Hast du in deiner Familie ein großes Unrecht erfahren und magst du davon erzählen? Heute wende ich mich mit einem Aufruf an euch. Ich habe den Auftrag bekommen, für einen Artikel in einem hochwertigen Magazin eine Frau oder einen Mann zu interviewen, auf die oder den Folgendes zutrifft: du bist...
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Sonntag, 8. Oktober 2017
Interview-Partner gesucht
Donnerstag, 24. August 2017
A warm welcome
Wie der Brief des kanadischen Schulleiters mir den Abschied erleichtert. Nach dem Aufbruch vom Kronprinzen am vergangenen Sonntag steht der nächste Abschied bevor: In gut einer Woche macht sich Prinzessin auf den Weg nach Kanada und wird dort ein Schuljahr auf einem Internat verbringen. Der...
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Dienstag, 14. Februar 2017
In den Vertrauens-Modus schalten
Mit dem Wissen, was Vertrauen wirklich bedeutet, läuft es besser zwischen Eltern und Kindern.
Wenn du ältere Kinder hast, dann sind sie abends und nachts immer häufiger unterwegs. Du weißt häufig nicht so genau, wen sie treffen, wo sie sind und was sie machen. Du fragst das alles vorher. Bist...
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Montag, 9. Januar 2017
"Kleine ICH-Zeiten zelebrieren"
Manchmal bekomme ich Rückmeldungen von Leserinnen und Mamas, die ich gecoacht habe, die mich selbst wieder wachrütteln und auf meinen Weg zurückführen. So ging es mir mit dieser Mail aus Bayern. Hier ein Ausschnitt:
„Ich habe nun den ganzen Dezember über sehr, sehr wenig gearbeitet, habe mi...
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Mittwoch, 21. Dezember 2016
Unser größtes Geschenk landet morgen
Großes Dankeschön und Weihnachtsgruß.
Mit diesem Foto, das der Kronprinz (19) vor ein paar Tagen aus Vancouver geschickt hat, möchte ich euch fröhliche Weihnachten wünschen.
Vielleicht inspiriert das die deutsche Frau Holle auch noch zum Bettenmachen.
Vancouver an einem Dezember-Morgen in aller F...
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Dienstag, 6. September 2016
Glück - ein gigantischer Anspruch
Geschrieben, gelöscht, geschrieben, gelöscht … wie soll ich euch sagen, dass Alfie Kohn, der amerikanische Erziehungs-Autor, große Verdienste um Kinder erworben hat, mich aber doch nicht ganz überzeugt? Mehrere Menschen, die ich schätze, haben mir sein Buch „Liebe und Eigens...
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Dienstag, 30. August 2016
10 aus 25 Fragen an Mütter: Sabrina
Ich sende Müttern, Vätern, Omas, Opas und anderen Kinder-Experten 25 Fragen, von denen sie 10 oder mehr Fragen auswählen, auf die sie antworten möchten.
Sabrina ist Studentin und lebt mit ihrem Freund und ihren beiden Söhnen (7 Monate und 2,5 Jahre) in der Schw...
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Donnerstag, 23. Juni 2016
Familie als Mobile
Wisst ihr, worauf ich wirklich stehe?
Wenn jemand plötzlich bereit ist, etwas neu zu sehen, neu zu denken, neu zu machen.
Wenn Eltern sagen: „So wie das in unserer Familie läuft, will ich das nicht mehr. Und ich übernehme die Verantwortung dafür. Ich fange bei mir an und gucke, was ich ä...
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Freitag, 18. März 2016
Das bestmögliche Selbst
Wie mir weise Worte helfen, Kurs zu halten.
Unser Haus ist voller Leitsätze. Sätze, die mich auf Kurs halten, Sätze, die mir helfen, mein Leben nicht zu vergeuden.
Es liegen Zettel in meinem Nachttisch, im Badezimmerschrank, in einem Buch im Wohnzimmerregal, in der Küche hinter den Teelichtern un...
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Montag, 7. März 2016
Raus aus den Ego-Umlaufbahnen
Bei Selbstzweifeln hilft es, die Blickrichtung zu verändern.
Am vorletzten Wochenende war ich zu einer Lesung meines Buches ins Ruhrgebiet unterwegs. Es sollte meine dritte Lesung sein und ich wusste nicht: Kommen 50 Leute oder nur 5? Am Tag vorher befiel mich Lampenfieber. Zwar redete ich mir e...
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Donnerstag, 31. Dezember 2015
Große Brötchen
Was ich euch für das neue Jahr wünsche.
Ich habe es nicht so mit Jahresrückblicken. Zurückschauen, sinnieren, grübeln, Abschied nehmen. Die Jahre sollen nicht winkend an mir vorbeiziehen, ich will gestalten, Neues erschaffen, wirksam sein.
So wie Eckhart Tolle sagt: „Ich habe wenig Verwendung für...
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Mittwoch, 21. Januar 2015
Glückliche Familie Nr.263: Fundstücke
Da stehen so Sätze wie:
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"Ich behandele die Heranwachsenden als Menschen, nicht als Kinder, nicht als Jugendliche, nicht als Pubertierende." (eine Trainerin der CoachingAcademie auf die Frage, warum sie so gut mit den Halbwüchsigen zurecht kommt)
Ich gebe auf, etwas über mich beweisen zu müssen. Mein Sein reicht völlig. Buddhisten sagen: "Es gibt nichts zu erreichen. Jetzt geh los."
- mich immer wieder herausfordernden Situationen zu stellen: kleine Mutproben täglich erweitern die Möglichkeiten
- mich mit Schönheit umgeben, selber schön sein; ich mag das Blogger-Motto "Beauty is where you find it", mir gute Kleidung gönnen, Pflege, gutes Essen genießen, von schönen Dingen umgeben sein
*
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Dienstag, 23. Dezember 2014
Glückliche Familie 259: Glühwein am Bett
Bevor der Blog eine kleine Weihnachtspause einlegt, gibt es eine Zusammenstellung von dem, was mich in den vergangenen Tagen bewegt hat:
Jörg, der Vater von Linus, der nicht mehr in den Kindergarten gehen wollte, hat sich noch mal gemeldet. Er schreibt:
Das ging am Anfang zwar nur mit viel Überreden, dann aber immer besser. Wenn wir ihn jetzt abholen, dann schläft er uns ... im Kinderwagen ein. Also ist es sicher gut, ihn nicht länger dort zu lassen. Er macht nämlich auch seit 2-3 Wochen keinen Mittagsschlaf mehr... (Als gäbe es nicht schon genug Veränderungen zur Zeit;)Wir haben dann beschlossen, Linus jeden Tag hinzubringen, dafür aber schon deutlich früher zu holen. Konkret von 14:00/14:30 Uhr bis 16:30, also vor dem Abendessen.Deine Tipps haben mir sehr geholfen. Einfach weil sie mir zum Teil gezeigt haben, dass wir doch einiges richtig machen (Exklusiv-Zeit mit Mama z.B.), andererseits waren auch gute Denkanstöße dabei.Liebe Uta,so, jetzt habe ich ein bisschen Zeit, dir zu schreiben, wie es uns geht:Außerdem haben wir mit den Erzieherinnen kommuniziert, dass wir ihn nicht schreiend abgeben und sie uns bitte die Zeit lassen, die wir brauchen, bis er freiwillig dableiben möchte. Das akzeptieren sie auch einigermaßen.Insgesamt hat sich das Thema deutlich entspannt. Die Zwillinge werden größer/robuster, Mama kann sich wieder etwas mehr Zeit für ihn nehmen und wir lernen einfach auch dazu, dass sein Schreien seine letzte und sicherste Möglichkeit ist, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Meistens versucht er ja alles andere zuerst, aber mit zwei kleinen Babys wird der Größere nicht immer sofort beachtet. Leider.
Noch ist nicht alles immer super, aber wir fühlen uns wieder auf einem guten Weg.Wenn der Wechsel nächsten September in die "richtige" Kindergartengruppe ansteht, dann erwägen wir evtl. einen Wechsel in einen Waldkindergarten. Wir denken, dass er da einfach eher der Typ für ist.Muss man sehen wie eng die Freundschaften im Waldorfkindergarten dann gewachsen sind etc...Vielen Dank nochmal!!Liebe Grüße,
Jörg
Noch nicht gemeldet hat sich das "Wolkenschaf", das bei mir das Buch "Manchmal bin ich wütend" gewonnen hat. Könnte ein Vorsatz für das neue Jahr werden: Immer fröhlich sich bei Uta melden.
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| Engel an "Wolkenschaf": "Bitte melden und Adresse senden!" |
Gestern Abend habe ich im WDR einen Film über Udo Jürgens gesehen: große Auftritte, Interview-Ausschnitte und vieles mehr. Er blickt auf sein Leben zurück und auf die immer größer werdenden Erfolge. An einer Stelle ist er plötzlich ganz bewegt und hat Tränen in den Augen. Nicht als er vom Grand Prix erzählt, nicht vom Bambi oder vom Deutschen Musikpreis, sondern davon, wie seine Eltern kamen, als er sie eingeladen hat, seine Plattenaufnahme mit den Berliner Philharmonikern zu erleben. Endlich, so Jürgens sinngemäß, konnte er seinen Eltern zeigen, dass er mehr war als "nur" ein Schlagersänger.
Anerkennung von den eigenen Eltern - für wie viele Menschen ist das ein Lebensthema! Und weil sie davon nicht lassen können, bleibt es bis zum Ende ein Fass ohne Boden. Auch Jürgens war - wenn ich das richtig recherchiert habe - schon 44, als er die Eltern zu den Aufnahmen einlud. Ob Kronprinz (17) und Prinzessin (13) auch mal einen solchen inneren Mangel mit sich herumschleppen? Ich hoffe nicht. Also, für mich müssen es nicht die Berliner Philharmoniker sein. Mir reicht es, wenn wir uns auch in zehn oder zwanzig Jahren regelmäßig treffen und Nähe erleben dürfen.
Der Vater meiner Freundin ist schwer krank. Er wird wahrscheinlich in den nächsten Monaten sterben. Seine Frau ist da, seine drei Kinder sind angereist, zwischendurch auch die Enkel und Schwiegerkinder, gestern kam noch seine Schwester. Mal sind sie gemeinsam an seinem Bett, mal wechseln sie sich ab. Meine Freundin schreibt:
"Gestern war soo ein schöner Tag. Mit ganz viel Nähe und Verbundenheit. Heute merken wir, dass er schon wieder einen Schritt weiter gegangen ist. Er weiß es. Schmerzen hat er keine. Er steht auch noch auf und geht alleine zum WC. Gestern haben wir an seinem Bett Glühwein getrunken. Wir weinen und wir machen Witze. Es ist traurig, aber nicht schrecklich. Alles ist gut."
und einen Tag später:
"Er wird durchhalten, bis Greta und Hanna nach Weihnachten kommen. Er steht noch auf und geht selbständig ins Bad. Er isst auch noch. Aber er hat sich auf den Weg gemacht. Gestern haben wir über unseren Kontext über Sterben nachgedacht. ... Er geht voran, so, wie er das immer gemacht hat, in den nächsten Raum, die nächste Ebene, ins Licht ...Und wir alle werden ihm folgen. Irgendwann. Kein Aufgeben, kein Mangel, kein Fehlen, sondern Mut und Vorangehen. Sein Leben ist einfach vollständig. Das Bild hat ihn erreicht, das fand er gut. Dass er jetzt der Erste ist, findet er allerdings scheiße."
Geboren werden, sterben, Witze machen, traurig sein - alles darf nebeneinander sein. Euch allen schöne Weihnachten!
Sonntag, 7. Dezember 2014
Glückliche Familie Nr. 256: Und - plob - ist alles anders
Ich bin ja wieder zu spät mit allem. Wie eigentlich seit 30 Jahren.
Gut, ich hatte drei Löcher kurz vor dem Weisheitszahn und habe Stunden beim Zahnarzt zugebracht, mit dem Ergebnis, dass sich die Reihe oben rechts mit der Zunge anfühlt wie die Torbögen vom Prinzipalmarkt, nur rauer und ohne Beleuchtung.
Und unser Kater hat eine entzündete Pfote, weshalb ich sehen konnte, dass bei der Tierärztin an ihrem Privateingang auch noch ein Bund Tannengrün liegt, an das sie eines Tages Ostereier hängen kann, wenn immer diese ganzen Notfälle kommen in großen und kleinen Boxen und humpelnd an der Leine.
Aber die Tierärztin ist sowieso ein Engel, die braucht gar keine hinzustellen.
Es gibt also noch mehr Leute, die auf ihrem Weihnachtserledigungszettel im ersten Fünftel feststecken.
Dabei wollte ich doch dieses Mal so früh ...
Als Kind habe ich am Heiligen Abend Gebasteltes verschenkt, bei dem der Kleber noch nicht trocken war.
Egal, ob ich gerade in einer stressigen Phase steckte oder nicht - ich kann mich an keine wirklich entspannte Vorweihnachtszeit in meinem Leben erinnern.
Vielleicht sollte ich wie Pettersson aus dem Bilderbuch einen Baum schlagen gehen, hier in unserem Vorortwäldchen. Ich könnte im nassen Laub ausrutschen, mich im Schlittenseil verfangen (an den Schlitten denken!) und mir das Bein verstauchen. Dann lege ich mich bis Weihnachten auf die Couch und alle Nachbarn und Verwandten kommen und bringen Schnitzbrot und feine Pasteten. Und der Kater schmückt den Baum mit Korkenziehern, Löffeln, Kugelschreibern.
Aber nun ist mir der zuvorgekommen und hat eine schlimme Pfote.
Der Advent verträgt sich nicht mit meiner Lebensphilosophie. Leben im Hier und Jetzt, jeden Tag so gestalten, als wäre es der Letzte, nicht auf ferne Ziele hinleben, sondern den Augenblick genießen.
Advent ist der Gegenentwurf: Zeit der Erwartungen, hinarbeiten auf die ferne Erlösung, permanente Hektik gesteigert durch eingeschobene Besinnlichkeit.
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Bis hier hin war ich gestern gekommen und habe gemerkt, dass mein Advent so ist, weil ich ihn genau so haben will.
Ich könnte es ja ändern, mache ich aber nicht.
Das einzige, was ich ändere, ist, mich nicht mehr dafür runter zu ziehen. Und - plob - ist alles anders:
- Ich genieße es, diesmal nur einen Teil der Deko aus dem Keller zu holen.
- Wir freuen uns, dass der Kater wieder zaghaft die Pfote auf den Boden setzen kann und sich dankbar an uns schmiegt.
- Ich weiß, dass - wenn ich den Fotokalender nicht mehr schaffe sollte - ich eine bessere Idee haben werde.
- Ich setze mich im Einkaufszentrum auf die Bank und beobachte die Leute. Ich sehe plötzlich keine grauen Gesichter mehr, sondern Menschen, die sich beeilen, weil sie anderen eine Freude machen möchten.
- In den Supermärkten in meinem Umkreis sind die Domino-Steine ausverkauft. Ich liebe Domino-Steine, aber ich bin froh, dass ich mal einen klitzekleinen Mangel erleben kann, wo wir doch sonst immer alles im Überfluss haben.
- Ich bin dankbar, dass das Kissen platzte, das ich Prinzessin (13) für die Schulski-Reise nähen wollte. Das Wohnzimmer sah aus, als hätte ich ein Huhn gerupft. Prinzessin kam und sagte: "Komm, wir packen uns vor den Fernseher." Später hatte ich wieder Energie, saugte alles auf und nähte das schönste Kissen, das mir je gelungen ist.
- Ich bin dankbar, dass der Kronprinz (17) kurz Bauchschmerzen hatte. Denn deshalb konnte er nicht zum Karate, dafür aber ein wenig später mit zum Reisebus, um Prinzessin (13) zu drücken, bevor sie nach Österreich aufbrach.
- Ich habe ein Stück Marzipan-Stollen genossen, Krümel für Krümel. Denn er kam per Post von meinen Eltern. Sie sind beide über 80. Meine Mutter hat ihn gebacken mit Frischhefe und ohne Zitronat, mein Vater hat ihn sorgfältig in eine große Schachtel gebettet, das Paket beschriftet und zur Post gebracht. Besser kann
LebenStollen nicht schmecken.
PS: In der Bank bekam ich ein Werbegeschenk, eine kleine Schachtel mit zwei ... ja was? ... Domino-Steinen.
Freitag, 1. August 2014
Glückliche Familie. Nr. 234: Schöner frühstücken
Als ich freie Journalistin war, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich eine Festanstellung hätte.
Als ich einen festen Job hatte, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich Kinder hätte.
Als ich Kinder hatte, dachte ich, ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ich mal wieder Zeit zum Schreiben hätte.
Als die Kinder größer waren und ich wieder Zeit zum Schreiben hatte, fiel mir auf, dass die Nummer "Ich könnte vollständig glücklich sein, wenn ..." nicht funktioniert. Schlimmer noch, sie richtet handfesten Schaden an.
Man bildet sich ein, man müsse mit dem Jetzt nur richtig unzufrieden sein, damit man einen Antrieb hat, um die Zukunft zu verbessern.
"Wenn Sie das Leben verändern, um es besser werden zu lassen, wäre Ihr Ausgangspunkt Unzufriedenheit. "Und weiter:
"Eine Menge Leute gehen genau so vor. Sie sind nicht besonders zufrieden, und ihre tatsächliche Wirkung auf die Welt ist noch geringer als es scheint." (Ron Smothermon: Drehbuch für Meisterschaft im Leben, Bielefeld. 2007, Seite 238)Diese Sätze haben mich heute morgen voll erwischt. Ich hatte etwas Unzufriedenheit entwickelt, weil ich im Urlaub gerne mehr vom Land erkunden würde als der Rest der Familie und ich viel Zeit hatte, über meine berufliche Situation zu grübeln.
"Veränderungen, ja", durchfuhr es mich, "aber den Ausgangspunkt Unzufriedenheit will ich nicht. Ich kann jetzt vollständig glücklich sein und etwas verändern."
Nachdem ich die ersten Tage des Urlaubs gegen eine kleine Niedergeschlagenheit angekämpft hatte (im Urlaub, wie bescheuert ist das denn!?), war ich plötzlich voller Energie. Die anderen schliefen noch und ich brachte Ordnung in die Ferienhausküche, erstellte mit italienischem Wörterbuch eine Einkaufsliste, lief durch die Morgensonne zum Supermarkt, stellte Blumen auf den Tisch und machte Frühstück.
| Stachelig - wie Uta manchmal innerlich. |
Und, was soll ich sagen. Wir hatten das bisher schönste Frühstück unseres Urlaubs mit guter Stimmung und langen, wunderbaren Gesprächen.
Was das doch ausmacht, welche Energie Muttern in die Familie einbringt! (Schon aufgefallen? Die Stimmung in einer Familie steuern maßgeblich die Mütter.)
Mein Fazit: Ich kann was ändern an einer Situation oder ich kann es lassen, auf jeden Fall brauche ich dazu keine Unzufriedenheit im Jetzt.
Immer schön fröhlich bleiben,
eure Uta
Ps.: Diesen Post konnte ich auf dem iPad vom Soßenkönig schreiben. Es bleibt aber natürlich dabei, dass die Verlosung erst nach meiner Rückkehr endet.
Freitag, 25. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 233: Die Glasscheibe
In diesen Tagen wurde ich sehr beschenkt durch Bücher und Begegnungen.
Aus dem Buch "Enjoy your life. 10 kleine Schritte zum Glück" von Martha Beck habe ich mitgenommen, jeden Tag mindestens eine kleine Mutprobe zu wagen. Bei mir sah das so aus, dass ich zum ersten Mal seit Jahren wieder freihändig Fahrrad gefahren bin, mir die Fußnägel pinkfarben lackiert und mich auf einem Indoor-Spielplatz eine Senkrechtrutsche herunter gestürzt habe. Vor allem aber gab es einige Gespräche, in denen ich gewagt habe, die Wahrheit zu sagen. Nicht, dass ich sonst lügen würde. Nein. Aber meistens wage ich nicht, mich komplett zu zeigen, wie ich bin. Immer wieder falle ich in den Modus zurück, meinem jeweiligen Gegenüber gefallen zu wollen.
Martha Beck schreibt:
"Tatsache ist ..., dass die meisten Menschen sich selbst nur in ausgewählten Bereichen die Wahrheit sagen, und viele von uns belügen sich selbst und andere in Bezug auf so ziemlich alles, was wir erleben. Warum? Weil das Leben hinter einer Glasscheibe, so betäubend und leer es auch ist, gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit gibt." (Martha Beck: Enjoy your life, Frankfurt am Main 2012, S. 38)
Seit ich vor wenigen Wochen begonnen habe, Marthas Buch zu lesen, bin ich ein paar Mal durch die Glasscheibe gegangen. Es war aufregend, aber auch unangenehm und schmerzhaft und danach habe ich mich so lebendig gefühlt, wie lange nicht mehr.
Am Montag hat mich eine Bekannte besucht, die ich seit sieben Jahren kenne, weil Prinzessin (13) seit der Kindergartenzeit mit ihrem Sohn befreundet ist. Die Familie lebt seit einem Jahr im Ausland und war nur kurz zu Besuch in der alten Heimat. Ich lud Laura ein, noch am Tag vor ihrem Abflug kurz auf einen Eistee vorbei zu kommen. Aus dem "kurz" wurden viereinhalb Stunden intensiven Gesprächs, aus dem gesunden Abendessen wurde ein Tiefkühl-Mini-Pizzen-Gelage, aus der langjährigen Bekannten wurde eine Freundin.
Und das alles, weil ich an ein paar Punkten im Gespräch an Marthas Mutproben dachte und es wagte, mich zu zeigen, wie ich bin.
Das Schöne an Kindern ist, dass sie es so gar nicht mit den Glasscheiben haben (zumindest wenn sie noch klein sind). Und sie merken sofort, wenn wir uns hinter etwas verschanzen und meinen, wir könnten die Familie allein mit Erziehungstipps und - tricks auf Kurs halten, ohne uns persönlich einzubringen. Kinder gucken sehr genau: Wer ist dieser Mensch eigentlich, der meine Mutter, mein Vater ist?
Und das gilt auch umgekehrt:
"... für Kinder ist es wesentlich, Eltern zu haben, die ein wahres Interesse an ihrem Leben haben, die herausfinden wollen, wer ihr Kind ist, deren Fragen sich nicht nur darauf beschränken: 'Wann bist du gestern nach Hause gekommen?' Und: 'Warum so spät?' Sondern Eltern, die fragen: 'Was bewegt dich? Was geschieht gerade in deinem Leben?', statt mit ihren gewohnten 'Kontrollfragen' die Kluft zwischen sich und den Kindern noch größer werden zu lassen." (Jesper Juul: Wir sind für dich da. Freiburg im Breisgau 2014, S. 25)
Dieses Zitat ist aus dem kleinen Buch "Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern" von Jesper Juul. Der Kreuz-Verlag war so freundlich, mir ein Exemplar zur Verfügung zu stellen, das ich an meine Leser verlosen darf.
Seid ihr in letzter Zeit einmal durch die Glasscheibe gegangen, mit der wir gerne alles deckeln? Alle, die mir eine solche Tat in einem Kommentar beschreiben, nehmen an der Verlosung des Buches teil. Es kann auch etwas sein, das ihr euch mutig vornehmt zu tun oder zu sagen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
Ich gebe euch dafür ganz viel Zeit, denn die Katzenklo-Familie und ihr Blog gehen morgen für zwei Wochen in Urlaub. Ich weiß nicht, ob ich am Zielort WLAN haben werde. Wahrscheinlich kann ich also nur noch heute und dann erst wieder am 10. August Kommentare frei schalten. Deshalb endet die Verlosung am Samstag, 9. August, um 24 Uhr.
Immer fröhlich durch die "Glasscheibe" hindurchgehen und die Ferien genießen.
Eure Uta
Ps.: Ganz herzlichen Dank noch für die vielen anerkennenden Kommentare zu meinem vorherigen Post. Das war richtig schön für mich.
Samstag, 19. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 232: Sich nichts hinzufügen müssen
Ich habe ein Interview mit der englischen Bestseller-Autorin Jojo Moyes ("Ein ganzes halbes Jahr") gelesen. Ihre Eltern hätten ihr immer das Gefühl vermittelt, sagt sie in dem Interview, sie könne alles erreichen, was sie wirklich wolle.
"Wow", dachte ich, "das will ich auch sofort meinen Kindern vermitteln."
Als 14jährige hat Jojo Moyes drei Putzstellen angenommen (das wäre bei uns verboten in dem Alter, aber egal) und hat sich von dem Geld gegen den Willen der Eltern ein eigenes Pferd gekauft.
Als Erwachsene dann hat sie getan, was sie am liebsten mag: schreiben. Sie hat geschrieben und geschrieben. Jahrelang von den Lesern und der Welt unbeachtet. Als das Geld nicht reichte, hatten sie und ihr Mann sich schon darauf eingerichtet, ein Zimmer auf ihrer Farm unterzuvermieten.
Aber dann kam der Durchbruch zur Bestseller-Autorin.
Jojo Moyes macht heute immer noch, was sie am liebsten macht: schreiben. Aber sie muss keine Zimmer mehr untervermieten und hat sich von dem Geldregen das Luxusmodell eines Massage-Sessels in die Scheune gestellt. Dort lässt sie sich jetzt jeden Abend nach der Schreibtischarbeit durchmassieren.
"Du kannst alles erreichen, was du wirklich willst."
Ja, das will ich meinen Kindern auch vermitteln. Auch wenn ich ein bisschen bange bin, die Antwort könnte lauten: "Fünf Jahre ununterbrochen mit dem iPad im Bett sitzen."
Dann stellte ich mir beim dritten Abwasch des Tages die Frage: "Uta, lebst du denn diese Haltung? Hast du erreicht, was du wirklich wolltest?" -
"Ja, ich habe Familie. Das ist das, was ich wirklich wollte. Ich hätte Chefredakteurin und Herausgeberin des tollsten Magazins der Welt werden können, hätte meine drei dutzend Bücher signierend um die Welt reisen können ... aber ohne meinen Mann, unsere Kinder, Amy, Gulliver und die ganzen Krümel um das Katzenklo hätte ich nicht sein wollen."
"Ja, Familie hast du seit Jahren", das Interview mit mir selber ging unerbittlich weiter, "du könntest noch mehr schaffen. Du hast doch seit längerer Zeit ein paar Ziele beruflicher Art, die du beharrlich nicht erreichst."
Das innere Interview wurde langsam unangenehm. Ja, Ziele können Magneten sein, sie können einen Sog entwickeln und einen auf Spur bringen, aber bei beharrlichem Nichterreichen können sie quälende Mahnmale eigener Unzulänglichkeit werden.
Ich schlug mit der Spülbürste ins Wasser. "Schaumberge, alles bloß Schaumberge."
Vielleicht sollte ich meinen Kindern solchen Schaum nicht ins Hirn setzen, vielleicht sollten sie lieber kleiner denken von sich und der Welt. Immer schön realistisch bleiben, dann wird man auch nicht enttäuscht.
Wieder schlug ich in den Schaum. "Nein, das kann es auch nicht sein."
Und ich merkte, dass das mit den Zielen keine Rolle spielt. Man kann sich große Ziele setzen und Kleine, welche, die in der Welt große Anerkennung finden, oder welche, die gar nicht beachtet werden. Wenn das Zielesetzen funktioniert und einen voranbringt, gut. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Denn wesentlich ist etwas anderes.
Und hier kommen meine beiden Lieblingszitate ins Spiel:
"Innerhalb der wahren Ordnung der Dinge tut man nichts, um glücklich zu sein - man ist glücklich und tut deshalb etwas. Man tut nicht etwas, um mitfühlend zu sein, man ist mitfühlend und handelt deshalb auf bestimmte Weise. Bei einer in hohem Maße bewussten Person geht die Entscheidung der Seele der Handlung des Körpers voraus." (Neale Donald Walsch: Gespräche mit Gott, München 1997, S. 279)
"Zu allen Zeiten fühlen Sie sich ganz und vollkommen. Alles, was im Leben passiert, bestätigt Ihre Ganzheit und Ihre Vollkommenheit." (Ron Smothermon: Drehbuch für Meisterschaft im Leben. Bielefeld 2007, S. 253)
Meinen Kindern kann ich sagen, dass sie dem, was sie sind, nichts hinzufügen müssen.
Kein Schwimmabzeichen, kein 1,0-Abitur, keinen Fußballpokal, keinen Beruf mit Renommee, keine noch so hochfliegenden Ziele.
Wenn sie mit der Gewissheit zu leben lernen, dass sie sich selbst nichts hinzufügen müssen, können sie erreichen, wonach ihnen der Sinn steht. Dann genießen sie Erfolge, verkraften Niederlagen, können das Leben als das betrachten, was es ist: ein großes Spiel.
| Amy braucht Katzenminze nicht, um glücklich zu sein. Aber in Katzenminze zu liegen, ist Ausdruck ihres Glücks. |
Auf unserem Wochenmarkt gibt es einen Blumenstand. Er gehört einem Ehepaar und seinem Schwager, alle so Ende fünfzig. Diese Drei leben ihren Blumenstand. Egal, wie lang die Schlange ist, binden sie in aller Ruhe Rosen, Schleierkraut, Margeriten, alles, was ihre Felder und Gewächshäuser in Vierlanden gerade hergeben. Die Freude dieser drei Menschen an ihrer Arbeit sendet sich. Deshalb meckert auch niemand über das lange Warten. Es wird viel gelacht, philosophiert, Lecker verfüttert an Kunden-Hunde.
Als ich neulich zu Hause meine Blumen auswickelte, stellte ich fest, dass sie mir einfach einen Bund Rosen dazugelegt hatten. Ohne ein Wort, als Geschenk. Und ich musste denken, dass diese Drei vom Markt so Menschen sind, die das Glück, das sie mit sich selbst erleben, verströmen für andere. Und dann ist es auch völlig egal, welche Ziele man hat oder was man gerade macht.
Euch immer fröhlich sagen, dass ihr dem, was ihr seid, nichts hinzufügen müsst.
Eure Uta
Donnerstag, 3. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 229: Das lockere Lassen
Heute morgen wachte ich auf und merkte sofort, dass das mit dem Logische-Konsequenzen-Post in die falsche Richtung läuft.
Nicht, dass ihr da sitzt und grübelt: "Was ist jetzt die logische Folge von dieser Untat?" - "Ist es Folge oder vielleicht doch Strafe?" - "Gibt es einen Zusammenhang mit der Tat?" - "Könnte ich einen konstruieren?"
Schon beim Nachdenken kriege ich davon Knoten im Kopf.
Was ich will, ist:
- dass unseren Kindern nicht reflexartig jedes Hindernis und jede Zumutung aus dem Weg geräumt wird
- dass unsere Kinder nicht auf Schritt und Tritt kontrolliert und angetrieben werden
- dass wir Eltern nicht wie der Gott Zeus der Pädagogik Konsequenzen in ihre Welt schicken, damit sie endlich einsehen, was sie alles falsch gemacht haben
- dass wir ihnen genug Raum lassen für eigene Erfahrungen
Es kann sein, dass es ihr in den nächsten Tagen selber zu viel wird mit dem Durcheinander (Jeder muss seine eigene Chaos-Grenze finden dürfen.) Oder es kann sein, dass ich es nicht mehr aushalte und sage: "Ich will, dass du aufräumst, bevor du zum Übernachten zu Lea gehst, weil ich so nicht einmal die neue Wäsche in den Schrank legen kann."
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| Logische Konsequenz? Blut läuft in den Kopf. Kronprinz und Prinzessin im Tobe-Alter |
Versteht also die logische Konsequenz nicht als flammendes Schwert des Erzengels, sondern als entspanntes "dem Kind Raum geben für eigene Erfahrungen" und "sich davon entlasten, sich selbst immer für alles zuständig zu fühlen".
Immer fröhlich Geduld haben mit Uta und ihren manchmal kryptischen Ausführungen.
Eure Uta
Ps: Die Verlosung läuft noch bis Samstag, 5.7., bis Mitternacht.
Mittwoch, 18. Juni 2014
Glückliche Familie Nr. 226: Leichtigkeit und Liebe nähren
Heute morgen 7:30 Uhr in Hamburg. Ich wecke Prinzessin (13) und sehe im Augenwinkel meine geliebten Ohrstecker, die ich ihr am Wochenende geliehen hatte, zwischen Nagellackfläschchen, "Best-friend-for-ever"-Briefchen und Kopfhörerkabeln auf der Fensterbank liegen.
Ich lege die Stecker zurück in ihr Kästchen und in meinem Kopf den Ärger-Schalter um.
Ich stürme mit einem Schlachtruf zurück in ihr Zimmer. "Wer hat meine Ohrstecker vergammelt? Wer gehört mal so richtig durchgekitzelt?"
Ich reiße die Bettdecke weg, rufe, dass meine Finger die Beine sind von riesigen, haarigen Spinnen und lasse sie überall hinkrabbeln: in den Nacken, unter die Arme, in die Kniekehlen ... Prinzessin quiekt, ich quieke. Wir haben Spaß.
Leben darf leicht sein.
Leben ist keine Pisa-Studie, kein Wettkampf, kein Gipfeltreffen für Moralapostel.
Leben ist ein Spiel.
"Das Spiel kann man nicht gewinnen, nur spielen." (aus dem Film "Die Legende von Bagger Vance")
| Kronprinz und Prinzessin auf dänischer Wanderdüne. |
Ben, der Sohn einer Freundin, ist einer der Besten seiner Klasse in Englisch. Seine Mutter hat mir erzählt, woran das liegt.
Bens Oma hat viel im Bett gelegen, weil sie Multiple-Sklerose hatte. Ben durfte sich dazu kuscheln, und seine Oma hat ihm Reime und Lieder vorgetragen. Alles auf Englisch, weil sie in der Nähe von London geboren und aufgewachsen war.
Die Oma ist gestorben, als Ben noch klein war, aber ihre Reime und Lieder sind wie ein belebendes Erbe für sein Sprachzentrum.
Lernen geht fast nur in guter Beziehung und mit guten Gefühlen. Dann verbinden sich Gehirnzellen in Rekordtempo, Synapsen entwickeln sich vom Trampelpfad zur Autobahn, sechsspurig.
Ist das nicht genial von der Natur? Sie ist so angelegt, dass sie uns mit Erfolg belohnt, wenn wir gute Gefühle haben und in liebevoller Gemeinschaft leben.
Vergesst den Englisch-Kurs für Klein-Kinder, pfeift auf jedes sogenannte "Bildungsprogramm" in der Vorschule. Guckt nach Menschen, die eure Kinder mögen und das Leben lieben. Was die ihnen beibringen, ist viel wirksamer als all das Zeug aus den Bildungsplänen.
Beschwert euch in der Schule nicht über den unfähigen Geo-Lehrer oder den Stundenausfall. Meldet euch im Festkomitee und hängt die Girlanden auf! So wie wir das machen bei dem Fest von Kronprinz (16) zum Abschied aus dem Klassenverband der 10. Klasse. Wir bauen am Elbstrand eine festliche lange Tafel auf für 80 Leute und werden feiern, bis uns die Kinder heimschicken.
Immer fröhlich Leichtigkeit und Liebe nähren.
Eure Uta
Mittwoch, 4. Juni 2014
Glückliche Familie Nr. 223: Engele flieg
Ich habe früher gedacht, ich müsste durch meine Stimmung unterstreichen, dass das, was das Kind getan hat, nicht erwünscht ist.
Sandkastensand im ganzen Garten verteilt, Blumentopf umgeworfen und Terrasse geflutet - also wird nicht nur geschimpft, sondern dem Kind durch abweisenden Gesichtsausdruck oder sogar Missachtung zu verstehen gegeben, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist.
Sonst habe ich es nicht so mit den Kategorien "richtig" und "falsch". Aber in dieser Sache kann ich sagen: das ist falsch. Und zwar so was von ...
Dass man spontan ausrastet, das Kind anbrüllt, die Förmchen in die Sandkiste pfeffert - geschenkt.
Dafür sind wir Menschen und keine Erziehungsroboter. Und jedes Kind ist froh, wenn es echte Menschen erlebt und nicht Leute, die pädagogisch wertvoll Eltern spielen.
Ein Kind (und überhaupt Menschen) mit Gefühlen zu manipulieren, ist Gift für das Selbstgefühl.
Dann geht es nicht mehr um die Sache, um Regeln, die eingehalten werden, Grenzen, die gewahrt werden sollen. Dann geht es um die Person. Und die trifft es ins Mark, wenn die Beziehung auf dem Spiel steht.
Denn das ist ja das, was gesendet wird: unsere Beziehung steht auf dem Spiel.
"Dann hat Mami dich nicht mehr lieb."
Ich hoffe, dass niemand mehr einen solchen Satz sagt, aber das Wirkprinzip, das da hinter steckt, wird unbewusst von Generation zu Generation weiter gereicht.
In meinem Elterntraining hatte ich mal angeregt, zur Feier der Zeugnis-Vergabe mit der ganzen Familie Pizza essen zu gehen. "Was?!", empörte sich eine Mutter. "Ich soll dieses miese Zeugnis auch noch belohnen? Das kommt gar nicht in Frage." Sie war entschlossen, wegen der schlechten Noten ihres Sohnes in der Familie anhaltend schlechte Stimmung zu verbreiten.
Hat schon mal jemand erlebt, dass die schulischen Leistungen besser werden, wenn Eltern ihr Kind mit schlechter Stimmung bestrafen?
Für mich ist es das Verdienst des 2011 verstorbenen Familientherapeuten Wolfgang Bergmann, deutlich gemacht zu haben, dass Eltern Grenzen setzen und das Band zwischen sich und dem Kind stärken können.
In seinem Buch "Warum unsere Kinder ein Glück sind" beschreibt er eine Situation im Supermarkt. Mutter steht mit ihrer dreijährigen Tochter in der Schlange an der Kasse, rechts und links Quengelware. Die Kleine mault und meckert, will Kaugummi, unbedingt, nimmt sich Pfefferminz aus dem Regal, muss es zurücklegen, wirft sich heulend auf den Boden ...
Frei nach Bergmann ist Folgendes hilfreich:
- Ich schaue stolz auf mein Kind. Ja, dieses Kind ist sicher gebunden. Es zeigt normales Neugierverhalten, will die ganze Welt erkunden und am liebsten auch besitzen (symbolisiert durch "Ich will Kaugummi"). Ich hebe den Kopf und kann die Blicke der anderen in der Schlange jetzt besser parieren. "Habe ich das nicht wunderbar gemacht mit diesem Kind?"
- Ich gehe zu meinem Kind in die Knie, nehme es in den Arm, puste ihm in den Nacken oder tue, was wir sonst tun, um unsere Verbindung zu stärken, und sage: "So viele Sachen überall um uns rum. Das ist wirklich verlockend. Da kann es manchmal schwer sein, wenn man bei jedem Einkauf nur eine Sache aussuchen darf." (Kind durfte z.B. vorher bestimmen, welche Tomatensauce genommen wird.)
- Wichtig ist: erstens dem Kind zu zeigen, dass man sein Bedürfnis versteht, und ihm zweitens durch Körperkontakt Nähe und Sicherheit zu geben in dieser von Reizen überfluteten Supermarkt-Welt, und drittens in der Sache nicht nachzugeben
In solchen Quengelsituationen beim Einkauf oder bei Ausflügen hilft nicht Machtkampf, schlechte Stimmung oder gar Missachtung, sondern kurze Momente der Nähe, über den Rücken streichen, in den Arm nehmen oder "Engele flieg" spielen. Dann kann das Kind mit einem "Nein" besser umgehen.
"In den frühen Bindungssituationen, im verspielten Miteinander haben sich zwischen Eltern und Kind viele kleine Rituale, Gesten versöhnlicher Art, Berührungen tröstender Art usw. eingeübt. ... Eine davon wenden Sie an. ... und die Welt verliert ihre bedrohlichen Züge und aus dem 'Ich-will-ich-will-nicht' erwächst Beruhigung." (Wolfgang Bergmann: Warum unsere Kinder ein Glück sind. Weinheim und Basel 2009, S. 78)
Nicht mit schlechter Stimmung manipulieren, sondern fröhlich das Band zwischen sich und dem Kind stärken.
Eure Uta
Ps.: Weiß jeder, was "Engele flieg" ist? Falls nicht: Zwei Leute nehmen ein Kind in die Mitte, fassen es an Händen und Unterarmen und lassen es hochfliegen.








