Unter dem Eindruck eines Lernentwicklungsgespräches.
Anfang der Woche saß ich mit in einem Lernentwicklungsgespräch:
Ein Hamburger Gymnasium. Zwei Lehrer. Eine Mutter. Ein Sohn. Eine Versetzung, die gefährdet ist.
Der Sohn ist keiner, der Null Bock hat. Im Gegenteil. Die Lehrer aber sagen, er hab...
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Mittwoch, 10. Februar 2016
Von der Kraft der Ermutigung
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Donnerstag, 10. Juli 2014
Glückliche Familie Nr. 230: Wie heißt das Zauberwort?
Als die Fußball-Weltermeisterschaft begann, hat Kronprinz (16) mit ein paar Freunden ein Deutschland-Spiel bei uns im Wohnzimmer angesehen und zwischendurch auf der Terrasse gegrillt. "Wir gehen dann mal", rief ich meinem Sohn zu, denn Soßenkönig und ich waren in der Nachbarschaft eingeladen. "Also, dann tschüss." Ich reckte mich ein wenig, um zu sehen, wer sich draußen eingefunden hatte. "Wir sind jetzt also wirklich weg." Ich grüßte wie Queen Mum bei Paraden und drehte mich zur Haustür, als zwei der Jungs schnell ins Wohnzimmer liefen. Sie begrüßten uns, bedankten sich für die Einladung und wünschten uns einen schönen Abend. Das klingt nach einstudierter Höflichkeit, aber die beiden traten selbstbewusst auf, waren locker und ungezwungen.
Ich bin ja nicht für Dressur-Nummern, aber das war einfach schön. Der Soßenkönig empfand es auch so.
Am nächsten Morgen beim Frühstück sagten wir dem Kronprinzen, dass wir uns sehr über diese Geste von Jasper und Paul gefreut hätten und wagten zu fragen, ob sich der eigene Nachwuchs bei anderen Leuten auch so verhalte.
Unverständliches Grummeln über den Brötchen.
Wir wurden kühn und legten noch nach. "Wir fänden es schön, wenn ihr das bei anderen Leuten auch machtet, also hallo sagen und sich kurz vorstellen."
Nachher dachte ich darüber nach, ob es nicht zu weit ging, das zu sagen. Wünsche ich mir nicht, dass meine Kinder aus sich heraus herzlich sind? Will ich, dass sie es tun, weil ihre Eltern es erwarten oder sie einer Konvention folgen? Sollten sie nicht authentisch sein?
Der größte Verfechter von Authentizität ist Jesper Juul. In dem Büchlein "Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern" ist ein Kapitel überschrieben "Authentisch statt höflich sein". Wenn Juul mal Familien auf der Straße trifft, die er kennt, und diese bringen ihre Kinder dazu, ihm die Hand zu geben, ist ihm das unangenehm. Ihm genüge der Blickkontakt zum Kind und darin könne er lesen, ob das Kind sich freue, ihn zu sehen oder nicht. Ihn südlichen Ländern würden die Eltern ihre Kinder sogar dazu nötigen, ihn zu küssen. Dann würde er sagen, dass er das nicht wolle.
(Mich wollen in südlichen Ländern auch immer alle küssen. Ich kenne das Problem.)
Das Eintreten für Authentizität durchzieht sämtliche Bücher von Juul. Wir Eltern sollen das Rollenspiel sein lassen, nicht tun und sagen, was andere erwarten, uns persönlich ausdrücken, keine floskelhafte Höflichkeit, sondern uns und unseren Kindern erlauben, zu zeigen, wer wir wirklich sind.
Das klingt gut und ich halte das auch für sehr wichtig.
Aber wenn ich zum Grillen und Fußballgucken eingeladen bin, sage ich nur dann "hallo" und "danke", wenn mir in jeder Faser meines Herzens danach ist?
Man kann das mit der Authentizität übertreiben. Es gibt Leute, die sind so authentisch, dass sie schwer für andere und sich selbst zu ertragen sind.
Was ist denn authentisch? Immer das, was ich gerade fühle? Dann sind die Gefühle der Chef und steuern mich.
Gefühle sind wichtige Signale, aber sie dürfen uns nicht komplett in der Gewalt haben.
Bei Juul fehlt mir ein Aspekt und jetzt kommt eine wirkliche Sensation: Dass ich etwas tun kann, wonach mir eigentlich nicht ist, und dass die Tat mich und meine Gefühle verändert.
Ich kann mir angewöhnen, häufiger anzuerkennen, was andere Menschen für mich tun, und die Resonanz darauf gibt auch mir ein besseres Gefühl. Wir heben uns damit gemeinsam auf ein anderes Atmosphäre-Level. Wenn meine Kinder das lernen, wird ihr Leben einfach besser funktionieren.
| Raus aus der Hängematte, wenn Authentizität zum Vorwand wird, sich nicht zu verändern. |
Und was will uns die Erziehungsberaterin damit sagen?
- Dankbarkeit als Haltung leben und mit Jugendlichen darüber reden. Damit sie nicht auf die Idee kommen, die Welt sei darauf ausgerichtet, sie glücklich zu machen. Damit sie selber einen Beitrag leisten in der Welt und die Beiträge anderer anerkennen.
- Mich auch bei meinem Kind bedanken und nicht alles selbstverständlich nehmen. So wie ich nur mitfühlend werden kann, wenn ich Mitgefühl für mich selber erlebt habe, kann ich auch nur dankbar werden, wenn ich die Freude dankbarer Anerkennung am eigenen Leib erfahren habe.
- Als Erwachsene respektvoll miteinander umgehen. Dann können Kinder auf lange Sicht gar nicht anders, als es zu übernehmen.
- Bei Geschenken für kleinere Kinder kann man ruhig mal sagen "Wie heißt das Zauberwort?" oder "Was sagt man?" Das tun Erwachsene gefühlt seit dem Kaiserreich. Aber bitte nicht zu verbissen und Kinder nicht nötigen, das erlösende Wort zu sagen.
- Allerdings finde ich es in Ordnung zu erinnern: "Wolltest du dich nicht noch bei Tim für das Geschenk bedanken?", aber locker bleiben. Einüben, ja, zwingen, nein.
- Wenn vom Kind kein "danke" oder keine Begrüßung kommt, kann man einfach lachen und sagen: "Dann bedanke ich mich mal im Namen meiner Tochter" oder "Dann sage ich mal für uns alle 'hallo'". Aus dem Thema Umgangsformen keinen Kampf machen, aber ruhig vormachen, wie es geht.
- Ein "Hallo" oder "Guten Tag, ich bin der Franz" ist mitteleuropäischer Standard und zu beherrschen wie Zähneputzen. Aber ob ein Kind Oma küssen möchte oder Onkel Frank umarmen möchte, sollte es selbst entscheiden dürfen.
Immer fröhlich und ohne Zwang die mitteleuropäischen Standards vorleben
Eure Uta
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Montag, 7. April 2014
Glückliche Familie Nr. 211: Das Ei im Unwetter
Manchmal gerate ich in einen Zustand der Verbiesterung.
Verbiesterung geht so: Man entwickele die Vorstellung, Sohn oder Tochter sei zu (und jetzt beliebig einsetzen)
- zu faul / fleißig
- zu aufgedonnert / schlampig gekleidet
- zu widerborstig / angepasst
- zu schlecht / gut in der Schule
- zu verwöhnt / vernachlässigt vom Vater
- zu snobistisch / anspruchslos
- zu eitel / achtlos, was das Äußere angeht
- zu extrovertiert / verschlossen
- zu frech / harmlos
- zu gesund / ungesund ernährt
- zu chaotisch / stromlinienförmig
Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Für welche schlechte Eigenschaft ihr euch auch immer entscheidet, wichtig ist das "zu". Zu eitel, zu widerborstig, zu gut in der Schule (Letzteres wird seltener von Eltern gewählt) ...
Jetzt müsst ihr nur noch ein verkniffenes Gesicht aufsetzen (passiert automatisch, wenn ihr euch einseitig auf eine Eigenschaft festgelegt habt), dann ist die Verbiesterung fast fertig.
Aber erst, wenn ihr nicht zuhört, keine Fragen stellt und euch in eurer Vorstellungswelt verschließt, erreicht ihr die perfekte Verbiesterung.
Jetzt flutscht es richtig: jedes Ereignis, jede Äußerung wird im Schnellverfahren zur Bestätigung der gewählten Vorstellung genutzt. "Hab' ich doch gleich gesagt, gedacht, gewusst ..."
Ebenso automatisch beginnt der Verstand, die gewählte und als schlecht bewertete Eigenschaft des Kindes dem Partner in die Schuhe zu schieben. Ihr und ich, wir sind ja seit Anbeginn der Zeitrechnung auf der Seite der Guten und haben da auch keine Frage zu. Aber er hat schon immer und das kommt auch aus seiner Familie, also aus meiner garantiert nicht ...
Ich hatte für meine Verbiesterung die Eigenschaft "snobistisch" gewählt. Eines meiner Kinder wollte eine Regenjacke, die teuer war und gut aussah, aber für einen Regenguss etwa so geeignet war wie eine Seidenbluse für eine Schneeschuhwanderung.
Ich kaufte die Regenjacke nicht.
Das war in Ordnung. Und auch das Kind fügte sich in diese Entscheidung. Aber seit dieser Diskussion gab ich der Vorstellung Nahrung, mein Kind sei ein Snob.
Als wir mit der ganzen Familie am Wochenende im Auto saßen, referierte ich die Kaufhausszene und setzte hinzu: "Man muss ja nicht in jedem Unwetter aussehen wie aus dem Ei gepellt." Ich schaute trotzig in den Außenspiegel. Was ich da sah, ließ mich erschrecken, aber nicht aufhören.
"Ich sehe übrigens an seinen Augenfältchen, dass Papa grinst", meinte das betroffene Kind hinten von der Rückbank. Da hatten wir es also wieder, der Soßenkönig fiel mir in den Rücken. Ich war komplett in der Verbiesterungsschleife und fand weitere Belege für meine Snobismus-Theorie: die Klagen über das Gästebett, das zu hart war, die Wünsche, welches unser nächstes Auto sein sollte, die Wahl des größeren Stück Kuchens und die Bitte, bei einem Wochenendseminar, das unser Kind demnächst alleine besucht, nicht mit einem fremden Kind das Zimmer teilen zu müssen.
Das klingt jetzt launig, aber die Stimmung in der Katzenklo-Familie war schon mal besser. Und wie es sich bei einem Glückliche-Familie-Blog gehört, gab es ein Happy-End: ich fand aus der Verbiesterung heraus (Mensch, der Nacken wird auch so steif dabei), gab dem vermeintlichen Snob zu verstehen, für welchen seiner Wünsche ich durchaus Verständnis hätte (nein, nicht die Regenjacke, sondern das Einzelzimmer beim Seminar) und versprach, mich um eine Lösung zu bemühen.
Und siehe da: wir hatten das beste Gespräch, das Kind bot von sich aus an, doch in das Doppelzimmer zu ziehen und meinte schließlich, es werde mit der Situation schon zurecht kommen.
Also weg mit der Verbiesterung und den Vorurteilen über das eigene Kind, Wünsche erst einmal hören und nicht sofort abwerten.
Bei welcher angeblichen Eigenschaft eures Kindes werdet ihr so richtig biestig?
Immer fröhlich bleiben
Eure Uta
Ps: Den Post-Titel habe ich natürlich gewählt, um euch schon ein wenig österlich zu stimmen.
| Ja, fotografiert ihr mal Verbiesterung! Deshalb hier das Stilleben auf unserem Klavier. (Das Nelson-Mandela-Bild ist ein Werk des Kronprinzen, 16). |
Ich hatte für meine Verbiesterung die Eigenschaft "snobistisch" gewählt. Eines meiner Kinder wollte eine Regenjacke, die teuer war und gut aussah, aber für einen Regenguss etwa so geeignet war wie eine Seidenbluse für eine Schneeschuhwanderung.
Ich kaufte die Regenjacke nicht.
Das war in Ordnung. Und auch das Kind fügte sich in diese Entscheidung. Aber seit dieser Diskussion gab ich der Vorstellung Nahrung, mein Kind sei ein Snob.
Als wir mit der ganzen Familie am Wochenende im Auto saßen, referierte ich die Kaufhausszene und setzte hinzu: "Man muss ja nicht in jedem Unwetter aussehen wie aus dem Ei gepellt." Ich schaute trotzig in den Außenspiegel. Was ich da sah, ließ mich erschrecken, aber nicht aufhören.
"Ich sehe übrigens an seinen Augenfältchen, dass Papa grinst", meinte das betroffene Kind hinten von der Rückbank. Da hatten wir es also wieder, der Soßenkönig fiel mir in den Rücken. Ich war komplett in der Verbiesterungsschleife und fand weitere Belege für meine Snobismus-Theorie: die Klagen über das Gästebett, das zu hart war, die Wünsche, welches unser nächstes Auto sein sollte, die Wahl des größeren Stück Kuchens und die Bitte, bei einem Wochenendseminar, das unser Kind demnächst alleine besucht, nicht mit einem fremden Kind das Zimmer teilen zu müssen.
Das klingt jetzt launig, aber die Stimmung in der Katzenklo-Familie war schon mal besser. Und wie es sich bei einem Glückliche-Familie-Blog gehört, gab es ein Happy-End: ich fand aus der Verbiesterung heraus (Mensch, der Nacken wird auch so steif dabei), gab dem vermeintlichen Snob zu verstehen, für welchen seiner Wünsche ich durchaus Verständnis hätte (nein, nicht die Regenjacke, sondern das Einzelzimmer beim Seminar) und versprach, mich um eine Lösung zu bemühen.
Und siehe da: wir hatten das beste Gespräch, das Kind bot von sich aus an, doch in das Doppelzimmer zu ziehen und meinte schließlich, es werde mit der Situation schon zurecht kommen.
Also weg mit der Verbiesterung und den Vorurteilen über das eigene Kind, Wünsche erst einmal hören und nicht sofort abwerten.
Bei welcher angeblichen Eigenschaft eures Kindes werdet ihr so richtig biestig?
Immer fröhlich bleiben
Eure Uta
Ps: Den Post-Titel habe ich natürlich gewählt, um euch schon ein wenig österlich zu stimmen.
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Donnerstag, 7. November 2013
Glückliche Familie Nr. 180: Unser Kinderarzt
Heute bringe ich eine Karte zu unserem Kinderarzt. Eine Dankes-Karte.
Kronprinz (16) und Prinzessin (12) sind seiner Praxis entwachsen, dem Wartezimmer mit dem Holzpferd in der Mitte und den anthroposophisch-bunten Bilderbüchern im Regal, dem Aquarium mit dem Schiffswrack und der Dose mit dem Delfin, der immer schnattert, wenn man sich einen Traubenzucker nimmt.
Einfach wegbleiben ohne ein Wort, das möchte ich nicht.
Denn dem Mann mit der Halbglatze und dem jungenhaften Grinsen verdanke ich viel.
Kaum verließ man das Wartezimmer mit dem bronchitischen Bellen auf mehreren Schößen, kaum schloss sich hinter einem die Tür zum Sprechzimmer, wurde alles gut.
Doktor B. nahm sich Zeit, machte Mut und strahlte meine röchelnden Kinder an, als wären sie die zauberhaftesten Wesen, die seinem Stethoskop je untergekommen waren. Er impfte, nähte Platzwunden, jagte Kopfläuse und besänftigte eines der irrationalsten Geschöpfe, die es auf dem Planeten gibt: die besorgte Mutter.
Meine Spezies also.
War ich erschöpft von durchwachten Nächten und vom Betupfen der Windpocken, reichten zehn Minuten bei Doktor B., um zu wissen, dass ich alles richtig gemacht hatte. Doktor B. und seine Herman-Van-Veen-Stimme waren unser wichtigstes Placebo.
Einmal beichtete ich, dass ich Kronprinz Waffeln gebacken hätte, weil er "Magen-Darm" hatte und nichts anderes essen wollte. Da strich Doktor B. mir über die Schulter und berichtete, er sei gerade von einem Kongress mit der Erkenntnis zurückgekehrt, dass der Körper in Notsituationen zielsicher Signale aussenden würde, welche Nahrung er in diesem Moment bräuchte. Ich hätte - wissenschaftlich betrachtet - also genau das Richtige getan.
So ist Doktor B.
Ich bin mir sicher, er hatte mir zuliebe die Kongress-Ergebnisse stark verkürzt. Aber jedes Mal zog ich mit neuer Kraft an dem schnatternden Delfin vorbei wieder nach Hause.
Gibt es jemanden, dem ihr sehr dankbar seid? Kinderarzt, Hebamme, Säuglingsschwester?
Ich bringe jetzt mal die Karte zum Briefkasten.
Immer fröhlich "Danke" sagen, wenn es irgendwo so eine Seele gibt
Uta
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Donnerstag, 5. September 2013
Glückliche Familie Nr. 166: Held des Tages
Kronprinz (fast 16) kam neulich mit einem Stempelaufdruck aus der Schule. "Held des Tages" stand auf seinem Handrücken. Seine Chemie-Lehrerin hatte ihn und ein paar Mitschüler ausgezeichnet, weil sie über ein Experiment im Unterricht eine ausgefallene Geschichte geschrieben hatten.
Kronprinz zeigte mir den Stempel mit verhohlenem Stolz. Und mich berührte, wie unter der Coolness die Freude durchschimmerte.
Auch einer seiner Kumpel, ebenfalls ein "Tagesheld", hatte zu Hause stolz von dem Titel berichtet. Das erfuhr ich von seinem Vater bei einem Gespräch auf dem Klassenfest.
15 sind sie, fast 16, überragen ihre Mütter und bald auch die Väter.
Tagsüber trinken sie Kaba und abends gelegentlich ein Pils.
Aufbrausend, aggressiv, abweisend können sie sein und dann so verletzlich, dass man sie auf den Schoß ziehen möchte.
Sie strotzen vor Kraft ... und vor Empfindsamkeit.
Kein Wunder, dass sie den Video-Spielen verfallen, wo sie nicht nur Abenteuer erleben, sondern auch den Rausch der Anerkennung.
"Nach jeder Rennstrecke, jedem vollendeten Level, jedem gelösten Rätsel bekommt der Spieler Applaus, Lob und digitale Leckerlis, egal, wie gut oder auch schlecht er die Herausforderungen gemeistert hat.
Zugleich ... wird er zu Höherem angetrieben. Dabei heißt es übrigens nie: 'Das war nicht gut, du musst mehr üben!', sondern 'Das war super! Leg'noch eins drauf, da geht noch was!'"
Das schreiben Tanja und Johnny Haeusler in "Netzgemüse" (S. 180), wo sie auch der Frage nachgehen, welche psychologischen Erkenntnisse Game-Entwickler nutzen, um Spieler in ihren Bann zu ziehen.
"Den Spieler anerkennen und wertschätzen" steht da ganz weit oben.
Warum peilen Eltern und Lehrer für Kinder nicht das nächste Level an?
Warum glauben wir nicht an sie, statt auf ihren Fehlern und Schwächen herumzureiten?
Wie nachhaltig ein wenig Wertschätzung sein kann, entdeckte ich, als ich Kronprinz neulich ein Päckchen Karteikarten in sein Zimmer legte. Vor Monaten hatte ich eine Besorgung für ihn mit dem Aufkleber versehen, den ihr auf dem Foto seht. Er muss ihn sorgfältig abgelöst und auf seine Schreibttisch-Unterlage geklebt haben. Das hat mich sehr gerührt.
Auch wenn das pubertierende Kind vielleicht gerade alle Stacheln ausgefahren hat, es immer fröhlich anerkennen und wertschätzen.
Uta
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Freitag, 5. April 2013
Glückliche Familie Nr. 136: Toxische Selbsteinschätzung
In der vergangenen Woche war ich auf eine Party eingeladen, auf der ich bis auf die Gastgeber niemanden näher kannte. Ich zog meinen Lieblingsblazer der Marke "Selbstwert-Panzer" an und puderte mein Gesicht, bis sich die Nase auf einer Ebene mit den Wangen befand. Als die Wolken des stärksten Deos mein Spiegelbild umwaberten, sprach ich:
"Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist die Souveränste im ganzen Land?"
"Frau Uta, Sie sind die Souveränste im ganzen Land. Selbst wenn niemand das Wort an Sie richten sollte, werden Sie lächelnd durch den Raum schweben.
"Spieglein, Spieglein an der Wand. Aber werde ich mich auch nicht allein und unsicher fühlen?"
"Frau Uta, Sie sind die Unabhängigste im ganzen Land. Alle Gäste werden spüren, dass Sie Ihr Bedürfnis, von anderen anerkannt zu werden, längst losgelassen haben."
"Spieglein, Spieglein an der Wand, wenn aber jemand, der von meiner inneren Freiheit magisch angezogen wird, das Wort an mich richtet, werde ich auch geistreich und schlagfertig sein?"
"Frau Uta, Sie können plaudern mit Wortwitz und Charme, aber der Dieter Nuhr zwischen den tausend Buchdeckeln und auf den vielen Fernsehkanälen ist tausendmal geistreicher als Sie."
Da erschrak Frau Uta und ward gelb und grün vor Neid (durch das ganze Make-up durch). Sie zwängte sich in ihren figurbetonenden Blazer, schnürte fest die Stiefel, die Frau Uta satte vier Zentimeter Größe hinzufügten, und hieß ihr Navi, den Weg zur Party zu finden.
Die Party war okay. Es gab kein Bar-Gestehe (ich hasse Bars, kriege Nackenverspannungen vom Hochgucken zu den Gesprächspartnern, höre nicht zu, weil ich fieberhaft überlege, wie ich ohne Seil auf den nächsten Barhocker komme).
Also kein Bar-Gestehe, sondern Tischreihen, bei denen es kein Entkommen für die Gesprächsopfer gibt.
Es war nett, doch.
Wirklich.
Ganz ehrlich.
Trotzdem laugen solche Veranstaltungen mich völlig aus. Müde und abgekämpft kam ich nach Hause. Und mein Mann meinte, dass meine Small-Talk-Aversion fast einer Behinderung gleich käme.
Wie könnte ich annehmen, dass irgend ein Fremder mit mir über Wertevermittlung im 21. Jahrhundert, den Sinn unseres Daseins oder die Existenz Gottes sprechen wolle?
Recht hat er.
Warum kann ich nicht rumblödeln und dabei ein Carpaccio auf der Zunge zergehen lassen?
Wupps, war ich drin in der Selbstabwertungsschleife.
Dabei hatte ich mir beim Lesen des Buches "Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben" von John Izzo vorgenommen, mich nie, wirklich nieeeee wieder mit dem Thema "Selbstwert" zu beschäftigen, weil es eine solche Energieverschwendung ist "wie hypnotisiert mit einer Art toxischer Selbsteinschätzung" (S. 103, ebd.) herum zu laufen.
Mir ist außerdem klar geworden, dass Menschen, die immer wieder behaupten, sie hätten ein geringes Selbstwertgefühl, furchtbar um sich selber kreisen, statt sich mit all ihren Fähigkeiten in dieses Leben zu schmeißen und Spuren zu hinterlassen.
Jetzt gibt es noch ein Schmuckfoto ...
| "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der entspannteste Kater im ganzen Land?"
... und zwei Schlussfolgerungen:
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
|
Dienstag, 2. April 2013
Glückliche Familie Nr. 135: Das Kind anerkennen, Folge 4
Eine Bilderleiste ist für mich eine Leiste der Anerkennung. Nirgendwo kann man so schön Kinderkunst präsentieren wie auf einer Bilderleiste.
Wir haben unser Wohnzimmer in den vergangenen Jahren mehrfach umgestaltet, aber was immer blieb, war die geliebte Bilderleiste.
Klar ist es auch schön und schnell, Gemälde der Kinder mit Magneten an den Kühlschrank zu hängen. Aber gerahmt im Wohnzimmer bekommt so ein Werk eine ganz andere Aufmerksamkeit. Und auf einer Bilderleiste kann ich täglich neue Bilder stellen und sogar kleine Objekte dazu dekorieren.
Kinder darin zu bestärken, die eigene Schöpferkraft zu entdecken, ist das Größte überhaupt.
Wenn man mal erlebt hat, wie es ist, etwas Eigenes zu erschaffen, hat man für immer eine Möglichkeit, Anerkennung aus sich selbst zu schöpfen.
| Zu Ostern Hasenmaske wieder hervor geholt, die Prinzessin (heute 12) in der Grundschule "geprickelt" hat. |
| Wellenbild in IKEA-Rahmen ohne Glas, Prinzessin in Grundschule |
| Stadtansicht, Graffiti-Farbe mit verschiedenen Folien auf Pappe gesprüht, aktuelles Werk von Kronprinz (15) |
Außer auf der Bilderleiste kann man Kinder-Kunst auch als laminierte Sets auf dem Tisch präsentieren.
| Bild von Prinzessin aus der Vorschul-Zeit im Copy-Shop auf Din-A3-Größe kopiert und laminiert ergibt ein abwischbares Tisch-Set. |
Ein paar Tipps:
- Man sollte nicht bei jeder Krikelei in Verzückung ausbrechen. Mit der Zeit bekommen Eltern ein Gefühl dafür, ob es sich um ein ambitioniertes Werk handelt oder nicht.
- Wenn möglich, sich die Zeit nehmen, ein frisches Gemälde in Ruhe anzuschauen.
- Kein undifferenziertes "gaaaaaaaaaanz toll", sondern so Dinge sagen wie: "Mir gefällt, wie der Räuber guckt", "Das sind genau meine Farben" oder "Dein Bild macht mich fröhlich" (wenn es denn stimmt). Wenn mir aber gerade der Milchreis anbrennt, fällt meine Kunstkritik auch deutlich knapper aus.
- Wer sich zu Äußerungen hinreißen lässt wie "Es gibt aber keine karierten Tannen", "Dieses Haus kannst du noch schöner malen" oder "Die Linie ist falsch" bekommt hier sofort Leseverbot.
Wer hat noch Ideen, wie wir Kinder-Kunst schön präsentieren können?
Immer fröhlich Kinderbilder rahmen und auf Bilderleisten stellen
Uta
Bilderleisten gibt es in verschiedenen Längen hier.
Das Wellenbild aus Prinzessins Grundschulzeit ist eine geniale Bastelidee ... finde ich. Dazu wird ein ganzes Zeichenblock-Blatt mit blauer Wasserfarbe angemalt, nach dem Trocknen in wellenförmige Querstreifen geschnitten und schuppenartig auf ein anderes Blatt geklebt. Dann können die Kinder noch Fische, Algen, Boote, Schwimmer usw. malen und zwischen die Wellen stecken. Besonders schön sieht es aus, wenn die Fische Schuppen aus Silberpapier aufgeklebt bekommen.
Samstag, 23. März 2013
Glückliche Familie Nr. 132: Das Kind anerkennen, Folge 3
Heute geht es darum anzuerkennen, wenn Kinder im Haushalt mit anpacken.
Hier das Beispiel:
Die neunjährige Bea hilft, den Großeinkauf aus dem Auto ins Haus zu tragen. Mutter reagiert so:
a) Ich sage gar nichts. Das ist doch selbstverständlich. Ich musste früher zu Hause ganz anders mit zulangen.
b) "Danke, ich bin froh, dass du mir hilfst. Nach der Grippe bin ich noch ganz wackelig auf den Beinen. Ich hätte es heute kaum allein geschafft."
c) "Schön, dass du dich auch mal regst. Es geschehen in diesem Haushalt noch Zeichen und Wunder."
| Kronprinz (15) beim Staubwischen, gestelltes Bild |
zu a) Als wir dieses Thema mit Müttern und Vätern im Elterntraining besprachen, wurden einige ganz schnippisch. "Pah, ich soll auch noch 'danke' sagen, wenn Sohnemann sich herablässt, endlich mal seinen Teller abzuräumen?"
Natürlich macht man nicht bei jeder kleinen Hilfe den Kniefall. Das wäre inflationär, unehrlich und würde in seiner Wirkung verpuffen. Aber bei den Kindern von klein auf dafür zu sorgen, dass man einander unterstützt und das auch gegenseitig anerkennt, macht vieles leichter. Das ist wie eine familiäre Klima-Erwärmung (nur ohne Ausrotten von Eisbären).
zu b) Ihr ahnt es, hier ist wieder Frau Mustermann am Werk. Kein pauschales Lob aus der Gießkanne, sondern ein persönliches Dankeschön aus der Situation heraus. Mutter macht deutlich, dass Bea in dieser Situation (Mutter noch geschwächt von der Grippe) einen wichtigen Beitrag für sie geleistet hat. Bea merkt: Es hat einen Unterschied gemacht, ob sie da war oder nicht. Ein Grundbedürfnis für jeden Menschen auf dieser Welt.
Mir gefällt das Danken viel besser als das Loben.
Loben geschieht eher aus einer überlegenen Position heraus. Der Schulmeister lobt den Schüler, der erfahrene Erwachsene das tölpelhafte Kind. Daumen rauf, Daumen runter.
Danken ist gleichwürdiger und macht den Beitrag klar, den der andere für mich geleistet hat. Und wenn ich darin Vorbild bin, wird das wirksamer sein, als wenn ich den Kindern meinen Finger in den Rücken bohre und ihnen zuraune: "Sag' Tante Hildegard 'danke' für die Schokolade."
zu c) Nicht schlimm, wenn einem mal ein solcher Satz entfährt. Hat das aber Methode, müssen sich Eltern nicht wundern, wenn ihnen in der Pubertät noch deutlich schärfere Sätze um die Ohren fliegen.
Ironie ist eine spitze Waffe. Anerkennung und Wertschätzung lassen sich damit schwer vermitteln.
Und Achtung! Kinder verstehen Ironie erst ab acht oder neun Jahren.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreiben könntet, in welcher Situation ihr euch ausdrücklich bei einem Kind bedankt habt.
Immer fröhlich dankbar sein
Uta
Sonntag, 17. März 2013
Glückliche Familie Nr. 130: Das Kind anerkennen, Folge 2
Bei einer Umfrage* in deutschen Unternehmen wurden die Beschäftigten gefragt, was sie sich von ihren Chefs wünschen. Interessanterweise war auf Platz 1 der Wunschliste nicht mehr Geld, mehr Urlaub oder ein größeres Büro, sondern mehr
Anerkennung
"Lob hat ... direkte Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, der die Arbeitsbereitschaft und Arbeitsfähigkeit steuert", schreibt der Mediziner und Psychotherapeut Joachim Bauer **.
Anerkennung ist also ein wichtiges Thema für uns alle. Aber manchmal wissen wir gar nicht, wie wir die Leistungen unserer Kinder angemessen anerkennen können.
Deshalb gibt es noch mehr Beispiele:
Die drei Kinder der Familie Meinert haben ihre Zeugnisse bekommen.
a) Dem Jüngsten, der sich trotz Lernschwierigkeiten in Deutsch verbessert hat, schenkt der Vater spontan ein PC-Spiel.
b) Die ganze Familie geht abends zu ihrem Lieblingsitaliener und feiert den Abschluss des Schulhalbjahres beim Pizza-Essen.
c) Die Eltern haben eine Tabelle angelegt: Für jede 'Eins' im Zeugnis gibt es 4 Euro, für jede 'Zwei' 2 Euro, für jede 'Drei' 1 Euro.
zu a) Ich kann den Vater gut verstehen. Das klingt nach echter Freude und Erleichterung. Und warum sollte er dem nicht Ausdruck verleihen?
Ja, die Geschwister könnten das als ungerecht empfinden. Aber was ich von verbissenen Gerechtigkeits-Debatten in Familien halte, könnt ihr hier nachlesen.
Nicht jeder Erfolg in der Schule sollte eine Shopping-Orgie nach sich ziehen. Aber als Spontan-Beglückung für ein schwächelndes Familienmitglied finde ich das okay.
zu b) Mit diesem Vorschlag war eine Teilnehmerin meines Elterntrainings gar nicht einverstanden. "Zur Belohnung essen gehen? - Die faule Socke hat doch das ganze Halbjahr nichts getan", schnaubte sie und meinte ihren Sohn.
Ob "faule Socke" oder Arbeitstier - ich würde alle mit zum Pizza-Essen oder in die Eis-Diele nehmen. Hier geht es weniger darum, eine Leistung zu belohnen als vielmehr das Ende eines Schuljahres zu feiern. Solche Rituale geben Kindern Halt und Kraft. Wie gerne erzählen auch ausgewachsene Menschen noch "Bei uns gab es früher immer ...".
Bei uns hat sich ganz schlicht Schokoladen-Pudding eingebürgert. Große Schüssel voll, viel Sahne drauf und jede Menge "Smarties". Für meine Kinder gilt folgende Gleichung: Zeugnis = schokoladig + bunt. Es gibt schlechtere Konditionierungen, oder?
zu c) Pädagogen halten wenig davon, Kinder für Schulleistungen zu bezahlen. So würde man Kinder darauf trimmen, für ihre Eltern zu lernen und nicht für sich selber.
Für wichtiger halte ich den Aspekt, dass häufig in einer Geschwister-Reihe sehr verschiedene Kinder sind: Tom schafft ohne zu lernen eine 'Zwei' in Englisch, während seine Schwester Sophie mit viel Fleiß eine 'Vier plus' schafft. Sophies Erfolg findet bei einer nach Noten gestaffelten "Bezahlung" keine Würdigung. Ein Unding.
Bei uns gibt es Zeugnis-Geld nur von den Großeltern. Das ist wie Weihnachts-Geld. Es kommt unabhängig von der Leistung des jeweiligen Enkelkindes, es liegt keine Wertung darin und die Kinder freuen sich darüber.
Ich fasse zusammen:
- auch wenn es auf den ersten Blick nichts zu belohnen gibt, sollte man feiern, dass ein Arbeitsabschnitt zu Ende gegangen ist
- Rituale stärken Kinder
- Anerkennung in Wort und Zeichen ist wichtiger als Belohnung mit Geld
- bei Anerkennung gibt es kein "richtig" und "falsch", einen Menschen zu sehen und zu würdigen, was er tut, ist immer besser als nichts
Immer schön fröhlich bleiben
Uta
PS: Thema der nächsten Folge: "Wenn mal richtig schlechte Noten kommen"
*Adolf Timm: Die Gesetze des Schulerfolgs, Seelze-Velber 2009, S. 25
** ebd.
** ebd.
Mittwoch, 13. März 2013
Glückliche Familie Nr. 128: Das Kind anerkennen, Folge 1
"In der Familie eine Kultur der Anerkennung schaffen" - das war in den Elterntrainings, die ich mit einer Kollegin angeboten habe, ein wichtiges Thema.
Um mit den Eltern darüber ins Gespräch zu kommen, haben wir einen kleinen Test gemacht.
Habt ihr Lust, euch in den folgenden Situationen zu überlegen, wie ihr reagieren würdet?
In kursiv findet ihr darunter, was
1. Der elfjährige Tom erzählt, dass er in der Mathe-Arbeit eine 'Zwei' hat.
a) Mutter: "Toll, wie ist die Arbeit denn insgesamt ausgefallen? Luis hat bestimmt wieder eine 'Eins', oder?"
b) Mutter: "Wow, da hast du dich ja deutlich gesteigert. Lass mal sehen." Mutter schaut sich das Heft an, stellt Fragen ...
c) "Klasse! Zeig Mal!" Vater blättert in der Arbeit: "Ach, Mensch, eine 'Zwei' ist ja schön, aber das sind ja Leichtsinnsfehler! Hast du dich mal wieder nicht konzentriert!?"
zu a) Ich (Uta) beiße immer in die Tischkante, weil ich zu gerne wüsste, wie Lea, Sophie, John und Alina abgeschnitten habe. Aber wir alle wissen: Nicht vergleichen! Was sollte es über mein Kind aussagen, dass es in Mathe besser oder schlechter ist als andere Kinder. In dem Notenspiegel, den die meisten Lehrer unter die Arbeit schreiben, kann ich ja sehen, wie mein Kind im Klassenvergleich steht. Wenn ich es aber inquisitorisch nach den Noten seiner Mitschüler frage, infiziere ich es mit dem furchtbaren Virus der "Vergleicheritis". Nicht machen!
zu b) Hier haben wir eine Vorzeige-Mutter, die in unserem Test die höchste Punktzahl bekommen würde. Sie vergleicht das Kind nur mit sich selbst ("du hast dich gesteigert"), nicht mit anderen, erkennt seine Leistung an und zwar nicht wegwischend pauschal, sondern indem sie sich die Arbeit anguckt und konkret sagt, was sie anerkennt.
Bis zu "Lass mal sehen!" bin ich meistens wie unsere Frau Mustermann. Aber - ehrlich gesagt - habe ich meistens keine Lust, mir Klassenarbeiten näher anzusehen (bis auf Aufsätze). Und dann möchte ich das meinen Kindern auch nicht vorspielen, nur weil es pädagogisch wertvoll wäre.
Bis zu "Lass mal sehen!" bin ich meistens wie unsere Frau Mustermann. Aber - ehrlich gesagt - habe ich meistens keine Lust, mir Klassenarbeiten näher anzusehen (bis auf Aufsätze). Und dann möchte ich das meinen Kindern auch nicht vorspielen, nur weil es pädagogisch wertvoll wäre.
Ich freue mich über gute Noten, achte aber darauf, das Thema "Schule" zu Hause nicht zu hoch zu hängen. Meistens verkneife ich mir auch zu fragen, ob es diese oder jene Arbeit zurück gab.
zu c) Bei diesem Vater würde die Elterntrainierin tadelnd eine Augenbraue hochziehen. Eine gute Leistung so madig zu machen. Das ist ein vergiftetes Lob.
Ich habe aber auch schon so reagiert. Vielleicht nicht so gemein formuliert, aber wenn wir gemeinsam für eine Arbeit geübt haben und es passieren so unnötige Fehler, kann ich mir manchmal nicht verkneifen zu sagen, welche Note möglich gewesen wäre, wenn ... Grrrrrrrrr.
Ich habe aber auch schon so reagiert. Vielleicht nicht so gemein formuliert, aber wenn wir gemeinsam für eine Arbeit geübt haben und es passieren so unnötige Fehler, kann ich mir manchmal nicht verkneifen zu sagen, welche Note möglich gewesen wäre, wenn ... Grrrrrrrrr.
2. Die zwölfjährige Elisa ist eine gute Schülerin, ohne dass sie sich anstrengen muss. Wie so oft kommt sie mit einer 'Eins' nach Hause.
a) "Super! So ein Ergebnis, ohne dass du großartig gelernt hast. Du bist einfach genial."
b) Ich sage gar nichts, weil ich nicht will, dass ihr die guten Noten zu Kopf steigen.
c) Mutter sagt: "Ich bin natürlich nicht überrascht. Ich möchte dir aber mal sagen, dass ich sehr beeindruckt bin, wie du die Schule meisterst."
zu a) Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Fett enthält, nein, dass es Kinder eher motiviert, wenn man sie für ihre Anstrengung lobt als für ihre Begabung ("du bist ja so genial!"). Ich kann es allerdings nicht falsch finden, meine Kinder von Zeit zu Zeit herum zu wirbeln und ihnen zu sagen, dass sie einfach wunderbar sind (Bei Kronprinz, 15, hat es sich allerdings ausgewirbelt. Der ist inzwischen so groß und stark, dass er Mutter herumwirbelt und ihr sagt, wie genial sie ihm auf den Keks gehen kann.)
Also: Von seinen Kindern und ihren Begabungen begeistert zu sein, kann ich nicht falsch finden, auch wenn schulische Leistungen angeblich steigen, wenn wir die Anstrengung loben.
zu b) Wer beim Elterntraining diese Antwort ankreuzt, darf sich gleich mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke stellen.
zu c) Da haben wir wieder unsere Frau Mustermann. Sie ist ehrlich ("bin nicht überrascht"), erkennt ihre Tochter an ("wie du die Schule meisterst") und verwendet sogar eine Ich-Botschaft ("Ich bin beeindruckt", statt "du bist toll").
Ich fasse zusammen:
- Kind nicht mit anderen vergleichen
- Kind höchstens mit sich selbst vergleichen (hat es sich gesteigert, ja oder nein?)
- tendenziell stärker die Anstrengung würdigen als die Begabung
- nicht darauf lauern zu erfahren, ob es diese oder jene Arbeit schon zurück gegeben hat
- viel mehr als Zensuren interessiert es Kinder, wer in der Pause mit ihnen gespielt hat oder warum der Freund ihnen das Radiergummi geklaut hat, und genau so soll es sein
- das Thema "Schulnoten" zu Hause nicht zu hoch hängen
- sich mit den Kindern freuen, wenn sie ihr Potenzial entfalten können, egal auf welchem Gebiet
Weil es mir gefällt, die Frau Doktor Sommer in Erziehungsfragen zu geben, ist dies der Anfang einer kleinen Serie (oder ist euch das zu viel Text?).
In den nächsten beiden Folgen wird es um folgende Themen gehen: "Gute Noten mit Geld belohnen?", "Das Kind, das sich anstrengt und trotzdem schlecht in der Schule ist" und "Anerkennung für Arbeit im Haushalt".
Immer schön fröhlich Frau Doktor Sommer lesen
Uta
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