Dienstag, 13. März 2012

Glückliche Familie Nr. 23: Gleichwürdigkeit


Vergangene Woche haben Prinzessin (11) und Kronprinz (14) ihr Erspartes zusammen getan und sich eine Playstation gekauft. Geburtstage, Weihnachten, Zeugnisgeld von Oma und Opa ... da war Einiges zusammen gekommen.

Als ich sie in den Elektronikfachmarkt fuhr, hatte ich einen Kloß im Magen. Tue ich das Richtige? Ist es gut, dass sie so viel Geld haben? Sollte ich sie nicht überzeugen, es für etwas Sinnvolles auszugeben? Bücher, Ausbildungsfond, Schreibtischstuhl, "Brot für die Welt" ...

Die Bewertung "sinnvoll" ist ja tatsächlich eine Frage des Standpunkts. War es sinnvoll, dass ich neulich unsere alten Stehlampen ausrangiert habe, um eine Design-Lampe zu kaufen?
Und sollten die beiden mit ihrem eigenen Geld nicht machen dürfen, was sie wollen? Fehlinvestitionen eingeschlossen?

Zwischen den Regalen mit i-Pads, i-Pods und Joysticks konnte ich den beiden kaum folgen. Drei Jungs im Grundschulalter standen wie paralysiert vor einem Bildschirm. "Was machen die?", frage ich den Kronprinz. "Die spielen Playstation." Na, super!

Als wir den Karton mit der Playstation samt Zubehör in den Kofferraum legten, machte Kronprinz die "Säge" und seine Schwester tanzte um ihn herum. Es war, als hätte er das Tor erzielt und sie vorher die Flanke geschossen.

Dass die Spielkonsole die Geschwister offensichtlich zusammen schweißen konnte, versöhnte mich mit ihrem Kauf und die Gedanken, die ich mir zu Hause darüber machte:

  • Verwöhnen im materiellen Sinne ist schädlich, wenn es ein Ersatz sein soll für Zeit mit und Nähe zu den Eltern. 
  • Kinder werden automatisch an dem Lebensstil teilhaben, den ihre Eltern pflegen. Ich halte wenig davon, wenn Eltern ihre Kinder künstlich knapp halten, wenn sie zum Beispiel zwei neue Autos fahren, aber ihren Kindern nur gebrauchte Fahrräder zubilligen. Solche erzieherischen Maßnahmen tragen den Charakter von "Ich erteile dir eine Lektion" und laufen der Idee von gleichwürdiger Beziehung zwischen Eltern und Kindern zuwider.
  • Wenn Kinder erleben, dass die Eltern sich regelmäßig neue Sachen gönnen, ist ihnen schwer zu vermitteln, warum sie verzichten sollen. Schnell sind wir als Eltern dann in einem Beziehungsgefälle und neigen dazu, den Kindern von oben herab zu dozieren, dass sie mit Geld noch nicht umgehen und noch nicht arbeiten können und dürfen. Das Kind wird in Defiziten wahrgenommen und auf diese hingewiesen. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird darunter leiden.
  • Das Vorbild der Eltern ist am wirksamsten. Wenn Kinder erleben, dass die Eltern sparen und großzügig sein können, begeistert arbeiten und sich genussvoll ausruhen können, wenn sie mal ins Hotel gehen, aber auch im Zelt schlafen können, nehmen sie viel für ihr eigenes Leben mit. Freudlose, vor Moral triefende Sparsamkeit kann genauso furchtbar sein wie nackter Materialismus. 

Immer schön fröhlich bleiben

Uta




Montag, 12. März 2012

Tipp für Zwischendurch: Job-Zettel


Manche Erkenntnisse kommen aus den Niederungen des Alltags. Denen möchte ich keinen "Glücklichmacher"-Status geben. Deshalb gibt es von Zeit zu Zeit einen "Tipp für Zwischendurch".

Am Abend vor unserer Abreise habe ich auf kleine Kärtchen Jobs für die Kinder geschrieben. Zum Beispiel "Mülltonnen von der Straße holen", "Spülmaschine ausräumen", "Süßigkeitendosen für die Reise füllen" und natürlich "das Katzenklo sauber machen".

Ich habe die Kärtchen auf dem Tisch ausgebreitet und jeder konnte sich seine Jobs aussuchen. Es wurde kurz verhandelt und getauscht und die ersten Sachen gleich erledigt. Da war ich wirklich baff.

Sonst bin ich immer ein wenig gereizt, wenn ich Koffer packe. Die Brut lümmelt bis eine Sekunde vor Abreise in ihren Zimmern herum, während die Eltern treppauf und treppab rennen, Pflaster zuschneiden, alle Fenster schließen und die Ersatzsocken für Prinzessin in den Koffer quetschen. Wenn die Kinder dann nicht "zeitnah" einen Koffer ins Auto tragen können, ist meine Urlaubsstimmung auf dem Nullpunkt.

Diesmal war es viel entspannter. Und das haben wir den Kärtchen zu verdanken. Jeder wusste, was er oder sie zu tun hatte. Ich musste nicht ermahnen oder rummeckern. Es schien den Kindern sogar Spaß zu machen, die Kärtchen abzuarbeiten.

Ja, ich habe eine Schwäche für solche Ideen, für Türklinkenschilder, Herzpunktelisten und fröhliche kleine Jobzettel. Kronprinz muss immer grinsen, wenn ich mit dem pädagogischen Basteln beginne.

Aber ich schreibe lieber fröhlich ein paar Zettel oder laminiere ein Motivationsschild als dass ich die genervte Mecker-Mutti gebe.

Immer fröhlich bleiben

Uta

Freitag, 9. März 2012

Glückliche Familie Nr. 22: Jetzt-Modus


Als mein Mann und ich gestern Abend in der Küche standen, kam Prinzessin (11) und schloss uns beide in die Arme. "Ich bin gerade im Schnuckel-Modus." So standen wir einen Moment. Ein Knubbel Familie neben dem Geschirrspüler.

Der "Schnuckel-Modus" hat mir zu Denken gegeben. Gerade bin ich ständig im "Erledigungs-Modus". Wir verreisen morgen. Und da gibt es viel zu erledigen, Listen zu führen, Sachen bereit zu legen, Besorgungen zu machen.


unsere Katzen im "Schnuckel-Modus"


Als ich heute morgen aufwachte, merkte ich, dass ich Freude auf die Liste setzen muss. Wir dürfen die Gegenwart nicht missbrauchen als Material für die Zukunft. Warum sollte es erst schön sein, wenn wir das Ziel unserer Reise erreicht haben, warum nicht schon jetzt?

Der polnische Arzt, Pädagoge und Schriftsteller Janusz Korczak hat einmal geschrieben, Kinder hätten einen Anspruch auf das Jetzt. Wir dürften nicht immer auf ihre Zukunft schielen.

Lern deine Vokabeln! Englisch wirst du später auf jeden Fall gebrauchen.
Du wirst keinen Job kriegen, wenn du nicht mehr für die Schule tust.
Wenn du deine Mütze nicht aufsetzt, wirst du morgen krank sein ...

Nein, lasst sie raus, wenn die ersten Schneeflocken fallen.
Lasst sie tanzen, wenn ihnen gerade danach ist.
Schmeisst mit Kissen, auch wenn die Betten frisch gemacht sind.

Lasst ihnen das Termin-vergessene Nichtstun.

"Im Holzschuppen einem Sonnenstrahl zuschauen, der durch ein Astloch in der Bretterwand hereinfällt, einer Stange aus Licht, die langsam weiterzieht und die jedes Mal, wenn die Henne sich wichtigtuerisch fuchtelnd in ihrer Erdmulde neu zurechtsetzt, mit goldenem Staubwirbel gefüllt wird, so dass sie an Körper zu gewinnen scheint und trotzdem nicht zu fassen ist."
 (Hermann Unterstöger in: Süddeutsche Zeitung Nr. 60 vom 12.3.2002, S. 15) 


Wir haben keine Henne, aber genug Schönes, um sich darin zu verlieren.

Immer wieder in den "Jetzt-Modus" gehen.

Immer schön fröhlich bleiben.

Uta

Mittwoch, 7. März 2012

Glückliche Familie Nr. 21: Sockenklarheit


Glück ist auch in der Sockenkiste zu finden.

Ich habe drei Sockenkisten in meinem Schrank: eine für die Schwarzen, eine für die Blauen und eine für Lauf- und Wollsocken. Die Trennung von Schwarz und Blau habe ich vorgenommen, damit ich nicht in aller Frühe auf die Fensterbank klettern muss, um Sockenknubbel ins erste Morgenlicht zu recken. Ist es nun Nachtblau oder Schwarz, Marine oder ein bläuliches Tiefdunkelgrau?

Die Sockenfarben in einer günstigeren Tageszeit zu ordnen und in Kisten vorsortiert in den Schrank zu legen, ist sinnvoll, kann ich empfehlen. Aber nach vierzig bis fünfzig Sortierdurchgängen, schleichen sich Fehler ein. Inzwischen herrscht ein farblicher Schlendrian in den Sockenabteilungen, der dem Morgen eine unverdiente Trostlosigkeit gibt.

Einige Paare haben sich in der Waschmaschine auseinander gelebt. Andere sind zwar zusammen geblieben, haben sich aber synchron abgenutzt. Kleine Gummifädchen haben sich aus dem Strickbund gelöst und fletschen ans Bein. Die eingestrickte Schuhgröße "38 - 42" besteht nur noch aus verfilzten Knübbelchen. Wenn ich - wie es früher Mutter und Großtante getan haben - mit der Hand in den Strumpf fahre, leuchtet mein Handrücken schweinchenfarben durch die Ferse.
Ein Loch, das wäre ein Statement, aber diese dünnen Stellen, deprimierend.

Heute morgen habe ich beschlossen:
  1. Ich kippe die ganze Blau-Schwarz-Abteilung in den Altkleidersack.
  2. Ich kaufe mir 20 Paare neue Strümpfe.
  3. Ich kaufe keine einzelnen zwischendurch nach, damit alle gleich schön sind und sich nicht einzelne Neue mit der Trostlosigkeit der Alten anstecken.
  4. Ich kaufe Strümpfe wie diese:

Socken-Mondrian

Socken-Farbenkreis 


Sie gehören Kronprinz und sind von H&M. Ich lobe mir eine solche Sockenidee. Während andere Hersteller davon ausgehen, jeder habe ein Oberlichtatelier zum Sockensortieren zu Hause, haben die Schweden an Menschen in dunklen Reihenhäusern gedacht. Sie wussten, dass in jeder Familie die Phase kommt, in der alle 38 - 42 tragen und Leute wahnsinnig werden beim Sortieren. Diese bunten Kanten, die auf links schön breit sind und auf rechts dezent schmal, machen mich glücklich.

Konnte man nicht eher darauf kommen, das ist doch keine Raketenwissenschaft.

Vielleicht mag mancher denken, dass sei ein banales Thema. Aber: Äußere Sockenklarheit bringt innere Klarheit.

Immer schön fröhlich sortieren.

Uta

Montag, 5. März 2012

Glückliche Familie Nr. 20: Alleinzeit für Mama


Der letzte Post trug die Überschrift "Ein Bad für mich allein". Heute heißt er "Alleinzeit für Mama". Ich hätte spontan Lust, eine Serie zu beginnen: "Eine Küche für mich allein", "Ein Computer für mich allein", "Ein Puderpinsel für mich allein"...
Das ist eine typische Nebenwirkung von Schulferien. Entweder es ist so quirlig, dass ich keinen einzigen Gedanken fassen kann, oder es ist so still, dass ich mir sicher bin, nur noch mit Computer-Junkies im Haus zu leben. "Dir kann man es aber auch nicht recht machen, Mama", sagt Prinzessin.

Heute im Morgengrauen war es mir recht. Im Haus war es noch still. Ich saß mit einem Buch und einem Becher Tee am Küchentisch. Glücklichmacher Nummer 1 ("the one and only") musste schon hinaus in die raue Arbeitswelt.




Mit jedem Satz, den ich lese, kommen meine Kräfte wieder. Die vergangenen Tage und das Wochenende waren turbulent, viele Besorgungen, Einladungen, ständiges Telefonklingeln, Übernachtungsbesuch von und bei den Kindern, hier ein Pizzabrot in den Ofen schieben, dort ein Bett überziehen ... Und jetzt diese Stille. Wunderbar. 

"Das Pendel muss zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Einkehr und Rückkehr schwingen", schreibt Anne Morrow Lindbergh. Die Frau muss es wissen. Sie hatte sechs Kinder und machte 1930 als erste US-Amerikanerin ihren Flugschein. 
Ihr Bestseller "Muscheln in meiner Hand" entstand in einer einfachen Hütte am Meer, in die sie sich für wenige Tage zurückzog, um wieder Kraft zu schöpfen. (Wenn man zwei Kinder hat, reicht auch das Gartenhaus, oder? "Tulpenzwiebeln in meiner Hand", der neue Bestseller.)

Sie schreibt, dass die Pflichten des Alltags wie Zentrifugalkräfte sind, die uns von unserer Mitte wegzerren, und dass wir innerlich zerrissen werden, wenn wir keine Zeit für "ruhige, besinnliche Stunden allein, Gebet, Musik, systematisches Denken, Lesen oder Studieren" haben. "Jedes schöpferische Leben, ..., das den eigenen Bedürfnissen entspringt, ist dazu angetan." Ob wir nun bloggen, ein Brot backen, malen oder das Wohnzimmer umdekorieren. 

unsere Mitte finden


Ich finde am besten meine Mitte beim
  • Lesen
  • Schreiben
  • den Schreibtisch Aufräumen
  • Abendspaziergang mit meinem Mann
  • draußen in der Sonne Wäsche Aufhängen
  • die Spüle Polieren
  • Bügeln von Stoffservietten
  • Joggen
"Wenn ich das Inselhafte nicht irgendwie in mir erhalte," schreibt Lindbergh, "kann ich meinem Mann, meinen Kindern, meinen Freunden und der übrigen Umwelt wenig geben."

Mögt Ihr mir schreiben, wie Ihr Eure Mitte findet? 

Immer mal fröhlich allein sein

Uta






Samstag, 3. März 2012

Glückliche Familie Nr. 19: Ein Bad für mich allein


"Er nahm sie bei der Hand, er führte sie zu ihrem Stuhl zurück und war schon mitten in seiner Liebeserklärung, bevor sie noch recht begriff, warum er sie zurückgehalten hatte."
Nicht nur mein Herz, auch das Badewasser gerät in Wallung. Ich rutsche tiefer in die Wanne und halte das Buch über der Brandung. Würde Fanny Price den schneidigen Henry Crawford erhören? Mit tropfenden Fingern blättere ich um.
"Doch er redete weiter, gestand ihr seine Liebe, hoffte auf ihre Gegenliebe und bot ihr schließlich in so klaren Worten, dass selbst sie nicht an ihrem Sinn zweifeln konnte, sein Herz, seine Hand, sein Vermögen an."
Meine Seufzer drücken Höhlen ins Schaumgebirge. Die gute alte Fanny. Will sie Crawford wirklich einen Korb geben, nur weil sie für ihren Cousin, einen hausbackenen Jungprediger, schwärmt?

Das Buch in der einen Hand, greife ich mit der anderen nach dem Edelstahlhebel an der Wand, um eine warme Strömung unter meine Beine zu leiten. Die Haarspülung von Prinzessin stolpert ins Wasser und reißt das Antischuppenshampoo und den Putzschwamm mit. Die Flaschen treiben in der Badewanne wie Müll in einem Hafenbecken. Ich wische die Tropfen von Henry Crawfords Liebesschwur.


Fanny Price und das Schuppenshampoo, das hart gegen Westindien kreuzte  



Der Schwamm beginnt zu sinken, als Sir Thomas, Fannys Onkel, den Raum betritt. Sie aber flüchtet sich ins Ostzimmer, "wo sie in der äußersten Verwirrung widerstrebender Gefühle unruhig umher wanderte. Fanny bebte am ganzen Körper, während sie ihre Gedanken ..." Boing. Ein Faustschlag erschüttert die Badezimmertür. "Mama, ich muss da rein?" - "Och, ne, geh doch unten. Ich liege gerade in der Wanne." - "Nein, ich brauche mein Deo." - "Und ich brauche meine Ruhe."- "Ich muss aber gleich los."

Ich lege den Roman an den Wannenrand und patsche zur Tür. Kronprinz stürzt hinein und räuchert mich mit Deo ein. Seine Schwester und sein Vater stehen plötzlich auch im Bad.
Ich habe doch nur die Badezimmertür geöffnet und keinen sozialistischen Schlagbaum.
Prinzessin sucht den Nagellackentferner, und mein Mann hat sich über das Waschbecken gebeugt. Mit dem Gesicht hängt er vor der Stelle, die er mit meinem Handtuch frei gewischt hat, um an einem Mitesser herum zu quetschen.
Möchten vielleicht die Nachbarn auch noch kommen? Ich hätte noch zwei Stehplätze neben der Toilette zu vergeben.

Sollten wir im Lotto gewinnen, lasse ich mir ein Badezimmer ganz für mich allein einrichten. Mit einer Wanne, an deren Rand schimmernde Muscheln wie angeschwemmt liegen. Mit einem Korbsessel, über den sich die Seide eines Morgenmantels ergießt. Das Bad meiner Träume hätte eine dick gepolsterte Tür, wie man sie in Anwaltsbüros sieht, schallisoliert gegen Familienlärm. Ungestört könnte ich Janes Austens Mansfield Park lesen. Meine Lieblingsbücher stünden auf einem weiß lasierten Bord über dem Korbsessel. Jetzt lagern sie noch im Arbeitszimmer - sozusagen im Trockendock. Literatur, die mit ins Wasser darf, muss am Meer spielen. Zum Beispiel E. Annie Proulxs Schiffsmeldungen oder Katherine Mansfields Erzählung An der Bucht.


Die Invasion meiner Familie ins Bad erinnert mich an meine Teenagerzeit. Damals waren es die älteren Schwestern, die durch meine Intimsphäre latschten. "Was schließt du ab? Bei dir ist sowieso nix wegzugucken."
Schon damals tröstete ich mich mit Literatur. Daran erinnern die Wasserzeichen in den alten Ausgaben. Siddharta klebt in der Mitte zusammen, weil ich in meiner Hermann-Hesse-Phase Orangenöl in die Wanne kippte. Die gesammelten Werke von Jane Austen tragen eine knittrige Dauerwelle. In Mansfield Park sind die Seiten mit Henry Crawfords Heiratsantrag ganz brüchig. Wieder und wieder musste ich lesen, wie der Zampano in den Sog seiner Liebe zu Fanny Price gerät. In solchen Momenten war der Schaum auf meinen Schlüsselbeinen der Kragen eines Empirekleides. Und "Seiner Majestät Schaluppe", auf der Fannys Bruder William zur See fährt, trieb neben meinen Knien. Es war das Schuppenshampoo, das hart gegen Westindien kreuzte.

Hätte ich ein eigenes Bad, würde ich es nach dem Putzen versiegeln lassen. So eine Plakette käme an die Tür, wie die Kripo sie nach der Spurensicherung an die Wohnungstür klebt. Nur dass ich keine Spuren sichern, sondern sicherstellen will, dass es keine Spuren gibt.
Fanny Price - da bin ich mir sicher - hätte es gut getan, nach den Heiratsanträgen eines langen Tages in meinem "Anti-Stress-Bad mit Sandelholz" zu liegen. Vielleicht hätte sie einen Science-Fiction-Roman, der im Jahr 2012 spielt, zur Hand genommen und die Zeit genossen, in der weder ein Prediger noch seine Brut über ihr liebstes Zimmer herfallen.

Immer schön fröhlich bleiben

Uta













Donnerstag, 1. März 2012

Glückliche Familie Nr. 18: Innig bei YouTube


Ich wollte eigentlich einen Post schreiben über Computersucht, x-Box-Abhängigkeit, Playstation-Fieber und Nintendo-DS-Syndrom,    

über Teenager, die stundenlang vor dem PC hängen, rechts die Chips, links einen Energy-Drink,

über Jungs, die wir an I-Tunes verloren haben,

über kräftige Burschen, die anämisch in ihrem Schreibtischsessel hängen, schwacher Muskeltonus, die Haut bleich, die Augen glasig hinter dem Vorhang der Schüttelfrisur,

über Eltern, die das Kind, als es noch rosig war, täglich durch die Natur geschoben haben,

über Eltern, die armdicke Äste nach Hause trugen, weil der Junge sie für das Baumhaus brauchte, Pfützenspringen, Iglobauen, Stöckeschnitzen

über Eltern, die manchmal denken, dass das alles vergebens war, weil die Jungs jetzt als "Jäger in die virtuelle Welt ziehen" (Klaus Hurrelmann) und nicht so gesund leben, wie wir uns das vorgenommen hatten, als wir im Geburtsvorbereitungskurs bewusst in den Beckboden atmeten,

aber dann hatte ich keine Lust auf so einen Jammerpost. 

Ich hatte nämlich gerade begonnen, am Computer über die Computersucht zu jammern, als Kronprinz mir ein Gedächtnistraining am i-Pad zeigte und wir zusammen damit Spaß hatten. Danach haben wir uns zusammen bei YouTube den Film über den Mann angeschaut, der mit seinem behinderten Sohn zusammen den Ironman bewältigt (hier noch einmal). Wir mussten synchron schlucken und schniefen und hatten eine so innige Zeit, dass ich gar keine Lust mehr hatte über den Untergang des Abendlandes zu klagen.

Eine Erkenntnis möchte ich an dieser Stelle aber weitergeben:

An schulfreien Tagen und in den Ferien hat es bei uns geholfen, die Kinder gleich zu Beginn dieser großen Zeit des "Chillens" zu einer Lagebesprechung zusammen zu rufen und die Bedingungen für ungestörtes Computer- oder Nintendo-Spielen zu klären.
Ich habe ihnen gesagt, dass ich gut damit leben kann, wenn sie selbst für Ausgewogenheit sorgen, also auch Freunde treffen, lesen, Sport treiben, draußen sind. Und was soll ich sagen: Es hat in den vergangenen zwei schulfreien Tagen gut geklappt. Kronprinz war zum Schwimmen, hat Freunde getroffen und einigermaßen bereitwillig kleine Hausarbeiten übernommen. Prinzessin war bei den Nachbarskindern (am Computer?), hat alte Fotos angeguckt und ist mit einer Freundin zum Turnen gegangen.

Ich habe festgestellt, ich mache mir lieber die "Mühe" einer solchen Lagebesprechung als den Dingen ihren Lauf zu lassen, immer ärgerlicher zu werden und schließlich den ganzen Tag den Kindern hinterher zu meckern.

Immer schön fröhlich bleiben

Uta