingen lieber die Finger lassen, ändert sich plötzlich alles. Auf einmal meinen die Eltern, es sei höchste Zeit, dass sie ihren Hintern hochkriegen und im Haushalt mithelfen. "Ist ja schließlich kein Drei-Sterne-Hotel hier!" Und schon gibt es Gemecker und schlechte Stimmung bei jedem Tischabräumen, Streit um jeden Müllbeutel, der in die Tonne getragen werden soll.
Tom Hodgkinson und ich, wir finden das ganz furchtbar. So bringen wir unseren Kindern bei, dass Arbeit etwas Schreckliches ist.
Hodgkinson schreibt:
Ich habe schon vor längerer Zeit über meinen Arbeits-Ethos nachgedacht und beschlossen, mehr Freude in alltägliche Verrichtungen zu bringen. Und vor allem diese Freude auch auf meine Kinder überspringen zu lassen."... es liegt in Ihrer Verantwortung, auch selbst Spaß an Ihrer Arbeit zu haben, weil Ihre Kinder ansonsten mit der Vorstellung aufwachsen, dass Arbeit nichts anderes sei als eine notwendige Bürde. Die kleinen Ohren hören jeden winzigen Seufzer, der Ihnen entfleucht. 'Daddy hat eine Arbeit, die er hasst, damit er dir nutzloses Zeug kaufen kann, mit dem du deine Zeit vergeudest, bis der Tag kommt, an dem du selbst einer Arbeit nachgehen wirst, die du hasst, damit du die Rechnungen begleichen und die Hypothek abzahlen kannst.'"
Uta zu Kronprinz (16):
"Guck mal: so schlimm sieht diese Küche jetzt aus. Ich schaue es mir an, mache innerlich ein Foto und begebe mich voller Elan ans Werk. Nach 20 Minuten fröhlichen Arbeitens bin ich fertig, mache wieder innerlich ein Foto und freue mich über den Vorher-Nacher-Effekt. Und das alles war eigentlich ein richtiges Vergnügen. So musst du das auch mit deinem Zimmer machen."
Kronprinz zu Uta: "Ja, das mag sein. Aber wenn dir das Aufräumen eine solche Freude bereitet, dann möchte ich dir diese Freude nicht nehmen."
(Und jetzt bräuchten wir ein Vorher-Nachher-Foto von Utas Gesicht.)
Ja, es läuft nicht immer alles rund mit meinen Methoden und denen vom faulen Tom. Aber wir haben vergnügliche Diskussionen mit unserer Brut, werfen uns mit Socken ab, mal platzt uns auch der Kragen und wir möchten alles hinschmeißen, aber wir haben im Großen und Ganzen eine richtig gute Zeit mit unseren Kindern.
Dazu braucht man:
- die Gelassenheit, auch schon die Kleinsten vieles selber machen zu lassen
- die Zuversicht, dass schon alles gut gehen wird (unsere Kinder haben zeitig mit Messern und Scheren gearbeitet, wir waren deshalb nur einmal in der Klinik und konnten den Finger retten)
- selber das Ziel, etwas mit Freude zu tun und aufzuhören, wenn die Freude aufhört (ich bügle nie sklavisch den ganzen Korb leer)
- den Vorsatz, auch mal eine faule Mutter/ein fauler Vater zu sein und Dinge einfach unerledigt zu lassen, so dass die Brut gezwungen ist, es selber zu tun ("Könnt ihr bitte die Küche machen/ die Wäsche aufhängen, ich komme sonst zu spät zum Tanzen" und dann einfach verschwinden.)
- die Großzügigkeit, einen großen Teil der Arbeit zu machen und nicht zu zetern über jeden Teller, der irgendwo stehen geblieben ist
- die Einsicht, dass gerade bei Mithilfe im Haushalt eine Durchsetzungsquote von - sagen wir - 80 Prozent schon viel ist
- den Langmut, darauf zu warten, dass Eigeninitiative entsteht (geht nur, wenn man auch mal was liegen lässt)
- den Blick für diese Eigeninitiative und die Anerkennung dafür
- Spielideen rund um Arbeit (Socken-Memory, Wäsche-Biathlon, Wettrennen "Wer hat zuerst alle Legos in die Kiste geräumt?", "Wer schafft es, in 10 Minuten im Bett zu sein?" ...)
- Humor
Einsende-Schluss ist am kommenden Samstag, 22. März, um 24 Uhr.
Immer fröhlich das Leben und die Arbeit mit den Kindern genießen
Eure Uta
Labels:
Aufräumen,
Hausarbeit,
Idee für Alltag,
Leichtigkeit
Sonntag, 5. Januar 2014
Glückliche Familie Nr. 191: Vom Chillen ausruhen
Wenn Teenager freie Tage haben, dann chillen sie. Oder sie müssen sich ausruhen vom Chillen. Oder sie müssen sich ausruhen vom Ausruhen. Ferien sind auf jeden Fall eine anstrengende Angelegenheit.
Wenn ich sie frage, ob sie mal den Müll rausbringen könnten, sagen sie gerne: "Später, jetzt muss ich mich erst ausruhen?"
Ausruhen, wovon noch mal?
Gab es heimlich im Zimmer eine Schwerstarbeit?
Wenn das länger geht, kann die Stimmung richtig schlecht werden.
Der Soßenkönig hatte ein paar Tage frei und hat das jetzt mal intensiv miterlebt. Er fing an, ein paar pädagogische Projekte anzuschieben, erwähnte, man könnte schon mal anfangen, für die bevorstehende Mathe-Arbeit zu lernen, schlug Prinzessin (12) vor, mit ihr jeden Tag fünf neue Englisch-Vokabeln zu lernen, setzte eine Belohnung aus für Auto-Aussaugen, fragte Kronprinz (16) dreimal, ob er nicht endlich die Zeitungen austragen wolle, es würde schon bald dunkel.
Ich sah, dass die Soßenkönig-Laune immer schlechter wurde von der ganzen Chillerei um ihn herum. Schließlich muss er hart arbeiten für sein Geld und es fällt ja nicht alles vom Himmel.
Bei Kaffee und Rest-Keksen sagte ich ihm, dass ich das schon lange nicht mehr mache diese Antreiberei, das Peitscheschwingen, die Schallplatte mit dem Sprung, das Augenrollen und den Dauer-Mecker-Modus.
Es funktioniert nicht. Und ich bin mir zu schade dafür, mich mit so viel negativer Energie aufzuladen und die Motz-Kuh zu geben.
| Die Klemmen hat mir mein Vater mal auf ein schönes Brett geschraubt. |
Ich schreibe jedem Kind drei Aufträge auf eine Karte, male Kästen dahinter zum Abhaken (das lieben sie) und setze eine Frist.
Ich reiche die Karten ins Zimmer und muss nicht einmal ein Wort sagen. Wahrscheinlich montiere ich die Klemmbretter demnächst an die Zimmertüren, mal Soßenkönig fragen.
Vorteile:
- die Kinder können nicht sagen, sie hätten den Auftrag nicht gehört, sie haben es ja schriftlich
- ich muss ihnen nicht ständig im Nacken sitzen und fühle mich freier für eigene Projekte und gute Zeit mit ihnen
- sie können selber entscheiden, wann sie die Jobs erledigen
Ehrlich gesagt, mögen wir Erwachsenen es auch nicht, wenn uns jemand vorschreibt, wann wir etwas tun müssen. "Ich zähle bis drei, dann ist der Auftrag erledigt."
Wenn ein Chef uns so behandeln würde, fänden wir das unwürdig, oder?
Immer fröhlich Aufträge schreiben und sich selber einen schönen Tag machen
Eure Uta
* Ich schreibe natürlich nicht ständig Karten. Das würde sich abnutzen. Aber wenn die beiden sich zu sehr verhalten, als würden sie in einem Fünf-Sterne-Hotel leben, dann hole ich mal wieder meine Karten hervor. Vor allem in den Ferien oder an langen Wochenenden.
Labels:
Aufräumen,
Beziehung zu Eltern,
Hausarbeit,
Idee für Alltag
Sonntag, 30. Juni 2013
Glückliche Familie Nr. 153: Der weise Buchsbaum
Meine Schwester Nummer Zwei hat jetzt ihre Kinder groß. Das Jüngste von Dreien hat gerade Abitur gemacht. Herzlichen Glückwunsch Max!
Meine Schwester meinte so im Rückblick, dass man Kinder nicht zu sehr umsorgen dürfe. Egal, wie viel Schulaufgaben sie hätten, sie müssten lernen, ihren Beitrag im Haushalt zu leisten, müssten wissen, wie man aufräumt, die Waschmaschine bedient ... Und sie erzählte von einem Mädchen, das mit Bravour die Schule gemeistert hätte, aber im Studium wegen Lebensuntüchtigkeit zusammengebrochen sei und nun bei "Mäcces" (McDonald) an der Kasse arbeiten würde.
Kaum hatte ich das Telefon aufgelegt, stand ich auch schon neben dem Bett von Prinzessin (12). Dort liegt sie seit Tagen (wir haben Ferien) und liest einen "Top-Secret"-Band nach dem anderen.
"In einer halben Stunde hast du dein Zimmer aufgeräumt!"
Ich gab den Feldwebel, zack-zack.
Sie gab die Top-Agentin, feuerte tödliche Blicke ab, zack-zack.
Ich schleppte mich in den Garten.
Wenn ich zu mir finden muss, schneide ich gerne die Buchskugel auf unserer Terrasse. Der Buchs steht stoisch im Nieselregen. Ich lege ihm einen Frisierumhang um den Topf und wir sprechen über die Kinder und das Leben.
"Ich kenne Familien, die sich darüber zerfleischen, wer den Müll rausbringt oder die Spülmaschine ausräumt."
Der Buchs schien leicht den Kopf zu schütteln.
"Ich kenne Familien, wo die Kinder nichts und Mutter alles macht. (Typ 'Märtyrer-Mama')."
Unverständnis bei Herrn Buchs.
"Ich kenne Familien, die Preislisten in die Küche hängen: 'Rasenmähen mit Kantenschneiden: 5 Euro, Rasenmähen ohne Kantenschneiden mit Kabelaufrollen: 3 Euro, Autoaussaugen: 3 Euro, Armaturen-Brett feucht abledern: 1 Euro ...'
Diesmal schien Buchs die blättrige Stirn zu runzeln.
"Und bei uns hat das alles auch schon stattgefunden: Streit, Märtyrertum, Belohnungslisten."
"Wissen Sie, alle suchen nach dem richtigen Weg in der Erziehung, alle suchen nach der Methode, die zum Erfolg führt, dabei geht es weniger darum, was wir machen, sondern wie wir es machen."
"Den Pony wie immer?" Ich schnitt und schnitt, kam so tief, dass die kleinen Äste zu dick für die Schere wurden.
"Wissen Sie, neulich hat mir eine andere Bloggerin* in einem Kommentar geschrieben 'Wenn die ganze Atmosphäre daheim entspannt und geladen mit Liebe ist, kann man alles sagen oder gar nichts. Kommt gar nicht so sehr darauf an. It's all about energy.'"
Ich fegte Buchs den Nacken aus. "All about energy", summte ich und schnitt noch ein paar vorwitzige Blättchen weg.
Buchs war wie immer meiner Meinung und ich hüpfte mit "new energy" die Treppe zu Prinzessins Zimmer hoch.
"Pass auf, neue Ansage!" rief ich. "Du brauchst heute nichts zu machen. Aber bis nächste Woche, wenn wir in Urlaub fahren, habt ihr beide, du und dein Bruder eure Zimmer tip top aufgeräumt." Prinzessin war einverstanden. "Und jetzt sage ich es noch dem Kronprinzen."
Später haben wir im Wohnzimmer getanzt, zusammen Erdbeeren geputzt und Hähnchenbruststreifen gebraten.
Immer fröhlich auf die richtige "energy" achten
Uta
* Joanna von Liebesbotschaft. Danke!
Labels:
Aufräumen,
Beziehung zu Eltern,
Glück,
Hausarbeit,
Leichtigkeit
Mittwoch, 27. Februar 2013
Glückliche Familie Nr. 125: Mamas Mission Hafencity
Gestern war ich beim Zollamt in der Koreastraße, um ein Kamera-Objektiv abzuholen, das Kronprinz (15) bei ebay bestellt hatte. Die Koreastraße erreicht man, wenn man in der Hamburger Hafencity in die Shanghaiallee einbiegt und dann wieder rechts. Das Objektiv war aus Hong Kong gekommen. Und ich hatte das Gefühl, ich sollte mandeläugig auf einer Rikscha dorthin radeln. Oder benutzt man die in Hong Kong nicht?
Im Zollamt aber war es sehr deutsch. Ich musste eine Nummer ziehen und im Warteraum Platz nehmen. Als ich aufgerufen wurde, kam eine junge Frau an den Schalter, die unser zerknittertes Päckchen mit schwarzen Baumwollhandschuhen trug.
Wegen der Spurensicherung? Oder machte sie gerade eine Aloe-Vera-Kur für ihre kältegeschundenen Hände?
Es war rätselhaft.
"Wollen Sie das Päckchen öffnen und hineinschauen?"
Ich wollte öffnen. Sie reichte mir ein Teppichmesser. Ich schlitzte die Klebestreifen auf und mich durchfuhr der Gedanke, dass jetzt überall meine Fingerabdrücke sind: auf dem Päckchen, dem Teppichmesser, dem Tresen.
Eine abgewetzte Schachtel in Objektiv-Größe kam zum Vorschein.
"Ich muss das genauer untersuchen", sagte die Handschuh-Frau und verschwand mit der Schachtel im Hinterzimmer.
Blicke durchbohrten meinen Rücken. Was sie wohl dachten, die anderen auf den grauen Stühlen?
Sieht aus wie Hausfrau, macht aber auf Import-Export.
In einer Hundertstelsekunde hatte ich Hinterausgänge, Feuerleitern und verdeckte Zollermittler auf dem Schirm. Von wegen Lotusblüte mandeläugig. Ich war jetzt die rechte Hand von Jason Bourne. Wenn mir in diesem Moment jemand den Arm auf den Rücken drehen und den schönen Kopf auf den Tresen knallen wollte, weil man im Hinterzimmer Kokain-Briefchen zwischen den fernöstlichen Linsen gefunden hat, würde ich mit Jason in der Rikscha durch den Elbtunnel fliehen.
Dachte ich halt, als ich da so stand.
Ein osteuropäisches Pärchen kaute synchron Kaugummi am Fenster. Ein Mann kniete auf dem Boden und sammelte nervös die Styropor-Chips auf, die aus seinem Paket gewirbelt waren.
"Nummer 54". Die Zollbeamtin trat wieder an den Tresen. Immer noch in Handschuhen, aber ohne Päckchen. "Frau A.", sagte sie (das ist mein Name im bürgerlichen Leben), "Frau A., wir müssen das Kamera-Objektiv beschlagnahmen, weil es sich um einen Fall von Produktpiraterie handeln kann. Wir werden sie anschreiben, wenn der Fall geklärt ist."
Wie jetzt? Ich hatte entweder damit gerechnet, dass das Päckchen an mich ausgeliefert würde oder ich an die Zollfahndung.
Aber so gar nichts?
Ich war völlig umsonst gekommen, ging ohne Hong-Kong-Objektiv und ohne Abenteuer wieder durch die Glastür und bekam vom Pförtner einen Chip für die Parkschranke. (Chip? Die Schranke wird weg splittern, wenn ich da durchrase, guter Mann.)
Von der Korea-Straße bog ich in die Shanghaiallee, erreichte irgendwann unsere Gegend, wo die Straßen "Püttkampsweg" oder "Krautstücken" heißen, war wieder eine Frau aus den Vororten, eine Frau mit Kindern, Katzen, Terminen bei Kieferorthopäden ...
Mit Kronprinz habe ich vereinbart, dass wir nicht mehr in Fernost bestellen.
Und ich hatte vorher folgenden Handel mit ihm geschlossen: Ich hole die Hong-Kong-Sendung nur ab, wenn er am Vorabend bis 23 Uhr sein Zimmer komplett ausgemistet und aufgeräumt hat.
Das ist keine Erpressung, das ist ein Deal, weil er die Wahl hatte: Mamas Mission Hafencity oder Mama verweigert schriftlich die Annahme der Sendung.
Mit der Drei-Kisten-Methode von Fräulein Ordnung hat es geklappt. So schön sah sein Zimmer seit Monaten nicht mehr aus.
Mal überlegen, welchen Handel ich mir ausdenke, wenn wir das Päckchen doch eines Tages abholen dürfen.
Immer fröhlich in der EU bestellen
Uta
Montag, 18. Februar 2013
Glückliche Familie Nr. 123: Verlosung von Aufräum-Labels
Fräulein Etepetete hat mir zu meiner Aufräumidee mit den Türschildern wunderschöne Filz-Labels geschickt.
Das schreit nach einer Verlosung.
Hier noch einmal der Post mit der Idee:
Wie schade ist es eigentlich, dass sich Millionen Eltern über die unaufgeräumten Zimmer ihrer Kinder ärgern. Klamme Sockenknubbel auf dem Teppich, Kaugummi-Papier zwischen Schulheften, unfertige Puzzles (kauft niemals ein 1000-Teile-Puzzle), winzige Lego-Glasbausteine, die sich schmerzhaft in Mutters nackten Fuß prägen. Es ist nicht so, dass mir ein solches Chaos fremd wäre (nein, ich richte jetzt keine Webcam in die Zimmer meiner Kinder, sie würde beschlagen von der schlechten Luft darin, und in dem Wirrwarr der Objekte wüsste der Autofokus nicht, worauf er scharf stellen sollte.)
Ich mache innerlich immer das, was ich den Sterbebett-Test nenne: „Ist diese Sache so wichtig, dass ich mich in meinem letzten Stündchen damit befassen werde? Werde ich daliegen und hauchen 'Verzeiht mir, dass ich Euch das Sortieren der Wäsche nicht beigebracht habe. “ Wohl kaum. Also weg mit dem Ärger.
Was verschwenden wir soviel Energie auf das leidige Thema „Aufräumen“? Schluss damit. Ich betrete die Zimmer meiner Kinder nur noch zum Kuscheln, Vorlesen, Rückenkratzen, Kissenschlachten, Tanzen oder zum gemeinsamen Spaßrenovieren. Und wer möchte, dass einmal pro Woche darin sauber gemacht wird, muss vorher aufräumen, sonst kommt ein Polizeisperrband davor und Mutter zeigt sich unbeeindruckt davon, wenn sich immer längere Spinnfäden von der Schreibtischlampe zum Bücherregal ziehen und die Wollmäuse unterm Bett zu fetten Fusselratten werden.
In der Kommunikation mit meinen Kindern haben sich Türklinkenschilder bewährt, wie man sie aus Hotels kennt. Am Tag bevor die Frau kommt, die uns einmal pro Woche beim Saubermachen hilft, hänge ich die Aufforderung zum Aufräumen an die Kinderzimmer. Wer nicht aufgeräumt hat, dreht das Schild am anderen Morgen um. Dann weiß unsere Hilfe: hier ist Sperrgebiet, Betreten unzumutbar und es wird nicht geputzt.
![]() |
| Filz-Labels handgefertigt von Fräulein Etepetete |
Das Schöne an den Schildern ist, dass sie nicht rumbrüllen oder die Kinder abwerten. Sie sind ausPappeFilz, kennen keinen Groll und können keine Sätze schreien wie: „Wie oft soll ich Dir noch sagen ...“ oder „Immer muss ich …" Sie erinnern mich mit ihrer sachlichen Freundlichkeit an unser Navigationsgerät im Auto. „Nach fünfhundert Metern rechts abbiegen ...“, „Nach Möglichkeit bitte wenden.“
Kann nicht jemand da draußen mal ein Navigationsgerät erfinden, das Kindern beim Aufräumen hilft. Es würde sagen: „Bewege Dich auf den bunten Haufen 50 Zentimeter neben dem Schrank zu, streiche das T-Shirt glatt, lege die Jeans zusammen, rieche zur Kontrolle an den gestreiften Socken. Du steuerst gerade auf die Spielkonsole zu, bitte wenden, bitte wenden, hänge das Hemd auf einen Bügel, lasse den iPod links liegen, lege die Stifte auf den Schreibtisch, du hast Dein Ziel erreicht.“
Bis ein solches Gerät entwickelt ist, setze ich auf die Türschilder.
Ich habe meine Pappschilder ins Altpapier geworfen und verwende jetzt die schönen Filz-Labels. Die Idee hat sich bewährt. Seit fast einem Jahr hänge ich einmal pro Woche die Aufforderung zum Aufräumen an die Türklinken. Das ist längst zum Ritual geworden. Ab und zu entscheiden sich die Kinder für "Nicht putzen" und "Nicht aufräumen", aber irgendwann wird ihnen das Chaos dann doch zu viel und sie räumen in der nächsten Woche wieder auf. Und wenn sie gerade viel für die Schule tun müssen, kann es auch sein, dass ich mal helfe. Auf jeden Fall - finde ich - sollte man das nicht so verbissen sehen.
Zur Feier des Tages (welcher Tag, welche Feier? ... egal, jeder Tag ist zum Feiern) verlose ich zwei Aufräum-Labels aus Filz (wie abgebildet) und fünf kleine Katzenklo-Labels.
![]() |
| Gerne hätte ich noch ein "Ich-liebe-dich"-Label. |
- Wie wichtig ist dir Ordnung generell?
- Wie wichtig ist dir Ordnung im Kinderzimmer?
Bitte schreibt auch dazu, ob ihr ein "Aufräum"- oder ein "Katzenklo"-Label gewinnen möchtet.
Die Verlosung endet an diesem Donnerstag, 21. Februar 2013, um 9 Uhr morgens.
Solltet ihr kein Losglück haben, könnt ihr die Labels auch bei Fräulein Etepetete bestellen.
Die Großen sind beidseitig beschriftet und kosten 9 €, die Kleinen kosten 6 €.
Herzlichen Dank Fräulein Etepetete und euch viel Glück bei der Verlosung.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
PS: Regenbogenbuntes hat mich darauf hingewiesen, dass es die Stickdatei als Freebie auf ihrer Seite gibt.
PS: Regenbogenbuntes hat mich darauf hingewiesen, dass es die Stickdatei als Freebie auf ihrer Seite gibt.
Dienstag, 4. September 2012
Glückliche Familie Nr. 76: Put-ZEN
Die Waschmaschine erbricht immer neue Wäsche*.
In der Kiste mit den Sachen, die zu flicken sind, hat eine Hose Junge geworfen.
Die Pfandgläser im Haushaltsschrank wollen die höchste Pfandgläserpyramide der Welt werden.
Unsere Schuhe sind alle bei Facebook. Dort laden sie andere Schuhe ein zur Steh-Party in unserem Flur.
Die wilden Brombeertriebe in unserer Einfahrt spielen mit mir "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?". Ich schaue sie an und sie sind starr. Aber kaum drehe ich ihnen den Rücken zu, wachsen sie fünf Zentimeter in der Minute.
Ist die Haus- und Gartenarbeit nur eine Abfolge täglich quälender Arbeiten, die nie ein Ende finden?
Nein.
Wie immer entscheidet sich im Kopf, wie wir das erleben.
Am vergangenen Samstag kehrte ich innerlich ganz aufgewühlt vom Einkaufen zurück. Mein Mann und ich hatten andere Eltern aus der Klasse von Prinzessin (11) getroffen. In unserem Gespräch am Rande des Wochenmarkts ging es hoch her, weil gerade ein paar Jungs den Klassenfrieden stören.
Mich machen solche Gespräche ganz kribbelig, weil ich tausend Ideen im Kopf habe, wie man die Situation lösen könnte, aber dann komme ich nicht zu Wort oder niemand hört richtig zu. Und dann möchte ich am liebsten um mich werfen mit den fetten Fleischtomaten aus unserem Einkaufskorb.
Als wir endlich wieder zu Hause waren, habe ich die alten Blätter im Rhododendron-Beet zusammen gekehrt. Den Rechen vor und wieder zurück, vor und wieder zurück. Die Metallfinger ziehen feine Streifen in den Sand. Rechen vor und wieder zurück. Ich höre nur das Rascheln der trockenen Blätterröllchen. Rechen vor und wieder zurück. Meine Gedanken ordnen sich wie die Blätter im Beet. Argumente bilden kleine Haufen, Aggressionen wandern in die grüne Tonne.
Das ist der Beweis dafür, dass sich in unserem Kopf entscheidet, wie wir erleben, was wir tun.
Hatte ich mich zwei Tage vorher noch geärgert, dass schon wieder so viele Blätter im Beet liegen, freute ich mich jetzt an jedem Unrat, den ich irgendwo aufsammeln und in die Tonne tun konnte.
Da fiel mir ein, dass ich in der CoachingAcademie eine neue Schreibweise des Wortes Putzen gelernt hatte:
Ich finde Hausarbeit sogar wohltuend, wenn ich für Abwechselung sorge, für Wechsel zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, für Wechsel zwischen Arbeit im Haus und draußen. Und wenn ich merke, dass ich einen großen inneren Widerstand gegen eine Arbeit habe, höre ich auf und tue etwas anderes.
Vielleicht ist dann diese Arbeit genau die Richtige, wenn ich das nächste Mal von einem Elterntreffen komme.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
* Zitat meiner Schwester Nr. 2
Freitag, 27. Juli 2012
Glückliches Familienleben Nr. 65: High-Speed-Aufräumen
Als Kronprinz drei Jahre alt war, kaufte ich einen Plastik-Lastwagen etwas größer als ein Bobbycar. Das Monstrum fuhr blinkend in die Großbaustelle im Kinderzimmer. "Guck mal, welch einen Spaß aufräumen macht", rief ich und pfefferte die ersten Bausteine auf die XXL-Ladefläche.
Ich finde die Grenzziehung zwischen Arbeit und Vergnügen problematisch. Es gibt so Sprüche wie "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen".
Warum sollte denn nicht Arbeit selbst ein Vergnügen sein?
Wie schön ist es, ohne Zeitdruck eine Arbeit tun zu dürfen, die man mag. Da kann selbst "am-Strand-liegen" nicht mithalten. Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi nennt das "im Flow sein". (Wenn man sich mit diesem Monstrum von Namen mit seiner Theorie durchgesetzt hat, muss da was dran sein.)
Gestern war ich bei einer Augenärztin. Die Frau war in ihrer Art so patent, dass es ansteckend war. Kaum war ich wieder zu Hause, habe ich den Waschkeller ausgeräumt und mit dem Autostaubsauger alle Wollmäuse und Spinnweben weggesaugt, die Kiste mit den Draußen-Spielen ausgemistet und Waschmaschine und Trockner abgewischt. Was soll ich sagen? Es war das reinste Vergnügen.
Das wäre doch mal ein Angebot für die Ferienspiele: "Wollmausjagd im Keller. Anmeldung nicht erforderlich. Nur Ferienpass und alte Kleider mitbringen".
Als die Kinder klein waren, fand ich die perforierten Nächte oder die nassen Windeln oder das Matschen beim Essen gar nicht schlimm. Schlimm war für mich, kaum mal eine Arbeit in Ruhe zu Ende tun zu dürfen. Und wenn mein Mann sagte: "Ich gehe mit den Kindern raus, dann kannst du dich ein bisschen hinlegen", habe ich fast gebrüllt: "Ich will mich nicht hinlegen, ich will eine ganze Wand lila streichen, ohne dass mich jemand unterbricht, ich will im Garten eine Natursteinmauer bauen, ohne dass ich alle drei Sekunden den Spachtel weglegen muss, ich will orgiastisch bügeln, Fenster putzen, den Vorratskeller umräumen. Bitte", fast hätte ich auf den Knien gelegen, "mach die große Spielplatzrunde, damit ich etwas tun kann, bei dem ich ein Ergebnis sehe."
Arbeitnehmer verbringen inzwischen deutlich mehr Tage im Krankenhaus wegen Depression oder Burn-out als wegen Herzkreislauferkrankungen. Dazu gab es gestern eine Statistik der Krankenkassen in der Zeitung.
Als ich vor elf Jahren den Schwerlasttransporter für das Kinderzimmer anschaffte, sah ich diese Entwicklung kommen. Und habe es mir deshalb zur Lebensaufgabe gemacht, nach Ideen zu suchen, die Freude auch in die unangenehmsten Aufgaben bringen.
Der Plastik-LKW hat sich leider nicht bewährt. Wenn man die Ladefläche kippte, um die Bauklötze in die Kiste zu schütten, machte das Teil einen solchen Höllenlärm, dass es nicht auszuhalten war. Und Kronprinz geriet so richtig in "Flow". Er war gar nicht mehr zu bremsen, seine Fracht knarzend und piepend in die entlegensten Ecken der Wohnung zu liefern.
Wir haben den Laster dann entsorgt.
| Kronprinz beim Abspülen vor elf Jahren, entschuldigt die Unschärfe, der Terror-Truck, die Nerven ... |
Über das Thema Aufräumen habe ich hier schon einmal geschrieben. Heute möchte ich euch das "High-Speed-Aufräumen" vorstellen. Es war nötig geworden, weil Kronprinz Zimmer so aussah, dass ich nur noch ein RTL-Team auf Messi-Recherche die Treppe hätte hoch schicken können.
Regeln für das "High-Speed-Aufräumen"
- auf einer Eieruhr oder einem Wecker 45 Minuten einstellen (bei kleineren Kindern weniger Zeit)
- durch das Zimmer gedanklich eine Diagonale ziehen
- vereinbaren, dass heute nur eine Zimmerhälfte aufgeräumt wird
- wenn die Zeit abgelaufen oder die Aufgabe erfüllt ist, aufhören
- vereinbaren, dass ich helfe, wenn es zu den vereinbarten Regeln abläuft
- Kartons oder Kisten zum Ausmisten im Flur bereit stellen
Kronprinz (14) und ich haben es am Mittwochabend so gemacht. Es hat super geklappt. Wir rannten mit Kisten durchs Haus. Zwischendurch riefen wir dem, der gerade im Zimmer tätig war, zu: "Wie viel Minuten haben wir noch?" Danach sah die eine Zimmerhälfte aus als würde sie gar nicht zu dem Raum gehören. Morgen kommt die andere Hälfte dran. Aber nicht mehr als 45 Minuten!
Ich glaube, durch die Stoppuhr kommt so eine Wettbewerbsfreude in die Arbeit, die besonders Jungs in Schwung bringt.
Immer schön fröhlich eine Arbeit tun
Uta
Montag, 30. Januar 2012
Fette Fusselratten
Wie schade ist
es eigentlich, dass sich Millionen Eltern über die unaufgeräumten
Zimmer ihrer Kinder ärgern. Klamme Sockenknubbel auf dem Teppich,
Kaugummi-Papier zwischen Schulheften, unfertige Puzzles (kauft
niemals ein 1000-Teile-Puzzle), winzige Lego-Glasbausteine, die sich
schmerzhaft in Mutters nackten Fuß prägen. Es ist nicht so, dass
mir ein solches Chaos fremd wäre (nein, ich richte jetzt keine
Webcam in die Zimmer meiner Kinder, sie würde beschlagen von der
schlechten Luft darin, und in dem Wirrwarr der Objekte wüsste der
Autofokus nicht, worauf er scharf stellen sollte.)
Ich mache
innerlich immer das, was ich den Sterbebett-Test nenne: „Ist diese
Sache so wichtig, dass ich mich in meinem letzten Stündchen damit
befassen werde? Werde ich daliegen und hauchen 'Verzeiht mir, dass
ich Euch das Sortieren der Wäsche nicht beigebracht habe. “ Wohl
kaum. Also weg mit dem Ärger.
Was verschwenden
wir soviel Energie auf das leidige Thema „Aufräumen“? Schluss
damit. Ich betrete die Zimmer meiner Kinder nur noch zum Kuscheln,
Vorlesen, Rückenkratzen, Kissenschlachten, Tanzen oder zum
gemeinsamen Spaßrenovieren. Und wer möchte, dass einmal pro Woche
darin sauber gemacht wird, muss vorher aufräumen, sonst kommt ein
Polizeisperrband davor und Mutter zeigt sich unbeeindruckt davon,
wenn sich immer längere Spinnfäden von der Schreibtischlampe zum
Bücherregal ziehen und die Wollmäuse unterm Bett zu fetten Fusselratten werden.
In der
Kommunikation mit meinen Kindern haben sich Türklinkenschilder
bewährt, wie man sie aus Hotels kennt. Diese hier habe ich für die
Kinder gebastelt. Am Tag bevor die Frau kommt, die uns einmal pro
Woche beim Saubermachen hilft, hänge ich die Aufforderung zum
Aufräumen an die Kinderzimmer. Wer nicht aufgeräumt hat, dreht das
Schild am anderen Morgen um. Dann weiß unsere Hilfe: hier ist Sperrgebiet, Betreten unzumutbar.
Das Schöne an den Schildern ist, dass sie nicht rumbrüllen oder die Kinder abwerten. Sie sind aus Pappe, kennen keinen Groll und können keine Sätze schreien wie: „Wie oft soll ich Dir noch sagen ...“ oder „Immer muss ich …“ Sie erinnern mich mit ihrer sachlichen Freundlichkeit an unser Navigationsgerät im Auto. „Nach fünfhundert Metern rechts abbiegen ...“, „Nach Möglichkeit bitte wenden.“ Kann nicht jemand da draußen mal ein Navigationsgerät erfinden, das Kindern beim Aufräumen hilft. Es würde sagen: „Bewege Dich auf den bunten Haufen 50 Zentimeter neben dem Schrank zu, streiche das T-Shirt glatt, lege die Jeans zusammen, rieche zur Kontrolle an den gestreiften Socken. Du steuerst gerade auf die Spielkonsole zu, bitte wenden, bitte wenden, hänge das Hemd auf einen Bügel, lasse den I-Pod links liegen, lege die Stifte auf den Schreibtisch, du hast Dein Ziel erreicht.“
Bis ein solches
Gerät entwickelt ist, setze ich auf die Türschilder. Ich habe sie
aus Pappe ausgeschnitten und die Aufschrift aufgeklebt ... und was soll ich sagen: es klappt (seit drei Wochen, ich halte Euch auf dem Laufenden)
Immer fröhlich
bleiben
Uta
Abonnieren
Posts (Atom)



