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Dienstag, 20. März 2018

Seelen-Kratzer vermeiden

Wie wir mit Papier und Stift unsere Beziehung zum Kind deutlich verbessern können Der Tipp, den ich euch jetzt vorstelle, ist so wirksam, dass ich es kaum erwarten kann, diesen Beitrag zu veröffentlichen. Ihr müsst nur dafür sorgen, dass ihr immer ein Blatt Papier und einen Stift in greifbarer Nä...
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Sonntag, 8. Oktober 2017

Interview-Partner gesucht

Hast du in deiner Familie ein großes Unrecht erfahren und magst du davon erzählen? Heute wende ich mich mit einem Aufruf an euch. Ich habe den Auftrag bekommen, für einen Artikel in einem hochwertigen Magazin eine Frau oder einen Mann zu interviewen, auf die oder den Folgendes zutrifft: du bist...
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Donnerstag, 10. August 2017

Countdown

Wie es sich anfühlt, wenn die Kinder das Haus verlassen. Ende August beginnt der Kronprinz sein Studium in Rheinland-Pfalz, Anfang September fliegt Prinzessin für ein Schuljahr nach Kanada (zum Glück mit Weihnachtspause bei uns). Kawsar, unser afghanisches Gastkind, lebt wieder bei ihrer Familie...
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Mittwoch, 5. Juli 2017

Lauter Kuchen auf der Weide

Wie ein Kind sich unsere Sprache aneignet und warum es so beglückend ist, ein „Herzbrücke“-Kind bei sich aufzunehmen. Ab jetzt darf ich Kawsar alias Sadia auf meinem Blog zeigen und bei ihrem richtigen Namen nennen. Vorher hatte ich die Auflage von ihrem gesetzlichen Vormund in...
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Sonntag, 21. Mai 2017

Genesung im Zeitraffer

Wie Sadia nur knapp eine Woche in der Klinik verbrachte. Heute vor einer Woche haben wir einen Dolmetscher mit Sadia telefonieren lassen. Er sollte ihr sagen, dass ihr Herz am anderen Tag operiert werden würde. Wir fanden es sinnvoll, es sie erst am Abend vorher wissen zu lassen, damit sie das...
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Montag, 17. April 2017

Familienzuwachs

Die Online-Coachings gehen zu Ende und wir nehmen ein Kind aus Afghanistan bei uns auf. Seit einer Woche laufen drei Online-Coachings und es sammelt sich eine Fülle von Material hier. In den nächsten Tagen werde ich das erste Protokoll eines der Coachings posten. Ich will mich sputen, denn in...
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Freitag, 10. März 2017

10 aus 25 Fragen an Mütter: Mechelke

Interview und Bekanntgabe der Gewinnerin meiner Verlosung. Ich sende Müttern, Vätern, Omas, Opas und anderen Kinder-Experten 25 Fragen, von denen sie 10 oder mehr Fragen auswählen, auf die sie antworten möchten. Heute: Mechelke lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern (5 und 2) in Bremen.  ...
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Sonntag, 4. Dezember 2016

8 kleine Alltags-Erleichterer

 

Wenn kleine Kinder nörgeln und man keine Idee hat, woran es liegen könnte, sind sie oft einfach hungrig oder müde. Von Jesper Juul habe ich gelernt, körperliche Bedürfnisse von Kindern zu achten und ihnen zum Beispiel kein Essen aufzudrängen. Nun habe ich in dem Buch „slow family...
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Dienstag, 11. Oktober 2016

Einfacher leben in einem Clan

Was für Menschenkinder „artgerecht“ ist.
Als ich in der vergangenen Nacht auf den ersten Anruf des Kronprinzen aus Kanada wartete, erlaubte ich mir, den Brief zu lesen, den unsere Nachbarin ihm zum Abschied geschrieben hat.
Wir können uns noch sehr gut daran erinnern, als du vor fün...
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Freitag, 16. September 2016

Die idealen Großeltern

Die idealen Großeltern …
 

… sind begeistert, Enkel zu haben und verbringen gerne Zeit mit ihnen,
… unterstützen die junge Familie, sagen aber auch ehrlich, wann sie lieber ihren eigenen Interessen nachgehen wollen,
… lassen sich nicht ausnutzen und stehen offen zu d...
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Donnerstag, 23. Juni 2016

Familie als Mobile

Wisst ihr, worauf ich wirklich stehe?

Wenn jemand plötzlich bereit ist, etwas neu zu sehen, neu zu denken, neu zu machen.


Wenn Eltern sagen: „So wie das in unserer Familie läuft, will ich das nicht mehr. Und ich übernehme die Verantwortung dafür. Ich fange bei mir an und gucke, was ich ä...
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Dienstag, 17. Mai 2016

Luther und ich

Von Botschaften an Zimmertüren und warum Teenager auch Bereiche brauchen, in denen sie nicht die Bedingungen der Erwachsenen erfüllen.
Wie ihr wisst, arbeite ich gerne mit Schildern, damit ich im Familienleben nicht so viel herummeckern muss. Außerdem macht es mir Freude, Schriften und kleine Ra...
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Freitag, 22. April 2016

Der kleine Wassermann und Prinzessin Quietsch-Fuß

Als Kronprinz und Prinzessin sechs und drei Jahre alt waren, war ich in erster Linie Mama, habe aber ein wenig freiberuflich als Journalistin gearbeitet. Damals hatte ich noch keinen Kopierer zu Hause und musste mit den beiden nachmittags in einen Copy-Shop fahren. Ein unvergessenes Erlebnis. Es ...
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Mittwoch, 9. März 2016

10 Erziehungs-Fallen

Guckt mal, für „Brigitte-Mom“ habe ich 10 Erziehungs-Fallen aufgeschrieben:
http://mom.brigitte.de/schlau-werden/erziehungsfallen-1271566/
 
Foto: Hrecheniuk Oleksii/shutterstock
 
Immer fröhlich bleiben!
Eure Uta

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Freitag, 19. Februar 2016

Anspruchsvolles Bürschchen

Um wie viel leichter wir Lösungen finden, wenn wir die vorschnellen Bewertungen lassen.
Gerade bin ich sehr stolz auf mich.
Kronprinz (18) fragte, ob ich heute morgen das Auto bräuchte oder ob er mit meinem Auto zur Schule fahren dürfe, er sei spät dran.
Ich dachte mir:
Das ist ja nicht mein Pro...
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Mittwoch, 3. Februar 2016

Fundstücke

Was mich in diesen Tagen inspiriert hat.
Über Lernsoftware habe ich in meinem vorletzten Post geschrieben und wie sehr sie – richtig eingesetzt – Lehrer entlasten und Schüler individueller fördern kann. Aber nichts, gar nichts, ersetzt natürlich eine gute Lehrerin, einen guten Leh...
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Mittwoch, 29. Juli 2015

Eltern und Tanten der handfesten Art

Warum es sich lohnt, seinem Erziehungs-Typ treu zu bleiben.
Heute war ich beim Friseur, weil ich morgen einen Pressetermin habe wegen meines Buches (es kommt am 6. August in den Handel!). Meine Friseurin liegt noch in Italien am Strand. Deshalb war ich bei einer Kollegin. Sehr nett. Eher der ...
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Mittwoch, 28. Januar 2015

Glückliche Familie Nr. 265: Lernen im Ausland


Wir waren mit Prinzessin (14) auf einem Info-Abend über Auslandsaufenthalte für Schüler. Auf der Heimfahrt im Auto habe ich sie noch einmal gefragt, warum sie ins Ausland gehen möchte.

"Ich finde das gut mit so einer festen Struktur im Internat, mit diesen gemeinsamen Zeiten zum Lernen. Meinetwegen darf man mir auch mit einem Löffel auf den Kopf hauen, wenn ich mich wieder ablenken lasse." -

"Hallo?"-

"Ja, zu Hause ist immer so viel Ablenkung." -

"Aber ich könnte dir auch eine feste Struktur bieten und ganz streng werden. Und Löffel haben wir auch." -

"Du? Tut mir leid, Mama, aber dich kann ich einfach nicht ernst nehmen." -

"Was?????"

 Fast verlor ich die Kontrolle über das Auto.

"Ich meine das nicht böse. Wir sind eine lustige Familie und das ist auch gut so. Aber vielleicht brauche ich mal was anderes."

Sehnsucht nach Struktur.





Michaela Schonhöft schreibt in ihrem Buch "Kindheiten. Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden", dass Jugendliche in Japan einen durchgeplanten Tagesablauf haben:
"Japaner setzen neben der frühen Deeskalations-Erziehung auch auf Beschäftigungs-Therapie. ... Die Schulen bieten ein umfangreiches AG- und Clubprogramm und sorgen auch in den Ferien für Entertainment. Die Jugendlichen bewegen sich also in einem engen Rahmen, ohne dass die Eltern sich groß um Kontrolle kümmern müssen. Ganztagsschulen, Nachhilfe am Wochenende und Ferienkurse sind also vielleicht gar keine so schlechte Idee, um Teenager nicht zu sehr in Versuchung zu bringen, über die Stränge zu schlagen." (Schonhöft, Seite 323)

Ich bin dagegen, Kinder (besonders kleine Kinder) zu verplanen und ihre Nachmittage mit Kursen voll zu stopfen. Aber dass es manchen Jugendlichen Halt gibt, zusammen mit Gleichaltrigen eine klare Tagesstruktur mit einem Wechsel aus Pflichten und Freizeit zu erleben, kann ich mir gut vorstellen.

Wer mit Jugendlichen zu tun hat, jongliert mit diesen drei "Bällen".


Nähe - Freiheit - Struktur


Wir brauchen also ein Internat, das nicht nur Struktur bietet (gemeinsame Phasen des Lernens, klare Regeln, kein WLAN), sondern auch eins, das Nähe zu festen Bezugspersonen bietet. Man hört immer wieder, dass Lehrer in angelsächsischen Ländern einen persönlicheren Kontakt zu ihren Schülern pflegen. Das bestätigten auch Paulina und Johannes, zwei Schüler, die an dem Info-Abend über ihre Erfahrungen in Neuseeland und USA berichteten. "Mein Lehrer dort", erzählte Johannes von seiner Zeit in Idaho, "hat sich eher verhalten wie ein Freund als wie ein Lehrer."

"Sie haben immer wieder gefragt", so Paulina, "ob ich im Unterricht auch mitkomme oder ob ich noch Material oder Hilfe brauche."

Noten für mündliche Beteiligung gab es dort nicht. Johannes: "Im Zeugnis stand bei jedem  eine 1 für Anwesenheit."

Eine 1, einfach weil du da bist. Was ist das denn für eine schöne Idee?!

Johannes erzählte auch, dass jeder Lehrer an seiner Schule in Idaho ein eigenes Büro hat. Welch eine Wohltat für alle Beteiligten! So haben Schüler eine Anlaufstelle für ein persönliches Gespräch und ein Lehrer kann sich im Schultrubel mal zurückziehen, kann sein Material und seine Bücher sicher deponieren und die Freistunden zum Arbeiten nutzen. Wäre das nicht wunderbar, wenn es das auch in Deutschland gäbe?
(Ihr merkt schon, dass ich auf meinem Blog die wesentlichen Schulreformen anstoße: Yoga im Stundenplan und Rückzugsräume für Lehrer.)

Aber zurück zu den Plänen von Prinzessin.

Wenn wir im englisch-sprachigen Raum eine Schule finden mit einer klaren Struktur, einem starken Gemeinschaftsgefühl und Lehrern mit persönlichem Engagement für ihre Schüler, wären wir im nächsten Jahr bereit, Prinzessin ein paar Monate zu entbehren.

Immer fröhlich jonglieren mit Freiheit und Struktur und vor allem (das passiert leicht in der Pubertät) die Nähe* nicht vergessen.

Eure Uta


*zusammen essen, kochen, Film gucken, joggen, mit dem Hund gehen, backen, lange Auto fahren, ....

Mittwoch, 7. Januar 2015

Glückliche Familie Nr. 261: Geburtstag und Erkenntnisse


Weil die Fotos heute überhaupt nicht zum Text passen, fange ich mal damit an.

Prinzessin (14!) hatte gestern Geburtstag und bekam viele Kissen geschenkt. Das Hintere ist selbst genäht, die weiche Pistole ist von "Smallable".


Die sind auch selbst gemacht. Man achte bitte auf das Label, einem Geschenkband, das ich eingenäht habe. Jeden Tag muss ich ins Zimmer laufen, um dieses Herz anzuschauen. Prinzessin ist schon schwer genervt. 



Und jetzt kommt, wovon ich schreiben wollte und wozu ich kein Bild hatte.

In den Ferien hatte ich im Freundeskreis verschiedene Gespräche darüber, wie das so läuft mit den Kindern.

Dabei ist mir aufgefallen, dass sich alle Erziehungsprobleme auf die alte Frage

"Sind wir zu nachgiebig oder sind wir zu streng?"

herunterbrechen lassen.

Wenn es nicht funktioniert mit den Kindern, ziehen die meisten den Schluss, sie hätten nicht genug durchgegriffen.

Das läuft so:

Stufe 1: Man hebt das kleine Kind auf ein Schild und lässt sich alles von ihm gefallen, weil es eine so einzigartige Persönlichkeit ist, die man auf keinen Fall in seiner freien Entwicklung einschränken will.

Stufe 2: Dann merkt man, dass das nicht funktioniert, der Alltag chaotisch wird, die Eltern völlig erledigt sind und das Kind irgendwie haltlos ist, und fällt ins andere Extrem. Plötzlich wird das Kind angeschrieen, man holt das Mittel der Strafe aus der Mottenkiste, spricht Fernsehverbote aus, schließt Spielzeug weg.

Stufe 3: Jetzt sind die Eltern noch zerknirschter, weil sie sich einst geschworen hatten, nie, aber auch wirklich nie zu solchen Mitteln zu greifen.

Stufe 4: Das Kind ist auch zerknirscht. Es merkt, dass mit ihm plötzlich irgendetwas falsch ist, dass die Eltern über Nacht böse und gleichzeitig sehr unglücklich geworden sind. Und dann kommt das Kind richtig ins Rotieren, weil Kinder vor allem eins wollen: glückliche Eltern.


Wie vermeidet man es, in diese Falle zu tappen?
  • Sich nicht danach richten, was "man" nicht tut oder die Oma erwartet oder die anderen Mütter im Kindergarten, sondern sich hinsetzen und überlegen, was sind meine persönlichen Grenzen für mein Kind? Was will ich nicht? Was stört mich? Was erschwert mir massiv den Alltag? Was sind meine Werte? 
  • Dann lernt das Kind auch: "Aha, so ein Mensch ist meine Mama, mein Papa!" Danach kann ich mich richten und später (Pubertät) auch fröhlich daran reiben.
= Persönliche Grenzen lassen sich viel besser durchsetzen als abstrakte.

  • Der Anspruch, konsequent sein zu müssen, ist für viele eine Geißel und beschert Eltern viel Stress und Frust. Auch hier gilt: Ihr seid automatisch konsequent bei Regeln, die euch persönlich ganz wichtig sind. Wenn ihr mal nachdenkt, kommt ihr bestimmt auf Sachen, bei denen ihr konsequent seid und niemand je eine Frage dazu hatte (Schulterklopfen!). Bei uns fällt mir ein, dass immer alle die Straßenschuhe ausziehen, bevor sie nach oben in die Schlafetage gehen. Da gab es nie Stress, weil ich ganz klar darin war, das nicht zu dulden. Weiteres Beispiel: Anschnallen im Auto.
  • Niemand kann immer konsequent sein. Und es schwächt Eltern, wenn sie sich dafür herunterziehen. Wenn es etwas Wichtiges gibt, das ihr ändert möchtet, übt darin Konsequenz, aber höchstens für eine neue Sache pro Lebensphase. 
= Konsequenz braucht man für wenige "Basics", die restlichen Entscheidungen dürfen sich nach der Tagesform richten.

  • Viele Eltern verbeißen sich in zu viele Ermahnungen: "Tu dies nicht", "Fass das nicht an", "Setz die Mütze auf", "Sitz gerade" ... so werden Kinder "mama-" oder "papa-taub".
= Weniger (Verbote) ist mehr.

  • Für mich ist es hilfreich, mir zu sagen: "Uta, du bist hier der Chef." Meine Kinder sind eigenständige Menschen, die sich frei entwickeln sollen, aber solange sie Kinder sind, benötigen sie ein gewisses Maß an Halt und Führung. 
= Was man braucht, ist eine Kombination aus eigener Lebensfreude, Nähe zum Kind und gelegentlichem Durchgreifen.

  • Viele Eltern reagieren auf Probleme mit Härte oder Resignation. So verlieren sie die Nähe zum Kind und alles wird schlimmer.
  • Für eine gute Beziehung zum Kind ist hilfreich: klar sagen "Ich will, dass du ..." statt Vorwürfe und Abwertungen, außerdem: gemeinsame Mahlzeiten, schöne Rituale, exklusive Zeit zu zweit, Zuhören, von sich erzählen ...
= Je schlechter die Beziehung, desto weniger Einfluss habe ich auf das Kind.


Immer fröhlich auch mal durchgreifen und gleichzeitig die Nähe zum Kind pflegen. Diese Kombination ist unschlagbar.

Eure Uta 

Dienstag, 30. Dezember 2014

Glückliche Familie Nr. 260: Statt Kreuzverhör


Bevor der Weihnachtsrummel begann, habe ich in dem Buch "Die Liegenden" des italienischen Kolumnisten Michele Serra gelesen. Mit "Die Liegenden" ist sein 18jähriger Sohn und seine Freunde gemeint, weil sie ihr Leben meist im Liegen verbringen: mit Kopfhörern auf den Ohren und einem Handy fest verwachsen mit dem Mittelhand-Knochen.

Es gibt Stellen, über die ich sehr lachen musste und die das Leben mit Heranwachsenden treffend beschreiben:
"Alles bleibt an, nichts wird ausgeschaltet. Alles steht offen, nichts wird geschlossen. Alles wird angefangen, und nichts beendet."
Man könnte noch ergänzen:

Alles wird ausgebreitet, nichts wird eingesammelt.

Alles wird benutzt, nichts wird geputzt.

Alles wird nachts erlebt, weniges am Tage.

Alles wird den Freunden erzählt, weniges den Eltern.

Alles wird gesucht, nichts wieder gefunden.

Alles geht besser mit Chips, selten mit Vollkorn-Dinkel-Ingwer-Keksen.

Alles beginnt mit einem Blick in den Spiegel, nichts läuft ohne Deo.

Alles mit Käse Überbackene schmeckt, nichts mit weichem Gemüse.


Viele Eltern finden diese Zeit anstrengend. Wenn wir das Alter unserer Kinder (17 und 13) nennen, werden wir meistens bedauert. Ganz anders meine Freundin Katrin. Als wir unseren Freunden die Bilder vom Herbsturlaub zu viert zeigten, rief Katrin plötzlich: "Das ist die beste Zeit. Man kann so tolle Gespräche mit ihnen führen."

Katrin und ihr Mann können gerade nur den Hund betüdeln. Die Tochter studiert sechs Zugstunden entfernt, der Sohn verbringt ein Schuljahr im Ausland. Als wir unsere Freunde neulich zum Essen einluden, waren sie ganz selig, dass unsere Kinder mit am Tisch saßen. Dabei hatten wir gerade dem Kronprinz einen giftigen Blick zugeworfen, weil er halb unter dem Tisch auf sein Smartphone schielte. "Selbst das fehlt mir so", seufzte Katrin, "diese netten kleinen Konflikte."

Das mit den tollen Gesprächen ist wahr. Deshalb stimmt der Punkt "Alles wird den Freunden erzählt, weniges den Eltern" nicht ganz.
Gut: Es gibt Phasen da habe ich bessere Gespräche mit dem Labrador von nebenan als mit meinen Kindern.
Aber man muss nur zuwarten. Mal bin ich nachts vor einem Spätfilm versackt, als der Kronprinz von einer Party kam und wir bis in die Morgenstunden gesprochen haben. Mal saß ich im Urlaub auf einem Stein vor dem Ferienhaus und bewunderte den Sternenhimmel. Plötzlich erschien im Dunkel unsere Prinzessin (13), packte sich auch auf den Stein und hat mir in allen Details das komplizierte Beziehungsgeflecht ihrer Freundinnen erklärt.
Die Konstellationen am Himmel sind ein Witz dagegen, das sage ich euch.


Die Weihnachtskarte von Prinzessin (13) für ihre Eltern. 

Für solche Gespräche muss man Durststrecken aushalten, immer irgendwie in Beziehung bleiben und darf nichts erzwingen.

Und man muss Gelegenheiten schaffen.

Mein Mann geht deshalb laufen. Es kann regnen, es kann schneien - Vater und Sohn binden die Laufschuhe und haben die besten Gespräche. "Wie läuft es so?" - "Muss ja."
Nein wirklich, sie sprechen über Berufspläne, Zimmerpreise in Großstädten, Lautsprecher-Designs ... Wenn sie wieder kommen, stehen die Haare windgetunet über ihren roten, glücklichen Schwitzgesichtern. Und mein Mann hat tausend mal mehr über den Kronprinzen erfahren, als wenn er ihn ins Kreuzverhör nehmen würde.

Meine Gelegenheiten sind Rückenkratzen, Füßemassieren und Kochen (keine Sorge, alles räumlich und zeitlich getrennt). Den Sandwichtoaster aufheizen oder das Waffeleisen, Popcorn in den Topf werfen und eine DVD in den Player oder einen Kakao machen mit Sahne und Schokostreuseln. Das sind alles gute Gründe, sie herunter zu locken aus ihren Zimmern. Und dann kann es sein, dass sie den Kakao mit nach oben an den Rechner nehmen (= Durststrecke) oder sie bleiben viel länger als gedacht am Tisch und wir sprechen über Gott und ihre Welt.

Und jetzt, bevor dieser Post und das Jahr zu Ende geht, ist es wieder höchste Zeit, mein Lieblings-Pubertäts-Zitat von Jesper Juul zu bringen:

"Was unsere Kinder in der Pubertät von uns brauchen, ..., ist eigentlich nur das: zu wissen, auf dieser Welt gibt es einen oder zwei Menschen, die wirklich glauben, dass ich ok bin. Das brauchen sie. Viele von uns haben keinen solchen Menschen in unserem Leben. Mit einem kann man gut überleben, mit zwei kann man wunderbar leben. Doch das ist nicht unsere Tradition als Eltern. Wir verhalten uns eher wie Lehrer, sitzen mit einem Rotstift da und schauen, was noch nicht richtig ist. Das ist weder für die Kinder hilfreich noch für die Eltern." (Jesper Juul: Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht. Gelassen durch stürmische Zeiten. München 2010, Seite 23)

Wie schafft ihr Gelegenheiten, den Kindern zu geben, was sie in der Pubertät brauchen?

Immer fröhlich im alten und im neuen Jahr mit den "Liegenden" das Leben genießen.

Eure Uta