Unser stressiger Schnell-Abschied von Prinzessin am Flughafen. Ich fühle mich wie der alte Indianer, der neben den Bahngleisen sitzt und sagt: Wenn du an einen neuen Ort gelangst, warte! Es braucht Zeit, bis die Seele nachkommt. An einen neuen Ort bin ich nicht gereist, aber in eine neue...
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Montag, 4. September 2017
Wie Pflaster-Abreißen
Donnerstag, 24. August 2017
A warm welcome
Wie der Brief des kanadischen Schulleiters mir den Abschied erleichtert. Nach dem Aufbruch vom Kronprinzen am vergangenen Sonntag steht der nächste Abschied bevor: In gut einer Woche macht sich Prinzessin auf den Weg nach Kanada und wird dort ein Schuljahr auf einem Internat verbringen. Der...
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Dienstag, 11. Juli 2017
Berlin to go
Wie wir nach Abbruch einer Klassenreise weitere Strafmaßnahmen für die Schüler abwenden konnten. Prinzessin (16) war mit ihrer Klasse zur Abschlussreise der 10. Klasse in Berlin. An einem Dienstagmorgen habe ich sie zur S-Bahn gebracht. Am Mittwochmittag habe ich sie dort schon wieder abgeholt....
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Mittwoch, 21. Dezember 2016
Unser größtes Geschenk landet morgen
Großes Dankeschön und Weihnachtsgruß.
Mit diesem Foto, das der Kronprinz (19) vor ein paar Tagen aus Vancouver geschickt hat, möchte ich euch fröhliche Weihnachten wünschen.
Vielleicht inspiriert das die deutsche Frau Holle auch noch zum Bettenmachen.
Vancouver an einem Dezember-Morgen in aller F...
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Mittwoch, 26. Oktober 2016
Wege durch Trotzphasen und über Flughafenteppiche
In der vergangenen Woche war ich auf Reisen und hatte im Gepäck das neu erschienene Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ von den Bloggerinnen Danielle Graf und Katja Seide.
Ihr kennt das ja von mir, dass i...
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Mittwoch, 5. Oktober 2016
Abflug
Am Montag wird Kronprinz (bald 19) zu seiner Work-and-Travel-Reise nach Kanada aufbrechen. Ein anderer Kontinent, ein paar tausend Kilometer entfernt von uns, von Prinzessins sonnigem Wesen, von Mamas Kartoffelsalat, Papas genialer Fuß- und-Rückenkratz-Hand, von seiner Freundin, von seinen Ku...
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Dienstag, 30. August 2016
10 aus 25 Fragen an Mütter: Sabrina
Ich sende Müttern, Vätern, Omas, Opas und anderen Kinder-Experten 25 Fragen, von denen sie 10 oder mehr Fragen auswählen, auf die sie antworten möchten.
Sabrina ist Studentin und lebt mit ihrem Freund und ihren beiden Söhnen (7 Monate und 2,5 Jahre) in der Schw...
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Mittwoch, 26. August 2015
WLAN und angesagte Großstadt
Sommerferien-Rückblick
Morgen fängt in Hamburg die Schule wieder an. Für den Kronprinzen (17) das letzte Schuljahr. Im nächsten Frühjahr macht er Abitur. Prinzessin (14) geht ab morgen in die 9. Klasse.
Dies wird ein Dankbarkeitspost, denn wir hatten sehr schöne Ferien. Die Thronfolger heißen auc...
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Mittwoch, 5. August 2015
Der Alltag hält Siesta
Brügge, das Foto mit den zackigen Giebeln ist in Brügge entstanden. Wir waren eine Woche in den Niederlanden mit Abstechern in Amsterdam und sind über Brügge und Brüssel wieder heimgekehrt. Jetzt sitze ich mit dem Laptop im Garten neben Oreganotopf und Olivenbaum. Der Kater leckt den Tau von den ...
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Sonntag, 26. Oktober 2014
Glückliche Familie Nr. 248: Gespenster der Kommunikation
Zurück von der Reise türmt sich die Wäsche und das Laub im Garten. Überall liegt was herum. Zerknickte Reiseprospekte, Flugtickets, ungeöffnete Post und dazwischen Teenager mit einem Joystick oder Tablet, weil sie ja "seit Ewigkeiten" nicht mehr spielen oder Videos gucken konnten.
Ein Koffer (ihrer!), aus dem die Schmutzwäsche quillt, steigert das Gefühl der Entspannung. Behende steigen sie darüber (selbst im Dunkeln) und begeben sich wenige Meter entfernt davon in Chill-Pose (also horizontal mit internetfähigem Medium). Sie ziehen vorher noch was Lockeres an. Und das, was sie ausziehen, sackt zusammen und übersät wie bunte Maulwurfshügel den Teppich.
Weil sie so gut vernetzt sind, wissen die Freunde von ihrer Heimkehr, noch bevor wir die Haustür aufschließen. Sätze wie "Kann ich bei Lea übernachten, wir haben uns ja soooooo lange nicht gesehen" fallen, kaum dass die Katzen geherzt und wieder auf den Boden gestellt sind.
"Jetzt kommt doch erst mal wieder richtig an" will dagegen niemand hören. Wenn die, die noch unter 20 sind, herumliegen mit ihren Freunden digitaler oder lebendiger Art, sind sie so sehr angekommen, dass jeder Schritt (zum Beispiel Richtung Wäschekorb) als Zumutung empfunden wird.
Die Reiseheimkehr ist die klassische Situation, in der ich sauer werde. Dann kommt sofort das "Bleibt-wieder-alles-an-mir-hängen"-Gefühl auf: Uta ist die einzige auf der Welt, die etwas arbeitet, neues Toilettenpapier einspannt, schmutzige Socken entknubbelt, was zu Essen auf den Tisch bringt.
Seht her, was die Jeanne d'Arc des Haushalts für Opfer bringt, um ihrer Familie mit rissigen Händen ein wohliges Heim zu schaffen!
Aus diesem selbstmitleidigen Kontext erwachsen die Eltern-Sätze, die gar nichts bringen.
"Könnt ihr vielleicht auch mal einen Schlag tun?"
"Hätten die Herrschaften vielleicht die Güte, die Spülmaschine auszuräumen?"
"Muss der Mülleimer erst überquellen, ehe jemand die volle Tüte herausbringt?"
"Sollen die Koffer hier noch bis Weihnachten stehen?"
Das sind die Momente, in denen ich merke, dass es mir gut tut, inne zu halten und mir über den Kontext klar zu werden, in dem ich gerade zu den Kindern spreche.
Das ist so etwas wie:
"So einen tollen Urlaub haben sie geboten bekommen und jetzt hängen sie faul auf ihren Zimmern."
= Undankbarkeit
Dabei hatten wir die Idee zu diesem Urlaub und sie waren - bei genauer Betrachtung - überhaupt nicht undankbar.
"Jugendliche heute sind so passiv. Ständig hängen sie vor irgendwelchen Medien und konsumieren Inhalte, statt aktiv zu werden und sich für irgendetwas zu engagieren."
= Passivität
Dabei liest Prinzessin (13) auf ihrem Handy ein Buch nach dem anderen. So wie ich früher in Papierbücher versunken war, liest sie halt elektronisch; und der Kronprinz (17) ist am Computer engagiert und lernt gerade, wie er selber "eggs benedict" machen kann.
"Sie nehmen überhaupt nicht wahr, wie ich treppab und treppauf renne, um alles wieder schön zu machen?!"
= mangelndes soziales Verhalten
Dabei hatte Kronprinz erst zuvor am Flughafen einer alten Dame all ihre Koffer vom Gepäckband gehoben, während ich gar nichts schnallte und rief: "Das sind doch gar nicht unsere." Wie peinlich!
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| Kontexte - die Gespenster unserer Kommunikation. Diese Gespenster gruselten uns als Halloween-Dekoration vor einem Haus in New Hampshire (USA), durch das unsere Reise führte. |
Wenn ich das Chaos Chaos sein lasse, mir erst einmal eine Tasse Kaffee koche und mir darüber klar werde, was alles mitschwingt, wenn ich sage "Kannst du jetzt vielleicht auch mal ein Schlag tun,
Denn für unsere unausgesprochenen Botschaften haben Kinder ein klares Gespür. Unsere abfälligen Meinungen über sie wittern sie wie der Polizeihund die Drogen im Koffer.
Nach dem Kaffee bin ich deutlich entspannter, stelle die Tasse in die Spülmaschine, kippe die Vorurteile in den Müll und kann ganz sachlich sagen:
"Du musst den Koffer nicht sofort auspacken, aber ich möchte, dass er leer ist, bevor du zu deiner Freundin gehst."
"In einer halben Stunde fahre ich los und hole Getränke. Wer kann mir helfen, sie in den Keller zu tragen?"
"Wer am Montag in der Schule wieder eine saubere Jeans haben möchte, muss sie jetzt an die Treppe legen."
Keine Ironie, keine unausgesprochenen Vorurteile, keine negativen Schwingungen und gleich ist die Atmosphäre ganz anders.
Immer fröhlich nicht nur auf das achten, was wir sagen, sondern auch auf das, was wir senden.
Eure Uta
PS: Schön war zu sehen: Als ich selbst die Jammerhaltung verließ, habe ich es richtig genossen, zu Hause alles wieder heimelig zu machen. Ja, ja, alles eine Frage der inneren Kontexte!
Freitag, 25. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 233: Die Glasscheibe
In diesen Tagen wurde ich sehr beschenkt durch Bücher und Begegnungen.
Aus dem Buch "Enjoy your life. 10 kleine Schritte zum Glück" von Martha Beck habe ich mitgenommen, jeden Tag mindestens eine kleine Mutprobe zu wagen. Bei mir sah das so aus, dass ich zum ersten Mal seit Jahren wieder freihändig Fahrrad gefahren bin, mir die Fußnägel pinkfarben lackiert und mich auf einem Indoor-Spielplatz eine Senkrechtrutsche herunter gestürzt habe. Vor allem aber gab es einige Gespräche, in denen ich gewagt habe, die Wahrheit zu sagen. Nicht, dass ich sonst lügen würde. Nein. Aber meistens wage ich nicht, mich komplett zu zeigen, wie ich bin. Immer wieder falle ich in den Modus zurück, meinem jeweiligen Gegenüber gefallen zu wollen.
Martha Beck schreibt:
"Tatsache ist ..., dass die meisten Menschen sich selbst nur in ausgewählten Bereichen die Wahrheit sagen, und viele von uns belügen sich selbst und andere in Bezug auf so ziemlich alles, was wir erleben. Warum? Weil das Leben hinter einer Glasscheibe, so betäubend und leer es auch ist, gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit gibt." (Martha Beck: Enjoy your life, Frankfurt am Main 2012, S. 38)
Seit ich vor wenigen Wochen begonnen habe, Marthas Buch zu lesen, bin ich ein paar Mal durch die Glasscheibe gegangen. Es war aufregend, aber auch unangenehm und schmerzhaft und danach habe ich mich so lebendig gefühlt, wie lange nicht mehr.
Am Montag hat mich eine Bekannte besucht, die ich seit sieben Jahren kenne, weil Prinzessin (13) seit der Kindergartenzeit mit ihrem Sohn befreundet ist. Die Familie lebt seit einem Jahr im Ausland und war nur kurz zu Besuch in der alten Heimat. Ich lud Laura ein, noch am Tag vor ihrem Abflug kurz auf einen Eistee vorbei zu kommen. Aus dem "kurz" wurden viereinhalb Stunden intensiven Gesprächs, aus dem gesunden Abendessen wurde ein Tiefkühl-Mini-Pizzen-Gelage, aus der langjährigen Bekannten wurde eine Freundin.
Und das alles, weil ich an ein paar Punkten im Gespräch an Marthas Mutproben dachte und es wagte, mich zu zeigen, wie ich bin.
Das Schöne an Kindern ist, dass sie es so gar nicht mit den Glasscheiben haben (zumindest wenn sie noch klein sind). Und sie merken sofort, wenn wir uns hinter etwas verschanzen und meinen, wir könnten die Familie allein mit Erziehungstipps und - tricks auf Kurs halten, ohne uns persönlich einzubringen. Kinder gucken sehr genau: Wer ist dieser Mensch eigentlich, der meine Mutter, mein Vater ist?
Und das gilt auch umgekehrt:
"... für Kinder ist es wesentlich, Eltern zu haben, die ein wahres Interesse an ihrem Leben haben, die herausfinden wollen, wer ihr Kind ist, deren Fragen sich nicht nur darauf beschränken: 'Wann bist du gestern nach Hause gekommen?' Und: 'Warum so spät?' Sondern Eltern, die fragen: 'Was bewegt dich? Was geschieht gerade in deinem Leben?', statt mit ihren gewohnten 'Kontrollfragen' die Kluft zwischen sich und den Kindern noch größer werden zu lassen." (Jesper Juul: Wir sind für dich da. Freiburg im Breisgau 2014, S. 25)
Dieses Zitat ist aus dem kleinen Buch "Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern" von Jesper Juul. Der Kreuz-Verlag war so freundlich, mir ein Exemplar zur Verfügung zu stellen, das ich an meine Leser verlosen darf.
Seid ihr in letzter Zeit einmal durch die Glasscheibe gegangen, mit der wir gerne alles deckeln? Alle, die mir eine solche Tat in einem Kommentar beschreiben, nehmen an der Verlosung des Buches teil. Es kann auch etwas sein, das ihr euch mutig vornehmt zu tun oder zu sagen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
Ich gebe euch dafür ganz viel Zeit, denn die Katzenklo-Familie und ihr Blog gehen morgen für zwei Wochen in Urlaub. Ich weiß nicht, ob ich am Zielort WLAN haben werde. Wahrscheinlich kann ich also nur noch heute und dann erst wieder am 10. August Kommentare frei schalten. Deshalb endet die Verlosung am Samstag, 9. August, um 24 Uhr.
Immer fröhlich durch die "Glasscheibe" hindurchgehen und die Ferien genießen.
Eure Uta
Ps.: Ganz herzlichen Dank noch für die vielen anerkennenden Kommentare zu meinem vorherigen Post. Das war richtig schön für mich.
Montag, 19. Mai 2014
Glückliche Familie Nr. 220: Hampelmann im Zug
Am Wochenende habe ich alte Freunde in Süddeutschland getroffen. Auf der Rückreise wollte ich im ICE auf die Toilette gehen, aber die Glastür zwischen Großraumwagen und dem Gang mit den Abteilen reagierte auf mein Kommen nicht so wie sie auf die anderen Leute reagiert hatte, die vorher durchgegangen waren. Ich fuchtelte oben vor der Lichtschranke herum, trat nach rechts, nach links, vor und zurück. Der Bewegungsmelder ignorierte mich. Ich bin klein, ja. Aber so klein nun auch wieder nicht.
Ich hüpfte, versuchte es mit Klappmessern aus dem Sportunterricht und erschreckte die Glastür mit einem hervorgestoßenem "Buh". Keine Reaktion.
Ich spürte geschätzt 80 Augenpaare in meinem Rücken. Und der Hitze in meinem Gesicht nach zu urteilen, funkten meine Ohrläppchen sozialen Stress in alle Richtungen.
Aber ich konnte doch nicht aufgeben. Ich musste zum Klo. Und alle, die wie ich nach den Geburten damals bei den Beckenbodenübungen geschlampt haben, können sich vorstellen, dass mich meine Grenz-Inkontinenz bei dem Gehüpfe in eine echte Notlage brachte.
Da auch niemand half, der vielleicht deutlichere Schwingungen Richtung Bewegungsmelder senden konnte, blieb mir nichts anderes, als mit hochrotem Kopf umzudrehen, an allen Augenpaaren vorbei zu stolpern und in dem Waggon davor auf die Toilette zu gehen.
Ihr und die Mitreisenden im ICE 76 von Mannheim nach Hamburg Hbf mögt das für eine kleine Begebenheit halten. Aber als ich endlich wieder auf meinem Sitzplatz saß, wurde mir die metaphorische Tragweite dieser Nicht-Reaktion einer Zugtür auf meine Person mit aller Wucht deutlich.
Mir geht es nämlich häufig so, dass ich Außenstehenden - wie jetzt meinen Freunden, die ich am Wochenende traf - nicht rüberbringen kann, dass wir wirklich eine tolle Zeit mit unseren Kindern verbringen, dass ich keinen Zuckerguss darüber kippe und auch nicht damit angeben will. So nach dem Motto: Mein Haus, meine Yacht, meine kongenialen Erziehungsmethoden. Nein!
Aber ich möchte nach Jahren des Kopfzerbrechens, der eigenen Irrläufer, der Sackgassen, nach dem Mama-Burn-Out, den ich hatte, als der Kronprinz sechs und die Prinzessin drei war, nach rasanten Achterbahnfahrten in meiner Beziehung etwas abgeben von dem Glück, das ich heute erlebe. Und dann möchte ich in kleiner Runde meine Begeisterung herüber bringen über die Erkenntnisse, die über die Jahre an Festigkeit und Wirkung gewonnen haben, um sie zu teilen und weiter zu geben, und fühle mich wie bei dem Hampelmann-Gehüpfe vor der Glastür im ICE.
Denn bis auf eine Ausnahme - und der möchte ich an dieser Stelle voller Dankbarkeit zuzwinkern - gucken mich alle an, als würde ich ein Märchen erzählen. Pubertät zum Beispiel halten sie weiterhin für eine unaufhaltbare Naturkatastrophe, durch die alle Eltern durch müssen und dabei mit amüsierter Geringschätzung auf die Kinder herab blicken dürfen. Dabei sprechen sie von den Jugendlichen als hätten diese nichts anderes im Sinn, als ihren Eltern das Leben schwer zu machen.
Und hier kommt wieder ein Zitat aus dem Hörbuch "Familienberatung" von Jesper Juul ins Spiel:
"Das Wichtigste, das Kindern von ihren Eltern erfahren, geschieht in den ersten drei bis vier Lebensjahren. Und in den nächsten sechs bis sieben Jahren ist die Erziehung der Eltern, ihr exemplarisches Verhalten und ihre Lebensqualität immer noch von großem Einfluss. Danach sind Gleichaltrige und andere Erwachsene ihre wichtigsten Inspirationsquellen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Eltern sich selbst und ihren Kindern den Gefallen tun, sich zurück zu lehnen und das Resultat ihrer Bemühungen zu genießen."
(Jesper Juul, "Familienberatung. Perspektiven und Prozess." Stelle nach 2 Stunden,42 Minuten)
Das möchte ich noch mit Inhalt füllen:
- viel Zeit und Liebe in die ersten Jahre investieren
- aber nicht im Sinne einer Panik "Oh je, da schließt sich wieder ein Entwicklungsfenster."
- auch keine Englischkurse für Zweijährige oder sonstige zweifelhaften "Bildungs"-Programme
- auch keine permanente Angst, dass in der Erziehung dieses oder jenes falsch läuft, die Methoden-Frage ist gar nicht so wichtig
- es geht viel mehr um eine beiläufige und liebevolle Präsens, um viel körperliche Nähe, um Teilhaben, Spaß haben, sich an einander freuen
- und wenn sie dann 12 oder 13 Jahre alt sind, wie ein Sparringspartner beim Boxen bereit sein, eigene Standpunkte zu vertreten, aber aufgeben, das Kind in irgendeiner Weise formen zu wollen
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| Sogar im Schlaf funktioniert das beste Förderprogramm der Welt: Nähe. |
Vor dem Hintergrund, wie wichtig elterliche Präsenz in den ersten Jahren ist, irritiert mich sehr, was mir meine Friseurin neulich erzählte. Sie bekommt in diesem Sommer ihr erstes Kind und hat mit ihrem Mann zusammen sich jetzt schon Kitas angeguckt, um einige Monate nach der Geburt wieder arbeiten gehen zu können. Die Kita, die ihnen insgesamt am besten gefiel, hat nur einen Haken: Meine Friseurin darf ihr Baby an ihrem einzigen freien Tag am Montag nicht zu Hause lassen und Zeit mit ihm verbringen, weil die Leiterin der Kita ihr sagte, dass eine solche Unterbrechung der Kita-Betreuung durch die Mutter am Montag nicht ins pädagogische Konzept passe.
Jetzt sind wir schon so weit, dass wir die Trennung von der Mutter zum pädagogischen Konzept erklären.
Immer fröhlich nicht die Fassung verlieren.
Eure Uta
Ps 1.: Ich überlege, ab nächste Woche jeden Dienstag einen Post einzustellen, also verlässlich einmal die Woche immer am gleichen Tag, damit ihr nicht immer gucken müsst, ob es etwas Neues gibt. Was haltet ihr davon?
Ps.: 2: Auf dem Blog der freiberuflichen Kinder- und Jugendbuch-Autorin Dorthe ist eines ihrer schönen Bücher zu gewinnen. Da ihr Blog - unverdientermaßen - noch wenig bekannt ist, gibt es heute noch bis Mitternacht eine fast 100prozentige Gewinn-Chance. klick!
Montag, 30. Dezember 2013
Glückliche Familie Nr. 190: Inneres Leuchten
Am Samstag saß ich in der Morgendämmerung neben dem getunten Weihnachtsbaum und überlegte mir Vorsätze für 2014.
Aber statt zu gucken, womit ich aufhören muss oder was ich dringend tun sollte (denn das kommt alles von außen, schadet mir, halte ich sowieso nicht durch), kochte ich mir meinen Lieblingstee, zündete eine Kerze an und ließ in ihrem Licht einen Altsilber-Zapfen schimmern.
Ich atmete so tief ein und aus, dass es einen kleinen "Xaver" gab für die Flamme und sinnierte über folgende Fragen:
- Was tut mir gut im neuen Jahr?
- Was inspiriert mich?
- Was ist es, was mich zum Leuchten bringt?
- Wofür brenne ich? (Das ist mehr als 'Wozu habe ich gerade Lust?', das geht tiefer.)
- Wofür strenge ich mich gerne an?
| Münster, Prinzipal-Markt |
Später zog ich alleine durch die Stadt, kaufte Socken, lauschte einem Pianisten auf dem Markt, suchte in der Lamberti-Kirche nach meiner Inspiration für 2014. Erschöpft ließ ich mich schließlich neben meinem Mann auf das Hotel-Bett sinken.
"Guck mal, der Artikel ist doch was für dich", meinte der Soßenkönig und schob mir sein iPad rüber.
Ich las diesen Artikel über die "Erziehung zum Elternsein" von einer Drehbuchautorin, die eine Ausbildung bei Jesper Juul absolviert hat. Und ich war einfach nur selig.
"Kennst du diese Ausbildung?", fragte mein Mann.
"Ja, davon habe ich schon gelesen." -
"Warum erkundigst du dich nicht mal danach?"-
"Ja, du sagst doch immer, dass ich mich noch zu-Tode-fortbilden werde und dass ich einfach loslegen soll mit dem Eltern-Coaching." -
"Ja, das stimmt. Aber so, wie sich das hier liest, steht dein Name quasi vorne drauf."
(Auch wenn er so ungeduldig werden kann in Parkhäusern und an Bratwursttresen - ist er nicht zum Küssen, dieser Mann?)
Manchmal zerbreche ich mir den Kopf über die Lampedusa-Flüchtlinge und den Weltfrieden und fühle mich so ohnmächtig. Jetzt weiß ich wieder, dass der Weltfrieden eine Nummer zu groß für mich ist. Der Frieden in Familien - das ist mein Ding, das ist das Gebiet, wo ich meinen Beitrag leisten kann, wofür ich mich gerne anstrenge, was mich zum Leuchten bringt.
Also ganz tief aus mir drin und aus dem Internet mein wichtigster Vorsatz für 2014: Ich mache mich schlau über die Juul-Fortbildung und - wenn alles passt - melde ich mich an.
Und ihr?
Werdet ihr 2014 wieder ein Stück mehr der Mensch, der ihr wirklich seid?
Wovon seid ihr beseelt?
An dieser Stelle möchte ich euch ganz herzlich dafür danken, dass ihr meinem Blog folgt, mir so viele anerkennende Kommentare schreibt, mir eure guten Wünsche schickt und mir aus eurem Leben erzählt und immer wieder Anteil nehmt an meinem Leben mit Soßenkönig, Kronprinz (16) und Prinzessin (bald 13).
Ganz herzlichen Dank dafür!
Ich wünsche euch allen ein rauschendes Silvester-Fest und ein erfülltes Jahr 2014
Eure Uta
Sonntag, 13. Oktober 2013
Glückliche Familie Nr. 174: Fahrt mit Leichen
Auf der Rückreise von den schwäbischen Schwiegereltern haben wir im Auto einen Krimi von Henning Mankell gehört. Hörbuch, sieben Stunden, 55 Minuten. Wie in Trance fuhren wir über die Kasseler Berge, so hereingezogen in die Geschichte, dass es niemanden von uns überrascht hätte, wenn im Gebüsch auf dem Waldrastplatz jemand einen Schalldämpfer aufgesteckt und auf uns geschossen hätte oder wir im Graben eine Leiche im Plastiksack unter den Blättern gefunden hätten.
Zum Glück passierte nichts dergleichen. Aber während der kurzen Rast stand ich mürrisch wie Kriminaltechniker Nieberg neben dem Auto und konnte es kaum erwarten, mit Kurt Wallander und Ann-Britt Höglund zusammen die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Fast hätte ich "Ystad, Mariagatan", die Heimatadresse des schwedischen Kommissars, ins Navi eingegeben. Aber obwohl mir die schlaflosen Nächte mit der Pistole unter dem Kopfkissen noch in den Knochen hingen und meine Sinne trübten, riss ich mich zusammen. Der oder die Täter mussten gefunden werden, bevor wir unsere Doppelhaushälfte erreichten.
Ich gestehe, mir war klar, dass dieser Krimi zu düster und zu brutal für Prinzessin (12) ist. Ich gestehe, nachlässig geworden zu sein nach all dem, was sie - wie ich hörte - schon bei Freundinnen an Filmen gesehen hat. Ich gestehe, dass ich diesen Krimi dringend zu Ende hören wollte und ich es nicht geschafft hatte, etwas Harmloseres aus der Bücherhalle zu besorgen.
Hin und wieder drehte ich mich zur Rückbank um und fragte: "Geht es? Ist es nicht zu heftig?"
Was hatte ich erwartet? Dass eine Warnanzeige auf ihrer Stirn blinkte? Dass sie eine Kassette "Ferien auf Saltkrokan" aus dem Rucksack zieht und sagt "Lass uns lieber das hören, Mama"? Dass Kronprinz (16) ein Lied aus der "Mundorgel" anstimmt?
Also fuhren wir weiter mit Wallander, mit der nächsten Leiche, mit seiner Angst und Einsamkeit, mit seiner Tabletten gegen Bluthochdruck und Diabetes und seiner ständigen Frage: "In was für einer Zeit leben wir eigentlich?"
Hinter Hannover hatte der Regen aufgehört. Mit mehr Toten war nicht zu rechnen. Der nächste auf der Liste war Wallander selbst. Opfer Nummer 9. Und der überlebte, das war ja klar. Im Auto aßen wir die letzten Apfelschnitz vom Oma. Wallander machte sich eine Tütensuppe. Was anderes hatte er nicht im Haus.
Es war kurz vor dem Elbtunnel, als der psychopathische Aushilfsbriefträger den Kommissar in seiner Wohnung auflauerte. Angeschossen konnte Wallander fliehen. Später überwältigte er den Serienmörder im Wald, übergab ihm im Präsidium den Kollegen und legte sich - zerschunden, verletzt und allein - unter seinem Schreibtisch schlafen.
Wir schleppten die Taschen ins Haus, kraulten die Katzen und gingen auch schlafen.
Ein paar Ferientage verstrichen. Prinzessin zeigte keine Traumatisierungs-Symptome. Aber mir hing diese Düsterkeit aus dem Krimi nach. "In was für einer Zeit leben wir eigentlich?"
Alice Munro gewann den Literaturnobelpreis. Ich kaufte ihren Erzählband "Tricks", weil ich gelesen hatte, dass sie über Zwischenmenschliches schreibt, und hoffte, dass es mich wärmt. Kunstvoll sind diese Erzählungen, keine Frage. Aber wieder wärmer wurde mir erst, als ich morgens in dem Buch "Dienstags bei Morrie. Die Lehre eines Lebens" las. Darin beschreibt Mitch Albom, wie er seinen alten Professor besucht, der schwer erkrankt ist und bald sterben wird. Seine Besuche bei Morrie werden zu Vorlesungen über das Leben.
"Die Kultur, in der wir leben, ist nicht dafür geeignet, dass die Menschen sich mit sich selbst wohl fühlen." Das hatte Morrie mal gesagt. Und er hatte "seine eigene Kultur geschaffen - lange bevor er krank wurde. Diskussionsgruppen, Spaziergänge mit Freunden, Tanzen nach seiner Musik in der Harvard Square Church. Er rief ein Projekt namens Greenhouse ins Leben, wo Arme sich psychologisch betreuen lassen konnten. Er las Bücher, um neue Ideen für seine Kurse zu bekommen, besuchte Kollegen und wurde von ihnen besucht, hielt Kontakt mit alten Studenten, schriebe Briefe an entfernte Freunde. Er nahm sich mehr Zeit, um zu essen und sich die Natur anzuschauen, ... Er hatte sich einen Kokon menschlicher Aktivitäten geschaffen - Gespräche, Interaktion, Zuneigung - , und sie füllten sein Leben wie eine überfließende Suppenschüssel." (S. 56)
| Spaziergang mit Sohn - Soßenkönig und Kronprinz auf einem Feld im Dorf der Schwiegereltern |
Für die nächste Reise werde ich schauen, ob es "Dienstags bei Morrie" als Hörbuch gibt und ob ich meine Lieben davon überzeugen kann, es zu hören. Denn es spielt ja doch eine Rolle, was wir uns so in den Kopf tun.
Immer fröhlich sich seine eigene Kultur schaffen
Eure Uta
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Glückliche Familie Nr. 172: Franz-Kasten
Unser Internet war so langsam geworden in letzter Zeit, dass ich den Müll rausbringen, die Nägel feilen und die halbe Spülmaschine ausräumen konnte, bis endlich eure Kommentare auf dem Bildschirm erschienen waren.
Deshalb telefonierte ich mit dem Provider und schloss einen Vertrag über eine neue Datenverbindung. Der Unterschied ist etwa so groß wie zwischen Trampelpfad und Autobahn und die neue Autobahn kostet fünf Euro monatlich weniger, ja weniger, als der alte Trampelpfad (also Nachfragen kann sich lohnen).
Für den Autobahnanschluss sollten wir neue Hardware geschickt bekommen, also eine andere Fritzbox. Da erinnerte ich mich an einen Hinweis aus dem "Netzgemüse"-Buch. Dort stand, dass die Box mit dem netten Namen eine Jugendschutz-Vorrichtung enthielte. Dort könne man für jedes internetfähige Gerät in der Familie einstellen, wann und wie lange es Internet-Zugang gewährt.
So sympathisch, der Fritz in der Box. (Gibt es eigentlich auch einen Franz-Kasten?) Der Fritz auf jeden Fall kann sich wie ein Aufpasser zwischen Doppelhaushälfte und World Wide Web stellen.
Die Dame im Call-Center meinte, es handele sich um ein Extra-Fritzbox-Modell, das Aufpreis koste.
Egal, das war es mir wert.
Aber dann rief mich ein Techniker aus der Zentrale des Providers an und erklärte, auch das kostenlose Standard-Modell enthielte den Jugendschutz und er könne mir die Gratis-Hardware schicken.
"Damit müssen Sie unbedingt mehr Werbung machen", bedrängte ich ihn, "für Familien ist das genial." Der Techniker versprach, die Marketing-Abteilung darauf hinzuweisen.
Oder nutzt ihr das alle schon und keiner hat mir was gesagt? Wehe!
In der Nacht nach der Tarifumstellung und dem Anschluss der neuen Box schlich ich an den Computer und richtete für gewisse Familienmitglieder Zeitfenster für die Internetnutzung ein. Es ging ganz einfach.
So kann das dann aussehen:
Sonntag, 1. September 2013
Glückliche Familie Nr. 165: Kleines Fragezeichen in Perpignan
Stellt euch ein Straßen-Café vor: 30 Grad im Schatten, die Oberschenkel kleben an den Bistrostühlen. Kaum ein Wind in den schmalen Gassen.
"Können wir jetzt gehen? Hier gibt's ja doch kein Eis." -
"Du sollst dich benehmen, habe ich gesagt, einfach mal zehn Minuten artig sein. Ist das zu viel verlangt?"
Es folgen weitere Ausführungen über das Benehmen des Mädchens im Urlaub und allgemein.
Wortes-Last und Hitze haben es ganz in sich zusammen sinken lassen. Es hängt am Tisch wie ein kleines, schwitzendes Fragezeichen.
"Kinder wollen stets mit ihren Eltern zusammen arbeiten, und das fällt ihnen umso leichter, je persönlicher wir sie ansprechen und je gleichwürdiger wir sie behandeln, statt sie zurecht zu weisen und von oben herab zu behandeln." (Jesper Juul: Dein kompetentes Kind, Reinbek bei Hamburg, 2010, 3. Auflage, S. 228)
| Da scheint es Eis zu geben. |
Dienstag, 23. Juli 2013
Glückliche Familie Nr. 155: Die Märtyrer-Mama
Gestern Abend sind wir aus Frankreich zurückgekehrt. Koffer stehen aufgeklappt im Wohnzimmer. Der tapferste Mann von allen ist zur Arbeit gefahren. Die Kinder schlafen noch. Nur das Schleudern der Waschmaschine ist zu hören und eine Wespe, die gegen die Scheibe trudelt.
Ich bin allein.
Wir hatten einen wunderbaren Urlaub. Und doch hat mir eins gefehlt: Alleinzeit.
Zeit, in der ich auf niemandes Bedürfnisse eingehen muss. Raum, wo niemand ist außer ich.
Ich weiß nicht, warum das bei mir so ist.
Meine Güte, meine Kinder sind fast groß. Wenn ich nur an die Mütter denke, die noch kleine Kinder haben und gleich mehrere davon, die müssen googeln, um zu wissen, was die Wörter "eigene Bedürfnisse" noch mal bedeuten.
"Uta, stell dich nicht so an", sagte ich mir im Urlaub und missachtete mein Alleinzeit-Bedürfniss.
Dieses Bedürfnis erkläre ich mir so, dass ich in übertriebener Weise darauf eingehe, was Lebewesen in meiner Umgebung für Bedürfnisse haben oder - schlimmer noch - was ich denke, was sie denken, für Bedürfnisse zu haben.
Und dann verausgabe ich mich und brauche Alleinzeit.
| Schön, mal Alleinzeit zu haben und nachsinnen zu können, was man so veranstaltet mit sich und seinen Mitmenschen. |
Wie ich mich verausgabe?
Da mache ich Unterwasser-Salti mit Prinzessin (12) im Pool, weil das arme Kind im Urlaub noch niemanden kennengelernt hat. Danach habe ich soviel Wasser im Ohr, dass ich hinterm Trommelfell ein Sardinchen halten könnte.
Da gehe ich mit den Kindern auf die Rastplatztoilette und lasse ihnen den Vortritt, obwohl ich viel dringender muss als sie.
Da zermartere ich mir das Hirn, wie ich nach dem Essen in dem kleinen Lokal das Fischfilet loben könnte ("La oder le dorade a été magnifique oder formidable oder einfach trés bien?"), weil der Kellner so schüchtern war und sicher ein bisschen Lob gebrauchen könnte.
Da lasse ich Prinzessin den Ballwechsel wiederholen, damit das Kind beim Tischtennisrundlauf nicht ausscheiden muss.
Da gibt es noch drei Grillwürstchen für vier Leute und ich behaupte, ich wollte sowieso keines mehr.
"Das regt mich so auf bei Mama", sagte Kronprinz (15) im Urlaub. "Das macht sie zu Hause auch. Da lässt sie mich die letzte Himbeere essen, obwohl ich weiß, dass sie sie auch gerne gehabt hätte."
Märtyrertum ist furchtbar. Mutter opfert sich auf für die Brut und wenn sie nicht mehr kann, wird sie zickig oder kriegt Migräne, weil der Mensch automatisch für Ausgleich sorgt, wenn auf Dauer die erhoffte Anerkennung für das erbrachte Opfer ausbleibt. (Opfer meist, die niemand von den anderen wollte. Blödes Spiel!)
Fällt euch noch etwas auf?
Immer steckt dahinter die Haltung, der andere sei benachteiligt: "das arme Kind", "der schüchterne Kellner", "der noch nicht ausgewachsene Körper, der Vitamine braucht" ...
Durch mein angeblich so selbstloses Verhalten mache ich den anderen erst schwach, dränge mein Kind sanft, aber sicher in die Opferrolle.
Also immer fröhlich das Kind vor dem Klo warten lassen, glorreich ins Tischtennisfinale einziehen und als Mama gierig das letzte Stück Schokolade grabschen
eure Uta
PS: Auf der Rückfahrt im Auto schob Kronprinz (15) von hinten seinen Fuß auf die Lehne des Beifahrersitzes, damit ich ihn kratzen könnte: "Komm schon, Mama, das ist mein Opfer-Fuß."
Donnerstag, 4. Juli 2013
Glückliche Familie Nr. 154: Goldene Regeln und Blog-Ferien
Der (Soßen-)König meinte, der Post mit dem Buchs und der "energy" sei schön gewesen, aber so etwas Ähnliches hätte er von mir schon gelesen. Ob ich nicht etwas über Schule schreiben wollte?
Schule?
Wir haben in Hamburg seit zwei Wochen Ferien. Kaum einer erinnert sich hier noch an den Zweck dieses Rotklinker-Gebäudes an der Landstraße stadtauswärts.
Aber was immer ein Thema ist: Kommunikation.
Deshalb heute exklusiv:
Utas goldene Sprach-Regeln für den Familienalltag
- Wenn ich die Kinder auffordere, eine Hausarbeit zu übernehmen, achte ich darauf, mich an beide zu wenden. Weil klar ist, dass alle etwas tun müssen, gibt es weniger bis keinen Widerstand.
- Wer nur ein Kind hat, kann sich selber mit einbeziehen: "Bis zu unserer Abreise müssen noch Socken zusammengelegt und die Katzennäpfe ausgewaschen werden. Welchen Job übernimmst du? Die Socken? Okay, dann wasche ich die Näpfe aus."
- In Punkt 2 ist schon die nächste Regel enthalten: Menschen (nicht nur Kinder) haben gerne die Wahl. Man sollte den Kindern aufzählen, welche Jobs es gibt und sie dann wählen lassen. Das hat den Vorteil, dass die Frage, ob sie überhaupt etwas tun müssen, gar nicht zur Diskussion steht.
- Sollte sich die Brut nicht einigen können, sagt einfach "Dann macht alles zusammen! Hauptsache es wird erledigt" und verlasst sofort den Raum. Meistens einigen sie sich dann schnell, weil keinem die Vorstellung gefällt, in alle Jobs involviert zu sein.
- "Ich habe aber keine Lust." Dies ist einer der ersten Sätze, die Kinder lernen. Ich habe schon mehrfach gehört, man solle antworten "Dann mach es eben mit 'ohne Lust'." Noch besser finde ich, gar nicht darauf einzugehen. Für solche Sätze habe ich Filter in den Ohren.
- Wenn sich Kinder streiten, mischt euch nicht ein. Kaum etwas bringt so viel Stress und Unfrieden, als wenn sich die Eltern zu Richtern aufzuspielen und beginnen, Untersuchungen anzustellen, wer wen zuerst gehauen oder das Auto weggenommen hat.
- Bei Streit solltet ihr euren Lieblingssong laut drehen, mit dem Hund Gassi gehen oder - wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid - am Straßenrand halten und nicht eher weiterfahren, bis Frieden auf der Rückbank herrscht.
- Solltet ihr keine Fluchtmöglichkeiten haben, verhängt Konsequenzen, die alle Beteiligten gleich treffen. Das mit der Gerechtigkeit wird sowieso überbewertet. "Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis." - "Aber Svenja hat angefangen. Das ist gemein." - "Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis." - "Aber Till hat getreten. Ich hab' gar nichts gemacht." - "Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis."
- Verhaltet euch wie eine alte Platte mit einem Sprung. Wiederholt die Aufforderung und steigt in keine Diskussion ein. Schon der Satz "Keine Diskussion!" ist zuviel, weil niemand das 'k' von 'kein' hört und dann geht es erst so richtig los.
- Die Kinder erleben euch als ungerecht? Herzlichen Glückwunsch! Ziel erreicht. Denn dann verbünden sie sich gegen euch, es kehrt Ruhe ein und die Geschwister verstehen sich auf Dauer immer besser. Frieda hatte neulich in einem Kommentar ein herrliches Beispiel für diesen Effekt:
"Grenzen setzen und unbeliebt machen? Oh ja ... immer wieder aktuell und unvermeidlich. Meine Herzbuben (2 und 4) kommentieren das dann (hinter der Palisade, wenn Mama vermeintlich außer Sichtweite ist ...) mit "Blöder Mama." - "Ja, blöder Mama.". Es folgt Gebrummel. Es herrscht Einigkeit, Bedarf an weiterer Sprachentwicklung und ein breites Lächeln meinerseits. Zumindest halten sie zusammen.
Liebe Grüße von Frieda"
- Wenn ihr gerecht sein wollt, damit keines eurer Kinder benachteiligt wird, schwächt ihr sie mehr, als dass ihr sie stärkt. Die vermeintlich Schwachen nehmen die Rolle schließlich an und entwickeln eine Opfermentalität. Außerdem begünstigt ihr damit Lügen und Tricksereien und ihr lauft in die Falle, dass sie austesten wollen, wen ihr von der Brut bevorzugt. In dem Post "Ungerechte Eltern" habe ich das Thema vertieft.
- Wer bisher in der Familie einen Gerechtigkeitsfeldzug führt und sich umstellen möchte, damit weniger Streit herrscht, übe sich in Geduld. Die Umstellung dauert ungefähr zwei Wochen.
- Ich habe mit Erfolg aufgegeben, gerecht sein zu wollen, Höflichkeit aber ist mir wichtig. Bedankt euch auch für Kleinigkeiten. Es ist wie Lavendelseife im Bad - es macht einfach eine bessere Atmosphäre.
John Izzo schreibt, dass - laut einer amerikanischen Studie - das Verhältnis zwischen negativen und positiven Botschaften, die in Durchschnittsfamilien ausgetauscht werden, bei 14 zu 1 liegt. "Auf jede positive Bemerkung, die wir gegenüber einem unserer Familienmitglieder machen, kommen beinahe 14 kritische Kommentare. Eine ähnliche Untersuchung ergab, dass eine der Gemeinsamkeiten langfristig funktionierender Ehen in einem Verhältnis zwischen positiven und negativen Botschaften von 7 zu 1 liegt. Es liegt an uns, wie sich dieses Verhältnis in unseren eigenen Beziehungen gestaltet."
Das Fazit von Utas goldenen Regeln:
Seid ungerecht, diskutiert weniger und bleibt dankbar und fröhlich
Uta
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| Ein (leider nicht unser) Haus am Canal du Midi. |
PS: Wir reisen morgen nach Frankreich. Ich habe Kamera und jede Menge Bücher im Gepäck, aber mein Laptop lasse ich diesmal daheim. Ihr werdet also erst in zweieinhalb Wochen wieder von mir lesen. Ich wünsche euch wunderschöne Ferien und eine erfüllte Zeit.
Sonntag, 12. Mai 2013
Glückliche Familie Nr. 143: In Berlin
Eine Stadt mit so vielen Sehenswürdigkeiten und so viel Geschichte erschöpft mich schon, bevor ich da bin.
Was müssen wir den Kindern zeigen? Lieber die Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße oder ist das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen eindrucksvoller? Lieber den Reichstag oder die East-Side-Gallery? Lieber mit dem Holocaust befassen oder mit dem Bau der Mauer?
Oder nicht so schwere Themen? Vielleicht das Pergamon-Museum besuchen, ein Radiergummi im Ampelmännchen-Shop kaufen oder sich mit einer Curry-Wurst in den Tiergarten "bratzen" (Zitat Prinzessin)?
Als wir über den Potsdamer Platz schlenderten, kam die Kuppel des Reichstags in unser Blickfeld. Eine staatsbürgliche Feierlichkeit ergriff mich, ich tippte Prinzessin (12) an die Schulter und sagte: "Da trifft sich der Deutsche Bundestag, da steht Frau Merkel unterm Bundesadler, wenn du sie im Fernsehen sprechen siehst, da wird jedes Gesetz verabschiedet, das in unserem Land gilt."
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber ich erinnere mich, dass mir als Kind immer ein Schauer über den Rücken lief, wenn meine Eltern, meine Schwestern und ich im Renault 4 gequetscht über die Grenze nach Dänemark fuhren. "Wir verlassen Deutschland", dachte ich und setzte mich aufrecht. "Gleich fahren wir über die entscheidende Linie. An dem Busch da vorne. Jeeee....tzt sind wir in einem anderen Land."
Kurz vor den ersten Dünen erlaubte ich mir, wieder zu atmen.
Dabei ist "Checkpoint Schilfgras" bei Flensburg historisch gesehen ein Fliegenschiss verglichen mit Checkpoint Charlie in Berlin.
Was die dänische Grenze mit dem Reichstag zu tun hat? Gar nichts. Aber mit Ehrfurcht vor so staatstragenden Dingen wie Grenzen, staatlicher Macht, Plenarsälen ...
"Also da", ich zeigte wieder auf die Kuppel, "wird über alle entscheidenden Dinge in unserem Land abgestimmt."
"Mama, das hast du schon vor fünf Minuten gesagt."
"Ja, aber es ist ja auch so wichtig."
Eigentlich hatte ich Wochen vor unserer Reise eine Reichstagsführung buchen wollen. Eigentlich.
Aber eine DVD über den Mauerbau hatte ich rechtzeitig bestellt. So haben wir am Vorabend der Reise die Dokumentation "Flucht in die Freiheit. Die Geschichte einer mörderischen Mauer"gesehen. Eindrucksvolle Animationen zeigen, wie der Grenzstreifen mit Stacheldraht, Wachhunden, Minenfeldern und Selbstschussanlagen immer mehr zum Todesstreifen wurde. Nachgestellt wurden spektakuläre Fluchtversuche. Man sieht einen Mann mit seinen Brüdern einen Tunnel graben, um Frau und Kinder zu sich nach West-Berlin zu holen, zwei Freunde nachts mit Surfbrettern über die Ostsee entkommen oder einen Familienvater aus Stoffbahnen einen Heißluftballon nähen. Diese persönlichen Geschichten verwoben mit Fakten über die Brutalität der Grenze haben auch Prinzessin sehr beeindruckt. (Der Film eignet sich meiner Einschätzung nach für Kinder ab zehn Jahren.)
So haben wir in Berlin keine Marco-Polo-Top-Ten-Sehenswürdigkeiten abgearbeitet, sondern sind gemütlich durch Friedrichshain gebummelt, haben Freunde besucht, die East Side Gallery gesehen und veganes Rührei probiert (na, ja).
Kurz vor unserer Abreise aber waren wir an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße.
| Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße |
Ohne zu meckern haben sich die Kinder Mauerreste und Gedenktafeln angeschaut. Und ich musste daran denken, dass Wissenserwerb am besten über das Schneeballprinzip funktioniert:
Wenn schon ein paar, möglichst persönlich berührende Informationen (Schneeball) vorhanden sind, kann weiteres Wissen leicht daran anknüpfen. An dem Schneeball bleibt auf dem Weg ins Tal immer mehr Schnee hängen und macht ihn zur Lawine.
Schnee, "Check Point Schilfgras", veganes Rührei? Schreiben hat eine merkwürdige Eigendynamik.
Immer schön fröhlich Berlin ansehen und vorher eine Doku gucken
Uta
Sonntag, 7. Oktober 2012
Glückliche Familie Nr. 88: Wieder daheim
Vor der Reise zu den Großeltern hatte ich mich mit den Kindern zusammen gesetzt und wir hatten vereinbart, dass sie während unseres Besuches weder iPod noch Nintendo nutzen (hier). Jetzt sind wir zurück gekehrt und ich kann berichten, ob es funktioniert hat.
Es hat.
Wir hatten eine schöne Zeit. Wir haben zusammen Karten gespielt, uns unterhalten. Kronprinz (14) hat einen alten Schallplattenspieler auf dem Dachboden entdeckt und mit Opa daran herum gebastelt. Prinzessin (11) hat mit Oma gespielt und fast ein ganzes Buch gelesen ("Der Schneewittchen-Club" von Lily Archer). Das ist erwähnenswert, weil sie sonst kaum liest. Zum Austoben zwischendurch sind wir eine begrünte Kohlenhalde (meine Eltern leben im Ruhrgebiet) hochgeklettert und haben die Aussicht über eine spannende Landschaft genossen.
- Vorher Vereinbarungen zu treffen, lohnt sich.
- Schon die gemeinsame Absicht auszusprechen "Wir wollen eine intensive Zeit mit Oma und Opa verbringen", zeigt Wirkung.
- Dass jeder seine Bedingungen nennen darf (Nintendo während der Autofahrt erlaubt), sorgt für problemlose Umsetzung der vereinbarten Regeln.
- Der Satz "Regeln gelten nur, wenn alle zugestimmt haben, sonst sind es Befehle" ist Gold wert, besonders in den Zeiten der Pubertät.
Die Kinder haben sich vorbildlich verhalten, nur Oma und Opa, die sind wieder rückfällig geworden.
| Marius van Dokkum: Meegaan met je tijd/Keeping up with the times ..., 2006, Oil on panel |
Immer schön fröhlich bleiben
Uta



