Wie Sadia meine Führungsqualitäten herausfordert. Mit Sadia hat es sich so eingespielt, dass wir nach dem Frühstück zusammen Zähne putzen, sie sich anzieht und ich sie dann zur Vorschule bringe, wo sie zwei Stunden vormittags zur Eingewöhnung verbringt. Ist doch klar. Man braucht bloß feste...
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Donnerstag, 11. Mai 2017
Aufstand geprobt
Mittwoch, 1. März 2017
Flügge
Warum sich mein Blog weiter entwickeln wird und eine Buch-Verlosung Seit fünf Jahren schreibe ich diesen Blog. Gerade hatte die Katzenklo-Seite Geburtstag. Mehr als 420 Beiträge sind entstanden. Und ihr habt 3.643 Kommentare gesendet und mir ganz viel Freude gemacht mit euren Rückmeldungen und...
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Mittwoch, 26. Oktober 2016
Wege durch Trotzphasen und über Flughafenteppiche
In der vergangenen Woche war ich auf Reisen und hatte im Gepäck das neu erschienene Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ von den Bloggerinnen Danielle Graf und Katja Seide.
Ihr kennt das ja von mir, dass i...
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Montag, 12. September 2016
Liebe ist Fülle, kein Diskurs
Ich habe gelesen, dass man einem Kind erklären soll, welche Folgen seine Untat für ein anderes Kind hat. Und dass man es erinnern soll, wie es sich gefühlt hat, als es auch mal in so einer Situation war. Und dass man Kindern so Empathie anerzieht und sie lehrt, ein besserer Mensch zu wer...
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Freitag, 2. September 2016
Kneifen, Hauen, Beißen
Vera, die mit ihrem Freund in Hessen lebt und einen Sohn und eine Tochter (zweieinhalb und sechs Monate) hat, hat mir folgende Mail geschrieben:
Mein Großer ist jetzt 2,5 Jahre alt und momentan fühle ich mich wie die totale Versagerin. Er kam mit 1 Jahr in die Kita (nur 4 Vormittage), kur...
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Montag, 23. Mai 2016
Ein ganz anderes Level
8 wesentliche Gedanken zum Leben mit Kindern.
Wir waren eine Woche in Dänemark und ich hatte zwei Erziehungsbücher dabei, um mir neue Anregungen zu holen für meinen Blog und für mein Coaching. Die Familie schlief noch, in den Dünen pickte ein noch kinderloses Fasanenpärchen und ich kämpfte mich d...
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Mittwoch, 9. März 2016
10 Erziehungs-Fallen
Guckt mal, für „Brigitte-Mom“ habe ich 10 Erziehungs-Fallen aufgeschrieben:
http://mom.brigitte.de/schlau-werden/erziehungsfallen-1271566/
Foto: Hrecheniuk Oleksii/shutterstock
Immer fröhlich bleiben!
Eure Uta
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Mittwoch, 17. Februar 2016
Substanz
Warum Kinder Führung brauchen.
In unserem Vorort gibt es einen kleinen Schmuckladen, in dem die Inhaberin unter Aufsicht ihres Hundes die Geschäfte treibt. Eine Türglocke braucht die Frau nicht, weil der Hund bei jedem Kunden schier ausrastet. Wütendes Gebell, die Zähne gefletscht, die Stimme so ...
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Freitag, 29. Januar 2016
Familiärer Führungskräftemangel
Keine Konsum-Debatten mit Kleinkindern führen.
Ich bin gefragt worden, ob ich meinen Post „Familiärer Führungskräftemangel“, der als Gastbeitrag auf dem „Wertvoll“-Blog erschienen war, noch einmal bringen könnte, weil der Link dorthin nicht mehr funktioniert. Sehr gerne. H...
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Mittwoch, 29. Juli 2015
Eltern und Tanten der handfesten Art
Warum es sich lohnt, seinem Erziehungs-Typ treu zu bleiben.
Heute war ich beim Friseur, weil ich morgen einen Pressetermin habe wegen meines Buches (es kommt am 6. August in den Handel!). Meine Friseurin liegt noch in Italien am Strand. Deshalb war ich bei einer Kollegin. Sehr nett. Eher der ...
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Sonntag, 12. Juli 2015
Angst vor dem Entgleiten
Eltern fangen schnell an zu drohen und zu strafen, dabei haben sie – auch ohne solche „Hebel“ – mehr Einfluss als sie denken.
„Und dann steh‘ ich vor dem großen Kerl und kann nichts mehr machen. Ich kann ihn mir ja nicht wie früher unter den Arm klemmen, ins A...
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Sonntag, 21. Juni 2015
Der 3. Weg bei kleinen Kindern
Was tun, wenn Junior (4) sich nicht die Zähne putzen lässt.
Ich werde mal gedanklich durchspielen, wie der „3. Stil“ in der Erziehung bei kleinen Kindern aussehen könnte. Ich schreibe das hier nicht, weil bei mir immer alles perfekt lief. Im Gegenteil. Meine Reaktionen waren wie eine...
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Freitag, 12. Juni 2015
Erziehen ohne zu strafen
Über den 3. Weg zwischen Strenge und Haltlosigkeit.
Gerade lese ich von Thomas Gordon “Die neue Familienkonferenz”. Das ist ja ein Klassiker. Das heißt, der eigentliche Klassiker ist seine erste Fassung “Die Familienkonferenz”, 1972 in Deutschland erschienen, ein We...
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Mittwoch, 14. Januar 2015
Glückliche Familie Nr. 262: Die Gefühls-Keule
Beim Italiener saß am Nebentisch eine Frau mit ihrem vierjährigen Sohn. Theo hatte vom Kellner Papier und Buntstifte bekommen, verlor aber bald die Lust am Malen und kletterte auf dem Schoß seiner Mutter herum. Er zog an dem Kragen ihrer Bluse und verdrehte die Kette.
"Hör bitte auf damit." Mutter konnte sich kaum noch mit der Freundin unterhalten, sprach rotgesichtig unter Theos Arm hindurch und gelangte nur unter großen Verrenkungen an Olivenöl und Brot. Theo verschärfte sein Programm, zog an ihrem Ohr, kniff sie in den Hals.
"Du schimpfst gar nicht." Der Junge ließ die Kette los und schaute seine Mutter groß an. "Ich mag Schimpfen nicht", sagte die Frau, "wir wollen doch lieb zu einander sein. Aber es macht mich traurig, wenn du mir weh tust."
Und Theo will es wissen. Ist meine Mama ein selbstbewusster Mensch aus Fleisch und Blut oder ein Dummy für meine Experimente?
Ich glaube, dass die breite Psychologisierung unserer Gesellschaft seit dem Psychoboom der 70er Jahre uns einen leichten Knacks verpasst hat. Wir lehnen Autorität ab und halten Macht für eine gefährliche Sache. Wir schlagen und demütigen unsere Kinder nicht mehr. Gott sei dank! Aber irgendwie sind viele von uns (ich eingeschlossen) auf der anderen Seite vom Pferd gefallen. Wir glauben, alles mit erklären, verstehen, reden, sich über Gefühle austauschen ... lösen zu können. Und wenn das dann nicht funktioniert, sind wir so verunsichert, dass unsere persönliche Autorität verloren geht. Leider spüren Kinder das sehr genau.
Eltern trauen sich nicht mehr zu sagen: "Ich will das nicht" oder das Kind zu nehmen und ohne große Worte auf den Boden zu setzen.
Manche Eltern trauen sich nicht mehr, ungebremst sie selber zu sein.
Stattdessen setzt Theos Mutter die "Gefühls-Keule"ein. "Es macht mich traurig, wenn du mir weh tust."
Als wäre Theo verantwortlich für die Gefühle seiner Mutter. Nicht Theo macht sie traurig. Sie fühlt sich schlecht, weil sie nicht eingetreten ist für ihre eigenen Grenzen. Das kann sie nicht dem Vierjährigen in die Schuhe schieben.
Wenn man das ständig so macht (gerne genommen wird auch "ich bin enttäuscht von dir" oder umgekehrt "Es macht mich glücklich, dass du eine 1 in Mathe hast"), erzieht man Kinder dazu, sich verantwortlich zu fühlen für die Gefühle ihrer Eltern und anderer Menschen. Eine unglaubliche Bürde.
Ich weiß, das ist ein sehr schmaler Grat. Auch ich habe schon geschrieben, man solle authentisch sein und Ich-Botschaften senden. Aber authentisch wäre in Theos Fall zu sagen: Stufe 1: "Hör auf damit, ich will das nicht." Stufe 2: "Ihn zu nehmen und wieder auf seinen Stuhl zu setzen." Und nicht: "Ich bin traurig, wütend, enttäuscht ...".
- Entschieden einstehen für seine eigenen Grenzen. "Ich will das nicht!"
- Die eigenen Gefühle nicht als Hebel in der Erziehung einsetzen.
- Wenn ich ein verheultes Gesicht habe und die Kinder fragen "warum?", erkläre ich natürlich, dass ich traurig bin, weil zum Beispiel ein guter Freund so schwer erkrankt ist, aber ich setze meine Gefühle nicht als Druckmittel gegenüber den Kindern ein.
Eure Uta
Mittwoch, 7. Januar 2015
Glückliche Familie Nr. 261: Geburtstag und Erkenntnisse
Weil die Fotos heute überhaupt nicht zum Text passen, fange ich mal damit an.
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| Prinzessin (14!) hatte gestern Geburtstag und bekam viele Kissen geschenkt. Das Hintere ist selbst genäht, die weiche Pistole ist von "Smallable". |
Und jetzt kommt, wovon ich schreiben wollte und wozu ich kein Bild hatte.
In den Ferien hatte ich im Freundeskreis verschiedene Gespräche darüber, wie das so läuft mit den Kindern.
Dabei ist mir aufgefallen, dass sich alle Erziehungsprobleme auf die alte Frage
"Sind wir zu nachgiebig oder sind wir zu streng?"
herunterbrechen lassen.
Wenn es nicht funktioniert mit den Kindern, ziehen die meisten den Schluss, sie hätten nicht genug durchgegriffen.
Das läuft so:
Stufe 1: Man hebt das kleine Kind auf ein Schild und lässt sich alles von ihm gefallen, weil es eine so einzigartige Persönlichkeit ist, die man auf keinen Fall in seiner freien Entwicklung einschränken will.
Stufe 2: Dann merkt man, dass das nicht funktioniert, der Alltag chaotisch wird, die Eltern völlig erledigt sind und das Kind irgendwie haltlos ist, und fällt ins andere Extrem. Plötzlich wird das Kind angeschrieen, man holt das Mittel der Strafe aus der Mottenkiste, spricht Fernsehverbote aus, schließt Spielzeug weg.
Stufe 3: Jetzt sind die Eltern noch zerknirschter, weil sie sich einst geschworen hatten, nie, aber auch wirklich nie zu solchen Mitteln zu greifen.
Stufe 4: Das Kind ist auch zerknirscht. Es merkt, dass mit ihm plötzlich irgendetwas falsch ist, dass die Eltern über Nacht böse und gleichzeitig sehr unglücklich geworden sind. Und dann kommt das Kind richtig ins Rotieren, weil Kinder vor allem eins wollen: glückliche Eltern.
Wie vermeidet man es, in diese Falle zu tappen?
- Sich nicht danach richten, was "man" nicht tut oder die Oma erwartet oder die anderen Mütter im Kindergarten, sondern sich hinsetzen und überlegen, was sind meine persönlichen Grenzen für mein Kind? Was will ich nicht? Was stört mich? Was erschwert mir massiv den Alltag? Was sind meine Werte?
- Dann lernt das Kind auch: "Aha, so ein Mensch ist meine Mama, mein Papa!" Danach kann ich mich richten und später (Pubertät) auch fröhlich daran reiben.
- Der Anspruch, konsequent sein zu müssen, ist für viele eine Geißel und beschert Eltern viel Stress und Frust. Auch hier gilt: Ihr seid automatisch konsequent bei Regeln, die euch persönlich ganz wichtig sind. Wenn ihr mal nachdenkt, kommt ihr bestimmt auf Sachen, bei denen ihr konsequent seid und niemand je eine Frage dazu hatte (Schulterklopfen!). Bei uns fällt mir ein, dass immer alle die Straßenschuhe ausziehen, bevor sie nach oben in die Schlafetage gehen. Da gab es nie Stress, weil ich ganz klar darin war, das nicht zu dulden. Weiteres Beispiel: Anschnallen im Auto.
- Niemand kann immer konsequent sein. Und es schwächt Eltern, wenn sie sich dafür herunterziehen. Wenn es etwas Wichtiges gibt, das ihr ändert möchtet, übt darin Konsequenz, aber höchstens für eine neue Sache pro Lebensphase.
- Viele Eltern verbeißen sich in zu viele Ermahnungen: "Tu dies nicht", "Fass das nicht an", "Setz die Mütze auf", "Sitz gerade" ... so werden Kinder "mama-" oder "papa-taub".
- Für mich ist es hilfreich, mir zu sagen: "Uta, du bist hier der Chef." Meine Kinder sind eigenständige Menschen, die sich frei entwickeln sollen, aber solange sie Kinder sind, benötigen sie ein gewisses Maß an Halt und Führung.
- Viele Eltern reagieren auf Probleme mit Härte oder Resignation. So verlieren sie die Nähe zum Kind und alles wird schlimmer.
- Für eine gute Beziehung zum Kind ist hilfreich: klar sagen "Ich will, dass du ..." statt Vorwürfe und Abwertungen, außerdem: gemeinsame Mahlzeiten, schöne Rituale, exklusive Zeit zu zweit, Zuhören, von sich erzählen ...
Dienstag, 9. September 2014
Glückliche Familie Nr. 240: Die Liste
Auf einem Zettel in der Küche notiere ich seit einiger Zeit, welche Punkte ich am wichtigsten finde bei der ganzen Erzieherei.
Hier sind sie: persönlich und professionell, eine Mischung aus Wissenschaft und eigenen Studien, nicht jedermanns Sache, aber mein Herzensanliegen:
Bei einigen Punkten verlinke ich die dazugehörigen Posts.
Los geht's:
- Wenn ich ein Baby habe, lasse ich es nicht schreien. Natürlich schreit es mal, auch stundenlang. Und ich bin fertig und verzweifelt, weil ich nicht weiß warum. Aber ich erhebe das Schreienlassen nicht zur Methode, so nach dem Motto: "Das härtet ab", sondern suche mir Unterstützung, wenn ich nicht weiter weiß. Feinfühligkeit bei Kleinkindern
- Was hilft, ist für jeden etwas anderes. (Vergangene Woche unterhielt ich mich mit einem Osteopathen. Der erinnerte sich mit Schrecken an die Dreimonats-Koliken seiner kleinen Tochter. Was schließlich half, waren Fußreflexzonenmassagen.) Aber es darf bei Babys kein Alleinlassen oder Ignorieren sein.
- Ich reagiere feinfühlig und prompt auf mein Baby. Ich achte auf seine Signale. Wann hat es Hunger? Wann braucht es Trost? Wann will es spielen? Feinfühligkeit bei Kleinkindern
- Körperliche Nähe gibt es im Überfluss: Auf dem Arm halten, streicheln, kuscheln, zusammen lachen, kitzeln, sich Zeit nehmen beim Wickeln ... bei älteren Kinder den Rücken kratzen, massieren oder die Beine eincremen. (Die moderne Bindungsforschung ist sich gar nicht so sicher, welche Faktoren es braucht, damit Bindung entsteht, aber eines ist unstrittig: körperliche Nähe.)
- Wenn ich mein Kind in eine Krippe geben möchte, achte ich darauf, dass es mindestens ein Jahr alt ist. Ich suche eine Krippe aus, die standardmäßig eine vier- bis sechswöchige Eingewöhnung anbietet, ich also jeden Tag in diesen Wochen einige Stunden dabei bleiben kann. (Quelle: Interview mit Bindungsforscherin Fabienne Becker-Stoll, faz-net, 11.8.2014)
- Wenn ich bei dieser Eingewöhnungszeit merke, dass die Atmosphäre nicht stimmt, die Erzieher weder ihren Beruf noch die Kinder lieben, weinende Kinder nicht getröstet werden, die Kleinen nicht angelächelt werden, nehme ich mein Kind und wir beide suchen das Weite oder eine andere Krippe.
- Wenn ich mich entschieden habe, bei meinen Kindern zu Hause zu bleiben oder wieder in den Beruf zu gehen, lasse ich mich von anderen nicht abwerten für diese Entscheidung, egal wie sie ausfällt.
- Erziehungskunst besteht letztlich darin, dass ich erkennen kann, wann braucht mein Kind Hilfe/Nähe/Schutz, wann braucht es Freiraum/Selbständigkeit/Zeit für sich allein. Das gilt für Kinder jeden Alters und für jede Person, die Kinder betreut. Autonomie des Kleinkindes
- Wenn es dem Kind gut geht, geht es den Eltern gut. Wenn es den Eltern gut geht, geht es dem Kind gut. Das ist ein Wechselspiel. Also sorge ich gut für das Kind und gut für uns. Mit Aufopferung ist niemandem gedient.
- Bei Kindern unter acht Jahren verwende ich keine Ironie. Sie verstehen es nicht und es verletzt sie.
- Bei Geschwisterstreit mische ich mich nicht ein. Wenn es mich nervt, schicke ich alle Beteiligten raus oder ins Zimmer oder führe den Hund/die neuen Gummistiefel spazieren. Geschwisterstreit bei Kleinen, Geschwisterstreit allgemein
- Ich akzeptiere es, dass ich als Mama oder Papa eine familiäre Führungskraft bin. Bei aller Achtung vor der Autonomie der Kinder halte ich die Fäden immer in der Hand.
- Für die Stimmung in der Familie sind die Erwachsenen zu 100 Prozent verantwortlich.
- Ich gebe selten Versprechen, aber wenn, halte ich sie ein.
- Wenn ein Kind in einer wichtigen Sache um Erlaubnis fragt, gönne ich mir einen Zeitpuffer. "Ich muss darüber nachdenken, es mit Papa in Ruhe besprechen, eine Nacht darüber schlafen ..." Das erspart viel Ärger und lästige Diskussionen. Zwischen Reiz und Reaktion
- Über einen Jungen im Grundschulalter (und auch noch bei Älteren) erfahre ich viel, wenn ich mich für seine Hobbys interessiere oder mit ihm zusammen bastele oder baue. Keine "Schau-mir-in-die-Augen"- Nummer oder "Wie-geht-es-dir"-Fragen! Das ist eher was für Mädels.
- Ich weiß, dass Jungs im Grundschulalter gerne raufen und höre auf, von Gewaltverzicht zu träumen. Ich verschaffe den Jungs viel Bewegung und sorge für Kontakt zu erwachsenen Männern, die ihnen Regeln beibringen. Jungen und Gewalt, Machos im weiblichen Biotop
- Bei Jungs in der Pubertät kann ich (oder Papa) gute Gespräche führen, wenn wir zusammen joggen oder angeln gehen oder lange im Auto neben einander sitzen.
- Mit Teenagern zusammen am Tisch erzähle ich lieber von meinen Erlebnissen als sie verhörmäßig auszufragen. (Auf diese Weise kommen sie irgendwann auch ins Erzählen und man erfährt, was sie wirklich bewegt.)
- Für mich ist meine Tochter das schönste Mädchen auf der Welt. (Und das gebe ich ihr zu verstehen, nicht den anderen Müttern.) Für dich sind deine Töchter die schönsten auf der Welt ....
- Ich lasse völlig den Vorsatz fallen, als Mutter oder Vater gerecht sein zu wollen. Sonst ziehe ich Kinder groß, die ständig ein "Das ist aber ungerecht" auf den Lippen tragen, egal in welchem Überfluss sie leben. Die Gerechtigkeitsdebatte ist das Einfallstor für viel Geschwisterstreit. Ungerechte Eltern
- Ich habe Freude an Bildung und teile diese Freude mit meinen Kindern. Wer ein Buch möchte, darf sich immer eins kaufen, ausleihen oder runterladen. Auch Kunst und Sport wird nach Kräften unterstützt.
- Ich nehme die Schule nicht zu wichtig. Schule leichter nehmen
- Im Vorschulalter meiner Kinder achte ich auf die liebevolle Atmosphäre in einer Kita und lasse mich nicht von Früh-Englisch oder Ähnlichem blenden. In dem Alter funktioniert Lernen nur, wenn sich die Kinder liebevoll aufgehoben fühlen. Lernen bei emotionaler Sicherheit
- Musik machen, Musik hören, Tanzen, Toben, Kissenschlachten - all das bringt Leichtigkeit ins (Familien-) Leben.
- Kinder brauchen die
fröhlichePräsenz ihrer Eltern. Sie müssen nicht rund um die Uhr bespaßt werden.
- Wenn ich etwas mit dem Kind spiele oder unternehme, tue ich etwas, was mir auch selber Spaß macht. Für das Gehirn ist das eine unschlagbare Kombination: Bindung und Begeisterung. Da bilden sich schneller Synapsen, als man messen kann. Die Gähn-Attacke
- Je besser die Beziehung zum Kind, desto leichter kann ich Einfluss auf das Kind nehmen. Gut zuhören
- Eine gute Beziehung zu haben, heißt nicht, zu allem "Ja und Amen" zu sagen. Als Erwachsener muss ich zu meinen eigenen Grenzen stehen.
- Kinder ab etwa 12 Jahren kann ich nicht mehr erziehen, aber ich kann sie unterstützen, mich für sie interessieren und Regeln des Zusammenlebens vereinbaren.
- Kleine Kinder brauchen eine klare Führung. Ich kann nicht den Dreijährigen bestimmen lassen, welche Schuhe wir kaufen oder was wir zu Mittag essen. Klare Führung bei Kleinkindern, Wenn der Zwerg das Sagen hat
- Aber schon bei kleinen Kindern respektiere ich die unmittelbar körperlichen Bedürfnisse: schlafen oder wach sein wollen, Hunger haben oder satt sein, geküsst werden wollen oder nicht.
- Wenn ich die Grenzen meines Kindes überschreite (viel Zwang, Demütigungen, Herumkommandieren, Nicht-Respektieren ihrer Bedürfnisse...), kann ich sicher sein, dass dieses Kind spätestens in der Pubertät meine Grenzen überschreiten wird. Das Beziehungskonto
- Ich sage mir immer wieder, dass es wahrscheinlich noch nie so schwierig war wie heute, Kindern eine Orientierung zu geben bei all den Lebensmodellen und Erziehungsstilen, die es gibt. Ich klopfe mir selbst freundschaftlich auf die Schulter und gönne mir was Feines.
- Für die eigene Persönlichkeitsentwicklung sind Kinder ideal, weil sie allein durch ihr Sein uns Erwachsene immer wieder in Frage stellen: Wer bist du eigentlich, Mama oder Papa? Für welche Werte stehst du?
- Und schließlich kommt das Unvermeidliche: Immer schön fröhlich bleiben.
Donnerstag, 10. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 230: Wie heißt das Zauberwort?
Als die Fußball-Weltermeisterschaft begann, hat Kronprinz (16) mit ein paar Freunden ein Deutschland-Spiel bei uns im Wohnzimmer angesehen und zwischendurch auf der Terrasse gegrillt. "Wir gehen dann mal", rief ich meinem Sohn zu, denn Soßenkönig und ich waren in der Nachbarschaft eingeladen. "Also, dann tschüss." Ich reckte mich ein wenig, um zu sehen, wer sich draußen eingefunden hatte. "Wir sind jetzt also wirklich weg." Ich grüßte wie Queen Mum bei Paraden und drehte mich zur Haustür, als zwei der Jungs schnell ins Wohnzimmer liefen. Sie begrüßten uns, bedankten sich für die Einladung und wünschten uns einen schönen Abend. Das klingt nach einstudierter Höflichkeit, aber die beiden traten selbstbewusst auf, waren locker und ungezwungen.
Ich bin ja nicht für Dressur-Nummern, aber das war einfach schön. Der Soßenkönig empfand es auch so.
Am nächsten Morgen beim Frühstück sagten wir dem Kronprinzen, dass wir uns sehr über diese Geste von Jasper und Paul gefreut hätten und wagten zu fragen, ob sich der eigene Nachwuchs bei anderen Leuten auch so verhalte.
Unverständliches Grummeln über den Brötchen.
Wir wurden kühn und legten noch nach. "Wir fänden es schön, wenn ihr das bei anderen Leuten auch machtet, also hallo sagen und sich kurz vorstellen."
Nachher dachte ich darüber nach, ob es nicht zu weit ging, das zu sagen. Wünsche ich mir nicht, dass meine Kinder aus sich heraus herzlich sind? Will ich, dass sie es tun, weil ihre Eltern es erwarten oder sie einer Konvention folgen? Sollten sie nicht authentisch sein?
Der größte Verfechter von Authentizität ist Jesper Juul. In dem Büchlein "Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern" ist ein Kapitel überschrieben "Authentisch statt höflich sein". Wenn Juul mal Familien auf der Straße trifft, die er kennt, und diese bringen ihre Kinder dazu, ihm die Hand zu geben, ist ihm das unangenehm. Ihm genüge der Blickkontakt zum Kind und darin könne er lesen, ob das Kind sich freue, ihn zu sehen oder nicht. Ihn südlichen Ländern würden die Eltern ihre Kinder sogar dazu nötigen, ihn zu küssen. Dann würde er sagen, dass er das nicht wolle.
(Mich wollen in südlichen Ländern auch immer alle küssen. Ich kenne das Problem.)
Das Eintreten für Authentizität durchzieht sämtliche Bücher von Juul. Wir Eltern sollen das Rollenspiel sein lassen, nicht tun und sagen, was andere erwarten, uns persönlich ausdrücken, keine floskelhafte Höflichkeit, sondern uns und unseren Kindern erlauben, zu zeigen, wer wir wirklich sind.
Das klingt gut und ich halte das auch für sehr wichtig.
Aber wenn ich zum Grillen und Fußballgucken eingeladen bin, sage ich nur dann "hallo" und "danke", wenn mir in jeder Faser meines Herzens danach ist?
Man kann das mit der Authentizität übertreiben. Es gibt Leute, die sind so authentisch, dass sie schwer für andere und sich selbst zu ertragen sind.
Was ist denn authentisch? Immer das, was ich gerade fühle? Dann sind die Gefühle der Chef und steuern mich.
Gefühle sind wichtige Signale, aber sie dürfen uns nicht komplett in der Gewalt haben.
Bei Juul fehlt mir ein Aspekt und jetzt kommt eine wirkliche Sensation: Dass ich etwas tun kann, wonach mir eigentlich nicht ist, und dass die Tat mich und meine Gefühle verändert.
Ich kann mir angewöhnen, häufiger anzuerkennen, was andere Menschen für mich tun, und die Resonanz darauf gibt auch mir ein besseres Gefühl. Wir heben uns damit gemeinsam auf ein anderes Atmosphäre-Level. Wenn meine Kinder das lernen, wird ihr Leben einfach besser funktionieren.
| Raus aus der Hängematte, wenn Authentizität zum Vorwand wird, sich nicht zu verändern. |
Und was will uns die Erziehungsberaterin damit sagen?
- Dankbarkeit als Haltung leben und mit Jugendlichen darüber reden. Damit sie nicht auf die Idee kommen, die Welt sei darauf ausgerichtet, sie glücklich zu machen. Damit sie selber einen Beitrag leisten in der Welt und die Beiträge anderer anerkennen.
- Mich auch bei meinem Kind bedanken und nicht alles selbstverständlich nehmen. So wie ich nur mitfühlend werden kann, wenn ich Mitgefühl für mich selber erlebt habe, kann ich auch nur dankbar werden, wenn ich die Freude dankbarer Anerkennung am eigenen Leib erfahren habe.
- Als Erwachsene respektvoll miteinander umgehen. Dann können Kinder auf lange Sicht gar nicht anders, als es zu übernehmen.
- Bei Geschenken für kleinere Kinder kann man ruhig mal sagen "Wie heißt das Zauberwort?" oder "Was sagt man?" Das tun Erwachsene gefühlt seit dem Kaiserreich. Aber bitte nicht zu verbissen und Kinder nicht nötigen, das erlösende Wort zu sagen.
- Allerdings finde ich es in Ordnung zu erinnern: "Wolltest du dich nicht noch bei Tim für das Geschenk bedanken?", aber locker bleiben. Einüben, ja, zwingen, nein.
- Wenn vom Kind kein "danke" oder keine Begrüßung kommt, kann man einfach lachen und sagen: "Dann bedanke ich mich mal im Namen meiner Tochter" oder "Dann sage ich mal für uns alle 'hallo'". Aus dem Thema Umgangsformen keinen Kampf machen, aber ruhig vormachen, wie es geht.
- Ein "Hallo" oder "Guten Tag, ich bin der Franz" ist mitteleuropäischer Standard und zu beherrschen wie Zähneputzen. Aber ob ein Kind Oma küssen möchte oder Onkel Frank umarmen möchte, sollte es selbst entscheiden dürfen.
Immer fröhlich und ohne Zwang die mitteleuropäischen Standards vorleben
Eure Uta
Dienstag, 1. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 228: Strafe oder logische Konsequenz?
Ich bin gebeten worden, darüber zu schreiben, was man gegen das Trödeln bei Kindern tun könne.
Das fragt man mich?
Ich erhole mich heute noch von den Kämpfen, die wir mit Kronprinz hatten, weil es Stunden dauerte, bis er die Jacke anzog und den Ranzen schulterte, um endlich in die Grundschule zu gehen. Da war die Cornflakes-Schachtel, in die er Fenster schneiden musste, da tauchte das Lego-Teil auf, das er so lange vermisst hatte, da musste das Zahnpasta-U-Boot im Waschbecken seine Torpedos abfeuern. Regelmäßig waren der Soßenkönig und ich mit den Nerven am Ende, ehe der Tag richtig begonnen hatte.
Wenn man daneben steht, wird es meistens noch schlimmer. Schnell entstehen Machtspielchen und das "Ich zähle bis drei, dann hast du deine Jacke an" nutzt sich auch irgendwann ab. Vor allen Dingen: Was machen Eltern, wenn sie "zwei-drei-viertel" zählen, und die Jacke immer noch am Haken hängt? Das Kind packen und aus dem Haus zerren? Schon mal voraus laufen und hoffen, dass es nachkommt? Fernsehverbot?
Der Kronprinz spürte genau, wie verliebt ich in ihn war (und bin), gerade wegen seiner überbordenden Phantasie und seiner Verträumtheit. Und er musste jedes Mal austesten, wie weit er damit gehen konnte.
Heute weiß ich, da hilft nur Folgendes:
- Sich klar werden, da besteht eine Situation, die ich nicht mehr aushalte.
- Sich bewusst machen, dass man als Eltern eine klare Haltung einnehmen muss. In meinem Fall gab es tief in mir drin eine Wehmut: "Schade, dass mein kleiner Träumer zur Schule muss." Kinder sind Experten im Aufspüren von Unsicherheit und Unentschiedenheit. Die haben es sofort spitz, wenn wir unklar sind.
- Für sich selber eine klare Position formulieren und verinnerlichen: "Der Kronprinz geht ab morgen ohne Stress pünktlich zu Schule. Das ist wichtig für ihn und für mich. Ende-Gelände."
- Ich bleibe ruhig und gelassen und - Achtung, jetzt kommt das Entscheidende - lasse es geschehen, dass er vielleicht einige Male richtig zu spät kommen wird.
- Es kann sinnvoll sein, die Lehrerin (und eventuell den eigenen Arbeitgeber) in dieses Vorgehen einzuweihen.
Ihr ahnt schon, was mein Thema heute ist: die logische Konsequenz.
Wenn meine Teenager ihre Schmutzwäsche nicht in den Wäschekorb tun, wird sie nicht gewaschen.
Wenn es mit dem Zähneputzen bei Kindern im Grundschulalter nicht verlässlich klappt, kaufe ich keine Süßigkeiten.
Wer sein Zimmer nicht einmal die Woche aufräumt, muss damit leben, dass es nicht geputzt wird.
Wer ein Glas fallen lässt, fegt die Scherben auf (oder hilft dabei, je nach Alter).
Wer seine iTunes-Schulden nicht bezahlen kann, arbeitet sie ab (Auto aussaugen, Rasen mähen, Laub fegen).
Wer ständig draußen auf Strümpfen herumläuft, zahlt vom Taschengeld eine kleine Socken-Steuer.
Das kleine Mädchen, das darauf besteht, jeden Morgen in die Kita das Prinzessinnen-Kleid anzuziehen, darf in dieser Ausstattung nur in die Bücherecke und nicht in die Matschzone (kein Zwingen, kein Schimpfen, aber Absprache mit der Erzieherin).
Wer sich nicht mit einem Sonnenschutz-Mittel eincremen lässt, bleibt im Haus.
"Keine Arme, keine Schokolade!" (aus: "Ziemlich beste Freunde")
Diese Maßnahmen klingen hart, sind aber Schimpftiraden oder Strafen deutlich vorzuziehen.
Hier seht ihr die kleinen, aber entscheidenden Unterschiede zwischen logischer Konsequenz und Strafe:
Logische
Konsequenz
|
Strafe
|
direkter Zusammenhang zum Geschehen
|
ohne Zusammenhang, eher Vergeltung
|
Realität bestimmt das Maß
|
oft unangemessen
|
wertfrei
|
enthält oft moralisches Urteil
|
es geht um den Sachverhalt
|
es geht um die Person
|
keine Abwertung der Person
|
demütigend
|
stellt die Beziehung nicht in den
Mittelpunkt
|
gefährdet die gute Beziehung
|
sachlich
|
ärgerliche Grundstimmung
|
das Kind lernt, Verantwortung zu
übernehmen
|
das Kind wird zum Befehlsempfänger und
lehnt sich irgendwann auf
copyright: http://wer-ist-eigentlich-dran-mit-katzenklo.blogspot.de/ |
Es gibt Eltern, die logische Konsequenzen als Strafe einsetzen. Das erkennt man daran, dass sie ihr Kind eine Erfahrung machen lassen und danach sagen: "Siehst du" - "habe ich doch gleich gesagt" - "das passiert eben, wenn man so ein Chaot ist" - "Wer nicht hören will, muss fühlen."
Das sind Sätze aus dem Giftschrank.
Dann gibt es Eltern, die ohne Ende Folgen androhen, aber nie auch nur eine einzige tatsächlich eintreten lassen. Diese machen sich zur Witzfigur für ihre Kinder. Ständig ist schlechte Stimmung und Stress. Nichts wird erreicht.
Das andere Extrem sind die Eltern der harten Schule. Sie sind stolz darauf, dass sie ihre Kinder in jedes Messer laufen lassen, das das Leben so bietet. Diese Kinder werden durchsetzungsfähig und selbstständig, erfahren Familie aber nicht als wärmende Gemeinschaft.
Was funktioniert, ist wieder einmal die Mitte.
Kinder sollten Familie erfahren als einen Ort, wo man sich gegenseitig gerne hilft, man auch mal den Müll rausbringt (Kind) oder auch mal das Turnzeug in die Schule nachbringt (Eltern). Nur wenn eine Erziehungssituation verfahren ist, das Kind sich immer darauf verlässt, dass die Eltern alles wieder hinbiegen werden, sollten die Eltern den Mut haben, das Schiff auch mal auf Grund laufen zu lassen.
Heute verlose ich ein Bilderbuch, in dem sich Lukas und seine Mutter am Ende der Geschichte gegenseitig helfen.
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| Ich habe es antiquarisch erworben, ist aber wie neu. |
Wer mitmachen möchte, schreibe mir eine Situation, wo euch und eurem Kind eine logische Konsequenz geholfen hat. Einsendeschluss ist Samstag, 5. Juli, um Mitternacht.
Immer fröhlich die Kunst üben, Kinder liebevoll zu unterstützen und ihnen Freiräume zu geben für eigene Erfahrungen.
Eure Uta
Mittwoch, 4. Juni 2014
Glückliche Familie Nr. 223: Engele flieg
Ich habe früher gedacht, ich müsste durch meine Stimmung unterstreichen, dass das, was das Kind getan hat, nicht erwünscht ist.
Sandkastensand im ganzen Garten verteilt, Blumentopf umgeworfen und Terrasse geflutet - also wird nicht nur geschimpft, sondern dem Kind durch abweisenden Gesichtsausdruck oder sogar Missachtung zu verstehen gegeben, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist.
Sonst habe ich es nicht so mit den Kategorien "richtig" und "falsch". Aber in dieser Sache kann ich sagen: das ist falsch. Und zwar so was von ...
Dass man spontan ausrastet, das Kind anbrüllt, die Förmchen in die Sandkiste pfeffert - geschenkt.
Dafür sind wir Menschen und keine Erziehungsroboter. Und jedes Kind ist froh, wenn es echte Menschen erlebt und nicht Leute, die pädagogisch wertvoll Eltern spielen.
Ein Kind (und überhaupt Menschen) mit Gefühlen zu manipulieren, ist Gift für das Selbstgefühl.
Dann geht es nicht mehr um die Sache, um Regeln, die eingehalten werden, Grenzen, die gewahrt werden sollen. Dann geht es um die Person. Und die trifft es ins Mark, wenn die Beziehung auf dem Spiel steht.
Denn das ist ja das, was gesendet wird: unsere Beziehung steht auf dem Spiel.
"Dann hat Mami dich nicht mehr lieb."
Ich hoffe, dass niemand mehr einen solchen Satz sagt, aber das Wirkprinzip, das da hinter steckt, wird unbewusst von Generation zu Generation weiter gereicht.
In meinem Elterntraining hatte ich mal angeregt, zur Feier der Zeugnis-Vergabe mit der ganzen Familie Pizza essen zu gehen. "Was?!", empörte sich eine Mutter. "Ich soll dieses miese Zeugnis auch noch belohnen? Das kommt gar nicht in Frage." Sie war entschlossen, wegen der schlechten Noten ihres Sohnes in der Familie anhaltend schlechte Stimmung zu verbreiten.
Hat schon mal jemand erlebt, dass die schulischen Leistungen besser werden, wenn Eltern ihr Kind mit schlechter Stimmung bestrafen?
Für mich ist es das Verdienst des 2011 verstorbenen Familientherapeuten Wolfgang Bergmann, deutlich gemacht zu haben, dass Eltern Grenzen setzen und das Band zwischen sich und dem Kind stärken können.
In seinem Buch "Warum unsere Kinder ein Glück sind" beschreibt er eine Situation im Supermarkt. Mutter steht mit ihrer dreijährigen Tochter in der Schlange an der Kasse, rechts und links Quengelware. Die Kleine mault und meckert, will Kaugummi, unbedingt, nimmt sich Pfefferminz aus dem Regal, muss es zurücklegen, wirft sich heulend auf den Boden ...
Frei nach Bergmann ist Folgendes hilfreich:
- Ich schaue stolz auf mein Kind. Ja, dieses Kind ist sicher gebunden. Es zeigt normales Neugierverhalten, will die ganze Welt erkunden und am liebsten auch besitzen (symbolisiert durch "Ich will Kaugummi"). Ich hebe den Kopf und kann die Blicke der anderen in der Schlange jetzt besser parieren. "Habe ich das nicht wunderbar gemacht mit diesem Kind?"
- Ich gehe zu meinem Kind in die Knie, nehme es in den Arm, puste ihm in den Nacken oder tue, was wir sonst tun, um unsere Verbindung zu stärken, und sage: "So viele Sachen überall um uns rum. Das ist wirklich verlockend. Da kann es manchmal schwer sein, wenn man bei jedem Einkauf nur eine Sache aussuchen darf." (Kind durfte z.B. vorher bestimmen, welche Tomatensauce genommen wird.)
- Wichtig ist: erstens dem Kind zu zeigen, dass man sein Bedürfnis versteht, und ihm zweitens durch Körperkontakt Nähe und Sicherheit zu geben in dieser von Reizen überfluteten Supermarkt-Welt, und drittens in der Sache nicht nachzugeben
In solchen Quengelsituationen beim Einkauf oder bei Ausflügen hilft nicht Machtkampf, schlechte Stimmung oder gar Missachtung, sondern kurze Momente der Nähe, über den Rücken streichen, in den Arm nehmen oder "Engele flieg" spielen. Dann kann das Kind mit einem "Nein" besser umgehen.
"In den frühen Bindungssituationen, im verspielten Miteinander haben sich zwischen Eltern und Kind viele kleine Rituale, Gesten versöhnlicher Art, Berührungen tröstender Art usw. eingeübt. ... Eine davon wenden Sie an. ... und die Welt verliert ihre bedrohlichen Züge und aus dem 'Ich-will-ich-will-nicht' erwächst Beruhigung." (Wolfgang Bergmann: Warum unsere Kinder ein Glück sind. Weinheim und Basel 2009, S. 78)
Nicht mit schlechter Stimmung manipulieren, sondern fröhlich das Band zwischen sich und dem Kind stärken.
Eure Uta
Ps.: Weiß jeder, was "Engele flieg" ist? Falls nicht: Zwei Leute nehmen ein Kind in die Mitte, fassen es an Händen und Unterarmen und lassen es hochfliegen.
Sonntag, 25. Mai 2014
Glückliche Familie Nr. 221: Sich nicht in Grenzen verbeißen
Das Grenzen-Setzen hat mich sehr gestresst, als unsere Kinder klein waren. Besonders der lebhafte Kronprinz war eine echte Herausforderung. Um damit irgendwie klar zu kommen, las ich Bücher wie "Jedes Kind kann Regeln lernen" von Annette Kast-Zahn oder "Warum unsere Kinder Tyrannen werden?" von Michael Winterhoff. Der Soßenkönig und ich besuchten sogar ein Erziehungstraining ("Tripel P"), in dem man lernt, die kleinen "Tyrannen" zeitweise auf einen "stillen Stuhl" zu setzen. Neulich erinnerte sich der Kronprinz (heute 16) an eine solche Situation: "Ich weiß noch, wie ich auf einem Stuhl sitzen musste und nichts sagen durfte."
Mir wurde ganz heiß. Ein Scham-Tsunami flutete meinen Körper.
Wenn ich Disziplin-Pädagogen wie Michael Winterhoff oder Bernhard Bueb in Talkshows erlebte, wurde ich wütend, weil ich ihr Bild vom Kind nicht mochte. "Nein", wusste ich schon damals, "Kinder kommen nicht als Tyrannen auf die Welt." Und wenn wir Erwachsenen auf dem hohen Ross sitzen und meinen, wir müssten sie von klein auf "in Form bringen", läuft etwas gehörig falsch. Trotzdem fühlte ich mich im Alltag oft hilflos. Ich war fasziniert von der überschäumenden Lebensfreude, die Kinder haben, ihrem Einfallsreichtum, ihrer Energie, musste aber auch irgendwie Struktur kriegen in unsere Tagesabläufe und haushalten mit meinen Kräften.
Wie kann man Kinder im guten Sinne führen?
Habe ich darauf heute Antworten, die anders lauten als bei Winterhoff, Bueb oder Kast-Zahn?
Bei meiner Zugreise neulich erlebte ich Eltern mit einem etwa zweieinhalbjährigen Mädchen. Die Kleine aß ein Brötchen und der Vater bestand darauf, dass sie das Brötchen über den Tisch gebeugt aß, damit sie nicht so krümelte. (Das fand ich etwas viel verlangt für ein Kind in diesem Alter. Ich war auch sehr verwundert, wie ein Mann um die dreißig so pedantisch sein kann, aber Grenzen und Werte sind nun mal sehr individuell. Das ist ja auch okay.)
Wie zu erwarten, klappte das krümelfreie Essen nicht. (Das ist häufig so bei Anweisungen, die ein Kind überfordern.) Der Vater begann, in einen Prozess zu geraten, den ich "Sich-in-das-Grenzen-setzen-verbeißen" nenne. "Zu Hause kannst du auch über dem Tisch essen, Luisa. Das wird doch hier nicht so schwierig sein." Er sprach laut und beugte sich drohend über den kleinen Tisch. In Erwartung eines kleinen, feinen Erziehungsdramas verstummten die Gespräche im Großraumabteil. "Supernanny" im Zug hat einfach Unterhaltungswert.
Aber dann mischte sich die Mutter ein.
Sie strich dem Mädchen liebevoll über den Kopf, packte das Brötchen ein, an dem es sowieso nur noch lustlos herum gekaut hatte, hob es in den Gang und begann ein Gespräch mit ihrem Partner. Plötzlich saßen die beiden da, hielten sogar Händchen über den Tisch und sprachen über irgendeine Kunstausstellung, die sie begeisterte.
Das kleine Mädchen hatte inzwischen seitlich am Tisch einen Gurt entdeckt, den es herausziehen und mit dem es spielen konnte. Zwischen den Eltern war es plötzlich ganz innig und Luisa spielte versonnen im Gang.
War das nicht genial von dieser Mutter?
* Sie hat eingegriffen, ohne ihren Partner ins Unrecht zu setzen.
* Das Ziel (Ende des Krümelns) wurde erreicht, das war konsequent, ohne einen Machtkampf auszulösen.
* Sie hat das Mädchen im Arm gehalten, es innig angeschaut und dann in den Gang gesetzt. Das zeigt dem Kind: Wir haben ein paar Regeln, die eingehalten werden, aber das Band, das uns beide verbindet, bleibt davon unberührt.
* Das Kind entspannte sich sichtlich,
- weil es nicht mehr im Fokus erwachsener Aufmerksamkeit stand ("Nein, Luisa, jetzt nicht den Trinkbecher", "Ja, so ist es gut, Luisa", "Rutsche noch ein Stückchen nach vorne", "Du bröselts hier doch alles voll, Luisa" ...)
- weil es beiläufig und unbewusst die Verbindung der Eltern spürte. Dafür haben Kinder evolutionsbedingt eine Antenne, weil sie wissen, dass der Zusammenhalt der Eltern ihr Überleben sichert
Immer fröhlich als familiäre Führungskraft vermeiden, sich ins Grenzen-Setzen zu verbeißen.
Eure Uta



